Archiv für August 2014

„Der Weltraum zwischen Kunst und Wissenschaft“ in der Bundeskunsthalle

Es sind nur noch etwas mehr als 5 Wochen, bis man in der Bonner Bundeskunsthalle die unendlichen Weiten des Weltraums „zwischen Kunst und Wissenschaft“ entdecken kann. Die große Weltraum-Ausstellung „Outer Space“ öffnet am 03. Oktober ihre Türen und stellte sich gestern Nachmittag mit einem Pressetermin zum ersten Mal der Öffentlichkeit vor. Das DLR in Köln-Porz hatte dazu in das High-Tech-Raumfahrtmedizin-Forschungszentrum Envihab eingeladen. Bevor es losging, konnte man im Foyer zunächst eine Sojus-Kapsel mit Alexander Gerst oder das 1:2-Modell des Rosetta-Kometenlanders Philae begutachten; direkt daneben lief die 1993 wiederentdeckte und bis 2010 restaurierte handkolorierte Fassung des Georges-Méliès-Klassikers „Die Reise zum Mond“ von 1902. Kurz bevor die Pressekonferenz startete, ließ sich DLR-Chef Wörner für einen Fotografen auch neben Alexander Gerst ablichten.

Zu Wörners Linken hatten am Tisch der Intendant der Bundeskunsthalle, Rein Wolfs, sowie die beiden Kuratoren der Ausstellung, Stephan Andreae und Claudia Dichter, Platz genommen. Anfangs schien das große DLR-Medizinlabor als Ort des Pressetermins für eine Kunstausstellung schon etwas  ungewöhnlich, doch schon zu Beginn stellte es sich als passende Wahl raus. Mit den Modellen im Foyer in Sichtweite verwies der DLR-Chef auf die beiden für Deutschland wichtigen Missionen von Rosetta und Alexander Gerst, die genau in den Zeitraum der Ausstellung fallen. Die Kometenlandung von Philae, die für den 11. November geplant ist, wird mit einer Liveübertragung ebenso in das Programm von „Outer Space – Faszination Weltraum“ aufgenommen, wie der Astronaut Alexander Gerst, für den es eine Welcome-Home-Party am 08. Dezember gibt. Er soll dann auch die für die Bundeskunsthalle zur ISS mitgenommene Bonner Biene als besonderes Exponat der Ausstellung übergeben. Außerdem wurde betont, dass Raumfahrt auch eine „Kulturaufgabe“ ist, was auf sehr vielfältige Weise in der bis zum 22. Februar laufenden Schau gezeigt werden soll. Zudem zeigte sich der Intendant erfreut, dass „Outer Space“ mit Bundeskanzlerin Angela Merkel unter der Schirmherrschaft eines Physikers steht, und so hofft man, dass sie auch der interdisziplinären Weltraum-Ausstellung einen Besuch abstatten wird.

Mit rund 40 Minuten Redezeit hatten die Ausstellungsmacher den Löwenanteil der Pressekonferenz, wobei die Kuratoren ausführlich die 12 Themenräume und die 3 von Künstlern gestalteten Räume, wo man u.a. mit einer Traktorsitz-Konstruktion direkt durch die Zimmerdecke in den Weltraum katapultiert wird, vorstellten. Bei den gezeigten Beispielen zu den jeweiligen Räumen zeigte sich sofort der hybride Charakter der Ausstellung. „Da trifft Rubens auf ET, zeitgenössische Künstler auf historische Instrumente, der Meteorit von Ensisheim auf das berühmte Bügeleisen aus dem Raumschiff Orion“, fasst es Hobbyastronom Paul Hombach treffend zusammen. Und wenn man in einer Ausstellung R2D2, C3PO und andere Figuren aus Science-Fiction-Filmen begegnet und gleichzeitig das sprichwörtliche Universum in der Nussschale oder Exponate zur Geschichte der Astronomie (es gibt Leihgaben des Bonner Argelander-Instituts für Astronomie (AIfA)) und Raumfahrt (u.a. Druckanzüge, Eugene Kranz‘ Weste oder die Socken von Astronaut Reinhold Ewald) entdecken kann, dann lässt sich „Outer Space“ schon jetzt als All-umfassend bezeichnen (ebenso an den Pressefotos erkennbar). Selbst für die Audioführungen konnten Alexander Gerst (vor seiner Reise zur ISS) und Ranga Yogeshwar (die Aufnahmen werden morgen gemacht) als Sprecher gewonnen werden. Die Kuratoren (und Blogger) bezeichneten die Schau in erster Linie als assoziative Ausstellung für die Sinne, wer sich für die Hintergründe und harte Fakten interessiert, der kann sich an einem sog. Medien-Cockpit informieren, dessen Design an das Raumschiff Orion angelehnt sein soll. Sehr assoziativ ist z.b. ein Holzbett des Künstlers Ronald Jones, in dem Neil Armstrong in der Nacht nach seiner Rückkehr vom Mond geschlafen haben soll.

