Archiv für Januar 2016

Rückschau auf 2015, Vorschau auf 2016

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Auch wenn 2015 nicht sonderlich viel auf ZauberDerSterne.de passiert ist, bedeutet das nicht, dass ich letztes Jahr nichts mit Astronomie am Hut hatte. Ich hatte mich nur in erster Linie auf Facebook und Twitter konzentriert, dieses Jahr soll sich das aber wieder ändern. Tja, was hat sich noch getan? ZauberDerSterne.de hat nun ein Logo, ich habe wieder Artikel für „Interstellarum“ (jetzt „Abenteuer Astronomie“) geschrieben und der Köln-Bonner-Astrotreff (KBA), bei dem ich Mitglied bin, hatte seinen 100. Stammtisch. Ansonsten habe ich noch hin und wieder meine beiden Teleskope abgestaubt und natürlich war ich auch wieder viel unterwegs, ob mit oder ohne Fernrohr. Seit letztem Jahr organisiere ich 1x im Monat am Samstag um Halbmond öffentliche Beobachtungen mitten in Bonn (Bild 1). Von den 12 Terminen gab es tatsächlich 3x ein wolkenlosen Abendhimmel. An dieser Stelle muss ich mich bei allen KBA-Mitstreitern bedanken, die mich dabei unterstützt haben. Denn natürlich gehen 2016 diese monatlichen Sidewalk-Astronomie-Aktionen weiter.

Ebenfalls in guter Erinnerung sind mir unsere Beobachtungen zu den Ausstellungen „Outer Space“ in Bonn und „Dialog der Sterne“ in Pulheim bei Köln geblieben. Sogar zum Astronomietag und beim „Tag der Luft- und Raumfahrt“ von DLR und ESA (Bild 2) gab es viel klaren Himmel, so dass wir auch bei diesen Veranstaltungen öffentliche Himmelsbeobachtungen anbieten konnten. Allerdings muss man leider sagen, dass es auch ebenso viele wolkenverhangene Tage gab. So fiel unser Sun-Day zu Sommeranfang aus und selbst das Himmelshighlight 2015, die partielle Sonnenfinsternis, blieb hinter dichtem Hochnebel verborgen (die totale Mondfinsternis war dagegen glasklar). Während komplett NRW bedeckt war, konnte im restlichen Deutschland das Spektakel wunderbar am blauen Himmel verfolgt werden. Um in der praktischen Astronomie nicht immer von den Wolken abhängig zu sein, veranstaltete ich erstmals zwei Spaziergänge durch’s Sonnensystem, das am Bonner Rheinufer in Form eines Planetenweges aufgebaut ist. Des Weiteren führten mich zwei interessante Ausflüge zu Alexander Gerst. Zuerst fand ein Blue-Dot-Vortrag im Technikmuseum Speyer statt (Bild 3) und kurz danach ging’s zur Welcome-Home-Party in seiner Heimatstadt Künzelsau.

Und was plane ich jetzt für 2016? Das hat wie jedes Jahr Anfang Januar Stefan Gotthold alle Astronomie-Blogger in seiner Blogparade gefragt. Wie schon oben gesagt wurde, soll vor allem ZauberDerSterne.de nach einem Jahr Fast-Auszeit wiederbelebt werden. Das heißt zunächst, dass ich mir mehr als einen Blog-Beitrag pro Monat vornehme. ;) Letztes Jahr gab es hier vielleicht monatlich einen neuen Artikel und ich habe nur den Veranstaltungskalender „Astrotermine für Bonn“ regelmäßig gepflegt. Außerdem möchte ich die Blog-Interviews wieder aufnehmen. Büchervorstellungen möchte ich auch gerne machen und zwei neue Rubriken soll es oben in der Leiste geben: „Teleskop-Fragen“ für Hobbyeinsteiger und „Astronomie-Fragen“ mit allgemeinen Fragen/Antworten zum Thema. Gerade wenn man viel Astronomie in die Öffentlichkeit bringt, Mails mit Fragen erhält oder in entsprechenden Facebook-Gruppen unterwegs ist, bekommt man doch einiges mit, sei es von astronomisch Interessierten oder von Personen, die sich näher mit dem praktischen Hobby befassen möchten. Und so möchte ich mit diesen Rubriken Fragen sammeln und Antworten geben, so dass kleine nützliche Ratgeber entstehen.

