Archive for the 'Raumfahrt' Category

Grand Finale: Cassinis erster Flug durch die Ringlücke

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So hat man sich den ersten Durchflug der 2.000 Kilometer breiten Lücke zwischen Saturns Ring und der Planetenkugel vorgestellt – als Echtzeit-Simulation und als Google Doodle. Seit dem 22. April befindet sich Cassini nun offiziell im letzten Abenteuer – das Grand Finale – ihrer 13-jährigen Saturn-Mission. Carolyn Porco, Cassinis „Kamerafrau“, freut sich sichtlich über das begonnene Finale: „In these final orbits, will also measure ’s rotation rate, composition, ring mass (& age) & more. It’s a whole new mission!“ Und schließlich soll der Orbiter nach wie vor in wenigen Monaten am 15. September 2017 in der Saturnatmosphäre verglühen. Doch nun stand erstmal die erste von insgesamt 22(!) Ringkreuzungen an. Gestern Vormittag um 11:00 MESZ raste die Sonde mit über 120.000 km/h erstmals zwischen Ring und Planet hindurch. Die Hauptantenne wurde dabei in Flugrichtung gedreht und wirkte als Schutzschild, um in der Ringebene die Gefahr von Ringteilchen-Kollisionen zu mindern. 22 Stunden später wurde planmäßig – unter Applauswieder Funkkontakt mit der Erde hergestellt, und die ersten Rohbilder stehen bereits online. Es sind zunächst Aufnahmen der Anflugphase, die Bilder der dichtesten Annäherung folgen noch.

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[Update] Ein Amateur hat die bisherigen Rohbilder der gestrigen Passage zu einem Panorama zusammengesetzt und einen Überflug davon erstellt. Es zeigt einen schmalen Streifen des ausgedehnten Wolkenwirbels (inkl. des zentralen Strudels) auf Saturns Nordpol.

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Ein Saturn-Nordpol-Panorama vom 26.04.2017; Christopher Becke

27.04.2017

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Erste Fotos von der Mondoberfläche per Fax

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Nur 3 ½ Jahre bevor Neil Armstrong und Edwin „Buzz“ Aldrin ihre großen Sprünge für die Menschheit im Mondstaub durchführten, hatte im Space Race noch die Sowjetunion die Nase vorn. Nach dem ersten Satelliten und dem ersten Mann im Weltraum, folgte Anfang Februar 1966 die erste weiche Landung auf dem Mond, so dass Luna 9 vor 50 Jahren die allerersten Fotos von der Mondoberfläche zur Erde funkte. Dazu schrieb der „Spiegel“ damals: „Sekunden nach der Landung meldete sich die sowjetische Instrumentensonde mit erdwärts zirpenden Funksignalen zur Stelle. Begierig lauschten auch westliche Wissenschaftler der russischen Mond-Grille.“ Darunter befanden sich auch die Astronomen des 76 Meter großen Radioteleskopes des Jodrell Bank Observatory bei Manchester. Kurz nach der Landung von Luna 9 am 03. Februar 1966 um 18:45 Uhr Ortszeit verstummte das Funksignal, so dass Direktor Bernhard Lovell schon an einen Fehlschlag – einen erneuten harten Einschlag – glaubte. Ab 18:58 Uhr hörten die Radioastronomen jedoch seltsame Signalgeräusche, auf die sie sich zunächst keinen Reim machen konnten. Schließlich bemerkte Mitarbeiter Reginald Lascelles, zuständig für die Pressearbeit, dass ihn die elektrischen Signale an ein Faxgerät erinnerten. So wurde in Manchester aus der lokalen Zeitungsredaktion der „Daily Express“ ein solches Bildfunkgerät ausgeliehen. Und mitten in der Nacht wurde in London noch ein Techniker mit einem zusätzlich benötigten FM/AM-Konverter losgeschickt, so dass in den Morgenstunden am Radioobservatorium das Equipment für die Datenübertragung zusammengebaut werden konnte. Um 7:00 Uhr war alles einsatzbereit.

