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Wurden mit LIGO Gravitationswellen entdeckt?

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Ein enges Paar Schwarzer Löcher strahlt Gravitationswellen ab; Swinburne Astronomy Productions

Bislang war es nur ein vages Gerücht, das allerdings schon seit Monaten im Internet kursiert. Über Twitter hatte es Physiker und Kosmologe Lawrence Krauss in Umlauf gebracht: „Rumor of a gravitational wave detection at LIGO detector. Amazing if true. Will post details if it survives.“ Das war Ende September 2015, also gerade einmal eine Woche nach Beginn eines neuen Suchlaufs mit dem LIGO-Experiment. In der neuen Ausbaustufe – Advanced LIGO genannt – ist der Detektor immerhin 4x empfindlicher als beim Start von LIGO im Jahr 2002. Ist es also wirklich möglich, dass mit LIGO das erste Mal Gravitationswellen direkt beobachtet wurden? Wenn die jahrzehnte lange Suche nach diesen unvorstellbar winzigen Wellen der Raumzeit endlich Erfolg hätte, wäre das eine sensationelle Entdeckung und zugleich eine weitere fundamentale Bestätigung von Einsteins Gravitationstheorie, die Allgemeine Relativitätstheorie (ART).

Doch was steckt nun hinter dem Gerücht? Aktuell sind die Hinweise, dass die Wissenschaftler mit LIGO tatsächlich etwas gefunden haben, durch eine eMail erheblich konkreter geworden. Cliff Burgess, ein theoretischer Physiker aus Kanada, erläutert darin: „The LIGO rumor seems real, and will apparently come out in Nature Feb 11, so keep your eyes out of it.“ Demnach soll mit beiden LIGO-Stationen ein Gravitationswellen-Signal empfangen worden sein, dass bei einer Verschmelzung von zwei Schwarzen Löchern mit 36 und 29 Sonnenmassen entstanden ist. Das daraus resultierende Schwarze Loch soll eine Masse von 62 Sonnenmassen (bzw. 365 Kilometer Durchmesser nach Schwarzschild) besitzen, die restliche Masse – immerhin 3 Sonnenmassen – soll in Form von Gravitationswellen abgestrahlt worden sein. Zum Vergleich: Während die Erde gemütlich mit 30 Kilometern pro Sekunde um die Sonne läuft, werden nur durch diese Bewegung 200 Watt als Gravitationswellen abgestrahlt, bei der Verschmelzung des besagten binären Schwarzen Lochs liegt die Energie um 10 hoch 44 Größenordnungen höher. Wenn sich die Entdeckung (es wird eine Signifikanz von 5,1 Sigma angegeben) tatsächlich bewahrheiten sollte, wäre das ein weiterer sensationeller Triumph, und das auch rechtzeitig. Bei seinen Arbeiten zur Allgemeinen Relativitätstheorie stieß nämlich Albert Einstein vor 100 Jahren (genauer: im Juni 1916) auf die Gravitationswellen. Mit ihrem direkten Nachweis dürften sich einige Physiker hundertprozentig auf den Nobelpreis freuen. Der 1993 verliehene Nobelpreis für die Arbeit an einem relativitischen Doppelpulsar gilt gewissermaßen als indirekter Nachweis von Gravitationswellen.

Ein lesenswerter und sehr ausführlicher Blog-Beitrag zu den neuen Hinweisen zum vermuteten LIGO-Fund ist hier nachzulesen, auch Blogger-Kollege Florian Freistetter hat heute darüber geschrieben und hier wird gleich über drei angebliche Ursprungsorte am Himmel (Sternbilder Schwertfisch, Widder und Wasserschlange) spekuliert. Und wie es weiter dazu heißt, soll die LIGO-Entdeckung neben der „Nature“-Veröffentlichung außerdem auf einer Pressekonferenz (11. Februar um 16:40 MEZ) der Öffentlichkeit präsentiert werden. Tja, was auch immer das LIGO-Team am Donnerstag berichten wird, ich bin schon sehr gespannt darauf. Oder um es mit den Worten von Physiker Burgess zu sagen: „Woohoo! (I hope)“

[Update] Inzwischen wurde offiziell bestätigt, dass es am Donnerstag eine Pressekonferenz geben wird. So war heute Abend zu erfahren, dass parallel um 16:30 MEZ gleich an 4(!) Orten – in den USA (Washington), in Italien (beim VIRGO-Experiment nahe Pisa), in Großbritannien (London) und in Deutschland (Hannover) – Neuigkeiten zur Suche nach Gravitationswellen vorgestellt werden sollen.

