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Letzte öffentliche Himmelsbeobachtung in Bonn 2015

Am Donnerstag sah die Wetterprognose für den gestrigen Samstag noch gut aus, danach verschlechterte sich die Vorhersage jedoch wieder und nach vielen prüfenden Blicken auf stündliche Wolkenprognosen und Satellitenbilder haben Malte und ich uns dennoch dafür entschieden, die für 2015 letzte öffentliche Himmelsbeobchtung in Bonn zu starten. Gegen 17:15 Uhr trafen wir gleichzeitig bei der Argelander-Sternwarte ein und bauten unsere großen Teleskope auf der Wiese der Poppelsdorfer Allee auf. Und wir waren noch mit dem Aufbau beschäftigt, da kamen schon die ersten Fragen, was wir denn da machen. Wenig später kam sogar noch Dieter, ebenfalls Hobbyastronom des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) vorbei und brachte sein 60mm-Teleskop mit. So konnten sich die vielen neugierigen Passanten, die z.b. auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt, ins Kino – natürlich „Star Wars“ – oder mit Weihnachtseinkäufen unterwegs waren, für einen Moment mal den Halbmond von nahem ansehen. Zwischendurch wählte ich bewusst auch mal eine hohe Vergrößerung, damit jeder interessierte Besucher mit einer Hand am Tubus auch selbst einmal über die von Kratern übersäte Landschaft surfen konnte. So ein Flug über die Oberfläche ist gerade durch den Blick wie aus einem Raumschifffenster immer wieder beeindruckend. Das Alpental war deutlich neben dem lavaüberfluteten Krater Plato zu sehen, die Gipfel der Apenninen warfen noch Schatten, auch die Rupes Recta warf ihren schnurgeraden Schatten, aber besonders markant war der Krater Clavius. Sah er anfangs noch wie ein großes, schwarzes und rechteckiges Loch aus, fielen ein paar Stunden später die ersten Sonnenstrahlen auf den gegenüberliegenden Kraterrand von Clavius. Wenn man mit manchen Leuten länger ins Gespräch kam, unterhielt man sich nicht nur über Mond und die Entstehung seiner unterschiedlichen Formationen, stattdessen sprach man z.b. über Lichtverschmutzung, Supernova-Explosionen, kosmische Strahlung, kosmologische Rotverschiebung oder die beschleunigte Expansion des Universums.

Kurz vor 18:00 Uhr kam außerdem wie immer pünktlich auf die Minute die ISS vorbei und während die meisten Leute um uns herum sie mit bloßem Auge am Abendhimmel verfolgten, konnte Malte mit seinem 14,5-Zoll-Teleskop die Raumstation deutlich aufgelöst sehen. Trotz des hellem Stadthimmels richteten wir später am Abend unsere Fernrohre noch auf das Siebengestirn (Plejaden), die Andromedagalaxie und sogar auf den Orionnebel. Auch angesichts dieser verwaschenen Nebelflecke zeigten sich die Besucher beeindruckt. Denn wann sieht man schon mal einen Geburtsort neuer Sterne oder 2,5 Millionen Jahre in die Vergangenheit zurück, denn schließlich ist die Andromedagalaxie, unsere große Nachbargalaxie, wirklich 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt. Als größte Überraschung stellte sich jedoch das Wetter heraus, denn obwohl jedes Wettermodell Wolken ankündigte, hatten wir bis auf kurzzeitige Ausnahmen durchweg einen klaren Himmel. Umso mehr freute ich mich über die richtige Entscheidung (wer nicht wagt …) und die anschließend sehr schöne Himmelsbeobachtung, bei der vielleicht über 50 Personen bei unseren Teleskopen vorbeischauten. In den gut 5 Stunden, in denen wir zu dritt unsere Fernrohre auf den Herbsthimmel richteten, gab es wieder viele nette Besucher, schöne Gespräche, interessante Fragen und neue Erfahrungen, denn wie bringt man beispielsweise einem blinden Mann die astronomische Beobachtung näher? Und irgendwann endete schließlich unser Weihnachtsspecial und wir bauten um 22:15 Uhr die Instrumente ab, temperaturmäßig werden es immer noch um die 10 Grad gewesen sein.

Damit war die letzte öffentliche Beobachtung in Bonn wirklich voller Erfolg, aber keine Angst: Auch für 2016 sind wieder monatliche Teleskopaktionen geplant, bei denen wir bei klarem Himmel Fernrohre auf der Poppelsdorfer Allee aufbauen und unsere Faszination für die Astronomie in die Stadt bringen wollen. Meine Auswahl für „Astrotermine für Bonn“ 2016 ist bereits online. Ich bin schon gespannt, wieviele der geplanten 12 Mondtermine das Wetter nächstes Jahr zulässt. 2015 waren es immerhin 3 von den 12 Beobachtungen (Juni, August, Dezember). Also: clear skies 2016!