Ansonsten habe ich bis auf die üblichen astronomischen Veranstaltungen und Termine 2016 hier in und um Bonn eigentlich keine konkreten Vorsätze. Angesichts des Wetters nehme ich mir auch keine besonderen Beobachtungsziele vor – Supernovae und Ausbrüche von Quasaren lassen sich eben schwer planen. ;) Hoffentlich klappt es dieses Jahr mit 100mm Öffnung den hellsten Quasar, 3C 273, vor die Linse zu kommen. Das ist mein Langzeitziel, da es bisher aus verschiedenen Gründen nicht geklappt hat. Und es wäre natürlich schöner, wenn das Wetter u.a. zum Merkurtransit Anfang Mai oder zu den Leuchtenden Nachtwolken Anfang Juli passen würde! Wirklich sehr viel Freude hat mir das „Internationale Jahr des Lichts“ gemacht, wie man ja an meiner täglichen Twitter-Serie gesehen hat. Wie ich aber das auf 2016 ausdehnen könnte, dazu habe ich noch keine konkreten Vorstellungen. Aber mal sehen …

28.01.2016

ISS-Saturn-Transitfoto entpuppt sich als Fake

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Dieses Bild, das einen ISS-Transit vor Saturn zeigen soll, ist tatsächlich eine Fälschung; Julian Weßel

Gerade im Zeitalter von Photoshop und Co. ist das Wort „gephotoshopped“ längst zum Synonym dafür geworden, dass sich heute jedes Bild manipulieren lässt. Und mit Plattformen wie Facebook, Twitter und Instagram verbreiten sich verfälschte Fotos und jede andere Art von falscher Information in Sekundenbruchteilen über den gesamten Globus. In Windeseile werden blind Inhalte geteilt, damit die Welt nicht stillsteht. Heute sind die wenigsten kritisch gegenüber dem, was sie sehen oder hinterfragen Informationen. Ich bilde da keine Ausnahme. So schrieb ich vor einer Woche auf abenteuer-astronomie.de einen kurzen Beitrag zu einer außergewöhnlichen Aufnahme, die einen ISS-Transit vor dem Planeten Saturn zeigen sollte. Kurz darauf wurde das von Julian Weßel gemachte Foto sogar von der NASA zum APOD, zum Astrobild des Tages, gekürt, fast zeitgleich meldete jedoch die Astro-Szene erhebliche Zweifel an und das Transitfoto wurde plötzlich infrage gestellt.

Zum Beispiel zeigte sich anhand pixelgenauer Überlagerung, dass in die fertige Aufnahme einfach 22 Mal ein und dieselbe ISS hineinkopiert wurde. Außerdem passt der Schatten auf dem Saturnring nicht zur aktuellen Stellung des Planeten (vermutlich wurde der Saturn 2015 aufgenommen) und auch das Wetter in der Region um Münster scheint am entsprechenden Morgen (15. Januar) alles andere als perfekte Aufnahmebedingungen geliefert zu haben. Trotz starker Bewölkung ist die fertige Arbeit wirklich ein schönes Pretty Picture von perfekter Qualität, selbst das Video zeigt keinerlei Einfluss der Luftunruhe (Seeing), obwohl der Saturn zum Aufnahmezeitpunkt (Sonnenaufgang) gerade einmal 20 Grad über dem Horizont stand. Die Vorwürfe der Astrofotografie-Experten sollten sich schließlich bewahrheiten, als sich Julian Weßel im APOD-Forum entschuldigte und klarstellte: „To make things clear I wanted to say that the APOD picture of Saturn and ISS is a composition of 2 Frames from different capturing session. They’re both overlayed and processed to make the event as detailed as possible. I’m sorry to all the astronomers feeling betrayed, this was not my intention.“

