Archiv für Juli 2012

LRO: Flaggen bei Apollo-Landestellen sichtbar

„Question Answered!“ heißt es in diesem Blog zur Mondorbiter-Mission LRO. Die dort am Freitag gezeigten Bilder von verschiedenen Apollo-Landestellen zeigen neben Landeeinheiten, Mondrovern, Fahr- und Fußspuren ganz klar, dass die damals aufgestellten US-Flaggen auch nach rund 40 Jahren noch stehen – deutlich zu erkennen am Schattenwurf. Ob aber diese Detailaufnahmen die Frage der Mondverschwörer beantwortet, ob die bemannten Mondlandungen überhaupt stattgefunden haben? Im Zeitalter von Photoshop und Co. sicher nicht, schließlich stammen die Bilder auch nur von der NASA.

30.07.2012

Aktiver „Heißer Io“ bei Gliese 436?

Nachdem ich gestern schon vorab über einen möglichen Lavaplaneten bei dem Zwergstern Gliese 436 berichtet habe, erschien heute die entsprechende Arbeit dazu: „Two nearby sub-Earth-sized exoplanet candidates in the GJ 436 system“. Darin wird sogar ein zweiter Kandidat vorgestellt, der ebenfalls nur 2/3 der Größe unserer Erde und rund 0,28 Erdmassen besitzen soll. Sollten beide Exoplaneten mit genaueren Beobachtungen schließlich bestätigt werden, dann würden sie statt UCF-1.01 und UCF-1.02 nach gängiger Praxis Gliese 436c und d heißen.

Auch wenn es sich bei dem 10,7mag hellen Zentralgestirn um einen sehr kühlen Zwergstern handelt, der Abstand zu UCF-1.01 beträgt nur 2,8 Millionen Kilometer, so dass die kleine Lavawelt ungefähr 1.000 Mal mehr harte UV-Strahlung abbekommt als die Erde. Selbst wenn der Exoplanet durch die extreme Bestrahlung sehr schnell alle flüchtigen Elemente verloren haben dürfte, so wäre doch eine zeitweise Atmosphäre denkbar, die etwa durch Einschläge oder Gezeitenreibung als Ursache entstehen könnte.

Dies hört sich zwar nach einem „speculative scenario“ an, dennoch fand man spektroskopisch bereits erste Hinweise auf eine CO-haltige Atmosphäre auf der Tagseite des Planeten. Um das Vulkanismus-Modell eines aktiven „hot Io“ genauer zu untersuchen, hofft man nun z.b. Spektrallinien von Schwefel, Sauerstoff, Natrium und Kalium zu finden, was Anzeichen für eine quasi verdampfende Oberfläche wären. Vielleicht sieht der Lavaplanet UCF-1.01 mit durch Eruptionen entstehender Gashülle tatsächlich etwa so aus.

19.07.2012

Bilder von Komet P/2012 NJ (La Sagra)

Mit „Hi to all comet/asteroid friends“ meldet sich der Berliner Planetenforscher Gerhard J. Hahn in der Yahoo-Gruppe für Asteroiden und Kometen und zeigt die diese Woche von 2012 NJ mit dem 1,23m-Teleskop des Calar Alto gemachten Aufnahmen. Vor einer Woche von Amateurastronomen als Asteroid entdeckt, so ist auf den gezeigten Bildern klar ein Schweif erkennbar, was eher für ein kometenähnliches Objekt spricht.

19.07.2012

V Hya und die Bildung von Siliziumkarbid

Vor mittlerweile 25 Jahren wurde erstmals in Meteoriten eindeutig Siliziumkarbid (SiC) nachgewiesen und schon damals stand fest, dass es eigentlich nur in alten Sterntypen – sog. Kohlenstoffsterne – entstehen sollte. Bei SiC-Partikeln handelt es sich um präsolares Material (Presolar Grains), das durch die heiße Entstehungsphase des Sonnensystems nicht verändert worden ist. Somit sind die winzigen Mineralkörnchen natürlich älter als Sonne und Planeten, es ist ursprüngliches Material aus den abgestoßenen Hüllen von Riesensternen.