Malte Tewes

21.12.2015

Das Deutsche Museum Bonn feiert heute 20. Geburtstag

Das Deutsche Museum Bonn hat heute allen Grund zu feiern, denn am 03. November 1995 wurde das Technikmuseum in der Ahrstraße 45 eröffnet. Seitdem ist es nicht nur ein typisches Museum wie jedes andere auch, darüber hinaus ist das Haus ein vielgenutzter außerschulischer Lernort, der technische und naturwissenschaftliche Bildung für alle Altersstufen anbietet. Eine Besucherstimme dazu: „Wir haben einen 4-Jährigen und es ist bisher das einzige Museum wo er anfassen und experimentieren darf. Deshalb gefällt uns das Museum besonders gut, denn nur gucken ist für die Kleinen und Großen auf Dauer langweilig.“ Auch die Fotos oben sollen zeigen, wie breit gefächert das Themenspektrum des Hauses ist. So gibt es nicht nur regelmäßige Wechselausstellungen zu technischen und wissenschaftlichen (u.a. Astronomie, Physik, Chemie) Themen; zuletzt wurde hier sogar so etwas abstraktes wie Einsteins Gravitationswellen sprichwörtlich greifbar gemacht. Auch klassische Musik des Astronomen Wilhelm Herschel konnte man dort bereits hören oder in einer kleinen Ausstellung die wunderschönen Werke des CERN-Fotografen Michael Hoch (Bild 3) bestaunen. Das man auch die ganz Kleinen mit Astronomie begeistern kann, zeigte zum Beispiel das Lesefest 2009 (Bild 4 und 5), das damals ganz im Zeichen des Astronomiejahrs stand (das Lesefest 2015 findet bereits am 22. November statt). Dass die Astronomie im Deutschen Musem Bonn insgesamt sehr beliebt ist, zeigen Vortragsreihen wie „Neues aus dem All“ oder „Pauls Portables Planetarium“ (2014 war sogar Astronaut Alexander Gerst live auf der ISS zu sehen), die immer sehr gut besucht werden. Und sofern der Himmel mal ausnahmsweise wolkenlos sein sollte, werden sogar direkt vor der Museumstür Mond- oder Sonnenbeobachtungen mit Teleskopen der Hobbyastronomen des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) angeboten; „Pauls Portables Planetarium“ gibt es bereits am 10. November wieder.

Für Bonn wird es gerade durch dieses besonders breite Angebot an verschiedensten Veranstaltungen (für Kinder und Jugendliche gibt’s sogar einen extra Kalender) zu einem einmaligen Ort für die Wissensvermittlung und trotzdem ist es schon seit längerem von der Schließung durch die Stadt Bonn bedroht. So feiert das Museum heute Abend leider nicht nur seinen 20. Geburtstag, sondern gleichzeitig auch die Gründungsparty des Fördervereins (www.wissenschaft-spass.de), das auf Initiative der IHK zur Rettung des Deutschen Museum Bonn gegründet wurde. Auf die nächsten 20 Jahre!! Her(t)zlichen Glückwunsch!

03.11.2015

Sehr gut besuchte Sonnenbeobachtung zum „Tag der Luft- und Raumfahrt“

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So sah sie aus, unsere erfolgreiche Sonnenbeobachtung zum „Tag der Luft- und Raumfahrt“, der am 20. September auf dem Gelände von DLR und ESA in Köln-Porz stattfand. Nachdem sich die Wetterprognosen bis zum vergangenen Sonntag zusehens verschlechtert hatten, wurden am Tag selber doch noch 3 Sonnenstunden angekündigt und die hatten wir tatsächlich auch. Um Punkt 10:00 Uhr (Bild 1) kam die Sonne hinter den grauen Wolken hervor, also pünktlich zum Beginn des Tags der offenen Tür. Und bis etwa 13:00 Uhr blieb es auch so schön: Die Sonne zeigte sie sich oft in großen und kleinen Wolkenlücken und sorgte für viel Sonnenschein. Je größer die Löcher in der Wolkendecke wurden, desto länger wurden natürlich auch die Schlangen vor den Teleskopen. Wie zwei Jahre zuvor (der Tag der offenen Tür findet alle zwei Jahre statt) befand sich unser Stand wieder leicht zu finden zwischen dem Europäischen Astronauten-Zentrum (EAC) der ESA und dem Envihab, das Forschungszentrum für Raumfahrtmedizin. Die Hobbyastronomen des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) hatten zahlreiche für die Sonnenbeobachtung geeignete Fernrohre bereitgestellt. Auch Peter Schmidt von der Volkssternwarte Köln war wieder mit seinem Doppelsonnenteleskop dabei und Heinrich Sommerkorn von den Sternfreunden Erftstadt zeigte wunderbar, dass man für die Vermittlung von Wissen nur ein paar laminierte Schautafeln benötigt. Mit seinen Blättern hatte er vor zwei Jahren den großen kosmischen Elementkreislauf den Besuchern nähergebracht und so gezeigt, was der Mensch mit den Sternen zu tun hat, dagegen waren diesmal die Sonne mit ihren unterschiedlichen Erscheinungen bzw.  das Weltraumwetter mit zugleich wunderschönen Phänomenen und mitunter folgenschweren Sonnenstürmen sein Thema.

An den vielen Teleskopen konnten hunderte kleine und große Sonnenbeobachter einmal einen Blick auf die Sonne mit ihren schwarzen Flecken und den Eruptionen werfen. Sogar Darth Vader schaute mal kurz vorbei und schickte seine Kinder auf die helle Seite der Macht. Der Andrang in den ersten Stunden war sehr groß und dennoch hat es allen Hobbyastronomen, die mitgeholfen haben, wieder sehr viel Spaß gemacht. Besonders nach dem (fast) vollständig wolkenverhangenen „Tag der Luft- und Raumfahrt“ 2013 waren wir froh um jeden Sonnenstrahl.