Somit war das Ergebnis viel zu schön um wahr zu sein und als Fazit ist festzuhalten: Weder ISS noch Saturn wurde während des besagten Transits am 15. Januar aufgenommen! Deshalb wurde zwischenzeitlich zum ersten Mal in der 20-jährigen Geschichte des APOD ein Bild nachträglich gelöscht (und ausgetauscht), außerdem äußerte sich der Astrofotograf gestern bei astronomie.de in einer weiteren Stellungnahme: „Viele werden sich fragen wie man überhaupt auf die Idee kommt so etwas zu machen. Ich weiss es selber nicht. Vielleicht war ich in der kurzen Zeit in der ich jetzt Astrofotograf war zu sehr darauf bedacht die tollsten Fotos zu machen ohne Schritt für Schritt erstmal zu lernen was einen Astrofotografen überhaupt ausmacht.“ Zudem stellt sich nun die Frage, ob dies nur ein Einzelfall ist oder hat der Astrofotograf vielleicht noch an anderer Stelle eigene Aufnahmen (beispielsweise die Venus-Saturn-Konjunktion oder sein ISS-Transit vor Jupiter) entsprechend verfälscht? Zweifellos fühlen sich jetzt viele Astrofotografen, die viel Zeit und Geld in das Hobby reinstecken, betrogen und rückt dazu noch die Arbeit derer, die das professionell und kommerziell betreiben, in ein schlechtes Licht. Somit brachte die Aufdeckung des Fake-APOD eine heftige Debatte in der Astro-Szene ins Rollen (etwa hier und hier): Wie glaubwürdig sind Astrofotos allgemein bzw. wie glaubwürdig sind viel eher die Astrofotografen dahinter? Bildbearbeitung gehört zur Astrofotografie dazu, so ist auch das Erstellen eines Komposits, eine Überlagerung aus Einzelaufnahmen, ebenfalls eine gängige Praxis und sollte in den Aufnahmedaten angegeben werden – erst recht bei seltenen Ereignissen wie einem ISS-Transit. Julian Weßels Fälschung wurde zwar aufgedeckt, doch es zeigt erneut, wie schnell wir heute alles glauben, was wir sehen. Übrigens war das Foto sogar noch in der heutigen Ausgabe der FAZ zu sehen.

Hier setzt sich Blogger-Kollege Stefan Gotthold ebenfalls mit dem Thema auseinander und auf abenteuer-astronomie.de gibt’s jetzt auch eine Richtigstellung – inkl. eines echten ISS-Saturn-Transits.

27.01.2016

Zur 9. Bonner Wissenschaftsrallye schnupperten 150 Schüler …

P1540692_01 … in die Astronomie rein. Denn am Samstag veranstaltete die Uni Bonn bereits zum 9. Mal die Wissenschaftsrallye durch Bonn-Poppelsdorf, bei der es für Schüler der Oberstufe wieder spannende Einblicke in die Forschung gab. 14 Stationen konnten interessierte Schüler diesmal entdecken und so technische und wissenschaftliche Berufe wie Geologie, Biologie, Informatik und Botanik kennenlernen. Die erste Station der Rallye war dieses Jahr erneut die Astronomie, auch wenn sich das astronomische Institut längst nicht mehr in der alten Sternwarte an der Poppelsdorfer Allee befindet. Deshalb war auch diesmal das Gebäude der Volkssternwarte Bonn (VSB) Gastgeber für die Berufsastronomen. Andrea Dieball (sucht nach Braunen Zwergen in Kugelsternhaufen) und Martin Quast (untersucht Röntgendoppelsterne) hatten drei verschiedene Aufgabenblätter (Sonnensystem, Sternhaufen und Strahlung) vorbereitet, die u.a. mit einer Powerpoint-Präsentation gelöst werden konnten. Wilfried Bongartz, Mitglied der Volkssternwarte und ich vom Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) unterstützten die beiden Astronomen, was angesichts des mitunter größeren Andrangs keine schlechte Idee war. So sorgten schätzungsweise um die 150 Schüler (oder mehr) für ein volles Haus, der Zulauf verteilte sich jedoch sehr gut.

