Archive for the 'Beobachtungsberichte' Category

Einmalig! CTA 102 und das Rekord-Feuerwerk zum Jahreswechsel

2016 gab es wieder schöne Beobachtungserlebnisse (u.a. Merkurtransit, Polarlichtflug über dem Nordatlantik), nicht so schön war dagegen so ein einmaliges Mikrolinsen-Ereignis wie Gaia16aye (ein 16,0mag-Stern wurde durch eine Gravitationslinse unglaubliche 13,6mag hell), das sich für mich leider hinter dichten Wolken abspielte. Wie zur Versöhnung ereignete sich kurz danach ein ebenfalls einzigartiges und – was die beteiligten Energien angeht – höchst extremes Naturschauspiel: der sehr weit entfernte Blazar CTA 102 im Sternbild Pegasus erreichte einen historischen Helligkeitsausbruch, wobei sein Licht, das 8 Milliarden Jahre lang unterwegs war, sogar mit kleinen Teleskopen mit nur 50mm Öffnung von Hobbyastronomen beobachtet werden konnte! Wenn das mal kein Entfernungsrekord für derartige Amateurteleskope ist.

Ein Einzelbild des Blazars CTA 102; Helmut Hoffmann

Ein Einzelbild des Blazars CTA 102; Helmut Hoffmann

Blazare sind wie Quasare leuchtkräftige Galaxienkerne, wobei der Motor für jene enormen Leuchtkräfte ein supermassives Schwarzes Loch im Zentrum ist. Dadurch werden Energien von Billionen Sonnenleuchtkräften frei, so dass sie über Entfernungen von Milliarden Lichtjahre beobachtet werden können und somit die fernsten Objekten für Hobbyastronomen darstellen. Im Teleskop sehen Quasare und Blazare zwar nur wie normale Sternpunkte aus, aber wegen der Energien, Entfernungen und der extremen Physik dahinter, zieht es mich immer wieder ans Okular. Bei Blazaren blickt man direkt in den Jet, den das zentrale Schwarze Loch ausstößt. Nicht alle Materie verschwindet nämlich auf Nimmerwiedersehen in dem Loch, ein Teil des Plasmas wird höchst effizient und mit annähernd Lichtgeschwindigkeit in zwei Jetstrahlen aus dem Galaxienzentrum hinausgeschossen. Und je nach dem wieviel Gas in Richtung Schwarzes Loch fällt (als Akkretionsrate bezeichnet), strömt auch mehr Materie in die Jets und das verursacht dann einen Anstieg der Helligkeit (siehe Bild 3). Es hat also was mit dem Nahrungsangebot zu tun, vereinfacht gesagt. Die interessantesten Lichtwechsel bietet der Blazar S5 0716+71 im Sternbild Giraffe, weshalb beispielsweise der passionierte Hobbyastronom Klaus Wenzel die Veränderungen dieses Objekts seit mittlerweile 18 Jahren überwacht. Zu S5 0716-71 wird es von mir einen Beitrag im nächsten Heft von „Abenteuer Astronomie“ geben.

Der Helligkeitsausbruch des Blazars CTA 102 im Dezember 2016 mit eigenen Schätzungen (rot); AAVSO

Der Helligkeitsausbruch des Blazars CTA 102 im Dezember 2016 mit meinen Schätzungen (rot); AAVSO

Und wie man sehen kann, ist die Lichtkurve von CTA 102 nicht minder spannend. Dank des historischen Helligkeitsausbruchs wurde das Objekt, das im Normallicht lediglich zwischen 16,0 und 17,0mag hell ist, zum leuchtkräftigsten Blazar überhaupt und offenbar scheint ihm immer noch nicht die Puste auszugehen. Denn wie das Bild zeigt, dauert die seit Ende November 2016 beobachtbare Aktivitätsphase immer noch an. Die Darstellung enthält visuelle Schätzungen (schwarz), photometrische Messungen (grün), meine Schätzungen (rot) und die bisherigen 7 Helligkeitsspitzen (blau), wobei 6 von 7 Zwischenmaxima heller als 12,0mag waren! Das ist einfach nur irre! Immerhin besitzt CTA 102 eine Rotverschiebung von z=1,037, was einer (Laufzeit-)Entfernung von rund 8 Milliarden Lichtjahren entspricht. 8 Milliarden Jahre war sein Licht unterwegs; der Blazar ist natürlich durch die Expansion des Universums schon viel, viel weiter entfernt. Nach 8 Milliarden Jahren Reisezeit reicht mein kleines 80mm-Teleskop aus, um es mit eigenen Augen zu sehen. Ein absoluter Entfernungsrekord! Wann kann man schon mit derart kleinen Optiken so weit in die Vergangenheit blicken? Es gibt sogar Amateure, die diesen Entfernungsrekord spektroskopisch im Auge hatten oder ihn mit nur 50mm Öffnung beobachteten. Das war um den 29. Dezember, als CTA 102 bisher am hellsten war; ich schätzte ihn auf 11,3mag. Nie war es einfacher, ein derart entferntes Himmelsobjekt mit eigenen Augen zu sehen. Übrigens: Bild 1 ist ein 2 Sekunden belichtetes Einzelbild mit Sony A7s (50mm Objektiv, 200mm Brennweite, ISO 51.200) von Astrofotograf Helmut Hoffmann.

