Archiv für August 2012

Neues vom verdampfenden Gesteinsplaneten mit Staubschweif

Erst vor drei Monaten berichtete ich über eine neue Entdeckung des Exoplanetensuchers Kepler, und in den letzten sieben Tagen erschienen gleich zwei neue Arbeiten zu diesem interessanten Objekt mit der Nummer KIC 12557548. In der Entdeckungsmeldung hieß es, dass in 1.500 Lichtjahren Entfernung ein mit 2.000 Kelvin kochender Exoplanet mit einem Schweif aus verdampfendem Oberflächenmaterial gefunden wurde.

Geschlossen wurde dies aus der deutlich varriierenden Helligkeitsabschwächung, die durch einen Staubstrom mit unregelmäßigen Dichteregionen entsteht. Dieses Modell wird nun durch eine unabhängige Untersuchung bestätigt. Die neue Analyse der Lichtkurve offenbart dabei nicht nur das Absorptionsverhalten von Staub, sondern deutet sogar auf Streuprozesse an 0,1 Mikrometer kleinen Staubteilchen hin. Nach diesen Berechnungen soll der sich auflösende Planet maximal etwa Erdgröße besitzen.

Ein slowakischer Astronom versuchte ebenfalls die bisher vorhandenen Kepler-Daten des Sterns KIC 12557548 zu interpretieren, untersuchte das völlig unregelmäßige Verhalten der Lichtkurve und kommt in seiner Arbeit zum selben Schluss: Das Transitobjekt, das etwa alle 16 Stunden eine winzige – und schwankende(!) – Lichtschwächung verursacht, kann nur ein kleiner Gesteinsplanet mit Staubschweif sein.

MIT

23.08.2012

Venus‘ Quasi-Mond für 7.500 Jahre

Vor fast 10 Jahren wurde im November 2002 der Asteroid 2002 VE68 entdeckt. Mit einem mittleren Sonnenabstand von 0,723 AE begleitet das Objekt scheinbar den Nachbarplaneten Venus. Obwohl sein Orbit sehr exzentrisch verläuft und sogar die Umlaufbahnen von Merkur und Erde kreuzt, hat 2002 VE68 in etwa die gleiche Bahnperiode wie die Venus (jeweils rund 224 Tage). So ist der kleine Asteroid zwar nicht gravitativ gebunden, aus Sicht der Venus umkreist er jedoch unseren inneren Nachbarplaneten und so gesehen handelt es sich bei dem Kleinkörper um einen Quasi-Venusmond.

2002 VE68 soll nur 200 Meter groß sein, die Rotationsperiode liegt bei 13,5 Stunden und aus der 0,9mag großen Amplitude der Lichtkurve wird geschlossen, dass der Asteroid ein Doppelobjekt (engl. Contact Binary) wie Kleopatra, Itokawa oder Toutatis darstellt.

Eine jetzt vorgelegte Arbeit befasst sich erneut mit der dynamischen Bahnentwicklung. In den Berechnungen wurden dafür die Schwerkraftstörungen aller acht Planeten sowie des Mondes und der drei größten Asteroiden Ceres, Pallas und Vesta berücksichtigt. Diese neue Untersuchung bestätigt ältere Daten, nach denen der Asteroid seit ungefähr 7.000 Jahren (nach einem Vorbeiflug an der Erde) ein Quasi-Mond der Venus ist und noch für weitere 500 Jahre sein wird. Die exzentrische Bahn von 2002 VE68 wird hauptsächlich durch die Erde stabil gehalten und auch die Rolle des Mondes möchte man nicht vernachlässigen.

Meist schwankt die Helligkeit des 200 Meter langen Kleinkörpers zwischen 20,0 und 30,0mag, doch mit einer Periode von acht Jahren ist er jeweils im November auch für visuelle Beobachter ein erreichbares Ziel. Hier eine Übersicht mit Zahlen aus Calsky.

  • November 2002 – 14,3mag – 0,033 AE Erdentfernung
  • November 2010 – 14,7mag – 0,035 AE Erdentfernung
  • November 2018 – 15,2mag – 0,038 AE Erdentfernung
  • November 2026 – 15,7mag – 0,041 AE Erdentfernung

23.08.2012

Curiositys erste 60 Stunden auf dem Mars

Zweieinhalb Tage nach der Landung um 7:17 MESZ am Montagmorgen wird nun langsam der Rover in Betrieb genommen. Beispielsweise sind heute die ersten Aufnahmen der Navcams am nun hochgeklappten Kameramast zu sehen. Darum an dieser Stelle mal ein kleiner bebilderten Rückblick über die ersten 60 Stunden zur MSL-Mission von Curiosity.

Zuerst nochmal der spannende Krimi der 7 Schreckensminuten …

Nach den ersten am Montagabend gezeigten Bilddaten, wurde wenige Stunden später schon erstes (niedrigaufgelöstes) Material der Abstiegskamera MARDI vorgestellt – inkl. abgesprengtem Hitzeschild (15 Meter von der Abstiegsstufe entfernt) und Landemanöver mit aufwirbelnden Staubmassen durch die Triebwerke des Skycrane.

Eine direkte Kontaktaufnahme über die Roverantenne war zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich.

Auf der Pressekonferenz am Dienstagabend wurde neben weiteren Testfotos u.a. das erste Farbbild von Curiosity und eine neue Orbiter-Aufnahme der HiRISE-Kamera des MRO präsentiert. Dieser etwa 2,5 Kilometer breite Ausschnitt zeigt alle Hinterlassenschaften von Curiositys Landung; an der Rover-Landestelle wurde der Staub derart aufgewirbelt, wobei dunkleres Bodenmaterial freigelegt wurde.