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25.01.2016

Aus „Interstellarum“ wird „Abenteuer Astronomie“

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Ausgabe 1 von „Abenteuer Astronomie“

Nach der erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne vergangenes Jahr, hat sich gleichzeitig der Oculum-Verlag neu aufgestellt und es wurde der Neustart für das Astronomie-Magazin „Interstellarum“ vorbereitet. Ein Neuanfang ist nicht immer leicht, ganz besonders, wenn man dieses Heft bereits seit 1994 herausbringt. Man kann einen neuen Start aber auch als Chance sehen. Im Zusammenspiel mit Leserumfragen und einer Neuausrichtung des Magazins, entstand schließlich eine neue Zeitschrift. So war zwar „Interstellarum“ als ein traditionsreiches Blatt in der Szene bekannt, um jedoch ein größeres Publikum anzusprechen, hat sich die Redaktion für einen aussagekräftigeren Titel entschlossen. So ging leider mit dem Jubiläumsheft, der im Dezember erschienenen Ausgabe 100 von „Interstellarum“, nach 21 Jahren auch eine Ära zu Ende, und so wird ab heute Ausgabe 1 von „Abenteuer Astronomie“ im Handel erhältlich sein.

Neu ist aber nicht nur der Titel, es gibt auch neue Autoren für neue Rubriken, damit das Magazin für Interessierte, Einsteiger und professionelle Hobbyastronomen, für Astrofotografen und visuelle Beobachter gleichermaßen interessant wird. Der Blick auf die Inhaltsangabe von Ausgabe 1 macht schon das neue vielfältige Angebot deutlich. Von Kosmologie bis Teleskop-Tuning, von Beobachtungstipps für das Fernglas bis zu „Space Checker“ (eine Rubrik für Kinder und Jugendliche) – damit will „Abenteuer Astronomie“ die ganze Bandbreite des Hobbys Astronomie präsentieren. Wie vielleicht einige wissen werden, schreibe ich als langjähriger Autor mit viel Freude den ein oder anderen Beitrag für diese Zeitschrift und so freue ich mich ganz besonders auf das neue Abenteuer Astronomie; zu der ersten Ausgabe habe ich direkt drei Artikel beigetragen.

Es gibt auch einen neuen Online-Auftritt, der seit letzten Freitag erreichbar ist. Von nun an ist www.abenteuer-astronomie.de die Adresse für die Zeitschrift, alle Produkte des Oculum-Verlags (der neue Webshop folgt noch) und auch der beliebte Newsletter informiert hier weiter über Neuigkeiten. Bisher erschien dieser nur alle zwei Wochen, jetzt hält er täglich mit aktuellen Meldungen auf dem Laufenden und informiert so noch schneller über eine neu entdeckte Supernova. Weiterhin wird auch auf die Social-Media-Plattformen Facebook und Twitter gesetzt. Mit der neuen Homepage soll außerdem der interaktive Teil groß geschrieben werden. So gibt es zum einen ein Leserforum, in dem sich alle Leser von „Abenteuer Astronomie“ austauschen können. Dazu soll bald noch eine Astrofoto-Community online gehen.

22.01.2016

Wann wird man „Planet 9“ entdecken?

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Caltech, Robert Hurt (IPAC)

Seit gestern Nachmittag ist bei Twitter und Facebook die „Entdeckungsmeldung“ eines angeblichen neuen bzw. neunten Planeten das Thema überhaupt. Auch wenn die Medien wie leider so oft alles überzogen darstellen, muss man ganz einfach sagen: Fakt ist, dass man nichts beobachtet hat, sondern nur eine sorgfältig und überzeugend wissenschaftlich begündete Hypothese veröffentlicht hat. Mehr nicht. Damit unterscheidet sich diese Arbeit schon einmal von den sonstigen Meldungen um einen angeblichen Planeten X jenseits des Neptun, die seit Jahrzehnten immer wieder aus der Schublade geholt werden. Ohne die üblichen medialen Übertreibungen wird der Stand der Dinge u.a. sehr schön bei „Abenteuer Astronomie“ („Ein dicker Planet weit draußen im Sonnensystem?“) und im Blog von Astronom Florian Freistetter („Einige Informationen zur Entdeckung des „neuen“ Planeten in unserem Sonnensystem“) zusammengefasst.