Freitagnachmittag ging der fast volle Mond über Jodrell Bank auf. Und dann: Aus den seltsamen Signalen, die das riesige 76-Meter-Radioteleskop vom Mond empfing, druckte das Muirhead-Faxgerät der Journalisten unter staunenden Augen tatsächlich die ersten Fotos von der Mondoberfläche aus. Während dieser über einstündigen Beobachtungssession wurden vier von Luna 9 aufgenommene Mondlandschaften ausgedruckt und binnen 20 Minuten waren diese historischen Bilder an die Redaktionen des „Daily Express“ in Manchester, London und Glasgow übermittelt. So gelang die Presse an die ersten Fotos von der Oberfläche eines anderen Himmelskörpers überhaupt und nur anderthalb Tage nach der Landung zwischen Reiner Gamma und dem Krater Cavalerius erschien der Mond groß auf den Titelseiten. Am Samstag, den 05. Februar 1966 – heute vor genau 50 Jahren -, titelte die „Daily Express“: „From Luna 9 To Manchester – The Express Catches The Moon“. Am selben Tag konnte man die Nachricht und die Jodrell-Bank-Bilder sogar in der DDR-Zeitung „Neues Deutschland“ sehen, während in der Sowjetunion die Nahaufnahmen erst einen Tag später auf der Titelseite der „Prawda“ erschienen sind. Auch wenn die Presse dem sozialistischen Vaterland etwas zuvor kam, wurden zwei Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Luna 9 noch am Samstagabend im sowjetischen Fernsehen gezeigt. Dennoch wird das gehackte Signal und der Datenklau der westlichen Radioastronomen den Politikern und Raumfahrtfunktionären in der UdSSR sicherlich nicht geschmeckt haben. Am 10. Februar folgte in Moskau eine große 2 ½-stündige Pressekonferenz, bei der u.a. das Messergebnis mitgeteilt wurde, dass der Mond kein feststellbares Magnetfeld bestitzt.

Neben der ersten weichen Landung auf dem Mond und den ersten Oberflächenaufnahmen – via Fax und größtem Radioteleskop der Welt – zeigte Luna 9 auch, wie fest der Boden dort überhaupt ist. Der US-Astronom Gerard Kuiper empfahl daraufhin, wie man ebenfalls im „Spiegel“ nachlesen kann, die Astronauten mit schneeschuhähnlichen Fußbrettern auszustatten, um leichter vorwärts zu kommen. Anfang Juni 1966 erfolgte schließlich mit Surveyor 1 die erste weiche Landung einer NASA-Mondsonde – gut drei Jahre vor Apollo 11.

05.02.2016

„Der Marsianer“: Der Must-See-Weltraumfilm 2015

Das Jahresende scheint mittlerweile für sehenswerte Weltraumabenteuer zu stehen: Erst kam im Herbst 2013 der orbitale Katastrophenfilm „Gravity“ (der Regie-Oscar ging zurecht an Alfonso Cuarón), im Herbst 2014 folgte das Sci-Fi-Drama „Interstellar“ (Christopher Nolans Mix aus „2001“ und „Contact“) und nun geht übermorgen Ridley Scotts „Der Marsianer“ in den deutschen Kinos an den Start. Die Kritiken sind bisher durchweg postitiv und so ist es für Filmseite.de Scotts „bester Film seit langem“ und die Seite Filmstarts.de, die 4 von 5 Sterne vergibt, zieht als Fazit: „Ridley Scott gelingt mit seinem spaßigen Weltraum-Survivaldrama „Der Marsianer“ ein höchst unterhaltsamer Science-Fiction-Film, der zwar durch seine Feel-Good-Leichtigkeit überrascht, aber trotzdem hochspannend ist.“ Auch NASA-Astronauten wie Clayton Anderson und Buzz Aldrin, Apollo-Veteran und Mars-Visionär, äußern sich positiv über den Film.