Außerdem wurde noch die Frage beantwortet: Where, exactly, is the Curiosity rover on Mars?

Heute an Sol 2, dem zweiten vollen Missionstag des mobilen Marslabors, entstanden die ersten Detailaufnahmen des fernen Kraterrandes mit der nun einsatzbereiten  Navigationskamera Navcam. Aus ihnen wurden auch schon erste Mosaikbilder erstellt.

Des Weiteren erschien heute ein erstes hochauflösendes Foto der Abstiegskamera MARDI: Es zeigt die dunklen Dünen, die direkt am Rand des Zentralbergs Aeolis Mons (oben außerhalb des Bildfeldes) liegen, und das abstürzende Hitzeschild.

NASA/JPL/MSSS/Emily Lakdawalla

08.08.2012

OJ 287 weiterhin schwerstes Schwarzes Loch

Mit einer neuen Analyse der Beobachtungsdaten des letzten Helligkeitsausbruchs des Blazars OJ 287 konnte bestätigt werden, dass hier ein extrem supermassives Schwarzes Loch von 18 Milliarden Sonnenmassen von einem etwas kleineren mit 140 Millionen Sonnenmassen umkreist wird. Dies ergab eine neue Untersuchung der im Jahr 2005 beobachteten Bremsstrahlung, was eine unabhängige Berechnung der Massen der beiden supermassereichen Schwarzen Löcher erlaubte.

Die beobachteten Flares des Lichtpunkts OJ 287 sind immer paarweise nach Intervallen von rund 12 Jahren sichtbar: Wenn der kleinere Begleiter durch die mächtige Akkretionsscheibe des 18-Milliarden-Sonnenmassen-Schwerkraftmonsters zieht, steigt der Energie-Output des Blazars. Der Beginn des nächsten Ausbruchs ist für November oder Dezember 2015 –  je nach Spin des Schwarzen Lochs – vorhergesagt.

Autor Mauri Valtonen, finnischer Astronom der Universität Turku, erforscht OJ 287 bereits seit 1985 und gehörte auch zu der Gruppe, die 1988 das Modell des Binärsystems von zwei sich umkreisenden Schwarzen Löchern entwickelten.

07.08.2012

Bonner Astronomen modellieren Sterne mit 300 Sonnenmassen

Bis vor zwei Jahren schien es so, als ob Sterne nur mit maximal 150 Sonnenmassen entstehen können. Dann wurde im Juli 2010 über die Entdeckung von vier wahren Monstersonnen im Sternhaufen R136 im Tarantelnebel berichtet, die allesamt über 150 Sonnenmassen aufwiesen, das Schwergewicht R136a1 sollte sogar mit mehr als 300 Sonnenmassen entstanden sein. Seitdem fragte man sich: Wie ist das möglich?

Drei Bonner Astronomen verfolgten einen Lösungsansatz mit einer komplexen Simulation, in der sie zuerst den nur 3 Millionen Jahre alten Sternhaufen R136 Stern für Stern mit 170.000 Sonnen „nachbauten“. „Unsere Modelle von R136 sind die schwierigsten und aufwändigsten Mehrkörper-Berechnungen überhaupt“, berichtet der Astrophysiker Pavel Kroupa.

Den insgesamt sieben durchgeführten Modellrechnungen zufolge, entstehen bereits bei einem Haufenalter von einer Million Jahren Monstersterne wie R136a1 durch gegenseitige Verschmelzungen von sehr massereichen Sternen; der massereichste Modellstern erreichte immerhin 250 Sonnenmassen. Ihre extremen Sternwinde bedeuten zugleich einen enormen Massenverlust, so dass diese exotischen Schwergewichte nach weniger als 2 Millionen Jahren unter die 150-Sonnenmassen-Grenze fallen. Die simulierte dynamische Entwicklung eines dichten Sternhaufenzentrums  bestätigt somit die Beobachtungsdaten der gefundenen Monstersterne von R136.

07.08.2012

17 Stunden nach der Landung von Curiosity

Wie erwartet wurde auf der Pressekonferenz um 18:00 MESZ das Curiosity-Fallschirm-Foto veröffentlicht, das die Marssonde MRO kurz vor der Landung des Rovers gemacht hat. Diese Aufnahme (links) der HiRise-Kamera entstand um 7:16 MESZ nur eine Minute vor dem Aufsetzen im Gale-Krater und zeigt das neue Marslabor am Fallschirm aus 340 Kilometer Entfernung.

Auch die Landestelle konnte schon etwas näher bestimmt werden. Nach den bisherigen Daten war’s tatsächlich eine Punktlandung, nur 3 Kilometer vom Mittelpunkt der Landeellipse entfernt. Zudem scheint Curiosity (schwarzer Punkt) keine 2 Kilometer von den dunklen Dünen entfernt zu sein, die den Rand des Zentralbergs Aeolis Mons teilweise umgeben.

Auf einer neueren Hazcam-Aufnahme, die am Abend via Mars Odyssey übertragen wurde, wartet auch schon der 5.500m-Berg in Fahrtrichtung. Nachmittag an Sol 0 …

07.08.2012

MRO: Curiosity hängt am Fallschirm

Aufgrund eines Nachrichtenlecks ist wohl das von dem Orbiter MRO aufgenommene Fallschirm-Foto von Curiositys Abstieg eben vor wenigen Minuten im Web aufgetaucht – 20 Minuten vor der Pressekonferenz.

06.08.2012


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