Archiv für August 2012



Noch 8 Stunden: Curiosity und der Superbowl der Planetenforschung

In Vorbereitung auf den „Super Bowl of planetary exploration“, wie die spannende Landung von Curiosity mit der Krantechnik bereits bezeichnet wurde, hat auch schon das traditionelle „pre-landing lunch“ des Rover-Teams stattgefunden. Und so langsam steigt die Spannung, SuW gab sogar eine lustige Twittervorhersage raus und warnte schon mal:  „In den nächsten Stunden ist mit vermehrtem Tweet-Aufkommen zum Mars Science Laboratory / Curiosity zu rechnen :)“

Aber noch sind es genau 8 Stunden und 100.000 Kilometer bis zum Landeanflug des neuen Marsrovers bzw. den 7 Schreckensminuten von Curiosity. Um 7:10 MESZ erfolgt der Eintritt in die dünne Marsatmosphäre und 7 Minuten später soll das fast eine Tonne schwere Marslabor an einem sog. Himmelskran hängend mit 7,5 Meter langen Stahlseilen auf der Oberfläche abgesetzt werden. Eine detailierte Auflistung der EDL-Phase gibt’s hier.

NASA

Auch wenn diese Landemethode neu ist, unnötig aufwändig und heikel aussieht, sind zumindest die Verantwortlichen (fast) völlig gelassen, immerhin geben sie die Erfolgsgarantie mit 98,3% an, wobei ein Prozentpunkt schon auf unberechenbare Fallschirmprobleme entfällt. Nicht mal Spirit (unter 90%), Opportunity (um 95%) und mindestens einem Viking-Lander (90%) wurde eine solche Erfolgschance bescheinigt.
Und hier die angepeilte neue kleinere Landeellipse mit Blickrichtung nach Süden über den Zentralberg des Kraters – auch in der Totalansicht.
Der Live-Blog bei Skyweek 2.0 zur Zielgeraden des marsianischen Superbowl-Tags läuft nun auch schon. Und hier weitere Links zu Live-Übertragungen zum online Mitfiebern:
05.08.2012

Noch 12 Stunden: Das Ziel des neuen Marsrovers

Mittlerweile sind es nur noch 12 Stunden bis zum Beginn der EDL-Phase (Entry, Descent, Landing bzw. Eintritt, Abstieg und Landung) um 7:10 MESZ morgen früh. Einen virtuellen Anflug von Curiosity auf den Gale-Krater hat das DLR am Freitag veröffentlicht.

Der Zielkrater der MSL-Mission ist der 150 Kilometer große Gale, der mit dem bis zu 5,5 Kilometer hohen Aeolis Mons zugleich eine ungewöhnlich große zentrale Erhöhung aufweist. Die Landezone des Rovers, in der NASA-Darstellung mit einem Punkt markiert, befindet sich im nördlichen Teil des Kraters dicht am Bergrand.

NASA, JPL, Caltech

05.08.2012

Noch 18 Stunden: Mobiles Marslabor landet im Gale-Krater

Nach etwas über 8 Monaten Reisezeit beginnt in genau 18 Stunden die Zitterpartie der viel zitierten „Seven Minutes of Terror“. Morgen früh um 7:10 MESZ beginnt nämlich mit dem Eintritt in die dünne Atmosphäre die Landung des 2-Milliarden-Dollar-Marslabors Curiosity auf dem Roten Planeten. Als Zielpunkt für den Marsrover wurde die zentrale Erhöhung Aeolis Mons im Gale-Krater anvisiert. Ob der mit 16 Kameras(!) und anderen wissenschaftlichen Instrumenten ausgestattete Rover die neu ausgetüftelte Landemethode mit dem Schwebekran 20 Meter über dem Boden überstanden hat, werden wir aufgrund der Signallaufzeit von 20 Minuten erst gegen halb 8 wissen.

Im NASA-TV kann man wie immer live im JPL in Pasadena dabei sein, mit den ersten Bildern wird jedoch erst 2 Stunden nach der Landung gerechnet.

Weitere zusammenfassende Vorabberichte mit reichlich Infos finden sich hier:

05.08.2012

Wie entstehen die Novae-Spektralklassen?

Seit einer Durchmusterung vor rund 20 Jahren werden Novae aufgrund bestimmter Merkmale in ihren Spektren in zwei Klassen eingeteilt: Mit 85% tritt der He/N-Typ mit markanten Helium- und Stickstofflinien am häufigsten auf, 15% machen die FeII-Novae mit prominenten Eisenlinien aus. Aber worin besteht die Ursache, dass eine Nova als ein bestimmter Spektraltyp sichtbar wird? Haben sie einen gemeinsamen Ursprung oder treten die Spektrallinien in unterschiedlichen Regionen der Trümmerwolke des Weißen Zwerges auf? Mit dieser grundlegenden Frage beschäftigt sich eine neue Studie.