Als Weltraum-Fan kam ich dieses Jahr kaum an „Der Marsianer“ vorbei, denn da gab es z.b. das „Sternstunde“-Interview mit Autor Andy Weir, der mit seinem super recherchierten Roman direkt mal einen Bestseller ablieferte (nur 4 Tage nach dem Verlag, klopfte auch Hollywood an die Tür), …

… im Frühjahr las ich dann das spannende Buch und zuletzt habe ich mich noch mit einem Besucher des „Tags der Luft- und Raumfahrt“ in Köln darüber unterhalten. Vor zwei Wochen wurde ich schließlich von Martin Neumann, der Erfinder und der kreative Kopf von universe2go, zu einer Preview von „Der Marsianer“ eingeladen, und gestern Abend war’s dann soweit. Vor und nach dem Film wurde das neuartige digitale Planetarium (passend zum Film enthält die App nun auch Mars-Sequenzen) zusammen mit einer PR-Agentur den zahlreichen Kinobesuchern im Kölner Cinedom vorgeführt – und für eine Besucherin wartete universe2go noch als Geschenk versteckt unter dem Kinosessel. Außerdem wurde nach den üblichen Trailern – angekündigt von ESA-Mitarbeiter Jules Grandsire – ebenfalls passend zum Film eine 3D-Mars-Tour des DLR gezeigt.

Der gute Nachricht zuerst: Es gibt Leben auf dem Mars, wenn auch nur eines und das auch noch unbeabsichtigt. „Der Marsianer“ beginnt mit einem Sonnenaufgang über dem Vallis Marineris und zeigt eine Bodenstation mit 6 Astronauten in einer malerischen Marslandschaft. Aus dem Nichts zieht plötzlich ein riesiger Sandsturm auf, die die Crew zur Rückkehr zur Erde zwingt, bei der Evakuierung kommt allerdings NASA-Astronaut Mark Watney vermeintlich ums Leben. Während sich seine Kollegen schon auf dem Rückflug befinden, wacht Watney verletzt und halb vom Marssand begraben auf. Er lebt. Doch wie überlebt man auf einem lebensfeindlichen Planeten? Werden die Systeme für die Sauerstoffproduktion und die Wasseraufbereitung halten, reichen die CO2-Filter, habe ich genug Strom und reicht überhaupt der Proviant, bis mich eine Rettungsmission abholt? Und dann wäre da noch die Frage: Wie sage ich der Erde überhaupt Bescheid, dass ich gar nicht tot bin? Für das Überleben auf einem toten Planeten braucht man einen kühlen Kopf und den hat Mark Watney auf jeden Fall. Immerhin ist der Astronaut Botaniker und findet in bester MacGyver-Manier auch für die übrigen Probleme eine Lösung. Und geht mal etwas schief, probiert man eine neue Lösung. So wird im Laufe des Mars-Abenteuers aus dem ersten Menschen, der auf einem fremden Planeten vergessen wurde, ein „Space Pirate“, ein fliegender Iron Man und nebenbei kolonisiert Watney auch noch den Mars („In your face, Neil Armstrong!“). Darüber hinaus verliert der Gestrandete nie seinen (Galgen-)Humor, was „Der Marsianer“ zu Scotts vielleicht witzigstem Film macht. So wird der Überlebenskampt in der endlosen roten Einöde aus Sand, Stein und Fels schon mal amüsant mit den Disco-Hits „Hot Stuff“ (an passender Stelle im Mars-Mobil), „I Will Survive“ und dem ABBA-Klassiker „Waterloo“ untermalt – danke Commander Lewis. Auch auf der Erde steuern die Mitarbeiter von NASA und des JPL ein paar lustige Momente bei (z.b. wenn ein Flugdynamiker nicht mal seinen Chef erkennt). Während des Gesprächs über das Projekt Elrond hat eigentlich nur noch eine Spitze gegen den anwesenden Sean „Boromir“ Bean gefehlt.

