Archiv für Februar 2013

Gestern Krater im russischen See entdeckt

RIA Novosti

Die Suche nach der Hauptmasse des Tscheljabinsk-Impakts vom 15. Februar geht weiter. Wie dieser aktuelle Artikel berichtet, wurden gestern bei neuen Taucheinsätzen (siehe Youtube-Clip) im gefrorenen Tschebarkul-See offenbar erste mögliche Krater entdeckt. Wegen schlechter Sichtbedingungen in dem bis zu 12 Meter tiefen See ist die erste Suchaktion direkt nach dem Meteoritenfall ergebnislos geblieben, allerdings gibt es mittlerweile Hinweise, dass ein 60cm-Brocken, der sich als magnetische Anomalie verriet, im  Bodenschlamm stecken soll. Heute soll mit den magnetischen Untersuchungen fortgefahren werden, um etwa die Meteoriten-Natur der gefundenen Krater nachzuweisen. So soll sich zeigen, ob hier tatsächlich Überreste des spektakulär zerplatzten 15 Meter großen und 7.000 Tonnen schweren Impaktors auf dem Grund des See liegen.

[Nachtrag] Außerdem wurde heute die genaue Klassifikation des Meteoriten bekannt. Demnach zählen die gefundenen metallarmen Gewöhnlichen Chondriten jetzt zum LL5-Typ. Spektren dieser LL-Gruppe weisen sehr gute Übereinstimmungen mit dem 2005 besuchten Asteroiden Itokawa auf.

28.02.2013

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Erster Weltraumtourist kündigt bemannten Marsflug für 2018 an

Bekannt wurde der US-amerikanische Raumfahrt-Ingenieur Dennis Tito, als er im Frühjahr 2001 als erster Weltraumtourist zur Raumstation ISS flog, vor zwei Stunden berichtete der heute 72-jährige Multimillionär jedoch über sein neuestes Vorhaben: „Inspiration Mars“ (Faktenüberblick und Pressemeldung). Bei der hauptsächlich privaten Finanzierung der „non-profit organization“ wird auf Eigenkapital, Spendengelder und Einnahmen durch Medien gesetzt, im Untertitel „A Mission for America“ ist dann aber doch der Nationalstolz rauszuhören.

Punkt 19 MEZ begann die „verrückte Mars-Pressekonferenz“ (weiterer Live-Bericht), bei der Dennis Tito, der als 23-Jähriger beim JPL anfing, seine ehrgeizigen Pläne vorstellte. Mit „Inspiration Mars“ verfolgt er das Ziel, am 05. Januar 2018 eine bemannte Mission zum Roten Planeten zu starten; selber fliegen würde er jedoch nicht mal, wenn er 30 Jahre jünger wäre. Das geplante Startdatum für einen Marsflug findet sich übrigens schon in einem Artikel von 1998 (siehe PDF unten). Die 501-Tages-Mission einer Frau und eines Mannes – bevorzugt werden sogar verheiratete Paare – erreicht im August 2018 ihren Höhenpunkt, wenn das Raumschiff einen Flyby 160 Kilometer über dem Mars absolvieren wird. Nach den anschließenden 273 Tagen des Rückflugs sollen die ersten Mars-Astronauten im Mai 2019 wieder auf der Erde landen. Hierbei wurden auf der Pressekonferenz Vergleiche zu Magellan (400 Jahre Weltumsegelung; 1619) und Apollo 8 (50 Jahre erster bemannter Mondflug; 1968) gezogen. Dennis Tito, der sich selber als „Flyby Guy“ bezeichnete, schloss mit den Worten: „Now is the time.“

Neben Eröterungen zur technischen Herausforderung und der psychologischen Komponente erzählte ein weiterer Sprecher von einer eMail, bei der ein 6-jähriger Junge 10 Dollar für das Projekt spenden wollte und schrieb:  „This is my Apollo.“ Ähnliches war auch vom Leiter der medizinischen Abteilung bei „Inspiration Mars“ zu hören: „This is going to be the Apollo 8 moment for the next generation. It’s about inspiring our children, particularly my son. To me this really strikes a deep personal note.“ Die Studie zur ersten bemannten Marsmission ist ebenfalls als PDF online verfügbar.

27.02.2013

WDR-Bericht über „Sternfreunde Siebengebirge“ ausgestrahlt

Als vor einer Woche ein dreiköpfiges WDR-Team mit Kamera und Mikro bei Christian Preuß, Gründer der „Sternfreunde Siebengebirge“, zu Gast war, wurde sein Garten für gut zwei Stunden zu einem „astronomischen TV-Studio“. Einen ausführlichen Fotobericht des Drehs gibt’s hier von mir und auch hier. Nach zweimaligem Aufschub wurde Sabine Opitz‘ TV-Bericht heute Abend endlich in der WDR-Lokalzeit Bonn ausgestrahlt. Der Beitrag kann nun 7 Tage lang in der WDR-Mediathek unter diesem Direktlink (und einfach auf „Sternfreunde“ klicken) abgerufen werden. Für einen 3-Minuten-Bericht fiel erwartungsgemäß viel Material dem Schnitt zum Opfer, so auch leider ein Hinweis auf die schon im März anstehenden Astrotermine in der Umgebung. So fallen nämlich die beiden Astronomietage der „Sternfreunde Siebengebirge“ in die geplante und hoffentlich wolkenlose „Kometenwoche in Bonn“.

