Archiv für Juli 2012



SN 1054 in armenischer Schrift aus dem 13. Jahrhundert

Die Entdeckung der Supernova des Jahres 1054 – die Entstehung des Krebsnebels M 1 – wird noch heute oft auf Anfang Juli datiert, obwohl schon länger historische Quellen bekannt sind, die die erste Beobachtung mit April angeben. Für dieses drei Monate frühere Erscheinen spricht nun ein neuer Fund in den Schriften des armenischen Historikers Hetum Patmich aus dem 13. Jahrhundert. Wie der Autor selbst angibt, hat er Quellen aus Westeuropa verwendet.

Die Textstelle aus dem betreffenden Manuskript in der englischen Übersetzung: „1048AD. It was the 5th year, 2nd month, 6th day of Pope Leo in Rome. Robert Kijart arrived in Rome and sieged the Tiburtina town. There was starvation over the whole world. That year a bright star appeared within the circle of the Moon, the Moon was new, on May 14th, in the first part of the night.“ Schlüsselt man die Passage auf, so war Mitte April 1054 ein neuer heller Stern in einer auffälligen Konjunktion zur drei Tage alten Mondsichel zu sehen.

18.07.2012

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Bonner Stadtspaziergang mit Argelander, Hertz und Co.

Wie ich hier und auch im Nachbarblog unter „Bonner ABC: Argelander, Beethoven, Chemiepalast … und Hertz“ darauf hingewiesen habe, werden passend zur aktuellen Heinrich-Hertz-Ausstellung geschichtliche Stadtspaziergänge zu drei großen Bonner Naturwissenschaftlern angeboten. Neben Physiker Hertz geht es hier um den Astronomen Argelander und den Chemiker Kekulé. Übrigens sind die hier genannten Führungen zurzeit nicht vollständig, denn weitere Termine zum Stadtspaziergang „Her(t)zenssache“ gibt’s noch im September und Oktober und zum Abschluss der Hertz-Ausstellung ist für den 10. Januar noch ein Vortrag im Deutschen Museum geplant.

Letzten Freitag um 17:00 Uhr hab ich mich einer kleinen Gruppe von sieben Leuten angeschlossen und zusammen folgten wir dem studierten Historiker, hauptberuflichen Spaziergänger und Blogger Rainer Selmann durch Bonn. Vom Startpunkt am Haupteingang der Uni ging’s erstmal durch die Flure und Flügel des Hauptgebäudes, wobei viel zu Heinrich Hertz (inkl. Frauengeschichten und in Bonn selbst nachgebauter Instrumente) und zur Geschichte des ehemaligen Schlosses erzählt wurde. Nach einer Darstellung, die die alten Uni-Mauern zu Hertz‘ Zeiten in den 1880er Jahren wiedergeben soll, hatte das Ganze eher den Charme eines Weinkellers.

Das Physikalische Institut lag damals zusammen mit einer Klinik im großen Südflügel, dessen Innenhof seit Kurfürst Clemens August bis zum ersten Stock mit Erde aufgefüllt war. Schließlich wollte der, wie nachzulesen ist, aus seinem „ebenerdigen Sommerappartement“ in einen Garten treten können. Eine andere Quelle berichtet über die von dem Erdreich der hängenden Gärten ausgehende Feuchtigkeit in den Gebäudemauern.

Selbst im Keller musste Hertz einen Regenschirm dabei haben. Der Physiker sorgt sich – zurecht! – und schreibt Weihnachten 1888 an seine Eltern über den bepflanzten Innenhof, der „im Innern in der Höhe der Wohnung eine Art schwebenden Garten, sogar mit großen Bäumen bildet. Derselbe ist von der Wohnung umschlossen, was ja allerdings einen großen Reiz hat, aber er macht das ganze Gebäude feucht und ungesund als Wohnung.“

Doch bevor Hertz mit seiner Familie in das Wohnhaus seines Vorgängers in der Quantiusstraße einziehen konnte, wurde übergangsweise erstmal ein schönes Gartenhaus des Hotel Kley bezogen. Hier wohnten sie April und Mai 1889, Mitte Juni zogen sie in ihr Haus am Bahnhof.

In dem etwa vor 100 Jahren abgerissenen Hotel Kley kehrte sogar Johannes Brahms sowie Friedrich Nietzsche, der beim Kaffee den Anblick des „herrlichen Siebengebirges“ genoss, ein, und auch der Astronom Karl Friedrich Zöllner nahm sich hier ein Zimmer: „Ermüdet von der langen Eisenbahnfahrt stieg ich im Hotel Kley ab und erfrischte mich an dem herrlichen Ausblick auf das Siebengebirge in der schön gelegenen Veranda am Gestade des Rheins.“ Der Vater des Begriffs „Astrophysik“ wurde im Hotel von Argelander besucht und schrieb später über die „herzgewinnende Persönlichkeit“ des Bonner Astronomen.

