Venus und Jupiter inkl. Mondschatten am Tag

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Weshalb für mich die Astronomie das fantastischste Hobby ist? Manchmal wird man das z.b. bei öffentlichen Beobachtungen gefragt und meist spreche ich dann von den unvorstellbaren Entfernungen und Dimensionen, vom Blick in die Vergangenheit und von den Extremen am Sternhimmel, oder ich erzähle davon, wie wir überhaupt Wissen über die unerreichbaren Himmelsobjekte erlangen können. Und dann gibt’s für einen Himmelsbeobachter natürlich auch solche Momente, an die man sich viele Jahre danach noch erinnert. Beispielsweise war so eine für mich besondere Beobachtung, als ich 2004 kurz vor ihrem Transit die Venus zum ersten Mal mit bloßem Auge am Taghimmel sah. Ohne eine einzige Orientierung am blauen Himmel ist es natürlich sehr schwer, da einen hellen Punkt, selbst wenn er der hellste Planet im Sonnensystem ist, zu finden. 16 Jahre danach ist es dann schon erheblich einfacher.

Wegen der aktuellen engen Venus-Jupiter-Konjunktion versuchte ich es am 30. Juni wieder. Zurzeit ist die Venus ungefähr 45 Grad von der Sonne entfernt, was sich am Himmel schon gut abschätzen lässt und mit einem Planetariumsprogramm hatte ich auch schnell die Stellung zur Sonne (zum Glück standen beide Waagerecht am Himmel) herausgefunden. Anschließend, es war so gegen 17:30 Uhr, suchte ich mit einem kleinen 8×40-Fernglas das vermutete Himmelsareal ab und sofort war die helle Venus gefunden, direkt daneben war auch schwach Jupiter zu sehen. Damit hatte ich gleich zwei Planeten am blauen Taghimmel im Blick. Da wurde mir mal wieder klar, was so ein kleines Fernglas doch alles leisten kann. Danach versuchte ich es freisichtig und es war kein Problem (Bild 2 ist nur mit einer Digitalkamera aufgenommen). Die Venus war mit bloßem Auge sofort zu sehen (sogar ohne Brille), wenn man denn halt weiß, wo sie steht. Auch im Sucher meines 12-Zöllers waren Jupiter und Venus auszumachen, während im Übersichtsokular die schöne Venus ihre Sichel mit den sog. Hörnerspitzen preisgab und der große Jupiter ebenfalls deutlich als Planet erkennbar war (Bild 3). Mit der Steigerung der Vergrößerung waren Jupiters Wolkenbänder immer besser zu sehen. Trotz – logischerweise – fehlenden Konstrasts waren die beiden Äquatorbänder (Bild 4) und die dunkleren Polhauben gut zu beobachten. Bei einer späteren Beobachtung, so gegen 20:00 Uhr, fiel mir bei 166-facher Vergrößerung fast mittig auf Jupiter ein dunkler Punkt nahe eines Wolkenbandes auf. Am Laptop überprüfte ich schnell meine Vermutung. Und tatsächlich! Ich beobachtete den Schatten des Mondes Io auf Jupiter – am Taghimmel!! 10, 15 Minuten später konnte ich seine Bewegung feststellen. Die Aufregung über meine “Entdeckung” machte sich im ganzen Körper breit. Um 21:05 Uhr, kurz vor dem Austritt des Mondschattens, verschwand das Planetenpaar schließlich hinter den Bäumen meines Gartenbeobachtungsplatzes.

Obwohl bereits die spannende Jupiterbeobachtung ganz klar ein Highlight darstellte, lockte auch noch das schöne Venus-Jupiter-Paar am Dämmerungshimmel. Denn die aktuelle Begegnung des hellsten und des größten Planeten des Sonnensystems hatte am Dienstag ihren Höhenpunkt, beide standen weniger als ein Vollmonddurchmesser voneinander entfernt, und so machte ich mich ab 22:00 Uhr auf die Suche nach einem schönen Fotomotiv. Als hinter mir schon der fast volle Mond aufging, war ich Richtung Westen unterwegs und fand schließlich zwischen zwei Nachbardörfern genau das richtige Motiv: ein wunderbares Planetenpaar über einer Burgruine. Und während sich das Paar langsam über die Landschaft bewegte und ich die Ruhe der Natur genoss, ging der Tag zu Ende, ein Tag mit einer besonderen Beobachtung.