Berücksichtigt man die Entfernung von CTA 102, dann leuchtete der Schock in dem Blazar-Jet so hell wie 100 Billionen Sonnen (bzw. -30,65mag)! Das ist Astrophysik live am Okular!  Was für ein irres Rekord-Feuerwerk, angesichts dessen jeder Silvesterknaller nur wie ein armes Glühwürmchen aussieht. Auch wenn es nur ein Lichtpunkt ist, so wurde noch kurz vor Jahresende dieser ferne Billionen-Sonnen-Böller mein Highlight 2016. Vor allem hat das Wetter gepasst (es reichte schon eine kleine Wolkenlücke), was gleichzeitig noch zu meiner ersten Langzeit-Lichtkurve führte. Ich bin ja nicht so der Typ für langfristige Beobachtungsprogramme, aber dadurch entstand ein anderer Bezug zum Gesehenen, auch wenn sich alles jenseits aller Vorstellungskraft abspielte. Und während ich am Okular das alte Licht bestaunte, ging mir Lubomyr Melnyks „Pockets Of Light“ durch den Kopf und ich dachte an die irgendwo mal aufgeschnappten Worte: „Der Sternpunkt lebt“. Und ich bin jetzt schon wie ein Flitzebogen gespannt, was die Fachastronomen für Modelle austüfteln werden, um diesen Rekordausbruch eines Blazars zu erklären. Was hat das Schwarze Loch vor 8 Milliarden Jahren wohl zu fressen gekriegt? Und wenn sich der Mond und die Wolken wieder verkrümeln, …

Illustration eines Quasars bzw. Blazars, bei dem Gasknoten durch den Jet bewegen; Cosmovision, Wolfgang Steffen

Illustration eines Quasars bzw. Blazars, bei dem Gasknoten durch den Jet bewegen (anklicken für Animation); Cosmovision, Wolfgang Steffen

11.01.2017

Venus und Jupiter inkl. Mondschatten am Tag

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Weshalb für mich die Astronomie das fantastischste Hobby ist? Manchmal wird man das z.b. bei öffentlichen Beobachtungen gefragt und meist spreche ich dann von den unvorstellbaren Entfernungen und Dimensionen, vom Blick in die Vergangenheit und von den Extremen am Sternhimmel, oder ich erzähle davon, wie wir überhaupt Wissen über die unerreichbaren Himmelsobjekte erlangen können. Und dann gibt’s für einen Himmelsbeobachter natürlich auch solche Momente, an die man sich viele Jahre danach noch erinnert. Beispielsweise war so eine für mich besondere Beobachtung, als ich 2004 kurz vor ihrem Transit die Venus zum ersten Mal mit bloßem Auge am Taghimmel sah. Ohne eine einzige Orientierung am blauen Himmel ist es natürlich sehr schwer, da einen hellen Punkt, selbst wenn er der hellste Planet im Sonnensystem ist, zu finden. 16 Jahre danach ist es dann schon erheblich einfacher.