Da das Sekretäriat leider nicht besetzt war, konnten wir Hertz‘ Eckbüro mit Ausblick auf das Poppelsdorfer Schloss nur von außen betrachten. Hier zog der 32-jährige Professor zum Sommersemester 1889 ein. Und letztlich holte er sich in diesen feuchten Mauern den Tod. Anderthalb Jahre vor seinem frühen Tod fing es mit einem Schnupfen an, Entzündungen, Ohrenschmerzen und Rheumaattacken kamen hinzu, Kuren und Operationen folgten.

Im Dezember 1893 vollendete der Entdecker der Radiowellen noch seine „Prinzipien der Mechanik“, er hielt seine letzte Vorlesung und starb als 36-Jähriger am Neujahrstag 1894. Schuld daran waren die „klimatischen Verhältnisse im Südflügel“, versichert der Hertz-Biograf Albrecht Fölsing und schreibt weiter: „Der Arzt, der Heinrich Hertz behandelt hatte, „behauptet mit aller Bestimmtheit, Hertz sei am Institut gestorben.““

Weiter ging’s in Richtung Quantiusstraße. Wir machten kurz Halt an einem Laden mit Mikrowelle und an einer Bahnhofsuhr – beides Erfindungen, die auf Hertz‘ Entdeckung vor rund 130 Jahren basieren. Kein wissenschaftlicher Bezug, aber trotzdem interessant: Mitten in einer Einkaufspassage in Bahnhofsnähe steht ein Überrest der 400 Jahre alten Stadtbefestigung Bonns.

Wo Familie Hertz ab Juni 1889 in der Quantiusstraße wohnte ist normalerweise durch ein altes Hinweisschild erkennbar, jetzt hängt hier eine von sieben Infotafeln der Hertz’schen Caching Tour, die man mit einem Smartphone – funktioniert auch nur mit Funkwellen! – machen kann. Der zum Wohnhaus gehörende Garten mit einem Kastanienbaum war sicher ein Ruhepol des Wissenschaftlers: „Heute war ich den ganzen Tag im Garten, der jetzt ganz erfüllt ist mit Duft.“

Entlang der Gründerzeit-Häuser mit Katalog-Fassaden überquerten wir die Beringstraße und auch wenn es hier nachzulesen ist, hat sie nichts mit dem Dänen zu tun. Unser nächstes Ziel gegenüber des Poppelsdorfer Schlosses kann man heute einfach mit „Alte Chemie“ abkürzen und doch war es einmal das weltweit größte Institutsgebäude: der Chemiepalast von Friedrich August Kekulé, Entdecker des Benzols. Wie der Professor später selbst erzählte, kam er 1865 auf die Ringform des Benzolmoleküls, in dem ihm im Traum eine sich in den Schwanz beißende Schlange erschien.

Das Zimmer des Direktors lag am Ende des langen Flurs.

Vor der östlichen Front des „Tempels der Wissenschaft“, wie das Mitte der 1860er Jahre errichtete Gebäude auch mal genannt wurde, steht seit 1903 Kekulé höchstpersönlich, umgeben von zwei Sphinxen, die die Rätsel der Wissenschaft symbolisieren. Im hier zu sehenden Teil des Erdgeschosses lag der „Kleine Hörsaal“, das Stockwerk darüber bestand aus der großzügigen Direktorenwohnung. Im südlichen Vestibül war Kekulés Arbeitszimmer, die Fensterreihe rechts daneben gehört zu Schlaf- und Speisezimmer. Im hier nicht zu sehenden rechten Vestibül war ein Ballsaal mit halbrunder Treppe für die Töchter eingerichtet.

1868. Zu den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Bonner Universität kam auch der spätere erste deutsche Kaiser Wilhelm I., sein Sohn Kronprinz Friedrich Wilhelm zeigte sich beeindruckt von Kekulés Institutsgebäude und meinte, dass er hier wie ein General wohnen würde. Der Professor soll geantwortet haben, dass die Chemiker ja auch „kommandierende Generäle“ seien.

Die letzte Station des naturwissenschaftlichen Stadtspaziergangs war schließlich die Alte Sternwarte von Friedrich Wilhelm August Argelander. An der Zufahrt ist auch eine Hinweistafel zur digitalen Schnitzeljagd angebracht, wobei es hier im weitesten Sinne um die Bonner Radioastronomie geht.