08.02.2016

Erste Fotos von der Mondoberfläche per Fax

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Nur 3 ½ Jahre bevor Neil Armstrong und Edwin „Buzz“ Aldrin ihre großen Sprünge für die Menschheit im Mondstaub durchführten, hatte im Space Race noch die Sowjetunion die Nase vorn. Nach dem ersten Satelliten und dem ersten Mann im Weltraum, folgte Anfang Februar 1966 die erste weiche Landung auf dem Mond, so dass Luna 9 vor 50 Jahren die allerersten Fotos von der Mondoberfläche zur Erde funkte. Dazu schrieb der „Spiegel“ damals: „Sekunden nach der Landung meldete sich die sowjetische Instrumentensonde mit erdwärts zirpenden Funksignalen zur Stelle. Begierig lauschten auch westliche Wissenschaftler der russischen Mond-Grille.“ Darunter befanden sich auch die Astronomen des 76 Meter großen Radioteleskopes des Jodrell Bank Observatory bei Manchester. Kurz nach der Landung von Luna 9 am 03. Februar 1966 um 18:45 Uhr Ortszeit verstummte das Funksignal, so dass Direktor Bernhard Lovell schon an einen Fehlschlag – einen erneuten harten Einschlag – glaubte. Ab 18:58 Uhr hörten die Radioastronomen jedoch seltsame Signalgeräusche, auf die sie sich zunächst keinen Reim machen konnten. Schließlich bemerkte Mitarbeiter Reginald Lascelles, zuständig für die Pressearbeit, dass ihn die elektrischen Signale an ein Faxgerät erinnerten. So wurde in Manchester aus der lokalen Zeitungsredaktion der „Daily Express“ ein solches Bildfunkgerät ausgeliehen. Und mitten in der Nacht wurde in London noch ein Techniker mit einem zusätzlich benötigten FM/AM-Konverter losgeschickt, so dass in den Morgenstunden am Radioobservatorium das Equipment für die Datenübertragung zusammengebaut werden konnte. Um 7:00 Uhr war alles einsatzbereit.

Freitagnachmittag ging der fast volle Mond über Jodrell Bank auf. Und dann: Aus den seltsamen Signalen, die das riesige 76-Meter-Radioteleskop vom Mond empfing, druckte das Muirhead-Faxgerät der Journalisten unter staunenden Augen tatsächlich die ersten Fotos von der Mondoberfläche aus. Während dieser über einstündigen Beobachtungssession wurden vier von Luna 9 aufgenommene Mondlandschaften ausgedruckt und binnen 20 Minuten waren diese historischen Bilder an die Redaktionen des „Daily Express“ in Manchester, London und Glasgow übermittelt. So gelang die Presse an die ersten Fotos von der Oberfläche eines anderen Himmelskörpers überhaupt und nur anderthalb Tage nach der Landung zwischen Reiner Gamma und dem Krater Cavalerius erschien der Mond groß auf den Titelseiten. Am Samstag, den 05. Februar 1966 – heute vor genau 50 Jahren -, titelte die „Daily Express“: „From Luna 9 To Manchester – The Express Catches The Moon“. Am selben Tag konnte man die Nachricht und die Jodrell-Bank-Bilder sogar in der DDR-Zeitung „Neues Deutschland“ sehen, während in der Sowjetunion die Nahaufnahmen erst einen Tag später auf der Titelseite der „Prawda“ erschienen sind. Auch wenn die Presse dem sozialistischen Vaterland etwas zuvor kam, wurden zwei Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Luna 9 noch am Samstagabend im sowjetischen Fernsehen gezeigt. Dennoch wird das gehackte Signal und der Datenklau der westlichen Radioastronomen den Politikern und Raumfahrtfunktionären in der UdSSR sicherlich nicht geschmeckt haben. Am 10. Februar folgte in Moskau eine große 2 ½-stündige Pressekonferenz, bei der u.a. das Messergebnis mitgeteilt wurde, dass der Mond kein feststellbares Magnetfeld bestitzt.