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Nach etwa drei Stunden war allerdings das Wetterglück vorbei, aber weiterhin schauten viele Interessierte und Familien mit Kindern vorbei. So war auch mal Zeit für längere Gespräche zu allen denkbaren Themen der Astronomie und Heinrich Sommerkorn, den ich zwischendurch immer wieder unterstützte, war mit seinen Infoblättern ja sowieso komplett wetterunabhängig. So war bis 18:00 Uhr an Langeweile überhaupt nicht zu denken. Nach dem Aufräumen (der haushohe aufblasbare Astronaut war überraschend schnell wieder verstaut) folgte die abschließende Party für alle Helfer, wobei die neue DLR-Chefin Pascale Ehrenfreund verkündete, dass etwas über 60.000 Besucher das DLR- und ESA-Gelände mit der angrenzenden Flugzeugausstellung besucht hatten. Obwohl ich es mir vorgenommen hatte und auch die Hauptbühne direkt um die Ecke war, habe ich nicht wirklich etwas von den anderen unzähligen Stationen gesehen (bis auf die Mond-Knipskiste mit einer übergroßen Mondaufnahme von KBA-Sternfreund Rolf Hempel). Wie dem auch sei: Man sieht sich dann im September 2017 wieder! Jemand der mehr vom „Tag der Luft- und Raumfahrt“ gesehen hat, ist Blogger-Kollege Daniel Fischer, der den Tag hier und hier mit Fotos zusammengefasst hat. Noch mehr Bilder gibt’s in den Fotosammlungen von DLR und ESA.

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26.09.2015

Schöne Leuchtende Nachtwolken über Bonn

Bevor ich mich am vergangenen Freitag zur Himmelsbeobachtung mit dem Bonner General-Anzeiger getroffen habe, dachte ich am Nachmittag noch daran, wie genial es wäre, wenn ausgerechnet an diesem Abend auch noch Leuchtende Nachtwolken (NLCs = Noctilucent Clouds) sichtbar wären. Immerhin befinden wir uns mitten in der Hochzeit und bisher gab’s 2015 über dem Rheinland noch keine zu sehen. Deshalb behalte ich täglich das NLC-Forum im Auge, aber Freitagabend habe ich dann doch nicht mehr daran gedacht. Erst als ich auf dem Nachhauseweg von dem Interview war, traf mich um kurz vor Mitternacht auf der Autobahnabfahrt der Schlag. Was für eine Überraschung in der Kurve. Stammt die deutliche Aufhellung von einer Art Restlicht der Dämmerung? Nein, dass konnten nur Leuchtende Nachtwolken sein. Ich bog noch 2x ab und stand schon auf einem dunklen Feldweg, von wo man einen tollen Überblick über das ferne nächtliche Bonn hat. Über mir spannte sich eine gut sichtbare Milchstraße über den Sommerhimmel – vom Kepheus bis an den Schützen und dicht über dem Nord-Nordost-Horizont schwebten über Bonn die silbrig scheinenden Leuchtenden Nachtwolken. In einem parallel verlaufenden Feldweg hielten zwei Autos und kurz danach konnte ich im Fernglas ihre Kameradisplays sehen. Offenbar war ich dort nicht der einzige NLC-Beobachter. Nach einer guten halben Stunde ließ die Aktivität aber deutlich nach und sie waren kaum noch in Bonn gelblicher Lichtglocke auszumachen, so dass ich erstmal nach Hause gefahren bin.

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P1450640Letztes Jahr fand in der Nacht vom 03. zum 04. Juli meine beste NLC-Show 2014 statt und wie schon damals hoffte ich nach dem Himmelsschauspiel in der späten Abenddämmerung auf eine Wiederholung im Morgengrauen. Und tatsächlich ging die Show weiter, so dass ich um 3:00 Uhr nochmal zum gleichen Standort gefahren bin.

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Punkt 3:50 Uhr fingen die Vögel an zu singen und die silbrigen Leuchtenden Nachtwolken über Bonn waren kaum noch zu sehen bzw. wurden von einer nahenden Wolkenfront verdeckt. So packte ich langsam wieder meine Sachen zusammen und genoss noch ein wenig die Morgenstimmung mit der abnehmenden Mondsichel im Südosten. Schließlich wollte ich nach über 20 Stunden auf den Beinen nur noch selig ins Bett fallen.

Noch mehr sehr schöne NLC-Fotos aus der Nacht 10./11. Juli sind z.b. hier (aus dem ganzen deutschsprachigen Gebiet) und hier zu finden, außerdem gibt’s eine Zusammenfassung der Nacht („mit Abstand die bislang eindrucksvollsten der Saison 2015“) und tolle Fotos des Bonner NLC-Beobachters Stefan Krause.

13.07.2015

Ein Beobachtungsabend mit dem Bonner General-Anzeiger

Bereits vor gut einem Jahr gab’s mitten auf der Poppelsdorfer Allee für den General-Anzeiger Bonn einen kleinen Beobachtungsabend und vergangene Woche erreichte den Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) eine erneute Anfrage für ein spontanes Interview inkl. Beobachtung. Wegen der Wetterabhängigkeit sind gerade öffentliche Himmelsbeobachtungen überhaupt nicht planbar, aber was soll ich sagen: Der Bonner General-Anzeiger hatte tatsächlich ein riesiges Wetterglück, denn nur zwei Tage, nachdem mich die Anfrage erreichte, konnte die kurzfristige Beobachtung stattfinden. Christian, Malte, Torsten, Lambert und Achim waren meinem Aufruf gefolgt, so dass letzten Freitag (10. Juli) am Argelander-Institut für Astronomie (AIfA) in Bonn-Endenich gleich 4 Teleskope für das Interview aufgebaut wurden. Gegen 20:30 Uhr baute ich meinen 12-Zöller auf und wir alle bestaunten in Christians kleinen 3-Zöller (mit Sonnenfilter!) die tiefstehende Sonne und ihre Flecken; sogar die Granulation war mit dieser kleinen Öffnung gut zu sehen. Danach ging’s aber direkt an die Suche nach der Venus am Taghimmel, was irgendwie nicht so einfach war. Sogar mit einem Winkelmesser wurde an meinem Fernrohr Azimut und Höhe eingestellt und trotzdem war sie weder im Sucher noch mit Fernglas zu entdecken.