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02.07.2015

#IYL2015: Die Entdeckung des Lichts als Zeittafel

Licht ist das vielseitigste Naturphänomen; EPS

In Michael Endes Buch “Momo” heißt es über die Zeit: “Es gibt ein großes und doch ganz alltägliches Geheimnis. Alle Menschen haben daran teil, jeder kennt es, aber die wenigsten denken je darüber nach. Die meisten Leute nehmen es einfach so hin und wundern sich kein bisschen darüber.” Diese Beschreibung gilt zweifellos ebenso für das Licht, denn egal wo wir sind, im täglichen Leben begegnet es uns überall. Selbst wenn wir es meist nicht wahrnehmen, weil z.b. die Radiostrahlung von Handys bzw. Smartphones, die Mikrowellenstrahlung im gleichnamigen Küchengerät, die Infrarotstrahlung einer Fernbedienung und die Röntgenstrahlung beim Arzt ganz einfach unsichtbar für unser Auge ist, aber dennoch ist es eine elektromagnetische Welle wie das sichtbare Licht. Ohne Licht – sichtbares wie unsichtbares – gäbe es kein Sehen, keine Farben, keine funktionierenden CD- oder DVD-Spieler, kein mobiles Internet, keine Glasfaser-Technologie, keine Solarzelle oder Digitalkamera, keine GPS-Navigation, keine Spektroskopie, kein Wissen in der Astronomie und Astrophysik sowie keine bildgebene Diagnostik oder Therapieformen in der Medizin, um nur ein paar Beispiele aufzuzählen. Das Licht ist somit ganz klar das wichtigste, vielseitigste und informativste Naturphänomen in unserem Alltag und in der Wissenschaft.

Aus diesem Grund möchte ich hier im aktuellen “Internationalen Jahr des Lichts” der UNESCO eine Zeittafel mit erwähnenswerten Entdeckungen, Erfindungen und anderen Dingen zum Thema Licht erstellen, die laufend aktualisiert werden soll. Ein Anspruch auf Vollständigkeit der Tabelle ist allerdings unmöglich, denn dafür ist das Licht einfach ein viel zu universelles Naturwunder. Dennoch hoffe ich mit meiner interdisziplinären Übersicht Interessantes, Spannendes und auch Unbekanntes über Licht zusammentragen zu können. Außerdem sollen natürlich noch weitere Beiträge zum “Jahr des Lichts” hier im Blog erscheinen, und dann gibt’s da noch meine tägliche Licht-Serie, die schon seit Anfang Januar läuft.

08.05.2015

Alexander Gerst auf seiner Homecoming-Tour

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Der deutsche Astronaut Alexander Gerst befindet sich seit ein paar Wochen auf so etwas wie seiner Homecoming-Tour, bevor er dann übermorgen (09. Mai) in seiner baden-württembergischen Heimatstadt Künzelsau mit einem großen Fest begrüßt wird. Seine Reise durch Deutschland begann in München, wo er am 21. April zunächst den DLR-Standort Oberpfaffenhofen, das Kontrollzentrum für das Columbus-Modul, vorbeischaute und anschließend mit Staatsministerin Ilse Aigner den Campus Garching der TU München besuchte, um dort einen Vortrag vor hunderten Studenten zu halten. Am 24. April ging es zum Technikmuseum Speyer, wo er sich u.a. mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer durch die größte Raumfahrt-Ausstellung Europas führen ließ. Am darauffolgenden Tag war dann für den öffentlichen Vortrag im Technikmuseum fast Ausnahmezustand angesagt, je nach Quelle sollen es 1.000 bis 3.000 Zuschauer bei Astro-Alex’ großartigem Vortrag über seine Mission “Blue Dot” gewesen sein. Das Foto und Video oben können da nur einen kleinen Eindruck vermitteln, ein ausführlicher Beitrag von mir wird aber noch folgen. Da war das Gedränge zu der angekündigten Autogrammstunde, die eh nur 30 Minuten geplant war, schon vorprogrammiert. Und so kam es dann auch, dass es viele enttäuschte Gesichter gab, denn wie vorab zu lesen war, musste der Astronaut noch zu einem anderen Termin.