Neben der ersten weichen Landung auf dem Mond und den ersten Oberflächenaufnahmen – via Fax und größtem Radioteleskop der Welt – zeigte Luna 9 auch, wie fest der Boden dort überhaupt ist. Der US-Astronom Gerard Kuiper empfahl daraufhin, wie man ebenfalls im „Spiegel“ nachlesen kann, die Astronauten mit schneeschuhähnlichen Fußbrettern auszustatten, um leichter vorwärts zu kommen. Anfang Juni 1966 erfolgte schließlich mit Surveyor 1 die erste weiche Landung einer NASA-Mondsonde – gut drei Jahre vor Apollo 11.

05.02.2016

Rückschau auf 2015, Vorschau auf 2016

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Auch wenn 2015 nicht sonderlich viel auf ZauberDerSterne.de passiert ist, bedeutet das nicht, dass ich letztes Jahr nichts mit Astronomie am Hut hatte. Ich hatte mich nur in erster Linie auf Facebook und Twitter konzentriert, dieses Jahr soll sich das aber wieder ändern. Tja, was hat sich noch getan? ZauberDerSterne.de hat nun ein Logo, ich habe wieder Artikel für „Interstellarum“ (jetzt „Abenteuer Astronomie“) geschrieben und der Köln-Bonner-Astrotreff (KBA), bei dem ich Mitglied bin, hatte seinen 100. Stammtisch. Ansonsten habe ich noch hin und wieder meine beiden Teleskope abgestaubt und natürlich war ich auch wieder viel unterwegs, ob mit oder ohne Fernrohr. Seit letztem Jahr organisiere ich 1x im Monat am Samstag um Halbmond öffentliche Beobachtungen mitten in Bonn (Bild 1). Von den 12 Terminen gab es tatsächlich 3x ein wolkenlosen Abendhimmel. An dieser Stelle muss ich mich bei allen KBA-Mitstreitern bedanken, die mich dabei unterstützt haben. Denn natürlich gehen 2016 diese monatlichen Sidewalk-Astronomie-Aktionen weiter.

Ebenfalls in guter Erinnerung sind mir unsere Beobachtungen zu den Ausstellungen „Outer Space“ in Bonn und „Dialog der Sterne“ in Pulheim bei Köln geblieben. Sogar zum Astronomietag und beim „Tag der Luft- und Raumfahrt“ von DLR und ESA (Bild 2) gab es viel klaren Himmel, so dass wir auch bei diesen Veranstaltungen öffentliche Himmelsbeobachtungen anbieten konnten. Allerdings muss man leider sagen, dass es auch ebenso viele wolkenverhangene Tage gab. So fiel unser Sun-Day zu Sommeranfang aus und selbst das Himmelshighlight 2015, die partielle Sonnenfinsternis, blieb hinter dichtem Hochnebel verborgen (die totale Mondfinsternis war dagegen glasklar). Während komplett NRW bedeckt war, konnte im restlichen Deutschland das Spektakel wunderbar am blauen Himmel verfolgt werden. Um in der praktischen Astronomie nicht immer von den Wolken abhängig zu sein, veranstaltete ich erstmals zwei Spaziergänge durch’s Sonnensystem, das am Bonner Rheinufer in Form eines Planetenweges aufgebaut ist. Des Weiteren führten mich zwei interessante Ausflüge zu Alexander Gerst. Zuerst fand ein Blue-Dot-Vortrag im Technikmuseum Speyer statt (Bild 3) und kurz danach ging’s zur Welcome-Home-Party in seiner Heimatstadt Künzelsau.