Zusammen mit den sehr seltenen sog. hybriden Novae, die von einem Spektraltyp in einen anderen wechseln, gelangte man zum Schluss, dass alle Eruptionen dieser Art zu Beginn der He/N-Klasse angehören, schließlich kommt es bei der Zündung der Wasserstoffschicht des Weißen Zwergs auch zur Entstehung von Helium und Stickstoff. Die in der Explosion freigewordene energiereiche Strahlung beeinflusst den Partnerstern, der die kleine Sternleiche umkreist, und ein erhöhter Massenverlust wird angeregt.

Durch die Interaktion der sich ausbreitenden Eruptionswolke mit der ausgegehnten Atmosphärenschicht des Begleiters entsteht schließlich die Eisenlinie des FeII-Typ. Bis zu dem Auftauchen dieser Spektrallinie hat sich die Ausdehnungsrate der Nova bereits so weit verringert, dass das Eisen eine geringere Geschwindigkeit als die He/N-Linien anzeigt, was tatsächlich die Beobachtungen wiedergibt. In der neuen Arbeit kommt man somit zum Schluss, dass der Parameter des Massenverhältnisses beider Sterne ausschlaggebend für die Entstehung einer FeII-Nova ist.

05.08.2012

Die Form einer Supernova in 3D

Welche Form hat eigentlich eine Supernova? Ist es eher eine bipolare Explosion oder zeigt der Feuerball eine unregelmäßige Form mit Klumpungen? Welches Szenario plausibler ist, konnte bisher nicht entschieden werden und doch wurde scheinbar das 2D-Modell bevorzugt. Nun zeigen neue mit dem japanischen 8,2m-Subaru-Teleskop gewonnene Daten ganz klar, dass Supernovae eher eine  mehrdimensionale Geometrie aufweisen.

Als Studienobjekte wurden zwei im Jahr 2009 entdeckte Supernovae – 2009jf und 2009mi – des Typs Ib/c untersucht. Aufgrund ihrer Entfernungen von über 100 Millionen Lichtjahren sind sie nur als Lichtpunkte sichtbar, die jedoch mit 10.000 km/s explodieren, und über bestimmte Eigenschaften ihres Lichts lassen sich tatsächlich Rückschlüsse auf die Form der Supernovae schließen. Bei einer Belichtungszeit von jeweils 4 Stunden mit der FOCAS-Kamera wurden beide Supernovae mit der „Power of Spectropolarimetry“ beobachtet.

NAOJ

Mit den Daten der Polarisation konnte zusammen mit anderen Sternexplosionen festgestellt werden, dass sich die Sterntrümmer nicht axialsymmetrisch ausbreiten, sondern dass sie – zumindest wasserstoffarme Typ Ib/c-Supernovae – tatsächlich eher eine unregelmäßige Form aufweisen, wie in der Darstellung gezeigt.

Der Leiter der neuen Studie, Masaomi Tanaka, arbeitet seit mehreren Jahren auf diesem Gebiet, bereits seine 2009 vorgelegte Doktorarbeit trägt den Titel „Supernovae in Three Dimensions“. Und derzeit hofft man, dass die FOCAS-Kamera nach dem Kühlmittel-Unfall am Subaru-Teleskop vor gut einem Jahr bald wieder einsatzbereit ist. Für Oktober plant man die erste Beobachtung.

04.08.2012

Das Erdhörnchen vom Weltraumbahnhof Baikonur

Stern, Spiegel, Focus, Welt – alle haben sie schon über einen neugierigen Nager in der Nähe der kleinen russischen Stadt Baikonur berichtet. Angesichts der weiten kasachischen Steppe hat das Erdhörnchen sein Zuhause ausgerechnet im dortigen Weltraumbahnhof eingerichtet und ist jetzt so etwas wie das Startmaskottchen an der Rampe 200/39, unter der der Ziesel seinen Bau hat.

Der Youtube-Clip, der seit drei Monaten online ist und den Nager des Kosmodroms Baikonur zum lustigen Internetstar machte, wurde bereits fast 400.000 Mal angeklickt. Das Erdhörnchen beobachtet das Treiben am Startplatz, knabbert an der Kameralinse und wie sich herausstellt, befindet sich das Erdloch genau zwischen den Gleisen eines fahrbaren Service-Turms, der zu einer Proton-M-Rakete rollt. Aber selbst das schreckt den Ziesel nicht ab und schaut dem riesigen Stahlgerüst hinterher.