Wegen der aktuellen engen Venus-Jupiter-Konjunktion versuchte ich es am 30. Juni wieder. Zurzeit ist die Venus ungefähr 45 Grad von der Sonne entfernt, was sich am Himmel schon gut abschätzen lässt und mit einem Planetariumsprogramm hatte ich auch schnell die Stellung zur Sonne (zum Glück standen beide Waagerecht am Himmel) herausgefunden. Anschließend, es war so gegen 17:30 Uhr, suchte ich mit einem kleinen 8×40-Fernglas das vermutete Himmelsareal ab und sofort war die helle Venus gefunden, direkt daneben war auch schwach Jupiter zu sehen. Damit hatte ich gleich zwei Planeten am blauen Taghimmel im Blick. Da wurde mir mal wieder klar, was so ein kleines Fernglas doch alles leisten kann. Danach versuchte ich es freisichtig und es war kein Problem (Bild 2 ist nur mit einer Digitalkamera aufgenommen). Die Venus war mit bloßem Auge sofort zu sehen (sogar ohne Brille), wenn man denn halt weiß, wo sie steht. Auch im Sucher meines 12-Zöllers waren Jupiter und Venus auszumachen, während im Übersichtsokular die schöne Venus ihre Sichel mit den sog. Hörnerspitzen preisgab und der große Jupiter ebenfalls deutlich als Planet erkennbar war (Bild 3). Mit der Steigerung der Vergrößerung waren Jupiters Wolkenbänder immer besser zu sehen. Trotz – logischerweise – fehlenden Konstrasts waren die beiden Äquatorbänder (Bild 4) und die dunkleren Polhauben gut zu beobachten. Bei einer späteren Beobachtung, so gegen 20:00 Uhr, fiel mir bei 166-facher Vergrößerung fast mittig auf Jupiter ein dunkler Punkt nahe eines Wolkenbandes auf. Am Laptop überprüfte ich schnell meine Vermutung. Und tatsächlich! Ich beobachtete den Schatten des Mondes Io auf Jupiter – am Taghimmel!! 10, 15 Minuten später konnte ich seine Bewegung feststellen. Die Aufregung über meine „Entdeckung“ machte sich im ganzen Körper breit. Um 21:05 Uhr, kurz vor dem Austritt des Mondschattens, verschwand das Planetenpaar schließlich hinter den Bäumen meines Gartenbeobachtungsplatzes.

Obwohl bereits die spannende Jupiterbeobachtung ganz klar ein Highlight darstellte, lockte auch noch das schöne Venus-Jupiter-Paar am Dämmerungshimmel. Denn die aktuelle Begegnung des hellsten und des größten Planeten des Sonnensystems hatte am Dienstag ihren Höhenpunkt, beide standen weniger als ein Vollmonddurchmesser voneinander entfernt, und so machte ich mich ab 22:00 Uhr auf die Suche nach einem schönen Fotomotiv. Als hinter mir schon der fast volle Mond aufging, war ich Richtung Westen unterwegs und fand schließlich zwischen zwei Nachbardörfern genau das richtige Motiv: ein wunderbares Planetenpaar über einer Burgruine. Und während sich das Paar langsam über die Landschaft bewegte und ich die Ruhe der Natur genoss, ging der Tag zu Ende, ein Tag mit einer besonderen Beobachtung.

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02.07.2015

Meine Kracher in der Silvesternacht

Während am Silvesterabend alle in Feierlaune waren, war ich vielmehr in Kometenstimmung. Statt auf die Silvesterknallerei freute ich mich auf die angekündigten Auflockerungen, die mich dann doch überraschten. Es muss so gegen 22:45 Uhr gewesen sein, als ich mal wieder aus dem Fenster schaute und plötzlich den Orion sehen konnte. Links von ihm die abziehende Wolkenwand, rechts von ihm war es schon wolkenlos. Schnell rief ich die Aufsuchkarten auf kometenseiten.de auf und schnappte mir das 10×50-Fernglas. Bereits durch’s geschlossene Fenster war er sofort deutlich zu sehen: der Komet Lovejoy (C/2014 Q2). Es war meine erste Sichtung und dazu schien noch der helle Halbmond, weshalb ich so im ersten Moment doch überrascht war, wie relativ hell und groß seine Koma doch war. Danach bin ich direkt raus und suchte mir ein schattiges Plätzchen ohne Mondlicht und Straßenlaternen. Auch im 8×40 war Lovejoy, der in der Silvesternacht über epsilon Lep zu finden war, nicht zu übersehen. Mit dem aufgestellten 80mm-Weitfeld-Teleskop war nicht unbedingt mehr vom Kometen zu sehen: die Koma war etwa 15 Bogenminuten groß und rund 5,0mag hell.