Und was plane ich jetzt für 2016? Das hat wie jedes Jahr Anfang Januar Stefan Gotthold alle Astronomie-Blogger in seiner Blogparade gefragt. Wie schon oben gesagt wurde, soll vor allem ZauberDerSterne.de nach einem Jahr Fast-Auszeit wiederbelebt werden. Das heißt zunächst, dass ich mir mehr als einen Blog-Beitrag pro Monat vornehme. ;) Letztes Jahr gab es hier vielleicht monatlich einen neuen Artikel und ich habe nur den Veranstaltungskalender „Astrotermine für Bonn“ regelmäßig gepflegt. Außerdem möchte ich die Blog-Interviews wieder aufnehmen. Büchervorstellungen möchte ich auch gerne machen und zwei neue Rubriken soll es oben in der Leiste geben: „Teleskop-Fragen“ für Hobbyeinsteiger und „Astronomie-Fragen“ mit allgemeinen Fragen/Antworten zum Thema. Gerade wenn man viel Astronomie in die Öffentlichkeit bringt, Mails mit Fragen erhält oder in entsprechenden Facebook-Gruppen unterwegs ist, bekommt man doch einiges mit, sei es von astronomisch Interessierten oder von Personen, die sich näher mit dem praktischen Hobby befassen möchten. Und so möchte ich mit diesen Rubriken Fragen sammeln und Antworten geben, so dass kleine nützliche Ratgeber entstehen.

Ansonsten habe ich bis auf die üblichen astronomischen Veranstaltungen und Termine 2016 hier in und um Bonn eigentlich keine konkreten Vorsätze. Angesichts des Wetters nehme ich mir auch keine besonderen Beobachtungsziele vor – Supernovae und Ausbrüche von Quasaren lassen sich eben schwer planen. ;) Hoffentlich klappt es dieses Jahr mit 100mm Öffnung den hellsten Quasar, 3C 273, vor die Linse zu kommen. Das ist mein Langzeitziel, da es bisher aus verschiedenen Gründen nicht geklappt hat. Und es wäre natürlich schöner, wenn das Wetter u.a. zum Merkurtransit Anfang Mai oder zu den Leuchtenden Nachtwolken Anfang Juli passen würde! Wirklich sehr viel Freude hat mir das „Internationale Jahr des Lichts“ gemacht, wie man ja an meiner täglichen Twitter-Serie gesehen hat. Wie ich aber das auf 2016 ausdehnen könnte, dazu habe ich noch keine konkreten Vorstellungen. Aber mal sehen …

28.01.2016

ISS-Saturn-Transitfoto entpuppt sich als Fake

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Dieses Bild, das einen ISS-Transit vor Saturn zeigen soll, ist tatsächlich eine Fälschung; Julian Weßel

Gerade im Zeitalter von Photoshop und Co. ist das Wort „gephotoshopped“ längst zum Synonym dafür geworden, dass sich heute jedes Bild manipulieren lässt. Und mit Plattformen wie Facebook, Twitter und Instagram verbreiten sich verfälschte Fotos und jede andere Art von falscher Information in Sekundenbruchteilen über den gesamten Globus. In Windeseile werden blind Inhalte geteilt, damit die Welt nicht stillsteht. Heute sind die wenigsten kritisch gegenüber dem, was sie sehen oder hinterfragen Informationen. Ich bilde da keine Ausnahme. So schrieb ich vor einer Woche auf abenteuer-astronomie.de einen kurzen Beitrag zu einer außergewöhnlichen Aufnahme, die einen ISS-Transit vor dem Planeten Saturn zeigen sollte. Kurz darauf wurde das von Julian Weßel gemachte Foto sogar von der NASA zum APOD, zum Astrobild des Tages, gekürt, fast zeitgleich meldete jedoch die Astro-Szene erhebliche Zweifel an und das Transitfoto wurde plötzlich infrage gestellt.

Zum Beispiel zeigte sich anhand pixelgenauer Überlagerung, dass in die fertige Aufnahme einfach 22 Mal ein und dieselbe ISS hineinkopiert wurde. Außerdem passt der Schatten auf dem Saturnring nicht zur aktuellen Stellung des Planeten (vermutlich wurde der Saturn 2015 aufgenommen) und auch das Wetter in der Region um Münster scheint am entsprechenden Morgen (15. Januar) alles andere als perfekte Aufnahmebedingungen geliefert zu haben. Trotz starker Bewölkung ist die fertige Arbeit wirklich ein schönes Pretty Picture von perfekter Qualität, selbst das Video zeigt keinerlei Einfluss der Luftunruhe (Seeing), obwohl der Saturn zum Aufnahmezeitpunkt (Sonnenaufgang) gerade einmal 20 Grad über dem Horizont stand. Die Vorwürfe der Astrofotografie-Experten sollten sich schließlich bewahrheiten, als sich Julian Weßel im APOD-Forum entschuldigte und klarstellte: „To make things clear I wanted to say that the APOD picture of Saturn and ISS is a composition of 2 Frames from different capturing session. They’re both overlayed and processed to make the event as detailed as possible. I’m sorry to all the astronomers feeling betrayed, this was not my intention.“