Zwei Forscher untersuchten die Umlaufbahnen einige der fernsten Objekte, die bislang im Sonnensystem bekannt sind und fanden schließlich, dass sie seltsamerweise alle in eine Richtung zeigen (wie in der Grafik oben und hier zu sehen). Dieser Fund ist die Grundlage dieser neuen Theorie. Wie die beiden Autoren in ihrer Veröffentlichung schreiben, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit (eine echte Entdeckung ist dennoch nicht) so eine merkwürdige Ausrichtung der Umlaufbahnen nicht mit Zufall erklärbar und postulieren deshalb einen dynamischen Ursprung mit einem neuen Planeten als Verursacher. Es wurde die Orientierung und ungefähr die Ausdehnung der Umlaufbahn dieses „Planeten 9“ sowie seine etwaige Masse (um 10 Erdmassen) abgeleitet. Demnach befindet sich der vermutete Planet genau wie die anderen Objekte dieser Untersuchung sehr weit jenseits des Neptun bzw. des Kuiper-Gürtel genannten äußeren Asteroidengürtels. Während Neptun einen Abstand von 30 Astronomischen Einheiten (AE = 150 Milliaren Kilometer) zur Sonne hat, wäre „Planet 9“ um die 700 AE von ihr entfernt. Ein Umlauf um unseren Heimatstern würde somit zwischen 10.000 und 20.000 Jahren dauern. Das ist auch so ziemlich alles, was man bisher über das hypothetische Objekt sagen kann. Man weiß also weder, ob es ein Gesteinsplanet oder ein Gasplanet ist, noch welche Helligkeit es hat (von 18 bis 24mag ist alles möglich) oder wo es herkommt.

Kann man überhaupt solch eine eisige Welt so weit draußen im Sonnensystem entdecken? Mit den heutigen Mitteln ist das wohl sehr unwahrscheinlich, also müssen neue Instrumente her. Zu dieser Suche äußert sich Mike Brown, einer der Autoren dieser Arbeit, sehr ausführlich in diesem Artikel. Darin schätzt er die Größe von „Planet 9“ auf den 2- bis 4-fachen Durchmesser der Erde. „Such an object seems likely to be an ejected ice giant core, thus we assume that the size of Planet Nine is between about 2 times the radius of the Earth and 4 times the radius of the Earth, in keeping with observations of exoplanets of similar mass. We further assume that Planet Nine looks like Neptune and has a similar albedo.“ Außerdem geht er darauf ein, warum mit aktuellen Projekten wie WISE, PanSTARRS oder Catalina nichts gefunden wurde. Ein Nachweis mit heutiger Technik wäre am ehesten möglich, wenn sich der äußerst lichtschwache „Planet 9“ am sonnennähsten Punkt seiner Umlaufbahn befindet. Wenn er sich eher am sonnenfernsten Punkt, der sich zudem im Milchstraßenband befindet, aufhält, ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass man das Objekt in den nächsten Jahren oder sogar Jahrzehnten finden wird. Problematisch ist aber nicht nur die sehr geringe Helligkeit, sondern auch die äußerst geringe Bewegung (bei weniger als 1 Bogensekunde pro Stunde sehen die meisten Durchmusterungen deshalb nur einen stationären Stern).

So bleibt vorerst festzuhalten: „So where is it? Probably distant. 500 AU+. Probably fainter than 22nd magnitude. Very possibly in the middle of the Milky Way galaxy.“

21.01.2016

[Nachtrag] Das auf Hawaii stehende 8 Meter große Subaru-Teleskop, das mit der leistungsfähigen HSC-Kamera (Hyper Suprime Cam) ausgestattet ist, hält sich für die weitere Suche bereit. Denn bisher wurde damit nichts gefunden, wie Mike Brown berichtet: „Brown und Batygin haben nach ihrem Ziel mit dem Subaru-Teleskop auf Hawaii gesucht – bislang erfolglos. Mit dem Large Synoptic Survey Telescope (LSST) in Chile bestünden allerdings gute Chance, ihn zu erfassen, wenn das Instrument in wenigen Jahren in Betrieb geht, so Brown.“ Die wissenschaftliche Arbeit mit dem LSST soll allerdings erst 2022 anlaufen.