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Kurz nach 21:00 Uhr traf auch Reporter Andreas Dyck ein, der zurzeit für die General-Anzeiger-Sommertour in der Region unterwegs ist und für diese Serie einen Beitrag über uns Bonner Hobbyastronomen schreiben möchte. Zwischen seinen Fragen – wie kommt man zu diesem Hobby, warum ist die Astronomie so faszinierend, wie teuer ist ein Fernrohr, wodurch entsteht die Färbung von Jupiters Wolkenbändern – streuten wir auch immer wieder einen Blick zum Himmel ein. Wir zeigten Venus und Jupiter am Taghimmel bzw. letzteren später in der Dämmerung mit seinen 4 hellsten Monden. Und bevor überhaupt Saturn mit bloßem Auge sichtbar war, konnte auch der wunderschöne Ringplanet in einem Teleskop beobachtet werden. Vor allem bei der Frage nach der Motivation/Faszination für die Astronomie ist mir wieder aufgefallen, wie verschieden die Ursachen für den Blick in den Nachthimmel sein können. So vielfältig die Astronomie an sich schon ist, so vielfältig sind auch die Antworten auf die Frage „Warum Astronomie?“. Lustigerweise mussten ein paar von uns die Frage, ob wir schon mal Richtung Himmel gewunken haben, mit Ja beantworten, denn immerhin haben wir vor fast genau zwei Jahren von der selben Stelle dem Saturn zugewunken – für ein weltweites Saturn-Winken mit hochaufgelöstem Erinnerungsfoto. Nach über zwei Stunden waren schließlich alle Fragen beantwortet und alle Bilder im Kasten. Jetzt bin ich gespannt auf den fertigen Artikel, der vielleicht schon am Mittwoch erscheinen soll, und vor allem auf die Fotos mit mir. Zum Schluss möchte ich mich noch bei allen KBA-Sternfreunden für die spontane Unterstützung bedanken!

Übrigens: Mit welchem überraschenden Himmelsschauspiel es – leider erst – nach dem Interview weiterging, kann man hier in meinem Bericht über Leuchtende Nachtwolken nachlesen.

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12.07.2015

Venus und Jupiter trafen sich am Kölner Dom

Bereits nach der sehenswerten engen Begegnung zwischen Venus und Jupiter am 30. Juni, hatte ich die Idee das schöne Planetenpaar zusammen mit dem Kölner Dom abzulichten. In der ebenfalls klaren Vollmondnacht am 01. Juli (Fotos hier und hier) war ich für die beiden nochmal mit der Fotoausrüstung losgezogen, ansonsten hat es aber zeitlich oder wolkentechnisch nicht gepasst. Vergangenen Montag, am 06. Juli, hat dann doch alles gepasst. Den ganzen Tag gab’s Sonne satt, so dass ich am Abend mit Kamera und Stativ nach Köln-Deutz gefahren bin. Als ich um 22:00 Uhr ankam, musste ich erstmal feststellen, dass dort wegen Bauarbeiten das ganze Rheinufer mit einem Bauzaun abgesperrt ist, aber das Fotografieren ging dann doch ganz gut. Am Kaiser-Wilhelm-Reiterdenkmal an der Hohenzollernbrücke war ich zudem nicht der einzige, der mit einer Kamera auf die Venus über dem Kölner Dom wartete. Etwas später erschien deutlich rechts von der Venus auch Jupiter am Dämmerungshimmel, der Abstand untereinander hatte sich schon sichtlich vergrößert. Der hellste und der größte Planet des Sonnensystems wanderten zwischen den Türmen des dritthöchsten Kirchenhauses der Welt hindurch. Anhand der Domtürme konnte man schön verfolgen, wie schnell sich das Planetenpaar doch Richtung Horizont bewegt, aber so ergaben sich durch meinen ständigen Standortwechsel immer neue Anordnungen des schönen Planetentreffens am Kölner Dom. Die meisten oben gezeigten Bilder sind vor dem Hyatt-Hotel (bzw. im Biergarten) oder dem LVR-Gebäude daneben entstanden – aber immer irgendwie durch den Bauzaun hindurch. Einem älteren Ehepaar mit bayrischem Akzent erklärte ich, was ich da vor dem Hotel mache und wies sie noch darauf hin, dass der Stern rechts neben der Venus eigentlich der Planet Jupiter ist. Und immer wieder bemerkte ich, wie noch andere Leute mit Smartphone oder mit Profikamera und Stativ das Schauspiel festhielten.

Für mich hat sich die 50-Kilometer-Anfahrt auf jeden Fall gelohnt und bestimmt komme ich bei einer nächsten abendlichen Konjunktion wieder vorbei. Weitere Fotos meines Ausflugs sind hier zu finden.