Durch Beziehungen zum Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV., Bruder von Wilhelm I., mit dem Argelander seit Kindertagen befreundet war, erreichte der Astronom schließlich, dass Bonn endlich eine Sternwarte bekam. Grundsteinlegung des von Schinkel überarbeiteten Baus war 1840, vier Jahre später zog die Familie in die noch unfertige Sternwarte, 1845/1846 wurde der Bau endlich abgeschlossen.

Argelander führte in Bonn die Arbeit seines „väterlichen Freundes“ Bessel fort. Dazu wurde im zentralen Hauptturm der Sternwarte ein Heliometer aufgestellt, mit dem wie Bessel in Königsberg Parallaxen-Messungen durchgeführt wurden, um daraus die Entfernung zu einzelnen Sternen berechnen zu können. Das bekannteste Werk des Bonner Astronomen ist aber sicherlich die in den 1850er Jahren durchgeführte Bonner Durchmusterung, die hier in acht Jahren Beobachtungszeit mit einem kleinen 77mm-Refraktor enstand. Der US-Astronom Pickering bemerkte später einmal: „das kleinste Fernrohr, mit dem das größte astronomische Werk geschaffen wurde.“ Denn immerhin wurden damit Positionen und Helligkeiten von etwa 324.000 Sternen gemessen.

Nach dem Besuch im heute leeren Heliometer-Turm, wo man nur noch die drei Aufstellpunkte des massiven Stativs sieht, endete schließlich unser wissenschaftshistorische Spaziergang durch Bonn. Über drei Stunden dauerte er, durch die sympathische Art und Weise des Berufsspaziergängers Selmann war er jedoch nie langweilig. Den überaus interessanten – faktenreichen wie anekdotenreichen – Stadtrundgang zusammenfassend wurde nochmal betont, dass alle drei Bonner Professoren – Argelander (Staatsrecht), Hertz (Ingenieur) und Kekulé (Architekt) – zunächst Studienabbrecher waren, denn ihre Her(t)zenssache fanden sie erst in der Naturwissenschaft; Bessel hatte sogar schon als 14-Jähriger nach der 8. Klasse das Gymnasium verlassen.

16.07.2012

2012 NJ: Neue Amateur-Asteroidenentdeckung

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag (12./13. Juli) vergangener Woche wurde von Hobbyastronomen in Südspanien mit einem 45cm-Teleskop ein relativ heller Asteroid entdeckt. Nach den bisherigen Daten soll es ein 7,4 Kilometer großes Objekt sein, das die Sonne auf einer eher für Kometen typischen Bahn mit 84° Neigung umkreist, die Umlaufzeit beträgt rund 24 Jahre. Außerdem soll es sich bei dieser Neuentdeckung um den größten erdnahen Asteroiden seit 1990 handeln.

Der zurzeit ca. 14,5mag helle Asteroid erhielt die Kennung 2012 NJ, durchläuft aktuell das Sternbild Pegasus in nordwestlicher Richtung und wechselt Ende Juli in den Schwan. Die genauen Positionsdaten können bereits bei Calsky oder hier abgefragt werden, weitere Links und Bilder sind hier zu finden.

16.07.2012

Neue UHECR-Quellen identifiziert

Extreme kosmische Strahlung mit den höchsten Energien von über 5x10e19 eV werden als UHECR (Ultra High Energy Cosmic Ray; das sog. Oh-My-God-Teilchen besaß 3x10e20 eV) bezeichnet und nach diesen Teilchenereignissen wird mit dem Pierre Auger Observatory gesucht. 2007 waren mit der Anlage genug Daten gesammelt, so dass man seitdem versucht passende Quellen der hochenergetischen Strahlung zu finden. Wegen der geringen Auflösung der Pierre-Auger-Anlage braucht es hierfür präzise Röntgenbeobachtungen zum Energie-Output von möglichen Kandidaten.

Wie heute berichtet wird, konnten mit von Januar bis August 2009 gesammelten Chandra-Daten zwei neue UHECR-Quellen identifiziert werden: IC 5135 (12,0mag, -35° Deklination) im Südlichen Fisch und IC 4329A (13,0mag, -30° Deklination) im Zentaur, bei letzterer Galaxie wurde im Jahr 2008 ein UHECR-Teilchenereignis mit 8,4x10e19 eV detektiert und galt sogar schon als nahester Quasar.