Im Mannheimer Schloss sollte er nämlich am Nachmittag noch die höchste Auszeichnung des Landes Baden-Württemberg erhalten. Alexander Gerst wurde neben 24 anderen Personen von Ministerpräsident Kretschmann mit dem Landesverdienstorden ausgezeichnet. Als der tourende Astronaut am 27. April im hessischen Taunusstein und Geisenheim Halt machte, begeisterte er erneut viele Jugendliche. Zwei Tage später und nur wenige Tage nach seiner neuesten Auszeichnung, stand Gerst schon auf der nächsten Nominiertenliste. Für den Grimme-Online-Award wurde in der Kategorie “Spezial” “unser Mann im All” nominiert, wobei sich der deutsche Astronaut direkt bei seinen digitalen Fans und den wichtigsten Mitarbeitern bedankte; bis zum 13. Juni kann man übrigens online für den Publikumspreis abstimmen. Tags darauf war Astro-Alex zu Gast bei Stefan Raabs “TV-Total” und brachte als Geschenk einen Blue-Dot-Missionsaufnäher von der ISS mit.

Gestern (06. Mai) standen in Gersts Kalender gleich drei Termine in Berlin. Erst gab es im Twitter-Büro ein 22-minütige #FragAstroAlex-Fragerunde für seine Followerer, bei der auch meine Frage nach seiner Lieblingsmusik auf der ISS beantwortet wurde. Offenbar hörte er in der Cupola nicht nur elektronische Musik, sondern hatte auch Smetanas “Moldau” und Strauß’ Donauwalzer dabei. Um 15:00 Uhr stand er anschließend auf der großen Bühne der “re:publica”, einer Konferenz für das Medium Internet, wo ihm scheinbar doppelt so viele Leute zuhörten als in Speyer. Darum gab’s beim obligatorischen Gruppenfoto auch mal Selfie-Hilfe. Die Aufzeichnung (siehe oben) ist auch als Podcast verfügbar. Als letzter Termin fand am Abend noch eine Diskussionsrunde der Hessischen Landesvertretung in Berlin statt. Heute besuchte er Bremen, “die Weltraum-Stadt Deutschlands”, wie der 39-Jährige im Rathaus ins Goldene Buch der Stadt schrieb, und auch ein Treffen mit Schülern stand hier erneut auf dem Programm. Am Abend kam Astro-Alex bereits in Hamburg an, wo er  morgen (08. Mai) ab 15:00 Uhr im Audimax der Uni Hamburg über seine Mission sprechen wird. Zu der Veranstaltung wird ebenfalls ein Livestream angeboten.

Künzelsau, Alexander Gersts Heimatstadt, bildet am Samstag (09. Mai) den Abschluss seiner Homecoming-Tour quer durch Deutschland. Zunächst soll er um 14:00 Uhr im Rathaus zum Ehrenbürger ernannt werden. Im Anschluss heißt die Kleinstadt zwischen Stuttgart und Würzburg mit einem großen Fest, zu dem 8.000 bis 10.000 Leute erwartet werden, schließlich ihren Astronauten willkommen. Auch hier gibt’s ab 18:00 Uhr eine Liveübertragung. Ich bin schon sehr gespannt, auch auf die Astronauten-Ausstellung im Stadtmuseum.

