Mrk 421: Fernes Blazar-Licht im 3-Zöller

Wie weit kann man eigentlich mit 80mm Öffnung in die Tiefen des Himmels schauen? Als erstes fällt mir da der Coma-Galaxienhaufen Abell 1656 ein, wobei die beiden Riesenellipsen NGC 4889 und NGC 4874 um die 300 Millionen Lichtjahre entfernt sind. Aber es geht noch weiter. Dank des Hinweises von Quasar-Freund Klaus Wenzel habe ich mir heute früh den fernen Blazar Mrk 421 vorgenommen; die am Wochenende gelesene Zeile lockte schon sehr: „Mrk 421 ist weiterhin sehr hell und ein leichtes Objekt auch für kleinere Optiken.“ Wie angekündigt riss die Hochnebeldecke noch vor Mitternacht auf, aber der Herbst ist die denkbar schlechteste Zeit für ein Objekt im südlichen Teil des Großen Bären. Ich bin kurz nach 5 aufgewacht, hab mir schnell was übergezogen und bin direkt raus auf die Terrasse. Mit dem 40mm-Übersichtsokular in meinem 80/400-Fernrohr war die Zielregion im Hinterlauf des Großen Bären in 5 Sekunden eingestellt. Ich vergrößerte das Bild um den 51 UMa bis auf 82x. Erst mit dem 4,9mm hatte ich eine Chance nur 2 Bogenminuten neben dem hellen 6,0mag-Stern ein Objekt der 12. Größenklasse indirekt wahrzunehmen. Lange Zeit sah ich nichts, bis ich schließlich den Kniff mit dem indirekten Sehen raus hatte. Ich musste einen Punkt in größerem Abstand (so um 10 Bogenminuten) anvisieren und schon tauchte tatsächlich direkt neben 51 UMa ein schwacher Sternpunkt auf: Mrk 421.

Feldsterne mit vergleichbarer Helligkeit waren im Gesichtsfeld nicht auszumachen, doch dann fand ich noch zwei Sterne mit 12,1 und 12,3mag ganz in der Nähe. 12,3mag passt schon sehr gut mit dem indirekten Eindruck von Mrk 421 überein. Da der Große Bär zurzeit – selbst in den frühen Morgenstunden – eben nicht sonderlich hoch kommt und so die Beobachtung durch den horizontnahen Lichtschmutz beeinflusst wird, war es schon eine Herausforderung mit dem 3-Zöller. Wesentlich höher stehende Objekte gleicher Helligkeit sind kein Problem für 80mm Öffnung am 6,0mag-Gartenhimmel. Außerdem störte der helle 51 UMa schon sehr, aber letztlich hatte es doch mit der Sichtung geklappt. Fazit der Beobachtung: Der veränderliche Blazar Mrk 421 gehört zu den fernsten Objekten, die man mit einem kleinen 3-Zoll-Fernrohr sehen kann. Ein ferner „Stern“ mit 100 Milliarden Sonnenleuchtkräften in 400 Millionen Lichtjahren Entfernung (Rotverschiebung von 0,031)! Normalerweise ist er um die 13,0mag hell, mit der aktuellen Aktivitätsphase liegt die Helligkeit allerdings schon seit Anfang des Jahres nahe 12,0mag.

Die Größe des Emissionsgebietes, in dem die sichtbare Strahlung entsteht, beträgt lediglich rund 1.000 AE (0,01 Lichtjahre), wodurch bei 400 Millionen Lichtjahren Entfernung der stellare Eindruck im Okular entsteht. Und was dort strahlt ist nicht etwa heißes Gas oder sehr viele Sterne auf einem Haufen, sondern sich mit nahezu Lichtgeschwindigkeit bewegende Elektronen. Im Jet des supermassereichen Schwarzes Lochs werden Elektronen bis auf Energien im GeV-Bereich beschleunigt und geben im optischen Licht sog. Synchrotronstrahlung ab. Und wenn man durch das ferne Leuchten indirekt ultrarelativistische Elektronen mit eigenen Augen sieht, dann ist das einfach extreme Astrophysik im Okular.

07.10.2013

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1 Response to “Mrk 421: Fernes Blazar-Licht im 3-Zöller”


  1. 1 Stefan Karge . um .

    Hallo Nico,

    schau mal rein unter
    http://quasar.square7.ch/fqm/1101+384.html

    cs,
    Stefan


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