Als nächstes Stand das eigentliche Kracher meiner Silvernacht auf der Liste. Ein Knaller, der schon vor 60 Millionen Jahren explodiert ist: die Supernova mit der ungewöhnlichen Kennung ASASSN-14Ip in der Galaxie NGC 4666. Zwischen den Jahren hatte sie ihr Maximum erreicht, war in jener Nacht aber immer noch um die 12,0mag hell und was bei der Entfernung von 60 Millionen Lichtjahren unvorstellbare 4,5 Milliarden Sonnenleuchtkräfte darstellen. Angesichts der scheinbaren Helligkeit versuchte ich es zunächst mit dem 80mm-Fernrohr, es blieb allerdings bei einem Versuch. Deshalb baute ich um 3:00 Uhr – im Dorf wurden noch ein paar sporadische Silvesterknaller gezündet – noch fix meinen 12-Zöller auf der Terrasse auf, für den die Supernova kein Problem sein sollte. Nachdem ich endlich die richtigen Sterne von der Aufsuchkarte im Okular gefunden hatte, war die ferne Galaxie schnell eingestellt, an deren Rand ein relativ heller Stern stand. Im 40mm-Okular war er nur aufblitzend an der Wahrnehmungsgrenze sichtbar, im 9mm war er dagegen unübersehbar. Der punktförmige Feuerball eines explodierten Weißen Zwerges, einige Milliarden Sonnen hell und doch 60 Millionen Lichtjahre entfernt.

Da ich nicht nur wegen NGC 4666 mit der Supernova im Gepäck auf die erst nach Mitternacht aufgegangene Jungfrau so lange gewartet haben wollte, entschied ich mich kurzerhand noch für einen Besuch bei 3C 273. Ich erinnerte mich daran, dass Maarten Schmidt ebenfalls in den Tagen bzw. Nächten zwischen Weihnachten und Silvester 1962 Spektren von diesem Lichtpunkt aufgenommen hatte, mit denen wenig später die Entdeckung der Quasare gelang. Außerdem erinnerte ich mich an meinen in einer „Interstellarum“-Ausgabe beschriebenen Aufsuchweg, mit dem ich 3C 273 nun selber sicher und schnell finden konnte. Im Okular fällt der schwache „Stern“ überhaupt nicht zwischen den dutzenden Sternen, die alle zu unserer Milchstraße gehören, auf. Denn immerhin ist der stellare erscheinende und 12,8mag helle 3C 273 doch ganze 2 Milliarden Lichtjahre entfernt und strahlt somit Billionen Mal heller als unsere Sonne. Obwohl Quasare eben nur wie Lichtpunkte erscheinen, geht von ihnen einfach eine große Faszination aus, die man sogar in Worten fassen kann: „Funkel, funkel Quasistern / größtes Rätsel von so fern / wunderschön, doch nicht verstand / was da vorgeht, an deinem Rand“

Als Abschluss schwenkte ich noch kurz auf Jupiter, aber eigentlich nur um mich von der Nacht zu verabschieden; den Mond hatte ich sogar ausnahmsweise mal ganz links liegen gelassen.

05.01.2015

Wunderbares Himmelsschauspiel Leuchtender Nachtwolken

Und erneut erwies sich Twitter als das Medium für überraschend auftauchende Himmelsereignisse. Letzte Nacht las ich wenige Minuten vor 23:00 MESZ von „bis zum Zenit!“ reichenden Nachtleuchtenden Wolken (NLCs = Noctilucent Clouds). Erst folgte ein schneller Blick aus dem Velux-Fenster, danach schnappte ich meine Kompaktkamera und war auch schon zum 150 Meter entfernten Feldweg unterwegs; natürlich ahnte ich noch nicht, dass ich in dieser Nacht diese Strecke insgesamt 8 Mal abgehen sollte (u.a. wegen leerem Akku und fehlendem Stativ). In der späten Abenddämmerung war in Richtung Nordnordost zunächst nur ein relativ kleines, aber strukturreiches NLC-Feld mit den typisch silbern gefärbten Filamenten (Bild 1) zu sehen. Bild 2 und 3 zeigen die Situation um 23:32 und 23:37 MESZ. Ein großes und auffälliges Feld mit einem hellen vertikalen Filament, das am Stern Kapella vorbeizog, lieferte eine sehenswerte Show ab. Doch je später es wurde und die Sonnentiefe unter dem Nordhorizont zunahm, desto mehr verblassten die Nachtleuchtenden Wolken. Somit war nach 45 Minuten Teil 1 meines nächtlichen Fotoausflugs vorbei. Die anschließend erstellte Animation soll zeigen, wie sich die geisterhaften Wolken in nur 3 Minuten verändern.