Mit „Pale Red Dot“ live bei einer Exoplaneten-Jagd dabei

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20 Jahre ist es nun her, dass erstmals Planeten um andere sonnenähnliche Sterne – sog. extrasolare Planeten oder kurz Exoplaneten – entdeckt wurden. Dazu befasst sich übrigens auch meine Titelgeschichte „Ein Himmel voller Planeten“ für Ausgabe 1 von „Abenteuer Astronomie“, die am 22. Januar erscheint. Oft wird bei diesem populären Thema gefragt, wie man Exoplaneten eigentlich findet und beobachtet, da sie doch um viele Größenklassen von der Helligkeit ihrer Heimatsonne hoffnungslos überstrahlt werden. Mit welchen Techniken gehen Astronomen heute auf die Suche nach Exoplaneten? Dazu hat sich die ESO, die führende europäische Organisation für astronomische Forschung, eine Kampagne ausgedacht, die am gestrigen 15. Januar startete und bis Anfang April laufen soll. In Anlehnung an das bekannte Foto „Pale Blue Dot“ wurde das ESO-Projekt „Pale Red Dot“ genannt. Ziel dieser Kampagne ist es, auf die Suche nach einem Exoplaneten zu gehen und die Öffentlichkeit live daran teil haben zu lassen. Über Social Media (bei Facebook und bei Twitter inkl. Hashtag #PaleRedDot) und Beiträgen in einem Projektblog unter der Adresse www.palereddot.org kann jeder bei einer echten Planetenjagd dabei zu sein. Projektkoordinator Guillem Anglada-Escude erklärt: „Wir wollen das Spannende an der Suche mit den Leuten teilen und ihnen zeigen, wie Wisenschaft hinter den Kulissen funktioniert, den Prozess von Versuch und Irrtum und die Anstrengungen, die notwendig sind, um zu Entdeckungen zu kommen, von denen die Leute normalerweise in den Nachrichten hören.“

Das Ziel dieser einzigartigen Beobachtungskampagne lautet Proxima Centauri, mit 4,25 Lichtjahren Entfernung der nächste Stern überhaupt. Dabei handelt es sich um einen kleinen roten Zwergstern (0,12 Sonnenmassen, Durchmesser: 200.000 Kilometer (halber Abstand Erde-Mond)), der über die nächsten Wochen und Monate beobachtet werden soll; abschließend werden die Ergebnisse Ende des Jahres in einem Fachartikel veröffentlicht. Die Suche wird mit dem 3,6-Meter-Teleskop des La Silla Observatory mit dem leistungsfähigen HARPS-Spektrografen zusammen mit weiteren Instrumenten zweier Teleskopnetzwerke (BOOTES und LCOGT) durchgeführt. Im Vordergrund dieses Projekts steht nicht so sehr die Entdeckung eines Exoplaneten, sondern das Motto: Der Weg ist das Ziel. Denn immerhin besteht die Möglichkeit, dass auch nichts gefunden wird und das ist auch den Astronomen bewusst. Aber so wird schließlich Forschung gemacht, was dieses Vorhaben zeigen soll. Beispielsweise hätte es ja auch genauso gut sein können, dass selbst mit dem gigantischen Teilchenbeschleuniger LHC am CERN kein Higgs-Teilchen nachgewiesen wird. „Wir gehen das Risiko ein, die Öffentlichkeit zu beteiligen, noch bevor wir überhaupt wissen, was uns die Beobachtungen sagen werden – wir können die Daten nicht in Echtzeit analysieren und bewerten“, so der Projektkoordinator weiter. Wie das Resultat von Proxima Centauri aussieht, werden wir also erst Ende 2016 erfahren. Spannend ist es auf jeden Fall auf diese Weise einmal Astronomen bei einer Beobachtungskampagne zuzuschauen – egal was dabei rauskommt. Morgen beginnen die Beobachtungen mit dem 3,6-Meter-Teleskop.