07.05.2015

#IYL2015: Meine tägliche Twitter-Serie zum “Internationalen Jahr des Lichts”

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“Ich dachte mir deshalb, dass ich das Jahr 2014 nutzen werde, um Twitter ein wenig mit astronomischen Informationen zu füllen. 140 Zeichen mal 365 Tage macht insgesamt 51100 Zeichen. Daher auch der Name ‘Projekt 51100′” Mit diesen Worten stellte Wissenschaftsblogger und Buchautor Florian Freistetter sein Twitter-Projekt vor. “Ich möchte probieren, nicht einfach irgendwas über Astronomie zu schreiben. Sondern kurze, hoffentlich interessante Fakten finden, die sich in 140 Zeichen packen lassen.” Es folgte 365 Tage lang ein interessanter Projekt-Tweet und als die astronomische Twitter-Serie schließlich zum Jahreswechsel zu Ende ging, stolperte ich über die Frage: “Aber vielleicht möchte ja auch jemand anderes damit weiter machen?” Ich überlegte kurz und schon stand für mich fest, dass ich das tolle Projekt 51100 im Rahmen des aktuellen “Internationalen Jahr des Lichts” der UNESCO (IYL = International Year of Light) weiterführen möchte. Licht ist einfach zu universell, um nicht 365 kurze Tweets zusammenzubekommen. Gedacht, getan.

Licht ist schließlich überall, wo keine Dunkelheit ist. Und es ist immer da, egal ob das Licht sichtbar oder – wie meistens – unsichtbar ist. Das beginnt schon morgens mit dem Aufwachen: Wir öffnen die Augen und das Licht ist schon da. Und der Funkwecker, der uns jeden Morgen weckt, empfängt wie jeder andere Funkwecker in Deutschland seine Zeit über unsichtbare Radiostrahlung bei einer Frequenz von 77,5 kHz. Dieses von Mainflingen bei Frankfurt gesendete Zeitsignal gibt die Zeit weiter, die in den Atomuhren in Braunschweig entsteht. Dort werden für die Zeitmessung Cäsiumatome mit Mikrowellenstrahlung einer Frequenz von 9,2 GHz bestrahlt. Und wenn beim anschließenden Frühstück ein Radio läuft, dann ist das auch nur Radiostrahlung, die mit einer Frequenz von 100 MHz schwingt und in dem kleinen Gerät in ein akustisches Signal umgewandelt wird. Ja, auch ein Becher Morgenkaffee strahlt Licht ab, nämlich Infrarotes. So lässt sich unsere Verbindung zum Licht noch den ganzen Tag lang weiterverfolgen, wo wir beispielsweise der optischen Kommunikation in Glasfasern, Anwendungen der Laser-Technik, dem Satelliten-Fernsehen, der Lichtverschmutzung oder einer Nobelpreis-Auszeichnung in jeder Digital- bzw. Handykamera begegnen. Licht bestimmt unseren Alltag, ohne Licht geht nichts!

Mit meiner täglichen Twitter-Serie, die ihr unter dem Hashtag #Projekt51100 auf meinen Twitter-Kanal verfolgen könnt, will ich aber nicht nur zeigen, wo man überall im Alltag unwissentlich Licht findet. Außerdem möchte ich u.a. zeigen, wie sich das Wissen über das Licht über die Jahrhunderte erweiterte, wie bekannte auf Licht basierende Anwendungen entstanden sind oder wo Licht in der Forschung eingesetzt wird. Dabei spürt man auch schon mal kuriose und zugleich erschreckende, aber immer interessante Geschichten auf. Und natürlich soll die Astronomie nicht zu kurz kommen, denn als rein beobachtende Naturwissenschaft ist das Licht ihr wichtigster Bote, der heute mit unterschiedlichsten und immer trickreicheren Methoden analysiert wird. Denn nur so kann der Astronom die Vorgänge am Nachthimmel oder die Natur der Millionen und Milliarden Lichtjahre entfernten Himmelsobjekte studieren. Die ersten 4 Monate meiner Serie zum weltweiten Licht-Jahr liegen bereits hinter mir und ich bin schon gespannt darauf, was für spannende und “erhellende” Tweets wohl noch folgen werden.