Somit war das Ergebnis viel zu schön um wahr zu sein und als Fazit ist festzuhalten: Weder ISS noch Saturn wurde während des besagten Transits am 15. Januar aufgenommen! Deshalb wurde zwischenzeitlich zum ersten Mal in der 20-jährigen Geschichte des APOD ein Bild nachträglich gelöscht (und ausgetauscht), außerdem äußerte sich der Astrofotograf gestern bei astronomie.de in einer weiteren Stellungnahme: „Viele werden sich fragen wie man überhaupt auf die Idee kommt so etwas zu machen. Ich weiss es selber nicht. Vielleicht war ich in der kurzen Zeit in der ich jetzt Astrofotograf war zu sehr darauf bedacht die tollsten Fotos zu machen ohne Schritt für Schritt erstmal zu lernen was einen Astrofotografen überhaupt ausmacht.“ Zudem stellt sich nun die Frage, ob dies nur ein Einzelfall ist oder hat der Astrofotograf vielleicht noch an anderer Stelle eigene Aufnahmen (beispielsweise die Venus-Saturn-Konjunktion oder sein ISS-Transit vor Jupiter) entsprechend verfälscht? Zweifellos fühlen sich jetzt viele Astrofotografen, die viel Zeit und Geld in das Hobby reinstecken, betrogen und rückt dazu noch die Arbeit derer, die das professionell und kommerziell betreiben, in ein schlechtes Licht. Somit brachte die Aufdeckung des Fake-APOD eine heftige Debatte in der Astro-Szene ins Rollen (etwa hier und hier): Wie glaubwürdig sind Astrofotos allgemein bzw. wie glaubwürdig sind viel eher die Astrofotografen dahinter? Bildbearbeitung gehört zur Astrofotografie dazu, so ist auch das Erstellen eines Komposits, eine Überlagerung aus Einzelaufnahmen, ebenfalls eine gängige Praxis und sollte in den Aufnahmedaten angegeben werden – erst recht bei seltenen Ereignissen wie einem ISS-Transit. Julian Weßels Fälschung wurde zwar aufgedeckt, doch es zeigt erneut, wie schnell wir heute alles glauben, was wir sehen. Übrigens war das Foto sogar noch in der heutigen Ausgabe der FAZ zu sehen.

Hier setzt sich Blogger-Kollege Stefan Gotthold ebenfalls mit dem Thema auseinander und auf abenteuer-astronomie.de gibt’s jetzt auch eine Richtigstellung – inkl. eines echten ISS-Saturn-Transits.

27.01.2016

Zur 9. Bonner Wissenschaftsrallye schnupperten 150 Schüler …

P1540692_01 … in die Astronomie rein. Denn am Samstag veranstaltete die Uni Bonn bereits zum 9. Mal die Wissenschaftsrallye durch Bonn-Poppelsdorf, bei der es für Schüler der Oberstufe wieder spannende Einblicke in die Forschung gab. 14 Stationen konnten interessierte Schüler diesmal entdecken und so technische und wissenschaftliche Berufe wie Geologie, Biologie, Informatik und Botanik kennenlernen. Die erste Station der Rallye war dieses Jahr erneut die Astronomie, auch wenn sich das astronomische Institut längst nicht mehr in der alten Sternwarte an der Poppelsdorfer Allee befindet. Deshalb war auch diesmal das Gebäude der Volkssternwarte Bonn (VSB) Gastgeber für die Berufsastronomen. Andrea Dieball (sucht nach Braunen Zwergen in Kugelsternhaufen) und Martin Quast (untersucht Röntgendoppelsterne) hatten drei verschiedene Aufgabenblätter (Sonnensystem, Sternhaufen und Strahlung) vorbereitet, die u.a. mit einer Powerpoint-Präsentation gelöst werden konnten. Wilfried Bongartz, Mitglied der Volkssternwarte und ich vom Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) unterstützten die beiden Astronomen, was angesichts des mitunter größeren Andrangs keine schlechte Idee war. So sorgten schätzungsweise um die 150 Schüler (oder mehr) für ein volles Haus, der Zulauf verteilte sich jedoch sehr gut.