12.07.2015

Mond- und Saturnbeobachtung auf der Poppelsdorfer Allee

Viel zu lange war die letzte öffentliche Himmelsbeobachtung in Bonn her, denn 2015 sollte es eigentlich 12 – einmal pro Monat – Mondbeobachtungen auf der Poppelsdorfer Allee geben; auch die geplante Sonnenbeobachtung zum Sommeranfang musste wettertechnisch ausfallen. Doch zum Juni-Mondtermin, am 27. Juni, gab es endlich den lang ersehnten wolkenlosen Abendhimmel. Wie es die Wetterprognose verhieß, sollte es am letzten Juni-Samstag ab 20:00 Uhr aufklaren und tatsächlich verzogen sich pünktlich wie vorhergesagt die Wolken. Ein Dreiviertelmond stand nun am blauen Himmel, so dass wir – vier Sternfreunde des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) – gegen 21:30 Uhr auf der Wiese der Poppelsdorfer Allee unsere Teleskope aufbauten. Und wir waren noch nicht ganz fertig, da kamen schon die ersten neugierigen Besucher vorbei. 

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In der hellen Dämmerung stand zunächst nur der Mond mit seiner einmaligen Landschaft aus Kratern, Gebirgsketten und Mondmeeren, die man mit bloßem Auge schon als graue Flächen – der sprichwörtliche Mann im Mond – erkennt und eigentlich weite Ebenen aus vor 4 Milliarden Jahren erkalteter Lava darstellen. Je dunkler der Abendhimmel wurde, desto mehr stieg die Vorfreude auf Saturn. Und es klappte tatsächlich: Trotz der hohen Bäume an der Allee wurde der Saturn, der sich zurzeit im Sternbild Skorpion befindet und daher nicht sehr hoch am Himmel steht, in einer passenden Lücke erwischt. Die vielen Besucher staunten über den Gasplaneten mit seinem ausgedehnten Ringsystem und später wurden auch noch zwei Saturnmonde sichtbar. Titan und Rhea – zwei von insgesamt 62 Monden – standen dicht über bzw. unter dem Ringplaneten. Eine Herausforderung für mich stellte der Kugelsternhaufen im Sternbild Herkules dar, den ich trotz des hellen Stadthimmels (direktes (Allee-Laternen) und indirektes Licht) im Okular meines Fernrohrs sehen konnte, und zwar nicht nur als bloßen grauen und runden Nebelfleck, sondern aufgelöst mit ein paar dutzend Einzelsternen. Selbst die vorbeigekommenen Fußgänger konnten meine überraschende Sichtung bestätigen. Nach Mitternacht machte schließlich eine Gruppe Jugendlicher bei unseren Teleskopen Halt und obwohl sie angetrunken waren, konnte man mit ihnen sogar noch über kosmologische Themen philosophieren und sich über Schwarze Löcher oder die Folgen der Lichtgeschwindigkeit (der Blick an den Himmel ist immer eine Zeitreise) unterhalten.

So zeigte sich zum Ende unserer öffentlichen Beobachtung nochmal sehr schön, wie weitreichend die Astronomie doch ist. So wurde wie so oft auch an diesem wolkenlosen Sommerabend wieder über Teleskopkauf, Kameratechnik, Fernrohrselbstbau, Licht und Wahrnehmung, Lichtverschmutzung, Orientierung am Nachthimmel, Mythologie der Sternbilder, Mond, Planeten, Gasnebel, Astrophysik (Exoplaneten, Schwarze Löcher) und Kosmologie gesprochen. Die Himmelskunde ist eben so endlos wie der Himmel selbst, wie sich an den geschätzt bis zu 50 Besuchern und den vielen tollen Gesprächen zeigte, ist das Interesse an Astronomie in der Öffentlichkeit auf jeden Fall vorhanden. Dies zeigt auch eine nette Rückmeldung einer Besucherin, die meine Ankündigung via Facebook erreicht hatte: „Vielen Dank an die Hobby-Astronomen für den sehr spannenden und wissensvermittelnden Abend – auch im Namen meiner beiden Jungs. Wir kommen bestimmt noch mal!“ Das nächste Mal ist für den 25. Juli geplant (weitere Termine hier). Dann stehen Mond und Saturn nebeneinander am Himmel und die Sonne geht bereits um 21:30 Uhr unter, so dass wir kurz vorher wieder unsere Fernrohre auf der Poppelsdorfer Allee aufbauen werden. Aber natürlich gilt wie immer: Öffentliche Beobachtungen (ohne Alternativprogramm) finden nur bei klarem Himmel statt.

Abschließend noch ein ganz großes Dankeschön an die KBA-Sternfreunde Malte, Christian und Torsten, die mich mit ihren Teleskopen unterstützt haben!

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Venus und Jupiter inkl. Mondschatten am Tag

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Weshalb für mich die Astronomie das fantastischste Hobby ist? Manchmal wird man das z.b. bei öffentlichen Beobachtungen gefragt und meist spreche ich dann von den unvorstellbaren Entfernungen und Dimensionen, vom Blick in die Vergangenheit und von den Extremen am Sternhimmel, oder ich erzähle davon, wie wir überhaupt Wissen über die unerreichbaren Himmelsobjekte erlangen können. Und dann gibt’s für einen Himmelsbeobachter natürlich auch solche Momente, an die man sich viele Jahre danach noch erinnert. Beispielsweise war so eine für mich besondere Beobachtung, als ich 2004 kurz vor ihrem Transit die Venus zum ersten Mal mit bloßem Auge am Taghimmel sah. Ohne eine einzige Orientierung am blauen Himmel ist es natürlich sehr schwer, da einen hellen Punkt, selbst wenn er der hellste Planet im Sonnensystem ist, zu finden. 16 Jahre danach ist es dann schon erheblich einfacher.