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Noch 20 Stunden bis zur Sonnenfinsternis

So sieht die Wolkenprognose für Deutschland 20 Stunden vor der 70- bis 80-prozentigen Sonnenfinsternis aus. Die erste Grafik zeigt das aktuelle GFS-Modell, die gestrige Darstellung von ARD-Wettermann Karsten Schwanke bezieht außerdem noch die Hochnebel-Wahrscheinlichkeit ein. Es sieht weiterhin so aus, als ob nur der Himmel über Schleswig-Holstein von dicken Wolken verhangen sein wird, dagegen wird sich in NRW und im nördlichen Rheinland-Pfalz zeigen müssen, wie schnell sich hoffentlich der Hochnebel auflösen wird. “Selbst im südl. NRW Nebelauflösung bis ca. 10 Uhr”, so twitterte eben Schwanke. Wie auch immer das Wetter-Lotto im Westen ausgeht, zumindest in Bonn lädt die Volkssternwarte, direkt neben der Argelander-Sternwarte zu finden, ab 9:00 Uhr zu einer öffentlichen Sonnenfinsternis-Beobachtung (9:29 bis 11:49 Uhr, das Maximum (77 Prozent) ist um 10:37 Uhr) ein. Denn selbst wenn die vom Mond bedeckte Sonne nicht sichtbar sein sollte, gibt es immer noch die Möglichkeit Livestreams zu zeigen; hier und dort sind bereits einige Sofi-Liveübertragungen aufgelistet. Auch die BBC geht in die Luft, denn das britische Astronomie-TV-Format “Stargazing Live” will ebenfalls aus der Totalitätszone über dem Nordatlantik Livebilder aus einem Flugzeug übertragen. Die Sendung läuft zwischen 10:00 und 11:00 Uhr und ist von Deutschland aus z.b. hier und hier (UKBBC auswählen) erreichbar. Direkt von den Färöer-Inseln, neben Spitzbergen der einzige Landkontakt in der Kernschattenzone, will auch die Plattform slooh.com das Naturerlebnis totale Sonnenfinsternis live übertragen. Aber auch fern des Nordatlantiks gibt es zahlreiche Livestreams. Beispielsweise kann man sogar online die partielle Sonnenfinsternis im Radiobereich verfolgen, wofür ein 2,3-Meter-Radioteleskop der Uni Wien eingesetzt wird. Weitere Livestream-Angebote gibt es hier (“Sternstunde” in Leverkusen), hier (WDR in Köln), hier (Bresser in Rhede), hier (astroinfo.de in Stendal), hier (sterngucker.de in Thüringen), hier (Sternfreund in Heilbronn), hier (Hobbyastronom in Sinsheim) sowie dort (Hobbyastronom in der Schweiz).

Auch das Bonner Reisebüro Eclipse-Reise.de hat den Kernschatten zwischen Island und Schottland zum Ziel. Während es zu Hause “nur” einen Bedeckungsgrad von 77 Prozent gibt, ist die ausgebuchte Boeing 737 ab 7:45 Uhr in Richtung Nordatlantik unterwegs. Auch Blogger-Kollege Daniel Fischer, der bereits seinen Live-Blog zur Sonnenfinsternis gestartet hat, wird an Bord sein. Währenddessen sucht eine weitere Reisegruppe von Eclipse-Reisen.de auf den Färöer-Inseln ihr Wetterglück, worüber der bekannte Astrofotograf Stefan Seip online ein Reisetagebuch schreibt.