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25.01.2016

Aus „Interstellarum“ wird „Abenteuer Astronomie“

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Ausgabe 1 von „Abenteuer Astronomie“

Nach der erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne vergangenes Jahr, hat sich gleichzeitig der Oculum-Verlag neu aufgestellt und es wurde der Neustart für das Astronomie-Magazin „Interstellarum“ vorbereitet. Ein Neuanfang ist nicht immer leicht, ganz besonders, wenn man dieses Heft bereits seit 1994 herausbringt. Man kann einen neuen Start aber auch als Chance sehen. Im Zusammenspiel mit Leserumfragen und einer Neuausrichtung des Magazins, entstand schließlich eine neue Zeitschrift. So war zwar „Interstellarum“ als ein traditionsreiches Blatt in der Szene bekannt, um jedoch ein größeres Publikum anzusprechen, hat sich die Redaktion für einen aussagekräftigeren Titel entschlossen. So ging leider mit dem Jubiläumsheft, der im Dezember erschienenen Ausgabe 100 von „Interstellarum“, nach 21 Jahren auch eine Ära zu Ende, und so wird ab heute Ausgabe 1 von „Abenteuer Astronomie“ im Handel erhältlich sein.

Neu ist aber nicht nur der Titel, es gibt auch neue Autoren für neue Rubriken, damit das Magazin für Interessierte, Einsteiger und professionelle Hobbyastronomen, für Astrofotografen und visuelle Beobachter gleichermaßen interessant wird. Der Blick auf die Inhaltsangabe von Ausgabe 1 macht schon das neue vielfältige Angebot deutlich. Von Kosmologie bis Teleskop-Tuning, von Beobachtungstipps für das Fernglas bis zu „Space Checker“ (eine Rubrik für Kinder und Jugendliche) – damit will „Abenteuer Astronomie“ die ganze Bandbreite des Hobbys Astronomie präsentieren. Wie vielleicht einige wissen werden, schreibe ich als langjähriger Autor mit viel Freude den ein oder anderen Beitrag für diese Zeitschrift und so freue ich mich ganz besonders auf das neue Abenteuer Astronomie; zu der ersten Ausgabe habe ich direkt drei Artikel beigetragen.

Es gibt auch einen neuen Online-Auftritt, der seit letzten Freitag erreichbar ist. Von nun an ist www.abenteuer-astronomie.de die Adresse für die Zeitschrift, alle Produkte des Oculum-Verlags (der neue Webshop folgt noch) und auch der beliebte Newsletter informiert hier weiter über Neuigkeiten. Bisher erschien dieser nur alle zwei Wochen, jetzt hält er täglich mit aktuellen Meldungen auf dem Laufenden und informiert so noch schneller über eine neu entdeckte Supernova. Weiterhin wird auch auf die Social-Media-Plattformen Facebook und Twitter gesetzt. Mit der neuen Homepage soll außerdem der interaktive Teil groß geschrieben werden. So gibt es zum einen ein Leserforum, in dem sich alle Leser von „Abenteuer Astronomie“ austauschen können. Dazu soll bald noch eine Astrofoto-Community online gehen.

22.01.2016

Wann wird man „Planet 9“ entdecken?

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Caltech, Robert Hurt (IPAC)

Seit gestern Nachmittag ist bei Twitter und Facebook die „Entdeckungsmeldung“ eines angeblichen neuen bzw. neunten Planeten das Thema überhaupt. Auch wenn die Medien wie leider so oft alles überzogen darstellen, muss man ganz einfach sagen: Fakt ist, dass man nichts beobachtet hat, sondern nur eine sorgfältig und überzeugend wissenschaftlich begündete Hypothese veröffentlicht hat. Mehr nicht. Damit unterscheidet sich diese Arbeit schon einmal von den sonstigen Meldungen um einen angeblichen Planeten X jenseits des Neptun, die seit Jahrzehnten immer wieder aus der Schublade geholt werden. Ohne die üblichen medialen Übertreibungen wird der Stand der Dinge u.a. sehr schön bei „Abenteuer Astronomie“ („Ein dicker Planet weit draußen im Sonnensystem?“) und im Blog von Astronom Florian Freistetter („Einige Informationen zur Entdeckung des „neuen“ Planeten in unserem Sonnensystem“) zusammengefasst.