Wegen der aktuellen engen Venus-Jupiter-Konjunktion versuchte ich es am 30. Juni wieder. Zurzeit ist die Venus ungefähr 45 Grad von der Sonne entfernt, was sich am Himmel schon gut abschätzen lässt und mit einem Planetariumsprogramm hatte ich auch schnell die Stellung zur Sonne (zum Glück standen beide Waagerecht am Himmel) herausgefunden. Anschließend, es war so gegen 17:30 Uhr, suchte ich mit einem kleinen 8×40-Fernglas das vermutete Himmelsareal ab und sofort war die helle Venus gefunden, direkt daneben war auch schwach Jupiter zu sehen. Damit hatte ich gleich zwei Planeten am blauen Taghimmel im Blick. Da wurde mir mal wieder klar, was so ein kleines Fernglas doch alles leisten kann. Danach versuchte ich es freisichtig und es war kein Problem (Bild 2 ist nur mit einer Digitalkamera aufgenommen). Die Venus war mit bloßem Auge sofort zu sehen (sogar ohne Brille), wenn man denn halt weiß, wo sie steht. Auch im Sucher meines 12-Zöllers waren Jupiter und Venus auszumachen, während im Übersichtsokular die schöne Venus ihre Sichel mit den sog. Hörnerspitzen preisgab und der große Jupiter ebenfalls deutlich als Planet erkennbar war (Bild 3). Mit der Steigerung der Vergrößerung waren Jupiters Wolkenbänder immer besser zu sehen. Trotz – logischerweise – fehlenden Konstrasts waren die beiden Äquatorbänder (Bild 4) und die dunkleren Polhauben gut zu beobachten. Bei einer späteren Beobachtung, so gegen 20:00 Uhr, fiel mir bei 166-facher Vergrößerung fast mittig auf Jupiter ein dunkler Punkt nahe eines Wolkenbandes auf. Am Laptop überprüfte ich schnell meine Vermutung. Und tatsächlich! Ich beobachtete den Schatten des Mondes Io auf Jupiter – am Taghimmel!! 10, 15 Minuten später konnte ich seine Bewegung feststellen. Die Aufregung über meine „Entdeckung“ machte sich im ganzen Körper breit. Um 21:05 Uhr, kurz vor dem Austritt des Mondschattens, verschwand das Planetenpaar schließlich hinter den Bäumen meines Gartenbeobachtungsplatzes.

Obwohl bereits die spannende Jupiterbeobachtung ganz klar ein Highlight darstellte, lockte auch noch das schöne Venus-Jupiter-Paar am Dämmerungshimmel. Denn die aktuelle Begegnung des hellsten und des größten Planeten des Sonnensystems hatte am Dienstag ihren Höhenpunkt, beide standen weniger als ein Vollmonddurchmesser voneinander entfernt, und so machte ich mich ab 22:00 Uhr auf die Suche nach einem schönen Fotomotiv. Als hinter mir schon der fast volle Mond aufging, war ich Richtung Westen unterwegs und fand schließlich zwischen zwei Nachbardörfern genau das richtige Motiv: ein wunderbares Planetenpaar über einer Burgruine. Und während sich das Paar langsam über die Landschaft bewegte und ich die Ruhe der Natur genoss, ging der Tag zu Ende, ein Tag mit einer besonderen Beobachtung.

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02.07.2015

Wolkige Mondbeobachtung am „Weltraumbahnhof Bonn“

Kaum hatte ich mein 12-Zoll-Teleskop auf den Museumsplatz vor der Bundeskunsthalle gestellt, kamen schon die ersten Kinder mit ihren Eltern. Ich konnte das Fernrohr nicht mal mehr um ein paar Meter versetzen, denn der Mond kam gerade hinter einer Wolke hervor und so machte ich Platz für die neugierigen Besucher. Nun war tatsächlich an den beiden aufgestellten Teleskopen vorläufig Schlangestehen angesagt, was erstmal 15, 20 Minuten anhalten sollte. Danach wurde es wolkenbedingt ruhiger, dennoch schauten noch viele interessierte Passanten und Museumsbesucher vorbei. So war auch mal Zeit für eine genauere Beobachtung des Halbmondes, ein Foto mit dem Smartphone oder längere Gespräche.