Wie auch immer das Wetter morgen Vormittag wird, ob ihr das Erlebnis Sonnenfinsternis outside oder nur online erleben könnt, ich wünsche auf jeden Fall allen Sonnenanbetern viel Spaß! Und auch wenn die Sonnenfinsternisbrillen vielerorts vergriffen sind (was sogar schon zu Panik an den Schulen führt) oder zu 200 Euro pro Stück bei eBay verkauft werden, gilt dennoch der wichtigste Warnhinweis, auf den hier nochmal der Wissenschaftsblogger Florian Freistetter aufmerksam macht: “Und Finger weg von irgendwelchen “Hausmitteln”! Sonnenbrillen, Röntgenbilder, rußgeschwärztes Glas und ähnliches sind KEIN vernünftiger Schutz vor der Sonne. Nicht nur ist die Filterwirkung zu schwach; es werden auch keine UV-Strahlen ausgefiltert, die ebenfalls schädlich sind! Sucht nach einer Volkssternwarte, Universität oder anderen Bildungseinrichtung in eurer Nähe in der öffentliche Beobachtungen stattfinden. Die gibt es fast überall und dort könnt ihr gemeinsam mit Experten ohne Gefahr für eure Augen die Finsternis beobachten.” In diesem Sinne: clear skies!! Denn die nächste hochprozentige Sonnenfinsternis gibt’s erst im August 2026, wenn der Mond dann sogar 88 Prozent – in Bonn – von der Sonne verdecken wird.

[Update] Nach dem ARD-Wolkenfilm zu urteilen, soll sich das Hochnebelgebiet über NRW doch hartnäckiger halten, der DWD spricht von “nur zögerlich auflösen”. “Dennoch bestehen gute Chancen, dass sich zum Höhepunkt der partiellen Sonnenfinsternis nur noch kleinere Hochnebelfelder am Himmel befinden.”

19.03.2015

Das fernste Foto der Erde: 25 Jahre Pale Blue Dot!

Auf den ersten Blick sieht es völlig unscheinbar und langweilig aus. Man erkennt nur ein paar Farbstreifen, alles sieht irgendwie rauschig aus und wenn man genau hinschaut, fällt einem in der unteren Bildhälfte vielleicht noch ein Pixelfehler auf. Ist das Kunst oder kann das weg? Was macht dieses uninteressante Bild zu einem besonderen Foto der gesamten Raumfahrtgeschichte? So besonders, dass nach dieser Aufnahme Alexander Gersts ISS-Expedition sogar den Namen “Blue Dot” erhielt. Hinter diesem blassblauen Punkt, weshalb dieses Bild auch “Pale Blue Dot” genannt wird, verbirgt sich etwas Einmaliges und Unersetzbares, es ist das Wertvollste überhaupt: Unsere Heimat, der Planet Erde. Das ist kein Pixelfehler, das sind wir – mehr als 7 Milliarden Menschen – aus unvorstellbaren 6 Milliarden Kilometern (40,5 AE) Entfernung! Somit ist diese unscheinbare Aufnahme das fernste Porträt der Heimat der Spezies Mensch. Die Bilddaten waren also rund 5 ½ Stunden unterwegs, um den Weg von der Raumsonde zur Erde zurückzulegen.

Entstanden ist das Foto “Pale Blue Dot” am Valentinstag 1990, also heute vor genau 25 Jahren. Die 1977 gestartete NASA-Sonde Voyager 1 befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits jenseits der Umlaufbahnen von Neptun und Pluto. In dieser Entfernung war die Sonne zu einem Stern westlich des Orion-Sterns Rigel geworden. Voyager 1 schaute am 14. Februar 1990 zurück ins Sonnensystem und machte insgesamt 60 Aufnahmen. Daraus entstand ein Familienfoto unseres Sternsystems, wobei die Planeten selbst nur mit Kontrastverstärkung erkennbar werden. Die Venus und unsere Erde befanden sich zum Aufnahmezeitpunkt im Streulicht der Sonne, was zu den seltsamen farbigen Streifen auf den Bildern führte. In den Wochen und Monaten danach übertrug die 5 ½ Lichtstunden entfernte Voyager 1 die Bilder zur Erde. Der Astronom und Autor Carl Sagan, der die Anregung zu dieser Aufnahme unserer kosmischen Heimat gab, veröffentlichte 1994 das Buch “Pale Blue Dot”, in Deutschland erschien es unter dem Titel “Blauer Punkt im All”. Daraus stammt in einer eigenen Übersetzung die folgende Passage. Denn niemand kann die Bedeutung dieses fahlen Lichtpunkts, bloß ein 6 Milliarden Kilometer entfernter Pixelfehler, besser wiedergeben und darum überlasse ich das Wort Carl Sagan:

“Denken wir doch einmal über diesen “Punkt” nach. Das ist “hier”, das ist “zu Hause”, das sind “wir”. Auf ihm lebte jeder, den Du liebst, den Du kennst, von dem Du jemals gehört hast, sein Leben. All unsere Freude und unser Leid, tausende von überzeugten Religionen, Ideologien und Wirtschaftstheorien, jeder Jäger und Sammler, jeder Held oder Feigling, jeder Schöpfer oder Zerstörer einer Zivilisation, jeder König oder Bauer, jedes junge Liebespaar, jede Mutter und jeder Vater, jedes hoffnungsvolle Kind, jeder Erfinder und Entdecker, jeder Moralapostel, jeder korrupte Politiker, jeder “Superstar”, jeder “herausragende Herrscher”, jeder Heilige und jeder Sünder in der Geschichte der Menschheit lebte hier – auf einem Staubkorn, erleuchtet von einem Sonnenstrahl.”

Übrigens: Bei meinem Twitter-Projekt zum “Internationalen Jahr des Lichts” durfte jener blassblaue Lichtpunkt heute natürlich nicht fehlen.

14.02.2015

Ab 28.02. lädt “Dialog der Sterne” zu Kunst und Wissenschaft ein

Was herauskommt, wenn sich die scheinbar gegensätzlichen Disziplinen Kunst und Wissenschaft auf Augenhöhe begegnen und miteinander interagieren, kann man noch anderthalb Wochen lang in der Bundeskunsthalle in Bonn erleben. Der 22. Februar ist nämlich der letzte Ausstellungstag von “Outer Space – Faszination Weltraum”; erst am 27. Januar konnte hier der 100.000 Besucher begrüßt werden. Und wie es der Zufall will, öffnet genau eine Woche nach dem Ende der Bonner Weltraum-Ausstellung eine weitere Ausstellung, in der sich Kunst und Wissenschaft treffen. In Pulheim bei Köln findet vom 28. Februar bis 22. März die Ausstellung “Dialog der Sterne”, die vom “Sonderforschungsbereich 956″ veranstaltet wird, statt. Sie kann täglich von 16:00 bis 20:00 Uhr im Atelier 50 des Walzwerks besucht werden. Zunächst handelt es sich hier um eine Kunstausstellung, die durch wissenschaftliche Vorträge ergänzt wird. Als kleines Highlight möchte ich den Herschel-Musikabend am 06. März erwähnen, denn bekanntlich war Wilhelm Herschel nicht nur ein großer Astronom, sondern auch Musiker und Komponist.

Unterstützt wird das Rahmenprogramm von “Dialog der Sterne” durch Himmelsbeobachtungen, die 3x von der Volkssternwarte Köln sowie – ein klarer Himmel vorausgesetzt – 4x von den Hobbyastronomen des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) angeboten werden und jeweils um 20:00 Uhr nach dem Vortrag beginnen. Zusätzlich sind auch Schulveranstaltungen geplant, für die eine Anmeldung erforderlich ist. Sicherlich ist die Pulheimer Ausstellung allein schon vom Umfang nicht mit der Bonner “Outer Space” zu vergleichen, dennoch bietet sie drei vollgepackte Wochen(!) mit der universellen Faszination für den Weltraum – hoffentlich mit clear skies!

10.02.2015


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