Derweil füllten sich alle Online-Treffpunkte von Hobbyastronomen mit fantastischen Fotos der schönsten NLCs der bisherigen Saison 2014; der entsprechende Thread im Polarlichtforum umfasst mittlerweile 6 Seiten. Dort zeigt auch der Bonner Sternfreund Stefan Krause, wie die Show 20 Kilometer nördlich von mir über den Rhein tanzte. Einen weiteren Fotobericht gibt’s hier von Blogger-Kollege Daniel Fischer, und um 3:15 MESZ ging dann auch meine Jagd weiter. Für die zweite Halbzeit suchte ich nochmal meinen Feldweg auf und staunte nun einfach nur noch über die feinen Strukturen und die tollen Farben. Die Show in der Morgendämmerung hatte schon begonnen. Die Farbgebung erinnerte mich am ehesten an ein Unwetter, nur dass das hier keine normalen Wolken waren und es sowieso sonst absolut wolkenlos war. Das war absolut ein wunderbares Spiel von Farben und Formen, an dem ich mich nicht satt sehen konnte! Zu Anfang erreichte es nur die halbe Höhe bis zur Kapella, je näher aber der Sonnenaufgang rückte, desto ausdehnter wurde das silberne Wolkenfeld. Gegen 4:00 MESZ reichte es schließlich von der Venus im Nordosten (der „Stern“ ganz rechts) bis fast in den Nordwesten. Was für eine großartige Show! Völlig fasziniert saß ich auf dem Feldweg, staunte über die Natur der Wolken und beobachtete ihre Entwicklung, während die Kamera die Bilder machte. Hier nun die 9 schönsten Ergebnisse dieser besonderen Morning-Show, die noch schöner als die NLC-Abendveranstaltung war.

04.07.2014

Solare Magnetfelder leicht selber beobachten

Zurzeit braucht man nicht einmal ein Fernrohr, um kosmische Magnetfelder zu beobachten, denn es reicht bereits das bloße Auge und eine Sonnenfilterfolie. Sonnenflecken sind kühlere Regionen der Photosphäre, wobei sehr starke Magnetfelder von 1.000 Gauß und mehr den Auftrieb des Plasmas blockieren. Dadurch kühlen diese Gebiete um 1.500 Kelvin ab, wobei sich ein Kontrasteffekt ergibt, der die Sonnenflecken gegenüber der 5.800 Kelvin heißen Sonnenoberfläche schwarz erscheinen lässt. Die kühleren Regionen entstehen also durch sehr starke Magnetfelder.

Der schon Anfang Januar sichtbar gewesene große Sonnenfleck ist nach einer Sonnenrotation wieder zurückgekehrt und stand heute nahe der Mitte unseres Heimatsterns. Das untere Foto soll den visuellen Eindruck wiedergeben: Der Sonnenfleck 11967 war freisichtig sehr leicht zu sehen, zudem zeigte er sich ganz klar länglich. Mit etwas mehr Vergrößerung offenbarte sich der mit bloßem Auge länglich erscheinende Fleck als Doppelfleck. Dazu reicht schon der Zoom einer Digitalkamera. Das obere Bild ist ein Ausschnitt einer mit 20x-Zoom gemachten Aufnahme, freihändig und mit Sonnenfilter. Die große Sonnenfleckengruppe erreicht mit den Anhängseln eine Längsausdehnung von einem Jupiterdurchmesser, ebenso die obere Gruppe 11968 aus drei kleinen aufgereihten Flecken.

02.02.2014

Die beiden aktuell hellsten Supernovae beim Großen Wagen

Nach der ersten Supernova-Beobachtung in M 82 am vergangenen Mittwoch, gab es in der Nacht auf Montag ein spontanes Wiedersehen. Denn was macht man, wenn man einfach nicht schlafen kann? Klar, man nutzt eine Wolkenlücke und stellt um halb 4 noch schnell den kleinen Refraktor auf die Terrasse, um eine 12 Millionen Jahre alte Sternexplosion zu sehen. Mit 11,0mag war die Supernova 2014J nun doppelt so hell wie zur Entdeckung, was die Beobachtung mit 80mm Öffnung deutlich einfacher machte. Bereits bei 27x blitzte der „neue Stern“ indirekt auf und zeigte sich am besten mit 44x, eine Helligkeitsschätzung ist jedoch bei diesem kleinen Instrument weiterhin nicht so leicht.