Aufgrund der Lage des Pierre-Auger-Projekts in der argentinischen Pampa befinden sich die infrage kommenden Galaxien meist am Südhimmel. Das nördlichste extreme Teilchen-Event mit 5,7x10e19 eV wurde bei -5,6° Deklination wenige Grad nördlich von iota Cet im Sternbild Walfisch registriert. Bei den wahrscheinlichen Quellen kommen nur die beiden Seyfert-Galaxien PGC 97496 und Mrk 945 infrage. Ihr gegenseitiger Abstand beträgt 4° und beide Objekte sind etwa 14,0mag hell, die PGC-Galaxie ist jedoch 250 Millionen Lichtjahre, die zweite Galaxie steht nur 200 Millionen Lichtjahre entfernt.

16.07.2012

Der alte Mann und das Higgs

Im Gegensatz zur Bonner Higgs-Vorlesung für Jedermann am Vortag ging der am Donnerstagnachmittag von Peter Higgs ganz altmodisch mit Overhead-Projektor und transparenten Folien gehaltene Fachvortrag mehr ins Detail; „My life as a boson“ konnte man auch online verfolgen. Zu Beginn seines 45-minütigen Vortrags erzählte der heute 83-jährige Schotte und emeritierte Professor, vor allem als Namenspate des Higgs-Bosons bekannt, über die Theorieentwicklung der spontanen Symmetriebrechung von Heisenbergs Ferromagnetismus bis zu Problemen der elektroschwachen Wechselwirkung Anfang der 1960er Jahre.

Im Sommer 1964 entwickelte er zusammen mit anderen Physikern den Higgs-Mechanismus, die Grundlage zur „zufälligen Geburt“ des Higgs-Teilchens. Weil man Higgs‘ an „Physics Letters“ gesandten Artikel weder verstand noch für wichtig genug hielt – ohne „offensichtliche Relevanz für die Physik“ -, wurde er zuerst abgelehnt und erschien erst etwas später in überarbeiteter Form.

Nach der Beschreibung seines vor fast 50 Jahren entwickelten Theoriegebäudes, folgte der Sprung in die Gegenwart zur Sechs-Milliarden-Euro-Weltmaschine am CERN und den Geschehnissen der letzten Wochen. Bei der anschließenden Fragerunde der Studenten erwähnte Peter Higgs auch, wie „sein“ Teilchen zuerst Higgs-Meson hieß und erst seit den 1980er Jahren Higgs-Boson genannt wird. Zum Schluss kam dann doch noch eine Frage zum „goddamn particle“/“god particle“, wobei ihm diese Bezeichnung schon peinlich ist.

Die komplette Aufzeichnung der Vorlesung kann man sich hier ansehen.

15.07.2012

Klarer Himmel kurz nach der Jupiterbedeckung

Während ich mit der Jupiterbedeckung im Bonner Raum schon abgeschlossen hatte, kam doch noch die erhoffte und auch im Wolkenfilm vorhergesagte Lücke am bedeckten Morgenhimmel. Gegen 10 nach halb 5, etwa 20 Minuten nach dem Austritt Jupiters am dunklen Mondrand, verzogen sich langsam die grauen Wolken und ich griff zur Canon, die schon bereit lag.

Nach Mond und Jupiter tauchte kurze Zeit später auch die an den Morgenhimmel zurückgekehrte Venus in der anbrechenden Dämmerung auf.

Im 80mm-Richfielder sah das enge Paar so aus.

Der anbrechende Sonntagmorgen …

Etwas nördlich in Bonn-Beuel hatte ein weiterer KBA-Sternfreund Glück mit der Wolkenlücke: Seine Aufnahme zeigt den ganz knapp verpassten Kallisto-Austritt.

Weitere (sieben bewegte) Bilder der Jupiterbedeckung wurden bereits hier zusammengefasst, wunderbare Aufnahmen sind z.b. hier und hier zu sehen.

15.07.2012

Jupiterbedeckung fällt aus, Nova noch da

Eigentlich sollte genau jetzt die Jupiterbedeckung durch den Mond zu beobachten sein und obwohl es nach Mitternacht auch stellenweise klar war, zog es dann doch wieder zu. Und so bleiben mir nur zwei Bilder aus Sachsen und dieser Youtube-Clip des Eintritts aus Israel, der eben hochgeladen wurde.

Zumindest konnte ich in der Wolkenlücke vorhin um halb 2 noch kurz einen Blick auf die Nova werfen. Ich schätzte ihre Helligkeit nun auf 8,7mag, was eine Abnahme von fast einer Größenklasse in den letzten drei Tagen bedeutet.

15.07.2012


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