Das Kamerabild im gezeigten Screenshot zeigt rechts über dem Mond sogar noch den Planeten Jupiter, der während des Drehs mein Lieblingsziel war.

Screenshot der WDR-Lokalzeit Bonn vom 26.02.2013

26.02.2013

10 Tage nach dem Meteoritenfall von Tscheljabinsk

RIA Novosti, Pavel Lisicin

RIA Novosti, Pavel Lisicin

1.200 Verletzte und eine geschätzte Schadenshöhe von einer Milliarde Rubel (25 Millionen Euro) – das ist das zahlenmäßige Ausmaß des vermutlich verheerendsten Meteoritenfalls seit dem Tunguska-Ereignis von Juni 1908. Am Freitagmorgen, am 15. Februar kurz vor Sonnenaufgang, ging in Russland über dem südlichen Ural ein spektakulärer Superbolide nieder und explodierte in rund 30 Kilometer Höhe (als Airburst bezeichnet) mit einer Sprengkraft von 500.000 Tonnen TNT-Äquivalent; die dabei entstandene Druckwelle war die Ursache der zahlreichen Schäden in und um Tscheljabinsk (auch Chelyabinsk). Nach den bisherigen Resultaten soll der Impaktor 15 Meter groß und 7.000 Tonnen schwer gewesen sein.

Nur wenige Tage nach dem Einschlag folgten bereits Meldungen über die ersten gefundenen Meteoriten, die als Gewöhnliche Chondriten klassifiziert wurden. Mittlerweile wurden schon hunderte kleiner Splitter, Fragmente und größere Exemplare im Schnee entdeckt. Der bisher größte Fund misst über 10 Zentimeter und soll 1,8 Kilogramm wiegen (Bild 2). Neben dem kiloschweren Meteoriten geht es in diesem TV-Bericht auch über die heute begonnene – 10 Tage nach dem Impakt! – Ausstellung zu dem Meteoriteneinschlag. Noch bis zum 31. März ist die Ausstellung mit Fotos und Berichten von Augenzeugen im Museum für Geschichte in Tscheljabinsk zu sehen.

Die Meteoritensucher aus der Bevölkerung konzentrieren sich auch auf den mittlerweile abgesperrten Tschebarkul-See (auch Chebarkul-See), etwa 80 Kilometer westlich von Tscheljabinsk gelegen. Übrigens soll entgegen anderer Berichte der Meteoritenfall nun nicht nach dem See, sondern nach der Stadt Tscheljabinsk selbst benannt werden.

Ein 6 Meter großes Loch in der Eisdecke des 6 Kilometer großen Sees wurde schon am Tag des Einschlags für die Impaktstelle des größten Meteoritenbruchstücks gehalten. Bei der ersten Suchaktion durch Taucher wurde aber nichts gefunden, doch aktuell gibt es Hinweise aus zwei Richtungen, die dafür sprechen, dass dies tatsächlich der Einschlagsort des schwersten Überrests ist. Die Analyse der Umlaufbahn des Impaktors des 15m-Apollo-Asteroiden bzw. seiner Flugbahn in der Atmosphäre sowie eine gefundene magnetische Anomalie im Bodenschlamm des Sees ergab zusammen in sehr guter Übereinstimmung, dass in der Tiefe eine bis zu 500 Kilogramm schwere Masse verborgen liegen könnte. Wie über einen russischen Geophysiker gestern zu erfahren war, soll das 50 bis 70 Zentimeter große Objekt 1 bis 1,5 Meter tief im Schlamm stecken. Mit weiteren Sonden soll die Position nun genauer bestimmt werden, um ihn hoffentlich mit einem Seilgreifer zu bergen.

25.02.2013

Kepler: Exoplanet mit Mondgröße entdeckt

Unter dunklem Himmel ist er schon mit einem stativgestützten 10×50-Fernglas zu sehen: Ein 9,8mag-Stern, der in den Datenbanken des Kepler-Weltraumteleskops als Kepler-37 (auch KIC 8478994 oder KOI-245) gelistet ist. Zu finden ist er im nördlichen Teil des Sternbildes Leier nur 0,5 Grad über dem hellen Stern 13 Lyr. Bei dieser fernen Sonne (0,8 Sonnenmassen, 0,77-fache Sonnengröße, 5.400 Kelvin) gelang jetzt mit dem Planetensucher Kepler die Entdeckung von gleich drei Exoplaneten, die aber alle sehr dicht an ihrem Heimatstern stehen. Die Abstände betragen tatsächlich nur 0,1 bis 0,2 AE und die Umlaufzeiten liegen zwischen 13 und 40 Tagen. Auch wenn alle drei Welten unbewohnbar heiß sein dürften, befindet sich unter ihnen auch der kleinste Planet, der bisher mit dem satellitengestützten Teleskop entdeckt wurde. Über den innersten Planeten, Kepler-37b, der tatsächlich kleiner als Merkur und nur etwa so groß wie unser Mond ist (genauer: 3.900 Kilometer oder 0,3-fache Erdgröße), berichtet heute online das Magazin Nature: „A sub-Mercury-sized exoplanet“.