Andy Weir lieferte mit seinem Debütroman eine gelungene Robinsonade auf dem Mars ab, die Regisseur Ridley Scott nun gekonnt mit Spannung und Witz auf die Leinwand bringt und in den 2 Stunden, 15 Minuten keine Langeweile aufkommen lässt. Bis auf ein paar Auslassungen (was u.a. die Navigation angeht) hält sich Drew Goddards („Cloverfield“) Drehbuch eng an die Vorlage (z.b. die codierte Kommunikation), auch der Aufbau des Romans wurde beibehalten. Auf Realismus habe ich jetzt weniger geachtet, aber mir fiel auf, dass jede Marslandschaft auf der großen Leinwand wie ein perfektes Postkartenmotiv aussah. Ob nun die Route zum Schiaparelli-Krater wirklich so malerisch aussieht, weiß ich nicht. Anderen wird dagegen die Wucht des Sturms, die fehlenden Kommunikationspausen oder die nicht realistische Gravitation negativ auffallen. Wie dem auch sei: Der Film bekommt von mir dennoch die Note 4/5 und ist damit jedem Weltraum- bzw. Sci-Fi-Fan zu empfehlen. Auch denen, die sich an zu vielen langatmigen technischen Details im Buch störten, sei der Film empfohlen und die, die schon den Bestseller gut fanden, werden sowieso ein Kinoticket lösen. „Der Marsianer“ ist unterhaltsames Popcorn-Kino, mit dem Scott zugleich sehr schön zeigt, dass der Rote Planet kein Kassengift – siehe etwa „Red Planet“ oder „John Carter“ – sein muss. Somit ist die Mischung aus „Apollo 13“ und „Cast Away“ der bislang beste Mars-Film überhaupt.

P.S. Ridley Scott widmet sich nun wieder seinem „Alien“-Universum zu und wird ab Januar 2016 „Prometheus 2“ drehen.

06.10.2015

Das fernste Foto der Erde: 25 Jahre Pale Blue Dot!

Auf den ersten Blick sieht es völlig unscheinbar und langweilig aus. Man erkennt nur ein paar Farbstreifen, alles sieht irgendwie rauschig aus und wenn man genau hinschaut, fällt einem in der unteren Bildhälfte vielleicht noch ein Pixelfehler auf. Ist das Kunst oder kann das weg? Was macht dieses uninteressante Bild zu einem besonderen Foto der gesamten Raumfahrtgeschichte? So besonders, dass nach dieser Aufnahme Alexander Gersts ISS-Expedition sogar den Namen „Blue Dot“ erhielt. Hinter diesem blassblauen Punkt, weshalb dieses Bild auch „Pale Blue Dot“ genannt wird, verbirgt sich etwas Einmaliges und Unersetzbares, es ist das Wertvollste überhaupt: Unsere Heimat, der Planet Erde. Das ist kein Pixelfehler, das sind wir – mehr als 7 Milliarden Menschen – aus unvorstellbaren 6 Milliarden Kilometern (40,5 AE) Entfernung! Somit ist diese unscheinbare Aufnahme das fernste Porträt der Heimat der Spezies Mensch. Die Bilddaten waren also rund 5 ½ Stunden unterwegs, um den Weg von der Raumsonde zur Erde zurückzulegen.

Entstanden ist das Foto „Pale Blue Dot“ am Valentinstag 1990, also heute vor genau 25 Jahren. Die 1977 gestartete NASA-Sonde Voyager 1 befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits jenseits der Umlaufbahnen von Neptun und Pluto. In dieser Entfernung war die Sonne zu einem Stern westlich des Orion-Sterns Rigel geworden. Voyager 1 schaute am 14. Februar 1990 zurück ins Sonnensystem und machte insgesamt 60 Aufnahmen. Daraus entstand ein Familienfoto unseres Sternsystems, wobei die Planeten selbst nur mit Kontrastverstärkung erkennbar werden. Die Venus und unsere Erde befanden sich zum Aufnahmezeitpunkt im Streulicht der Sonne, was zu den seltsamen farbigen Streifen auf den Bildern führte. In den Wochen und Monaten danach übertrug die 5 ½ Lichtstunden entfernte Voyager 1 die Bilder zur Erde. Der Astronom und Autor Carl Sagan, der die Anregung zu dieser Aufnahme unserer kosmischen Heimat gab, veröffentlichte 1994 das Buch „Pale Blue Dot“, in Deutschland erschien es unter dem Titel „Blauer Punkt im All“. Daraus stammt in einer eigenen Übersetzung die folgende Passage. Denn niemand kann die Bedeutung dieses fahlen Lichtpunkts, bloß ein 6 Milliarden Kilometer entfernter Pixelfehler, besser wiedergeben und darum überlasse ich das Wort Carl Sagan:

„Denken wir doch einmal über diesen „Punkt“ nach. Das ist „hier“, das ist „zu Hause“, das sind „wir“. Auf ihm lebte jeder, den Du liebst, den Du kennst, von dem Du jemals gehört hast, sein Leben. All unsere Freude und unser Leid, tausende von überzeugten Religionen, Ideologien und Wirtschaftstheorien, jeder Jäger und Sammler, jeder Held oder Feigling, jeder Schöpfer oder Zerstörer einer Zivilisation, jeder König oder Bauer, jedes junge Liebespaar, jede Mutter und jeder Vater, jedes hoffnungsvolle Kind, jeder Erfinder und Entdecker, jeder Moralapostel, jeder korrupte Politiker, jeder „Superstar“, jeder „herausragende Herrscher“, jeder Heilige und jeder Sünder in der Geschichte der Menschheit lebte hier – auf einem Staubkorn, erleuchtet von einem Sonnenstrahl.“

Übrigens: Bei meinem Twitter-Projekt zum „Internationalen Jahr des Lichts“ durfte jener blassblaue Lichtpunkt heute natürlich nicht fehlen.

14.02.2015

Schon 50.000 Besucher im „Outer Space“ in der Bundeskunsthalle

„Wir sollten in den nächten Tagen den 50.000 Besucher zählen“, schrieb mir heute ein Mitarbeiter der Bundeskunsthalle in Bonn. Gemeint ist die großartige Ausstellung „Outer Space – Faszination Weltraum“, die in weniger als zwei Monaten bereits 50.000 Besucher anlockte und die jetzt noch gut drei Monate lang bis zum 22. Februar besucht werden kann. Auf unvergleichliche Weise begegnen sich hier zwei eher gegensätzliche Facetten des Weltraums – die Kunst und die Wissenschaft – tatsächlich auf Augenhöhe. Wie Raumfahrt-Exponate zu Kunstwerken oder wie umgekehrt Kunstobjekte und -installationen von der Wissenschaft beeinflusst werden, lässt sich wunderbar in „Outer Space“ entdecken. Schon einige Male habe ich ausführlich – u.a. mit einem langen Fotobericht oder meinem Blog-Interview mit dem Ausstellungsleiter – über die große Bonner Weltraum-Ausstellung berichtet. Genau dieser interdisziplinäre Charakter ist der außerordentliche Reiz der sehenswerten Schau. Und was mich als Hobbyastronom und Initiator der öffentlichen Beobachtungen besonders freut, ist, dass der Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) einen kleinen Teil zu „Outer Space“ beiträgt und die Faszination Weltraum live im Okular zeigen kann. Schon zur Sonnenbeobachtung am 03. Oktober, dem ersten Ausstellungstag, und zur Mondbeobachtung am 01. November bauten wir Sternfreunde unsere Teleskope einfach auf dem Platz vor der Bundeskunsthalle auf, und so haben wir das auch wieder am 29. November vor. Die Wetterprognosen versprechen aktuell sogar 8 Sonnenstunden, so dass ich doch zuversichtlich bin, dass die nächste öffentliche Outer-Space-Himmelsbeobachtung mit dem KBA wie geplant stattfinden kann. Wenn es wolkentechnisch weiter so gut aussieht, dann werden ab 16:30 Uhr auf dem Museumsplatz bzw. direkt neben der Ariane-Trägerrakete zum dritten Mal die Teleskope bereitstehen.

In diesem Sinn: clear skies und auf die nächsten 50.000!

26.11.2014

Live bei Alexander Gersts erstem Auftritt nach der Rückkehr

Nach der spannenden und verrückten Kometenlandung von Philae, der sich nach erfolgreicher Mission zurzeit im Winterschlaf befindet, war mein zweitägiges ESA-Fest erst zur Hälfte vorbei. Denn während ich um 17:00 Uhr am Mittwoch noch auf ein Signal aus über 500 Millionen Kilometer Entfernung wartete, wollte ich am Donnerstag um 11:00 Uhr unbedingt beim Treffen mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst dabei sein. Erst am Montagmorgen war er nach 5 ½ Monaten auf der ISS wieder auf der Erde gelandet und sollte nun bei der ESA in Köln-Porz eine erste Pressekonferenz geben. Ich dachte, so kurz nach der Rückkehr müssen doch seine Eindrücke noch besonders präsent sein und deshalb war dieser erste offizielle Auftritt von @Astro_Alex einfach ein Muss. „Meeting an Astronaut in person that was in space 3 days ago: check! „, twitterte ein Weltraum-Fan aus Aachen und bringt es so mit wenigen Zeichen auf den Punkt.