Das Feiertagswetter zu der Beobachtungsaktion am 01. November (weitere Fotos hier) fiel dann leider anders als geplant aus. Die wolkenlose Vorhersage hatte sich erst am Tag selber verschlechtert, aber mit der aufgezogenen dichten Bewölkung hatte ich dann wirklich nicht gerechnet. Anders sah es dagegen am Vortag aus, denn die Mondbeobachtung des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) sollte eigentlich zu einem Halloween-Familiennachmittag in der großartigen Weltraum-Ausstellung „Outer Space“ gehören. Dafür sah die Wetterprognose jedoch nicht so gut aus, wie für den darauffolgenden Tag, weshalb ich unsere Aktion um 24 Stunden verschoben hatte; letztlich war der Mond am Halloween-Abend dann doch schön zu sehen. Auch wenn schließlich das Wetter der beiden Tage regelrecht vertauscht war und die Blicke oft in Richtung der zum Teil dichten Wolken gingen, hat die öffentliche Beobachtung allen KBA-Sternfreunden Spaß gemacht. Der Mond hielt sich an diesem Abend zwar meist versteckt, aber dennoch schauten bis zuletzt einige Leute vorbei und man kam direkt ins Gespräch. Ich schätze, dass in der Zeit von 17:00 bis 19:30 Uhr um die 50 Besucher vorbeigekommen sind. Das ist zwar etwa die Hälfte weniger als zu unserer wettertechnisch überaus gelungenen Sonnenbeobachtung zum Ausstellungsstart von „Outer Space“, aber die nächste Mondbeobachtung gibt’s ja bereits am 29. November. Ab 16:30 Uhr bauen Bonner  Hobbyastronomen dann wieder direkt neben der Ariane-Trägerrakete auf dem Museumsplatz ihre Teleskope auf – sofern uns die Wolken nicht erneut einen Streich spielen.

19.11.2014

Live bei Alexander Gersts erstem Auftritt nach der Rückkehr

Nach der spannenden und verrückten Kometenlandung von Philae, der sich nach erfolgreicher Mission zurzeit im Winterschlaf befindet, war mein zweitägiges ESA-Fest erst zur Hälfte vorbei. Denn während ich um 17:00 Uhr am Mittwoch noch auf ein Signal aus über 500 Millionen Kilometer Entfernung wartete, wollte ich am Donnerstag um 11:00 Uhr unbedingt beim Treffen mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst dabei sein. Erst am Montagmorgen war er nach 5 ½ Monaten auf der ISS wieder auf der Erde gelandet und sollte nun bei der ESA in Köln-Porz eine erste Pressekonferenz geben. Ich dachte, so kurz nach der Rückkehr müssen doch seine Eindrücke noch besonders präsent sein und deshalb war dieser erste offizielle Auftritt von @Astro_Alex einfach ein Muss. „Meeting an Astronaut in person that was in space 3 days ago: check! „, twitterte ein Weltraum-Fan aus Aachen und bringt es so mit wenigen Zeichen auf den Punkt.

Bei der Anmeldung hieß es erstmal Schlangestehen, zusammen mit Leuten von ZDF, RTL und eines niederländischen Fernsehsenders. Der Parkplatz am European Astronaut Centre (EAC) der ESA war bereits voll, so dass ich einfach hinter der Ü-Wagen-Reihe parkte. Entsprechend war auch im Gebäude viel los und eine Batterie an Kameras stand schon für Alexander Gersts ersten Auftritt nach der Landung bereit.

Mit spannungsgeladener Trailer-Musik betraten schließlich um Punkt 11 Staatssekretärin und Raumfahrt-Koordinatorin Brigitte Zypries, ESA-Direktor Thomas Reiter, DLR-Chef Jan Wörner und unser Social-Media-Weltraumheld Astro-Alex den Raum, der von begeistertem Applaus erfüllt wurde. Der erst drei Tage zuvor gelandete Astronaut strahlte genauso wie die anwesenden Journalisten und Raumfahrtbegeisterten. Auch über einen Apfel von der Bundestagsabgeordneten freute sich der 38-Jährige, der im Orbit zwischenzeitlich mal Äpfel vermisst hatte.

Eine volle Stunde lang stand nun Alexander Gerst Funk und Fernsehen Rede und Antwort. Bei einer der ersten Fragen ging’s um die Experimente, wobei der heimgekehrte Astronaut auch die Installation des EML (Electromagnetic Leviator) ansprach, was eine der „befriedigendsten Dinge“ war, denn einen klemmenden Bolzen hatte man letztlich mit Sägeblatt, Taschenmesser und Rasierschaum beseitigen können. Wie der Geophysiker schon vor seiner Mission in den Orbit oft betonte, müssen Astronauten eben vor allem Alleskönner sein. Dennoch sprach Gerst ganz bescheiden vom „einfachsten Job“. „Ich habe meine Emotionen weitergeleitet“, an die, die „noch Kind geblieben sind wie ich“, erzählte er zum einen. Zum anderen war er für die Wissenschaftler am Boden einfach der verlängerte Arm an ihren Experimenten, und so bedankte sich der Astronaut zusätzlich bei den Mitarbeitern im Hintergrund, die die eigentliche Arbeit gemacht haben, und deutete dabei auf die über dem Zuschauerraum stehenden Personen. Ein Reporter des Deutschlandfunks fragte konkret nach den Social-Media-Aktivitäten, worauf Gerst antwortete, dass der „Internetzugang relativ begrenzt“ sei, die Texte für die Tweets habe er trotzdem „selbst geschrieben“ und via Mail mit angehängten Fotos an die Bodenkontrolle geschickt; Facebook-Kommentare las er auch hin und wieder. In diesem Zusammenhang wurden auch seine kritischen Tweets zu den militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten angesprochen. Gerst versteht seine Reaktion allerdings nicht als „politische Botschaft“ und will nicht als „Moralapostel“ dastehen, er wollte nur eine „Perspektive transportieren“, dass es nämlich von außen betrachtet „grotesk“ und „nicht wirklich logisch“ erscheint, wie wir mit der Natur und den Menschen umgehen. Zudem haben die 5 ½ Monate auf der ISS ihn nicht zu einem anderen Menschen gemacht, vielmehr hat es eben diese neue „Perspektive erzeugt“, und so ist es auch sein „heimlicher Wunsch“, dass jeder Mensch einmal die Erde aus dem Weltraum sehen könnte.