Ein für die Erforschung von SiC bekannter Meteorit ist vor allem Murchison. Wie viele präsolare Mineralien wohl mein 0,6 Zentimeter kleiner Murchison-Splitter enthält? 70 Prozent des in diesem primitiven Chondriten enthaltenen Siliziumkarbids besteht aus Körnchen von 0,3 bis 0,7 Mikrometern Größe und davon könnte mein 0,07 Gramm leichter kosmischer Krümel hunderttausende SiC-Partikel aus der Staubhülle eines vor Jahrmilliarden erloschenen Sterns enthalten.

Heute nähert man sich der Frage nach dem genauen Entstehungsort der SiC-Partikel mit immer besseren Simulationen sowie mit immer neuer Beobachtungstechnik. Diese Woche wurde eine Arbeit veröffentlicht, die die Ergebnisse eines von 2007 bis 2009 durchgeführten Beobachtungsprojekts vorstellt. Dabei wurden alte, leuchtkräftige Riesensterne des AGB-Typs (Asymptotic Giant Branch) mit dem MIDI-Instrument des VLT-Interferometers im mittleren Infrarot genau untersucht.

Unter den fünf AGB-Programmsternen befand sich auch der veränderliche Stern V Hya (etwa 8,0 bis 11,5mag), bei dem es sich um einen mit 2.600 Kelvin kühlen Riesenstern mit einer Sonnenmasse handelt, der sich auf einen Radius von 5 AE aufgebläht hat. V Hya strahlt mit einer Leuchtkraft von etwa 8.000 Sonnen und ist rund 1.200 Lichtjahre entfernt, was ungefähr der Entfernung des Orionnebels M 42 entspricht. Es wird außerdem angenommen, dass die weit ausgedehnte Riesensonne bereits einen Begleiter verschlungen hat.

In dem bereits abgestoßenen Hüllenmaterial, das der Kohlenstoffstern durch heftige Sternwinde verloren hat, bilden sich Moleküle und es kann Staub kondensieren. Die neuen interferometrischen Beobachtungen konnten ebenfalls die auf SiC hindeutende Spektrallinie nachweisen, die Astronomen fanden es sogar recht nah am Stern. Demzufolge scheint sich das in Meteoriten enthaltene Siliziumkarbid bereits im Abstand von 40 AE (etwa 8-facher Sternradius) von V Hya zu bilden.

19.07.2012

2012 NJ heißt nun P/2012 NJ (La Sagra)

Bei der vor zwei Tagen vorgestellten Entdeckung eines erdnahen Asteroiden auf ungewöhnlicher Kometenbahn, scheint es sich tatsächlich um einen Schweifstern zu handeln, der nun entsprechend auch die Kennung P/2012 NJ (La Sagra) erhielt. Der Berliner DLR-Forscher Gerhard J. Hahn, Institut für Planetenforschung, entdeckte auf Aufnahmen des 14,5mag hellen Objekts einen 0,5 Bogenminuten langen Schweif.

18.07.2012

8.400 Kilometer große Lavawelt im Löwen

Mit Hilfe des Weltraumsteleskops Spitzer haben Forscher der University of Central Florida (UCF) einen kleinen terrestrischen Planeten um die kühle Sonne Gliese 436 im Sternbild Löwe entdeckt. Mit 33 Lichtjahren Entfernung gehört der Rote Zwergstern noch zur kosmischen Nachbarschaft, außerdem besitzt er nur die 0,4-fache Masse und Größe unseres eigenen Heimatsterns. Seit 2004 ist bekannt, dass der 10,7mag-Stern von einem Exoplaneten mit ungefähr Neptunmasse, es war der erste Transitplanet des sog. Hot Neptune-Typs, umkreist wird.