Bei der Anmeldung hieß es erstmal Schlangestehen, zusammen mit Leuten von ZDF, RTL und eines niederländischen Fernsehsenders. Der Parkplatz am European Astronaut Centre (EAC) der ESA war bereits voll, so dass ich einfach hinter der Ü-Wagen-Reihe parkte. Entsprechend war auch im Gebäude viel los und eine Batterie an Kameras stand schon für Alexander Gersts ersten Auftritt nach der Landung bereit.

Mit spannungsgeladener Trailer-Musik betraten schließlich um Punkt 11 Staatssekretärin und Raumfahrt-Koordinatorin Brigitte Zypries, ESA-Direktor Thomas Reiter, DLR-Chef Jan Wörner und unser Social-Media-Weltraumheld Astro-Alex den Raum, der von begeistertem Applaus erfüllt wurde. Der erst drei Tage zuvor gelandete Astronaut strahlte genauso wie die anwesenden Journalisten und Raumfahrtbegeisterten. Auch über einen Apfel von der Bundestagsabgeordneten freute sich der 38-Jährige, der im Orbit zwischenzeitlich mal Äpfel vermisst hatte.

Eine volle Stunde lang stand nun Alexander Gerst Funk und Fernsehen Rede und Antwort. Bei einer der ersten Fragen ging’s um die Experimente, wobei der heimgekehrte Astronaut auch die Installation des EML (Electromagnetic Leviator) ansprach, was eine der „befriedigendsten Dinge“ war, denn einen klemmenden Bolzen hatte man letztlich mit Sägeblatt, Taschenmesser und Rasierschaum beseitigen können. Wie der Geophysiker schon vor seiner Mission in den Orbit oft betonte, müssen Astronauten eben vor allem Alleskönner sein. Dennoch sprach Gerst ganz bescheiden vom „einfachsten Job“. „Ich habe meine Emotionen weitergeleitet“, an die, die „noch Kind geblieben sind wie ich“, erzählte er zum einen. Zum anderen war er für die Wissenschaftler am Boden einfach der verlängerte Arm an ihren Experimenten, und so bedankte sich der Astronaut zusätzlich bei den Mitarbeitern im Hintergrund, die die eigentliche Arbeit gemacht haben, und deutete dabei auf die über dem Zuschauerraum stehenden Personen. Ein Reporter des Deutschlandfunks fragte konkret nach den Social-Media-Aktivitäten, worauf Gerst antwortete, dass der „Internetzugang relativ begrenzt“ sei, die Texte für die Tweets habe er trotzdem „selbst geschrieben“ und via Mail mit angehängten Fotos an die Bodenkontrolle geschickt; Facebook-Kommentare las er auch hin und wieder. In diesem Zusammenhang wurden auch seine kritischen Tweets zu den militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten angesprochen. Gerst versteht seine Reaktion allerdings nicht als „politische Botschaft“ und will nicht als „Moralapostel“ dastehen, er wollte nur eine „Perspektive transportieren“, dass es nämlich von außen betrachtet „grotesk“ und „nicht wirklich logisch“ erscheint, wie wir mit der Natur und den Menschen umgehen. Zudem haben die 5 ½ Monate auf der ISS ihn nicht zu einem anderen Menschen gemacht, vielmehr hat es eben diese neue „Perspektive erzeugt“, und so ist es auch sein „heimlicher Wunsch“, dass jeder Mensch einmal die Erde aus dem Weltraum sehen könnte.

Viele Fragen drehten sich natürlich um seine „übererfüllte“ Mission und die Rückkehr. Mit Bezug auf einen Tweet erzählte der Astronaut, wie es war, wieder die Natur zu atmen. Bei seiner Zwischenlandung auf dem Flughafen Prestwick in Glasgow, Schottland, wo er auch von seiner Lebensgefährtin sowie Jan Wörner und Thomas Reiter begrüßt wurde, roch es für 10 Minuten nach „grünem Urwald“ und „feuchter Luft“. Um die Rückkehr und die harte Landung ging’s auch in einer anderen Frage. War der Start noch „emotional aufregender“, war der Heimflug vor allem physisch härter. Als die 4,9 auf der g-Anzeige erschien, mussten alle drei Astronauten in der Sojus-Kapsel lachen, weil sie jetzt auch noch die 5 sehen wollten. Die 5 g wurden dann tatsächlich noch erreicht. Anschaulich waren auch Gersts Schilderungen, wie die Kapsel in ein – dicht neben seinem Kopf – glühendes Plasma eingehüllt war und sich brennende Teile ablösten.