Gestern Abend sah es wolkentechnisch nochmal besser aus, so dass ich in der späten Dämmerung diesmal den 12-Zöller rausholte. Bei 37,5-facher Vergrößerung fiel SN 2014J sofort mit den anderen hellen Sternen bei M 82 sofort ins Auge. Die in den grauen länglichen Fleck eingebettete Supernova hob sich mittlerweile wunderbar von dem Hintergrund der hellen Galaxie ab. Ich beobachtete die 2014J, während genau eine Woche zuvor auf einer Sternwarte in London das Entdeckerfoto gemacht wurde. Mit einem vergleichbar hellen Nachbarstern schätzte ich ihre Helligkeit sofort auf 10,6 oder sogar 10,5mag. Bei einer späteren Beobachtung zwischen 23:00 und 23:30 MEZ setzte ich höhere Vergrößerung ein, so dass ich die Supernova-Helligkeit viel besser auf eher 10,7mag schätzte, was sehr gut auch zu den anderen visuellen Beobachtungen passt. Umgerechnet auf die Entfernung von 12 Millionen Lichtjahren bedeutet das aktuell eine Leuchtkraft von 600 Millionen Sonnen; die Abschwächung durch Staub ist noch unberücksichtigt. Theoretisch müsste sie jetzt immer noch ganze zwei Größenklassen heller werden, aber wie schon hier beschrieben, wird ihr Licht deutlich abgeschwächt. Nun wird sich zeigen, wie hell das Maximum ausfallen wird. Und spektroskopisch zeigt sich übrigens anhand der starken Silizium-Linien (sogar für Amateure nachweisbar), dass sich die Explosionswolke immer noch mit bis zu 14.000 km/s ausbreitet.

Mit nur einem 23-Grad-Schwenk bin ich anschließend von der hellsten Supernova hinüber zur zweithellsten Sternexplosion, die sich ebenfalls in der Umgebung des Großen Wagens befindet. Die Supernova 2014G steht in NGC 3448, die unterhalb des Kastensterns beta UMa zu finden ist, mit dem 40mm-Übersichtsokular war die Galaxie ausgehend des hellen 44 UMa schnell gefunden. Im 9mm-Okular konnte ich sie aufblitzen sehen, nochmal besser war’s dann im 6mm bei 250-facher Vergrößerung. 2014G hat zwar aktuell die gleiche Leuchtkraft wie 2014J, gegenüber den 12 Millionen Lichtjahren von M 82 ist jedoch NGC 3448 rund 70 Millionen Lichtjahre entfernt, weshalb auch die Supernova 30 Mal visuell schwächer erscheint. Mit zwei Umgebungssternen von 14,2 und 14,7mag Helligkeit schätzte ich diese Sternexplosion auf etwa 14,4mag.

29.01.2014

Erste Beobachtung der Supernova 2014J mit 3 und 12 Zoll

Wilfried Bongartz

Vor 12 Millionen Jahren explodierte in der nahen Galaxie M 82 eine Sternleiche von etwa Erdgröße und das Licht dieser eine Milliarde Sonnen leuchtkräftigen Explosion wurde auf die Reise geschickt. Währenddessen breiten sich die Affen auf einem fernen blauen Planeten aus und einer von ihnen, genetisch 1,6 Prozent mit den Schimpansen verwandt, erobert die gesamte Erde. Der Mensch studiert die Entstehung der Natur und blickt in die Schönheit des Universums. Und gut 23 Stunden nach der Entdeckungsmeldung fiel das weit gereiste erste Licht dieser fernen Sternexplosion durch die Linsen eines kleinen Fernrohrs und erreichte mein Auge.

Angesichts der wolkenverhangenen nächsten Tage hatte ich gestern natürlich gehofft, dass sich der klare Himmel noch bis zum Abend hält. Den ganzen Mittwoch war – vor allem bei Twitter (#Supernova, #M82) – die komplette Astrogemeinde in heller Aufregung wegen der entdeckten 11,7mag hellen Supernova in M 82, die jedoch offensichtlich eine Woche lang übersehen worden ist; sie soll sich sogar bis zum 11. Januar zurückverfolgen lassen. Außerdem war die Supernova 2014J (Helligkeitsschätzungen), wie sie seit heute Vormittag offiziell heißt, bereits vor ein paar Tagen live im Web-TV einer Virtual Star Party zu sehen – und keiner hat’s gemerkt. Gestern Abend hielt sich zum Glück der wolkenlose Himmel. Zum Sonnenuntergang hatte ich noch Astrofotograf Wilfried Bongartz von der Volkssternwarte Bonn (VSB) informiert und wenige Stunden später wurde die oben gezeigte Aufnahme schon online. Das angekündigte Wolkenband hatte sich also schön Zeit gelassen, so dass ich um 18:30 MEZ auf der Terrasse mit der Beobachtung begann. Nachdem ich nach etwas Sucherei mit dem 80mm-Teleskop das markante Galaxienpaar gefunden hatte (Aufsuchkarte), ging ich mit 82x sofort auf maximale Vergrößerung und mit etwas Geduld wurde an der Wahrnehmungsgrenze tatsächlich ein kleines Sternchen in M 82 sichtbar: 2014J. Neben meiner Sichtung mit einem 3-Zöller sind mir von letzter Nacht noch positive Beobachtungen mit 100mm und 130mm Öffnung bekannt.