Die nun entdeckte Welt – vorläufig mit UCF-1.01 bezeichnet – ist deutlich kleiner als der Gasriese. Genau genommen handelt es sich aber noch um einen Exoplaneten-Kandidaten, da z.b. noch nicht seine Masse bekannt ist. Zumindest nach den bisherigen Daten soll der Gesteinsplanet lediglich 8.400 Kilometer groß sein, sein Durchmesser läge also nur bei 2/3 der Größe der Erde. Durch die Nähe zu seiner Heimatsonne, ein Umlauf dauert nur 1,4 Tage (33 Stunden), wird seine zum Stern gerichtete Hemisphäre vermutlich auf über 500 °C aufgeheizt, so dass es sich bei dem kleinen Planeten um eine Lavawelt aus geschmolzenem Gestein handeln soll.

Die beiden Planeten des Sterns Gliese 436

Wie diese Darstellung zeigt, sind aufgrund des geringen Abstandes zwischen Erde und Gliese 436 von dort sogar noch uns bekannte Sternbilder leicht verändert erkennbar und so ist links z.b. der Orion zu sehen.

18.07.2012

Hochaufgelöste Tomografie einer extremen Zwergnova

Mit dem Verfahren der schon seit 25 Jahren in der Astronomie eingesetzten Doppler-Tomografie lassen sich beispielsweise Sonnenflecken, Protuberanzen und Magnetfelder weit entfernter Sterne kartieren. Im Falle von variablen Spektrallinien bei Veränderlichen lässt sich sogar ein zweidimensionales Bild einer Akkretionsscheibe rekonstruieren. Diese Methode hat ein britisches Astronomenteam nun an einer Zwergnova im Sternbild Becher durchgeführt. Das eruptive Sternsystem befindet sich an dieser Position nur 0,5° südwestlich von epsilon Crt, der 10.400 Kelvin heiße Weiße Zwerg soll mindestens 1.100 Lichtjahre entfernt sein und besitzt eine visuelle Helligkeit von normalerweise nur 20,4mag.

Bei einem Zwergnova-Ausbruch im März 2011 stieg seine Helligkeit um sechs Größenklassen auf 14,3mag. Bei der spektroskopischen Untersuchung der H-alpha- und He I-Linie wurden schnelle Variationen erkannt, die auf eine schnelle Umlaufbewegung mit einer Periode von nur 65 Minuten(!) deuteten. Aufgrund dieser extrem kurzen Umlaufzeit von gut einer Stunde erhielt man mit den Beobachtungen ein zeitlich aufgelöstes Gesamtbild des aktiven Zwergnova-Systems. Mit der auswertenden Doppler-Tomografie entstand schließlich eine Darstellung des Doppelsterns mit umgebender Akkretionsscheibe und dem Hot Spot der Nova-Eruption mit nachlaufenden, leuchtenden Gasmassen am Innenrand.

Im Zentrum steht der Weiße Zwerg und das X markiert den Begleiter, der nur 65 Minuten für einen Umlauf braucht. Eine weitere Besonderheit stellt der Begleiter selbst dar, denn aus den Beobachtungen konnte auch auf ein extremes Massenverhältnis von 0,017 geschlossen werden. Bei einer mit 0,83 Sonnenmassen typischen Masse von Weißen Zwergen in diesen sog. kataklysmischen Veränderlichen würde der Partnerstern, von dem das Gas akkretiert wird, nur 14 Jupitermassen betragen. Damit wäre der Begleiter sozusagen ein schrumpfender Brauner Zwerg, der durch die Massenanziehung der kompakten Sternleiche ständig Masse verliert. Wäre der Weiße Zwerg stattdessen 0,6 Sonnenmassen schwer, so würde der Partner mit 10 Jupitermassen schon als Riesenplanet gelten.

18.07.2012

SN 1054 in armenischer Schrift aus dem 13. Jahrhundert

Die Entdeckung der Supernova des Jahres 1054 – die Entstehung des Krebsnebels M 1 – wird noch heute oft auf Anfang Juli datiert, obwohl schon länger historische Quellen bekannt sind, die die erste Beobachtung mit April angeben. Für dieses drei Monate frühere Erscheinen spricht nun ein neuer Fund in den Schriften des armenischen Historikers Hetum Patmich aus dem 13. Jahrhundert. Wie der Autor selbst angibt, hat er Quellen aus Westeuropa verwendet.