Wenn Alexander Gerst mit seiner gewohnt symphatischen Art davon sprach, dass Vulkanologe nur der zweittollste Job ist, dann ist das einfach glaubwürdig. Man hatte bei ihm das Gefühl, dass er keine routinemäßigen Antworten oder bloße Worthülsen für die Presse abgab. Man nahm es ihm einfach ab, dass Astronaut der tollste Job der Welt ist. „Meine Zukunft ist definitv in der Raumfahrt,“ erzählte der 38-Jährige. Mit der Mission sei ihm außerdem klar geworden, dass der Mensch auch länger im Weltraum leben kann, da er persönlich auch noch keine Grenzen spürte. Dennoch gab er zu, „froh wieder hier zu sein“. Natürlich betraf eine Frage auch wieder den Wert/Sinn von Raumfahrt, was Gerst damit kommentierte, dass der EU-Bürger für Raumfahrt ungefähr 10 Euro im Jahr ausgibt, davon sind etwa 1 Euro für bemannte Raumfahrt. Außerdem wurden beispielsweise noch sein coolstes Selfie während des Außenbordeinsatzes, irdische Fotos (die er am längsten angeschaut hat) und die Vielfalt des Essens angesprochen, und er erzählte auch, wie er die historische Kometenlandung von Philae, die er als „einen der spannendsten Wissenschaftskrimis“ bezeichnete, mitbekommen hat. Als eine der letzten Antworten beschrieb der heimgekehrte Astronaut noch seine Eindrücke des gestirnten Nachthimmels auf der ISS. Für Gerst war das „eine der überraschendsten Ausblicke“, denn die Sterne so klar zu sehen und zu erkennen wie „die Milchstraße überhaupt geformt ist“, hatte er nicht erwartet. „Wenn man da rausschaut, dann zieht’s einen schon raus“, ganz einfach weil es in der menschlichen Natur liegt. „Weil wir Menschen Entdecker sind.“ Zur Freude von hunderttausenden Social-Media-Fans hieß es übrigens ganz zum Schluss, dass sein Twitter– und Facebook-Account bestehen bleiben, denn bisher sind „weniger als die Hälfte“ seiner Fotos gezeigt worden.

Nach einer Stunde ging schließlich mein erstes Treffen mit Alexander Gerst zu Ende. Am 28. Mai auf einer großen Launch-Party in Köln begann meine Reise mit ihm, kurz danach durfte ich bei einer 20-minütigen Liveschalte dabei sein, am 01. September hörte ich dann während einer Siegburger Schulveranstaltung mit Amateurfunkern nur seine Stimme im Rauschen und nun saß der 11. Deutsche im All, der fast 6 Monate auf der ISS verbrachte und noch vor 3 Tagen Schwerelosigkeit spürte, direkt vor mir. Für mich war das auf jeden Fall ein großartiges Erlebnis, Alexander Gerst jetzt live ohne Zeitverzögerung zu sehen und zu hören.

Um 12:02 Uhr wurde die Pressekonferenz beendet, doch Smartphone- und Fernsehkameras wollten den Astronaut nicht so schnell gehen lassen und man hatte tatsächlich das Gefühl, dass er auch nicht gehen wollte und noch länger von seinen unvergesslichen Eindrücken erzählen wollte. Doch sein Betreuer und das Tagesprogramm, für den Nachmittag standen vor allem Augenuntersuchungen an, warteten auf ihn und so verschwand Gerst schließlich durch eine Seitentür. Immerhin gelang es einem hartnäckigen Autogrammjäger, der nicht ich war, sich schnell eine Unterschrift zu ergattern.