Eine Helligkeitsschätzung war so nicht möglich, dafür musste der 12-Zöller her. Ich wusste wie schwer sich Supernova-Helligkeiten schätzen lassen, wenn sie innerhalb eines hellen Galaxienkörpers stehen, aber wie sehr beeinflusst das das Kontrastproblem die Erkennbarkeit/Wahrnehmung? Noch dazu kam, dass mir z.b. ein 10,7mag-Stern schwächer als ein 10,2mag-Stern erschien. Nach längerer Beobachtung am 12-Zöller mit verschiedenen Vergrößerungen – und so viele Sterne 11. Größe gibt es nicht in direkter Nähe von M 82 – habe ich die Supernova 2014J auf 11,7mag geschätzt. Als Abschluss schwenkte ich nach 21:00 MEZ noch auf den strahlend hellen Jupiter, auf dem gerade der Große Rote Fleck durch den Meridian ging und zudem von Ios Schatten begleitet wurde.

23.01.2014

Meine Lovejoy-Zeichnung vom Freitag, den 13.

Pavlimir Ugrin

Ausgerechnet am Freitag, den 13. hatte ich endlich mein Wetterglück – ein morgendlicher Sternhimmel ohne Hochnebelsuppe oder Wolken – und noch dazu war ich um halb 6 ohne Wecker aufgewacht. Ich öffnete das Dachfenster, staunte über den hohen Stand der Frühlingssternbilder und sah bei frostigen Temperaturen zum ersten Mal den ISON-Ersatzkometen Lovejoy (C/2013 R1). Bei einem Schwenk mit dem 10×50-Fernglas über den Eckstern zeta Her fiel die relativ helle Koma sofort auf; ihre Helligkeit schätzte ich auf rund 6,0mag. Schwächer aber dennoch ohne Schwierigkeiten erkennbar war der lange Gasschweif, der visuell über eine Länge von 0,5 Grad sichtbar war (bis zur Hälfte der Strecke in Richtung des nächsten hellen Sterns), mit indirektem Sehen und leichtem Wackeln des Fernglases sogar noch etwas weiter. Gegen 6 entschied ich mich für eine Zeichnung, wobei ich zunächst eine grobe Skizze machte und später am Tag eine fertige Illustration meines Anblicks im Fernglas erstellte. Für meine erste Computerzeichnung eines Kometen bin ich ganz zufrieden mit dem Ergebnis, und sie gibt das Gesehene recht gut wieder.

Natürlich waren heute früh auch wieder viele Hobbyastronomen und professionelle Astrofotografen unterwegs: Atemberaubende Lovejoy-Aufnahmen gibt’s heute z.b. von Gerald Rhemann, Michael Jäger und Rudi Dobesberger, der kroatische Amateur Pavlimir Ugrin hat mit einem 135mm-Objektiv den Kometen mit seinem sehr langen Schweif sogar zusammen mit dem Kugelsternhaufen M 13 links oben abgelichtet.

13.12.2013

Sonnenaufgang in der Regenbogenbucht: Noch 46 Stunden bis zur Landung

Der monatliche Goldene Henkel bei einem Mondalter von ca. 10 Tagen lockte mich heute Abend aus einem ganz bestimmten Grund ans Fernrohr, denn es war der letzte Sonnenaufgang in der Regenbogenbucht, bevor genau dort am Samstagnachmittag die chinesische Sonde Chang’e 3 inkl. Mondfahrzeug Yutu landen soll. Damit landet China zum ersten Mal auf einem anderen Himmelskörper und lässt dort den ersten Mondrover seit 40 Jahren über die weite Ebene des Sinus Iridum rollen. Chang’e 3 startete am 01. Dezember um genau 18:30 MEZ und umkreist bereits seit dem 06. Dezember den Mond; ein letztes wichtiges Bremsmanöver für die geplante Landung am Samstag erfolgte vorgestern und brachte die Sonde auf eine elliptische Umlaufbahn von 15 bis 100 Kilometern über der Oberfläche. Die Landung in der Regenbogenbucht soll am 14. Dezember zwischen 16:22 und 16:35 MEZ stattfinden – somit genau 46 Stunden nachdem ich die Fotos machte – und noch am Abend soll der kleine Rover auf die Oberfläche abgesetzt werden.