16.01.2016

„Astrotermine für Bonn“ und Vorschau auf 2016

2016 ist zwar schon wieder gut 2 Wochen alt, ich möchte jedoch nicht versäumen darauf hinzuweisen, dass es auch 2016 (wird regelmäßig aktualisiert) wieder meine Übersicht „Astronomie für Bonn“ gibt – und das nun schon im 5. Jahr. Mit Hinweisen und Links informiert ZauberDerSterne.de wie gewohnt über interessante Veranstaltungen für astronomisch Interessierte in Bonn und der Umgebung. Denn auch dieses Jahr wird es wieder die unterhaltsamen 4 Vorträge „Pauls Portables Planetarium“ (mit Springmaus-Impro-Talent Paul Hombach) im Deutschen Museum Bonn, die monatlichen Montagsvorträge der Volkssternwarte Bonn (VSB) oder das DLR-Astroseminar mit spannenden Fachvorträgen geben. Darüber hinaus möchte ich noch gesondert hervorheben, dass es von April bis Juli eine astronomische Sonderausstellung im Bonner Universitätsmuseum zu sehen gibt, und zusätzlich lockt im September ein astronomisches Wochenende, denn während am 17. September das große Stockert-Radioteleskop bei Bad Münstereifel auf den Tag genau seinen 60. Geburtstag feiert, findet tags darauf der jährliche Tag der offenen Tür der Volkssternwarte Bonn statt. Der bundesweite Astronomietag findet dieses Jahr am 19. März statt, wobei es parallel zur Himmelsbeobachtung in Sankt Augustin diesmal auch eine Teleskopaktion – bei wolkenlosem Himmel(!) – auf der Poppelsdorfer Allee (auf Höhe der Alten Sternwarte) geplant ist.

Dort findet auch die öffentliche Beobachtung des astronomischen Highlights 2016 statt, denn mit geeigneten Sonnenteleskopen lässt sich am 09. Mai über viele Stunden verfolgen, wie der Planet Merkur gemütlich vor der Sonne vorbeiziehen wird; der nächste Merkurtransit ereignet sich erst 2019. Jeweils im April und Oktober mache ich auch wieder meine zwei Spaziergänge durch’s Sonnensystem am Bonner Rheinufer, für die man sich anmelden kann. Und außerdem organisiere ich als Mitglied des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) wieder die monatlichen Himmelsbeobachtungen um Halbmond auf der Poppelsdorfer Allee. Von den 12 geplanten Terminen waren 2015 immerhin 3 Abende tatsächlich wolkenlos, so dass wir unsere Teleskope dort auf der Wiese aufgebaut haben (Berichte hier und hier). Wann es dieses Jahr öffentliche Beobachtungen auf der Poppelsdorfer Allee geben soll (sofern es einen klaren Himmel gibt), ist ebenso in meiner Übersicht unter „Astrotermine für Bonn“ zu finden.

Und so startet 2016 das astronomische Veranstaltungsprogramm in Bonn: 15. Januar (Vortrag in der Reihe „Bonner Sternenhimmel“, Thema: Europäische Südsternwarte (ESO)), 16. Januar (bei klarem Himmel öffentliche Beobachtung auf der Poppelsdorfer Allee), 23. Januar (für Schüler findet die 9. Wissenschaftsrallye der Uni Bonn statt), 25. Januar (Montagsvortrag in der Volkssternwarte Bonn, Thema: Einführung in das Hobby Astronomie). In der Volkssternwarte Bonn liegt dann ab sofort auch der neue Jahresflyer aus, der bis zum Jahresende über alle Termine von Volkssternwarte Bonn und Argelander-Institut für Astronomie (AIfA) auf dem Laufenden hält.

Und auch Blogger-Kollege und Wissenschaftsjournalist Daniel Fischer hat ebenfalls wieder einen umfangreichen Planer für dieses Jahr zusammengestellt. Was wird am Himmel beobachtbar sein, was für Veranstaltungs- und Raumfahrttermine gibt es und welche runden Jahrestage ereignen sich? Darüber informiert seine Übersicht „Bedeutendes am Himmel im Jahr 2016“. Für die praktische Seite des Hobbys Astronomie ist sehr das Heft „Himmels-Almanach 2016“ zu empfehlen, denn es informiert Woche für Woche kompakt und fundiert über alles, was sich so am Himmel tut.

13.01.2016


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