Viele Fragen drehten sich natürlich um seine „übererfüllte“ Mission und die Rückkehr. Mit Bezug auf einen Tweet erzählte der Astronaut, wie es war, wieder die Natur zu atmen. Bei seiner Zwischenlandung auf dem Flughafen Prestwick in Glasgow, Schottland, wo er auch von seiner Lebensgefährtin sowie Jan Wörner und Thomas Reiter begrüßt wurde, roch es für 10 Minuten nach „grünem Urwald“ und „feuchter Luft“. Um die Rückkehr und die harte Landung ging’s auch in einer anderen Frage. War der Start noch „emotional aufregender“, war der Heimflug vor allem physisch härter. Als die 4,9 auf der g-Anzeige erschien, mussten alle drei Astronauten in der Sojus-Kapsel lachen, weil sie jetzt auch noch die 5 sehen wollten. Die 5 g wurden dann tatsächlich noch erreicht. Anschaulich waren auch Gersts Schilderungen, wie die Kapsel in ein – dicht neben seinem Kopf – glühendes Plasma eingehüllt war und sich brennende Teile ablösten.

Wenn Alexander Gerst mit seiner gewohnt symphatischen Art davon sprach, dass Vulkanologe nur der zweittollste Job ist, dann ist das einfach glaubwürdig. Man hatte bei ihm das Gefühl, dass er keine routinemäßigen Antworten oder bloße Worthülsen für die Presse abgab. Man nahm es ihm einfach ab, dass Astronaut der tollste Job der Welt ist. „Meine Zukunft ist definitv in der Raumfahrt,“ erzählte der 38-Jährige. Mit der Mission sei ihm außerdem klar geworden, dass der Mensch auch länger im Weltraum leben kann, da er persönlich auch noch keine Grenzen spürte. Dennoch gab er zu, „froh wieder hier zu sein“. Natürlich betraf eine Frage auch wieder den Wert/Sinn von Raumfahrt, was Gerst damit kommentierte, dass der EU-Bürger für Raumfahrt ungefähr 10 Euro im Jahr ausgibt, davon sind etwa 1 Euro für bemannte Raumfahrt. Außerdem wurden beispielsweise noch sein coolstes Selfie während des Außenbordeinsatzes, irdische Fotos (die er am längsten angeschaut hat) und die Vielfalt des Essens angesprochen, und er erzählte auch, wie er die historische Kometenlandung von Philae, die er als „einen der spannendsten Wissenschaftskrimis“ bezeichnete, mitbekommen hat. Als eine der letzten Antworten beschrieb der heimgekehrte Astronaut noch seine Eindrücke des gestirnten Nachthimmels auf der ISS. Für Gerst war das „eine der überraschendsten Ausblicke“, denn die Sterne so klar zu sehen und zu erkennen wie „die Milchstraße überhaupt geformt ist“, hatte er nicht erwartet. „Wenn man da rausschaut, dann zieht’s einen schon raus“, ganz einfach weil es in der menschlichen Natur liegt. „Weil wir Menschen Entdecker sind.“ Zur Freude von hunderttausenden Social-Media-Fans hieß es übrigens ganz zum Schluss, dass sein Twitter– und Facebook-Account bestehen bleiben, denn bisher sind „weniger als die Hälfte“ seiner Fotos gezeigt worden.

Nach einer Stunde ging schließlich mein erstes Treffen mit Alexander Gerst zu Ende. Am 28. Mai auf einer großen Launch-Party in Köln begann meine Reise mit ihm, kurz danach durfte ich bei einer 20-minütigen Liveschalte dabei sein, am 01. September hörte ich dann während einer Siegburger Schulveranstaltung mit Amateurfunkern nur seine Stimme im Rauschen und nun saß der 11. Deutsche im All, der fast 6 Monate auf der ISS verbrachte und noch vor 3 Tagen Schwerelosigkeit spürte, direkt vor mir. Für mich war das auf jeden Fall ein großartiges Erlebnis, Alexander Gerst jetzt live ohne Zeitverzögerung zu sehen und zu hören.

Um 12:02 Uhr wurde die Pressekonferenz beendet, doch Smartphone- und Fernsehkameras wollten den Astronaut nicht so schnell gehen lassen und man hatte tatsächlich das Gefühl, dass er auch nicht gehen wollte und noch länger von seinen unvergesslichen Eindrücken erzählen wollte. Doch sein Betreuer und das Tagesprogramm, für den Nachmittag standen vor allem Augenuntersuchungen an, warteten auf ihn und so verschwand Gerst schließlich durch eine Seitentür. Immerhin gelang es einem hartnäckigen Autogrammjäger, der nicht ich war, sich schnell eine Unterschrift zu ergattern.

Auf meinem Weg zurück in Richtung Ü-Wagen-Allee begegnete ich ganz zufällig noch Svetlana Gerasimenko. Die Mitentdeckerin des Rosetta-Kometen 67P (Tschurjumow-Gerasimenko) stand in diesem Moment für einen Fotografen neben der Gagarin-Büste vor dem EAC. Leider reichte der kurze Moment nicht einmal für einen Weißabgleich aus.

[Nachtrag] Hier gibt es noch eine vollständige Aufzeichnung der kompletten Pressekonferenz.

17.11.2014


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