Die Textstelle aus dem betreffenden Manuskript in der englischen Übersetzung: „1048AD. It was the 5th year, 2nd month, 6th day of Pope Leo in Rome. Robert Kijart arrived in Rome and sieged the Tiburtina town. There was starvation over the whole world. That year a bright star appeared within the circle of the Moon, the Moon was new, on May 14th, in the first part of the night.“ Schlüsselt man die Passage auf, so war Mitte April 1054 ein neuer heller Stern in einer auffälligen Konjunktion zur drei Tage alten Mondsichel zu sehen.

18.07.2012

Bonner Stadtspaziergang mit Argelander, Hertz und Co.

Wie ich hier und auch im Nachbarblog unter „Bonner ABC: Argelander, Beethoven, Chemiepalast … und Hertz“ darauf hingewiesen habe, werden passend zur aktuellen Heinrich-Hertz-Ausstellung geschichtliche Stadtspaziergänge zu drei großen Bonner Naturwissenschaftlern angeboten. Neben Physiker Hertz geht es hier um den Astronomen Argelander und den Chemiker Kekulé. Übrigens sind die hier genannten Führungen zurzeit nicht vollständig, denn weitere Termine zum Stadtspaziergang „Her(t)zenssache“ gibt’s noch im September und Oktober und zum Abschluss der Hertz-Ausstellung ist für den 10. Januar noch ein Vortrag im Deutschen Museum geplant.

Letzten Freitag um 17:00 Uhr hab ich mich einer kleinen Gruppe von sieben Leuten angeschlossen und zusammen folgten wir dem studierten Historiker, hauptberuflichen Spaziergänger und Blogger Rainer Selmann durch Bonn. Vom Startpunkt am Haupteingang der Uni ging’s erstmal durch die Flure und Flügel des Hauptgebäudes, wobei viel zu Heinrich Hertz (inkl. Frauengeschichten und in Bonn selbst nachgebauter Instrumente) und zur Geschichte des ehemaligen Schlosses erzählt wurde. Nach einer Darstellung, die die alten Uni-Mauern zu Hertz‘ Zeiten in den 1880er Jahren wiedergeben soll, hatte das Ganze eher den Charme eines Weinkellers.

Das Physikalische Institut lag damals zusammen mit einer Klinik im großen Südflügel, dessen Innenhof seit Kurfürst Clemens August bis zum ersten Stock mit Erde aufgefüllt war. Schließlich wollte der, wie nachzulesen ist, aus seinem „ebenerdigen Sommerappartement“ in einen Garten treten können. Eine andere Quelle berichtet über die von dem Erdreich der hängenden Gärten ausgehende Feuchtigkeit in den Gebäudemauern.

Selbst im Keller musste Hertz einen Regenschirm dabei haben. Der Physiker sorgt sich – zurecht! – und schreibt Weihnachten 1888 an seine Eltern über den bepflanzten Innenhof, der „im Innern in der Höhe der Wohnung eine Art schwebenden Garten, sogar mit großen Bäumen bildet. Derselbe ist von der Wohnung umschlossen, was ja allerdings einen großen Reiz hat, aber er macht das ganze Gebäude feucht und ungesund als Wohnung.“

Doch bevor Hertz mit seiner Familie in das Wohnhaus seines Vorgängers in der Quantiusstraße einziehen konnte, wurde übergangsweise erstmal ein schönes Gartenhaus des Hotel Kley bezogen. Hier wohnten sie April und Mai 1889, Mitte Juni zogen sie in ihr Haus am Bahnhof.