Selbst wenn Kepler-37b nur eine 350 Grad (630 Kelvin) heiße Gesteinskugel mit fast Mondgröße ist, auf dem sogar Blei schmilzt, ist es doch umso erstaunlicher, dass die Detektoren des Kepler-Satelliten so empfindlich sind. Der Durchmesser des etwa 215 Lichtjahre fernen sonnenähnlichen Sterns konnte nämlich mit astroseismologischen Methoden auf 3 Prozent genau bestimmt werden, was schließlich zu der präzisen Größenbestimmung der umkreisenden Planeten führte.

NASA, Ames, JPL, Caltech

20.02.2013

Radio-Lichtkurve erster Hinweis auf Exoplaneten-Magnetfeld?

BD+47 2936 ist ein 9,6mag heller Stern in Argelanders „Bonner Durchmusterung“, bei dem genau 150 Jahre danach Anfang 2009 ein Exoplanet entdeckt bzw. darüber berichtet wurde. Er wird zu der Klasse der sog. Hot Neptunes gezählt und erhielt die Bezeichnung HAT-P-11b. Seine Sonne steht 123 Lichtjahre entfernt in etwa zwischen den Sternen delta und 26 Cyg im Sternbild Schwan. Mitte Juni 2009 wurde bei einer über 9 ½ Stunden langen Beobachtung am indischen Giant Metrewave Radio Telescope (GMRT) bei einer Frequenz von 150 MHz eine kompakte Radioquelle entdeckt, die bis auf 14 Bogensekunden genau mit der Position des Exoplaneten-Systems übereinstimmte. Darüber wird heute in diesem Fachartikel berichtet.

In den zwei Stunden, in denen der Transitplanet hinter seinem Stern vorbeizog, wurde keine Radioemission empfangen, außerhalb des Durchgangs konnte jedoch eine Flussdichte von 3,9 mJy (Millijansky) registriert werden. Mit einer 3-Sigma-Signifikanz gehen die Astronomen nun davon aus, dass sie hier tatsächlich die allererste Radio-Lichtkurve eines extrasolaren Planeten aufgenommen haben, selbst wenn eine weitere Beobachtung Mitte November 2010 leider ein Negativresultat lieferte. Das 2009 detektierte variable Radiosignal würde auf ein exoplanetares Magnetfeld in der Größenordnung von 50 Gauß hindeuten, was 3 bis 4 Mal stärker wäre als Jupiters Magnetfeld, das an den Polen eine magnetische Flussdichte bis zu 14 Gauß erreicht. Da HAT-P-11b nur einen mittleren Abstand von 0,05 AE zu seiner Sonne hat, würde die Radioemission durch direkte Wechselwirkung des planetaren mit dem stellaren Magnetfeld (gefüllt mit Plasma der Korona und des Sternwindes) entstehen.

Radio-Lichtkurve von HAT-P-11b; http://arxiv.org/abs/1302.4612

20.02.2013

Jupiter am blauen Taghimmel und bedeckt in Australien

Grahame Kelaher

So konnte ich den gestreiften Gasplaneten zwar nicht sehen, denn die Jupiterbedeckung konnte gestern zu deutscher Mittagsstunde nur von Südaustralien beobachtet werden. Und während von Deutschland aus Jupiter 1,4 Grad am Mondrand vorbeizog, konnte auf der anderen Seite der Erde der Astrofotograf Grahame Kelaher mit einem 12-Zöller und einer Canon 6D den Eintritt am dunklen Mondrand eindrucksvoll festhalten. Wenige Stunden nach der australischen Jupiterbedeckung zielte ich gegen 17:00 MEZ von einem Garten in Bad Honnef – zu Besuch bei Christian Preuß – aus auf den weißen Halbmond. Ich wusste ungefähr, wo der Planet stehen sollte und dann konnte ich Jupiter tatsächlich mit bloßem Auge am blauen Taghimmel entdecken. Ich beobachtete mit meinem kleinen 80mm-Widefield-Gerät und konnte bei 10-facher Übersichtsvergrößerung gerade noch Mond und Jupiter gemeinsam im Gesichtsfeld sehen. Das fand ich wirklich beeindruckend, da ich bisher nur Venus am Taghimmel beobachtete. In einem 8-Zöller fiel mir sogar direkt neben Jupiter noch sein Mond Io auf, aber da stand die Sonne spätnachmittags schon etwas tiefer. Aber trotzdem war ich ganz begeistert von meiner Jupitersichtung am blauen Himmel – auch ohne Planetenbedeckung.

Weitere Eindrücke aus dem „astronomischen TV-Studio“ – der WDR war zu Gast in Preuß‘ Garten – gibt es hier von mir oder hier direkt auf der Homepage der „Sternfreunde Siebengebirge“.

19.02.2013


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