[Nachtrag, 13.12.2013] Heute früh hieß es, dass Chang’e 3/Yutu offenbar morgen schon um 14:40 MEZ in der Regenbogenbucht landen soll – also in genau 24 Stunden.

12.12.2013

Mrk 421: Fernes Blazar-Licht im 3-Zöller

Wie weit kann man eigentlich mit 80mm Öffnung in die Tiefen des Himmels schauen? Als erstes fällt mir da der Coma-Galaxienhaufen Abell 1656 ein, wobei die beiden Riesenellipsen NGC 4889 und NGC 4874 um die 300 Millionen Lichtjahre entfernt sind. Aber es geht noch weiter. Dank des Hinweises von Quasar-Freund Klaus Wenzel habe ich mir heute früh den fernen Blazar Mrk 421 vorgenommen; die am Wochenende gelesene Zeile lockte schon sehr: „Mrk 421 ist weiterhin sehr hell und ein leichtes Objekt auch für kleinere Optiken.“ Wie angekündigt riss die Hochnebeldecke noch vor Mitternacht auf, aber der Herbst ist die denkbar schlechteste Zeit für ein Objekt im südlichen Teil des Großen Bären. Ich bin kurz nach 5 aufgewacht, hab mir schnell was übergezogen und bin direkt raus auf die Terrasse. Mit dem 40mm-Übersichtsokular in meinem 80/400-Fernrohr war die Zielregion im Hinterlauf des Großen Bären in 5 Sekunden eingestellt. Ich vergrößerte das Bild um den 51 UMa bis auf 82x. Erst mit dem 4,9mm hatte ich eine Chance nur 2 Bogenminuten neben dem hellen 6,0mag-Stern ein Objekt der 12. Größenklasse indirekt wahrzunehmen. Lange Zeit sah ich nichts, bis ich schließlich den Kniff mit dem indirekten Sehen raus hatte. Ich musste einen Punkt in größerem Abstand (so um 10 Bogenminuten) anvisieren und schon tauchte tatsächlich direkt neben 51 UMa ein schwacher Sternpunkt auf: Mrk 421.

Feldsterne mit vergleichbarer Helligkeit waren im Gesichtsfeld nicht auszumachen, doch dann fand ich noch zwei Sterne mit 12,1 und 12,3mag ganz in der Nähe. 12,3mag passt schon sehr gut mit dem indirekten Eindruck von Mrk 421 überein. Da der Große Bär zurzeit – selbst in den frühen Morgenstunden – eben nicht sonderlich hoch kommt und so die Beobachtung durch den horizontnahen Lichtschmutz beeinflusst wird, war es schon eine Herausforderung mit dem 3-Zöller. Wesentlich höher stehende Objekte gleicher Helligkeit sind kein Problem für 80mm Öffnung am 6,0mag-Gartenhimmel. Außerdem störte der helle 51 UMa schon sehr, aber letztlich hatte es doch mit der Sichtung geklappt. Fazit der Beobachtung: Der veränderliche Blazar Mrk 421 gehört zu den fernsten Objekten, die man mit einem kleinen 3-Zoll-Fernrohr sehen kann. Ein ferner „Stern“ mit 100 Milliarden Sonnenleuchtkräften in 400 Millionen Lichtjahren Entfernung (Rotverschiebung von 0,031)! Normalerweise ist er um die 13,0mag hell, mit der aktuellen Aktivitätsphase liegt die Helligkeit allerdings schon seit Anfang des Jahres nahe 12,0mag.

Die Größe des Emissionsgebietes, in dem die sichtbare Strahlung entsteht, beträgt lediglich rund 1.000 AE (0,01 Lichtjahre), wodurch bei 400 Millionen Lichtjahren Entfernung der stellare Eindruck im Okular entsteht. Und was dort strahlt ist nicht etwa heißes Gas oder sehr viele Sterne auf einem Haufen, sondern sich mit nahezu Lichtgeschwindigkeit bewegende Elektronen. Im Jet des supermassereichen Schwarzes Lochs werden Elektronen bis auf Energien im GeV-Bereich beschleunigt und geben im optischen Licht sog. Synchrotronstrahlung ab. Und wenn man durch das ferne Leuchten indirekt ultrarelativistische Elektronen mit eigenen Augen sieht, dann ist das einfach extreme Astrophysik im Okular.

07.10.2013


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