In dem etwa vor 100 Jahren abgerissenen Hotel Kley kehrte sogar Johannes Brahms sowie Friedrich Nietzsche, der beim Kaffee den Anblick des „herrlichen Siebengebirges“ genoss, ein, und auch der Astronom Karl Friedrich Zöllner nahm sich hier ein Zimmer: „Ermüdet von der langen Eisenbahnfahrt stieg ich im Hotel Kley ab und erfrischte mich an dem herrlichen Ausblick auf das Siebengebirge in der schön gelegenen Veranda am Gestade des Rheins.“ Der Vater des Begriffs „Astrophysik“ wurde im Hotel von Argelander besucht und schrieb später über die „herzgewinnende Persönlichkeit“ des Bonner Astronomen.

Da das Sekretäriat leider nicht besetzt war, konnten wir Hertz‘ Eckbüro mit Ausblick auf das Poppelsdorfer Schloss nur von außen betrachten. Hier zog der 32-jährige Professor zum Sommersemester 1889 ein. Und letztlich holte er sich in diesen feuchten Mauern den Tod. Anderthalb Jahre vor seinem frühen Tod fing es mit einem Schnupfen an, Entzündungen, Ohrenschmerzen und Rheumaattacken kamen hinzu, Kuren und Operationen folgten.

Im Dezember 1893 vollendete der Entdecker der Radiowellen noch seine „Prinzipien der Mechanik“, er hielt seine letzte Vorlesung und starb als 36-Jähriger am Neujahrstag 1894. Schuld daran waren die „klimatischen Verhältnisse im Südflügel“, versichert der Hertz-Biograf Albrecht Fölsing und schreibt weiter: „Der Arzt, der Heinrich Hertz behandelt hatte, „behauptet mit aller Bestimmtheit, Hertz sei am Institut gestorben.““

Weiter ging’s in Richtung Quantiusstraße. Wir machten kurz Halt an einem Laden mit Mikrowelle und an einer Bahnhofsuhr – beides Erfindungen, die auf Hertz‘ Entdeckung vor rund 130 Jahren basieren. Kein wissenschaftlicher Bezug, aber trotzdem interessant: Mitten in einer Einkaufspassage in Bahnhofsnähe steht ein Überrest der 400 Jahre alten Stadtbefestigung Bonns.

Wo Familie Hertz ab Juni 1889 in der Quantiusstraße wohnte ist normalerweise durch ein altes Hinweisschild erkennbar, jetzt hängt hier eine von sieben Infotafeln der Hertz’schen Caching Tour, die man mit einem Smartphone – funktioniert auch nur mit Funkwellen! – machen kann. Der zum Wohnhaus gehörende Garten mit einem Kastanienbaum war sicher ein Ruhepol des Wissenschaftlers: „Heute war ich den ganzen Tag im Garten, der jetzt ganz erfüllt ist mit Duft.“

Entlang der Gründerzeit-Häuser mit Katalog-Fassaden überquerten wir die Beringstraße und auch wenn es hier nachzulesen ist, hat sie nichts mit dem Dänen zu tun. Unser nächstes Ziel gegenüber des Poppelsdorfer Schlosses kann man heute einfach mit „Alte Chemie“ abkürzen und doch war es einmal das weltweit größte Institutsgebäude: der Chemiepalast von Friedrich August Kekulé, Entdecker des Benzols. Wie der Professor später selbst erzählte, kam er 1865 auf die Ringform des Benzolmoleküls, in dem ihm im Traum eine sich in den Schwanz beißende Schlange erschien.

Das Zimmer des Direktors lag am Ende des langen Flurs.

Vor der östlichen Front des „Tempels der Wissenschaft“, wie das Mitte der 1860er Jahre errichtete Gebäude auch mal genannt wurde, steht seit 1903 Kekulé höchstpersönlich, umgeben von zwei Sphinxen, die die Rätsel der Wissenschaft symbolisieren. Im hier zu sehenden Teil des Erdgeschosses lag der „Kleine Hörsaal“, das Stockwerk darüber bestand aus der großzügigen Direktorenwohnung. Im südlichen Vestibül war Kekulés Arbeitszimmer, die Fensterreihe rechts daneben gehört zu Schlaf- und Speisezimmer. Im hier nicht zu sehenden rechten Vestibül war ein Ballsaal mit halbrunder Treppe für die Töchter eingerichtet.