Interessant fand ich persönlich u.a., dass auch Raumfahrt-Zeichnungen, die der Psychiatriepatient Karl Hans Janke hinter DDR-Anstaltsmauern entworfen hat, oder von Galina Balaschowa, Innenarchitektin von russischen Raumkapseln, gezeigt werden. Die 1931 geborene und heute in Koroljow nahe Moskau lebende Frau wurde sogar zur Ausstellungseröffnung eingeladen.

Unter den etwa 330 Exponanten von 95 Leihgebern für „Outer Space – Faszination Weltraum“ befinden sich natürlich auch echte Blickfänger. Wegen ihrer Größe müssen sie zuerst in die Ausstellungsräume gebracht werden. Wie der Intendant berichtete, kam kurz vor der Pressekonferenz die erste große Leihgabe an: Ein Viking-5C-Triebwerk der Ariane-4-Trägerrakete passte nur knapp durch die Türen. Die Kuratoren erklärten, dass ihnen sogar ein aktuelles Ariane-5-Triebwerk angeboten wurde, doch sie wollten unbedingt das Bauteil der Ariane 4. Ein weiteres Highlight verließ für die Ausstellung erstmals die USA, kam am Sonntag in Bremerhaven an und wird Freitagvormittag in Bonn am Museum landen. Es handelt sich dabei um die Liberty Bell 7 genannte Kapsel des Mercury-Programms, die 1961 startete, im Atlantik versank und erst 1999 geborgen werden konnte. Mit ihr wurde der Astronaut Gus Grissom der zweite Amerikaner im Weltraum und die Ausstellungsmacher zeigten sich gestern sichtlich stolz, so ein wertvolles Stück Raumfahrtgeschichte nach Bonn holen zu können und so einen weniger bekannten Pionier der Raumfahrt, der zudem auf tragische Weise ums Leben kam, zu würdigen.

Im Flyer zur Ausstellung heißt es: „Seit Menschengedenken ist der Weltraum Sehnsuchtsort, Projektionsfläche und Gegenstand der forschenden Neugier.“ Und so hoffe ich auf viele neugierige Besucher ab Oktober in der Bundeskunsthalle. Die Eröffnungsveranstaltung findet am 02. Oktober um 19:00 Uhr statt.

Übrigens: Weitere aktuelle Artikel gibt’s hier von Paul Hombach, vom Presseamt Bonn sowie vom General-Anzeiger Bonn.

26.08.2014

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TV-Tipp: 20-teilige Astro-Doku auf ARTE

Vor anderthalb Wochen erhielt ich eine Mail von der Presse- und PR-Abteilung des Fernsehsenders ARTE. Der Inhalt bestand einzig aus einem verlinkten Bild, so dass ich mir im ersten Moment erstmal nichts weiter dabei dachte. Doch weit gefehlt, denn die Ankündigung stellte sich als sehr interessanter TV-Tipp heraus. Dabei handelt es sich um eine französische Produktion von ARTE und Point du Jour, der Kopf dahinter ist der bekannte Wissenschaftsjournalist, Fotograf und Autor Serge Brunier. Für seine Verdienste um die Popularisierung der Wissenschaften bzw. im Besonderen der Astronomie hat die IAU bereits den Asteroiden 10943 nach ihm benannt.

Bruniers Dokumentation „Zwischen Himmel und Erde“ (Original: „Entre Terre et Ciel“), die aus 20 Teilen zu jeweils 26 Minuten besteht, will ARTE täglich ab dem 01. September immer gegen 15:45 Uhr ausstrahlen. Die einzelnen Episoden hat bereits mein Blogger-Kollege Stefan Gotthold aufgelistet. Und wer nun die tägliche Astro-Doku-Dosis im ganzen Monat September nicht mehr abwarten kann, der kann sich bereits am morgigen Samstag (02. August) ein Bild von der Qualität machen. Dann zeigt ARTE „Die große Nacht der Sterne“, in denen auch drei Folgen von „Zwischen Himmel und Erde“ zu sehen sein werden. In den Episoden der Vorabpremiere werden die Pariser Sternwarte, das Observatorium auf dem Pic du Midi und die Großteleskope auf Hawaii besucht.

Übrigens erfährt man auf der Facebook-Seite „Entre Terre et Ciel“, dass Brunier mit seinem Kamerateam schon für eine zweite Staffel unterwegs ist.

01.08.2014


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