Auf meinem Weg zurück in Richtung Ü-Wagen-Allee begegnete ich ganz zufällig noch Svetlana Gerasimenko. Die Mitentdeckerin des Rosetta-Kometen 67P (Tschurjumow-Gerasimenko) stand in diesem Moment für einen Fotografen neben der Gagarin-Büste vor dem EAC. Leider reichte der kurze Moment nicht einmal für einen Weißabgleich aus.

[Nachtrag] Hier gibt es noch eine vollständige Aufzeichnung der kompletten Pressekonferenz.

17.11.2014

Philae ist gelandet, „we even landed twice“!? Oder drei Mal?

Die Medien feiern Philaes Kometenlandung wie eine „kleine Mondlandung“, für Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar ist es die „aufregendeste Mission seit der Mondlandung“ und für den ESA-Generaldirektor ist es sogar ein großer Schritt für die Menschheit. „This is a big step for human civilization.“ Mit diesen Worten feierte Jean-Jacques Dordain den Erfolg der Landung des Rosetta-Landers Philae, denn um 17:04 MEZ kam fast planmäßig das erhoffte Signal an. Und auch in Bonn schaute man gleich an zwei Orten gebannt den Raumfahrtpionieren über die Schulter, wie sie noch gebannter auf das Signal aus 511 Millionen Kilometern Entfernung warten. Zum einen gab’s ein Public Viewing in der Bundeskunsthalle, was schon um 19:30 MEZ in der WDR-Lokalzeit zu sehen war, und …

… zum anderen trafen sich einige Hobbyastronomen mit einem weiteren WDR-Team in der Volkssternwarte Bonn, was um 22:45 MEZ in einer Sondersendung der ARD ausgestrahlt wurde.

An beiden Orten war der Jubel groß, doch ohne Frage wird er in Darmstadt und in Köln noch größer gewesen sein. Gefeiert wurden auch die wenigen ersten Bilder von Philae. Diese Aufnahme vom Lander machte die Muttersonde Rosetta, während …

… dieses Bild von Philaes Kamera ROLIS gemacht wurde. Der auf den Kometenkern zufliegende Lander war zum Aufnahmezeitpunkt noch 3 Kilometer von seinem Ziel entfernt.

In die Aufnahme eingezeichnet habe ich noch die Stelle an der Philae wohl gegen 16:35 MEZ aufsetzte. Ein anderer Space-Nerd hat die Position noch genauer markiert, zu sehen sind außerdem zwei weitere ROLIS-Bilder, die noch gar nicht von offizieller Stelle veröffentlicht wurden; sie gelangten via Screenshots ins Web. Mit etwas Mathematik betrachtet, könnte das rechte ROLIS-Foto vielleicht 35 Meter über dem Boden gemacht worden sein, der zweite ROLIS-Ausschnitt könnte aus einer Höhe von nur 8,3 Metern stammen.

Mehr Bilder gibt’s zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu sehen, außerdem sind bereits „plenty of data“ eingetroffen, wie Stephan Ulamec, der Leiter der Landemission, noch am Abend verkündete. Dass Philae dagegen die Harpunen nicht abgefeuert hat, ist die größte Sorge der Wissenschaftler. Deshalb lässt sich aktuell nur spekulieren, wie sicher eigentlich der kleine Lander auf der Oberfläche steht. „Fluctuations in the radio link“ lassen sogar vermuten, dass der Philae abgeprallt ist und ein zweites Mal auf dem Kometenkern aufsetzte. Ulmaec: „So maybe today we didn’t just land once, we even landed twice!“ Ein Space-Nerd berechnete eine Abprallhöhe von 515 Metern aus, bei einer Geschwindigkeit von 0,3 m/s. Und nach den neuesten Twitter-Meldungen scheint es sogar drei Landungen gegeben zu haben! Zumindest wenn man den Daten eines Philae-Experiments glauben mag. Demnach setzte das Minilabor um 16:33, um 18:26 und um 18:33 MEZ (zzgl. jeweils 28 Minuten Signallaufzeit) auf dem Kometen auf.

Ich gespannt was der heutige Tag an neuen Erkenntnissen bringen mag. Die nächste Pressekonferenz findet um 14:00 MEZ statt und es gibt wieder einen Livestream von der ESA. Außerdem wird man weiterhin mit Daniel Fischers Live-Blog mit den neuesten Meldungen versorgt.

13.11.2014


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