1868. Zu den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Bonner Universität kam auch der spätere erste deutsche Kaiser Wilhelm I., sein Sohn Kronprinz Friedrich Wilhelm zeigte sich beeindruckt von Kekulés Institutsgebäude und meinte, dass er hier wie ein General wohnen würde. Der Professor soll geantwortet haben, dass die Chemiker ja auch „kommandierende Generäle“ seien.

Die letzte Station des naturwissenschaftlichen Stadtspaziergangs war schließlich die Alte Sternwarte von Friedrich Wilhelm August Argelander. An der Zufahrt ist auch eine Hinweistafel zur digitalen Schnitzeljagd angebracht, wobei es hier im weitesten Sinne um die Bonner Radioastronomie geht.

Durch Beziehungen zum Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV., Bruder von Wilhelm I., mit dem Argelander seit Kindertagen befreundet war, erreichte der Astronom schließlich, dass Bonn endlich eine Sternwarte bekam. Grundsteinlegung des von Schinkel überarbeiteten Baus war 1840, vier Jahre später zog die Familie in die noch unfertige Sternwarte, 1845/1846 wurde der Bau endlich abgeschlossen.

Argelander führte in Bonn die Arbeit seines „väterlichen Freundes“ Bessel fort. Dazu wurde im zentralen Hauptturm der Sternwarte ein Heliometer aufgestellt, mit dem wie Bessel in Königsberg Parallaxen-Messungen durchgeführt wurden, um daraus die Entfernung zu einzelnen Sternen berechnen zu können. Das bekannteste Werk des Bonner Astronomen ist aber sicherlich die in den 1850er Jahren durchgeführte Bonner Durchmusterung, die hier in acht Jahren Beobachtungszeit mit einem kleinen 77mm-Refraktor enstand. Der US-Astronom Pickering bemerkte später einmal: „das kleinste Fernrohr, mit dem das größte astronomische Werk geschaffen wurde.“ Denn immerhin wurden damit Positionen und Helligkeiten von etwa 324.000 Sternen gemessen.

Nach dem Besuch im heute leeren Heliometer-Turm, wo man nur noch die drei Aufstellpunkte des massiven Stativs sieht, endete schließlich unser wissenschaftshistorische Spaziergang durch Bonn. Über drei Stunden dauerte er, durch die sympathische Art und Weise des Berufsspaziergängers Selmann war er jedoch nie langweilig. Den überaus interessanten – faktenreichen wie anekdotenreichen – Stadtrundgang zusammenfassend wurde nochmal betont, dass alle drei Bonner Professoren – Argelander (Staatsrecht), Hertz (Ingenieur) und Kekulé (Architekt) – zunächst Studienabbrecher waren, denn ihre Her(t)zenssache fanden sie erst in der Naturwissenschaft; Bessel hatte sogar schon als 14-Jähriger nach der 8. Klasse das Gymnasium verlassen.

16.07.2012

2012 NJ: Neue Amateur-Asteroidenentdeckung

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag (12./13. Juli) vergangener Woche wurde von Hobbyastronomen in Südspanien mit einem 45cm-Teleskop ein relativ heller Asteroid entdeckt. Nach den bisherigen Daten soll es ein 7,4 Kilometer großes Objekt sein, das die Sonne auf einer eher für Kometen typischen Bahn mit 84° Neigung umkreist, die Umlaufzeit beträgt rund 24 Jahre. Außerdem soll es sich bei dieser Neuentdeckung um den größten erdnahen Asteroiden seit 1990 handeln.

Der zurzeit ca. 14,5mag helle Asteroid erhielt die Kennung 2012 NJ, durchläuft aktuell das Sternbild Pegasus in nordwestlicher Richtung und wechselt Ende Juli in den Schwan. Die genauen Positionsdaten können bereits bei Calsky oder hier abgefragt werden, weitere Links und Bilder sind hier zu finden.

16.07.2012


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