03.08.2012

Interferometrie-Schönheitswettbewerb mit AZ Cyg

Nachdem bekanntlich schon nach Superstars und Topmodels gesucht wird, wird von Astronomen bereits seit 2004 ein Interferometrie-Schönheitswettbewerb veranstaltet – in diesem Jahr fand der „Interferometric Imaging Beauty Contest“ zum 5. Mal statt. Statt nach Talenten wird hier nach dem besten Algorithmus für die Bildgebung aus Interferometrie-Daten gesucht.

Die Übersicht zeigt neun unterschiedliche Bildrekonstruktionen des gleichen Sterns. Zur Verfügung standen die im Mai 2011 mit dem CHARA-Interferometer gewonnenen Beobachtungsdaten des veränderlichen Roten Überriesen AZ Cyg (8,5 bis 9,5mag), der sich direkt über dem Nordamerikanebel (NGC 7000) befindet; ein Paper wird dazu noch folgen. Mit einem neuen Instrument lassen sich nun alle sechs 1m-Teleskope der CHARA-Anlage interferometrisch zusammenschalten. Einige der errechneten Bilder lassen helle Flecken erkennen, die auf riesige Konvektionszellen an der Oberfläche des Sterngiganten hindeuten und wie sie schon bei Beteigeuze sichtbar wurden.

Damit die erzeugten Ergebnisse der Bildverarbeitung vergleichbar sind, waren Pixel- (0,15 Millibogensekunden) und Bildgröße (64×64 Pixel) vorgegeben. Und wie die am 05. Juli vorgestellten Darstellungen der einzelnen Contest-Teilnehmer zeigen, sind mit den von ihnen verwendeten Software-Lösungen und entwickelten Algorithmen unterschiedliche Bildresultate entstanden. Gewonnen hat schließlich John D. Monnier von der University of Michigan, auf dem 2. Platz landete der deutsche Beitrag des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR) in Bonn.

01.08.2012

Amateurentdeckung eines Sternstroms bei NGC 5485?

Die Galaxie NGC 5485 fristet offenbar neben M 101, einem Musterbeispiel einer hellen Spirale, ein Schattendasein. Die 11,5mag helle linsenförmige Welteninsel befindet sich weniger als 1° nordöstlich von M 101, gegenüber des 21 Millionen Lichtjahre entfernten bekannteren Nachbarn steht sie allerdings 80 Millionen Lichtjahre tiefer im Raum.

Der Astrofotograf Fabian Neyer ist nun auf eine seltsame Eigenschaft von NGC 5485 gestoßen und berichtet darüber. Nach der Bildbearbeitung zeigt die Galaxie schwach aber erkennbar ringähnliche Fragmente. Durch die symmetrische Anordnung scheint auch ohne weitere Informationen eine Assoziation mit der Galaxie wahrscheinlich zu sein. Ob hier jedoch tatsächlich ein unbekannter Sternstrom, der vielleicht von einer zerrissenen Zwerggalaxie stammt, entdeckt wurde, konnte noch nicht geklärt werden, in der Fachliteratur ist zumindest nichts erwähnt.

01.08.2012

Blazar zwischen delta Aql und Barnards E entdeckt

Den hellen Stern delta Aql und die bekannte dreiteilige Dunkelwolke Barnard 142/143 – auch als Barnards E bezeichnet – trennen gerade einmal rund 1°. In diesem Zwischenraum stehen Stern and Stern dicht zusammengedrängt unzählige Sonnen der Milchstraße. Die hier gezeigte Aufnahme des Astrofotografen Mario Weigand gibt diesen Eindruck sehr gut wieder.

Mario Weigand, http://www.skytrip.de

Das man in dem Sterngewimmel der Milchstraße im Adler tatsächlich auch neue Objekte entdecken kann, zeigt die wenige Wochen alte Meldung eines neuen Blazars. So ging einer internationalen Forschergruppe bei der Suche nach sehr aktiven Sternen ein etwa 17,0mag schwaches Objekt ins Netz, bei dem es sich nach der Auswertung um einen im Gammabereich aktiven Blazar handelt. Für die weitere Untersuchung sei das Objekt außerdem ein potentielles Ziel für interferometrische Beobachtungen mit dem 10m-Weltraumteleskop RadioAstron, heißt es weiter.

Der entdeckte Blazar VASC J1942+10 befindet sich an der Position 19 42 47.48 +10 33 27.1, er steht dicht über einem etwas helleren Stern 15. Größe – zusammen sind sie in der linken Bildhälfte markiert. Auch auf der im aktuellen Heft interstellarum 83 abgedruckten Aufnahme ist der schwache Lichtpunkt erkennbar.

01.08.2012


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