Zwei Forscher untersuchten die Umlaufbahnen einige der fernsten Objekte, die bislang im Sonnensystem bekannt sind und fanden schließlich, dass sie seltsamerweise alle in eine Richtung zeigen (wie in der Grafik oben und hier zu sehen). Dieser Fund ist die Grundlage dieser neuen Theorie. Wie die beiden Autoren in ihrer Veröffentlichung schreiben, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit (eine echte Entdeckung ist dennoch nicht) so eine merkwürdige Ausrichtung der Umlaufbahnen nicht mit Zufall erklärbar und postulieren deshalb einen dynamischen Ursprung mit einem neuen Planeten als Verursacher. Es wurde die Orientierung und ungefähr die Ausdehnung der Umlaufbahn dieses „Planeten 9“ sowie seine etwaige Masse (um 10 Erdmassen) abgeleitet. Demnach befindet sich der vermutete Planet genau wie die anderen Objekte dieser Untersuchung sehr weit jenseits des Neptun bzw. des Kuiper-Gürtel genannten äußeren Asteroidengürtels. Während Neptun einen Abstand von 30 Astronomischen Einheiten (AE = 150 Milliaren Kilometer) zur Sonne hat, wäre „Planet 9“ um die 700 AE von ihr entfernt. Ein Umlauf um unseren Heimatstern würde somit zwischen 10.000 und 20.000 Jahren dauern. Das ist auch so ziemlich alles, was man bisher über das hypothetische Objekt sagen kann. Man weiß also weder, ob es ein Gesteinsplanet oder ein Gasplanet ist, noch welche Helligkeit es hat (von 18 bis 24mag ist alles möglich) oder wo es herkommt.

Kann man überhaupt solch eine eisige Welt so weit draußen im Sonnensystem entdecken? Mit den heutigen Mitteln ist das wohl sehr unwahrscheinlich, also müssen neue Instrumente her. Zu dieser Suche äußert sich Mike Brown, einer der Autoren dieser Arbeit, sehr ausführlich in diesem Artikel. Darin schätzt er die Größe von „Planet 9“ auf den 2- bis 4-fachen Durchmesser der Erde. „Such an object seems likely to be an ejected ice giant core, thus we assume that the size of Planet Nine is between about 2 times the radius of the Earth and 4 times the radius of the Earth, in keeping with observations of exoplanets of similar mass. We further assume that Planet Nine looks like Neptune and has a similar albedo.“ Außerdem geht er darauf ein, warum mit aktuellen Projekten wie WISE, PanSTARRS oder Catalina nichts gefunden wurde. Ein Nachweis mit heutiger Technik wäre am ehesten möglich, wenn sich der äußerst lichtschwache „Planet 9“ am sonnennähsten Punkt seiner Umlaufbahn befindet. Wenn er sich eher am sonnenfernsten Punkt, der sich zudem im Milchstraßenband befindet, aufhält, ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass man das Objekt in den nächsten Jahren oder sogar Jahrzehnten finden wird. Problematisch ist aber nicht nur die sehr geringe Helligkeit, sondern auch die äußerst geringe Bewegung (bei weniger als 1 Bogensekunde pro Stunde sehen die meisten Durchmusterungen deshalb nur einen stationären Stern).

So bleibt vorerst festzuhalten: „So where is it? Probably distant. 500 AU+. Probably fainter than 22nd magnitude. Very possibly in the middle of the Milky Way galaxy.“

21.01.2016

[Nachtrag] Das auf Hawaii stehende 8 Meter große Subaru-Teleskop, das mit der leistungsfähigen HSC-Kamera (Hyper Suprime Cam) ausgestattet ist, hält sich für die weitere Suche bereit. Denn bisher wurde damit nichts gefunden, wie Mike Brown berichtet: „Brown und Batygin haben nach ihrem Ziel mit dem Subaru-Teleskop auf Hawaii gesucht – bislang erfolglos. Mit dem Large Synoptic Survey Telescope (LSST) in Chile bestünden allerdings gute Chance, ihn zu erfassen, wenn das Instrument in wenigen Jahren in Betrieb geht, so Brown.“ Die wissenschaftliche Arbeit mit dem LSST soll allerdings erst 2022 anlaufen.


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