Archiv für Juni 2012

Forschungs- und Beobachtungsobjekt Ruprecht 147

Mit einer neuen durchgeführten Bestandsaufnahme von Ruprecht 147 wird gezeigt, dass sich dieser alte Sternhaufen in 1.000 Lichtjahren Entfernung als wichtiger Bezugspunkt herausstellen könnte. Ruprecht 147, im nördlichen Teil des Schützen zu finden, ist der älteste Sternhaufen in unserer kosmischen Nachbarschaft, er ist nur wenig jünger als das Sonnensystem mit 4,5 Milliarden Jahren. Obwohl das Objekt in manch Beobachtungsliteratur als Asterismus auftaucht, handelt es sich dabei tatsächlich um einen echten Offenen Sternhaufen.

Der 1.000 Lichtjahre entfernte Sternhaufen erreicht bei einer scheinbaren Ausdehnung von 2,5° eine wahre Größe von rund 30 Lichtjahren. Über 100 Sterne  heller als 15,0mag konnten bereits als Haufenmitglieder identifiziert werden, darunter Braune Zwerge, Hauptreihensterne und Riesensterne. Dabei sind 15 Sterne heller als 10,0mag, die somit in Reichweite eines Feldstechers liegen,  und bis 11,0mag Helligkeit finden sich nochmal weitere 40 Mitglieder.

Zu den hellsten Sonnen von Ruprecht 147 gehören auch die 5 entdeckten sog. Blue Stragglers (mit BS markiert), die durch die Verschmelzung zweier Sterne entstanden sind.

Chris Beckett and Stefano Meneguolo, Royal Astronomical Society of Canada

29.06.2012

Brauner Zwerg bei Millisekundenpulsar?

Genau zwischen zwei Sternen 5. Größe im Wintersternbild Hase wurde 2006 ein über 18.000 Lichtjahre entfernter Pulsar mit einer Periode von 3,8 Millisekunden entdeckt. Nun gelang einer internationalen Forschergruppe die Entdeckung des Begleiters des Millisekundenpulsars. Visuell ist das infrage kommende Objekt nur 26,7mag schwach, die Umlaufzeit beträgt weniger als 7 Stunden. Bei der Masse gehen die Astronomen von 20 Jupitermassen aus, so dass es sich hier um einen Braunen Zwerg handeln würde.  Dadurch, dass Hüllenmaterial zum Pulsar überströmt, wird die kleine extrem magnetische Sternleiche auf die Millisekundenperiode beschleunigt.

Aurore Simonnet, Sonoma State University

29.06.2012

Kepler: Ein neuer Planet unter 20 Veränderlichen

Mit dem Weltraumteleskop Kepler lassen sich nicht nur Planetentransite beobachten, selbstverständlich können damit ebenso neue bedeckungsveränderliche Sterne, bei denen sich zwei Sonnen eines Doppelsterns einmal pro Umlauf gegenseitig bedecken, nachgewiesen werden. 150 neue Bedeckungsveränderliche sind bis jetzt gefunden worden, 20 davon wurden nun in einer Arbeit vorgestellt.

Bei der Datenanalyse und Auswertung der Lichtkurve stellte sich der Begleiter des Kandidaten KIC 8552719, ein 12,0mag-Stern zwischen delta Cyg und 13 Lyr, als planetares Objekt heraus. Der Stern besitzt etwa 90% der Sonnengröße und 80% der Sonnenmasse, die Temperatur liegt bei 5.100 Kelvin. Der eine Amplitude von lediglich 0,002mag verursachende Planetenkandidat besitzt fast genau die Größe von Neptun, für einen Umlauf braucht er nur 88 Tage und mit einem Abstand von 0,2 AE steht er seinem Stern fast 2x näher als Merkur der Sonne.

29.06.2012

First Light von neuem Röntgenteleskop NuStar

Wie angekündigt wurden gestern erste Ergebnisse zum vor zwei Wochen gestarteten NuStar-Weltraumteleskop veröffentlicht. So wurde für das First Light des neuen NASA-Röntgenteleskops der bekannte Mikroquasar Cyg X-1 eingestellt – einen Tag vor mir. Zu weiteren Testbeobachtungen sollen in den nächsten Wochen der helle Quasar 3C 273 und ein Supernovaüberrest südlich des Sternhaufens NGC 6649 beobachtet werden.

29.06.2012

Wie alt ist Fomalhaut?

Allgemein wird das Alter von Fomalhaut, Hauptstern im Südlichen Fisch und Heimatsonne eines mysteriösen Planetenkandidaten, mit 200 +/- 100 Millionen Jahren angegeben, nach neuesten Ergebnissen könnte es jedoch doppelt so hoch sein. Denn eine neue Studie bestätigt weitere Altersbestimmungen, nach denen das Sternsystem Fomalhaut zwischen 400 und 450 Millionen Jahre alt sein soll.

NASA, ESA, Luís Calçada

28.06.2012

Röntgenflare fegt extrasolare Planetenatmosphäre weg

In einer heute online erschienenen Arbeit (Pressemitteilungen hier und hier) berichten französische Exoplanetenforscher über dramatische Veränderungen in der Atmosphäre des Gasriesen HD 189733b. Durch die mit 7,7mag hohe Helligkeit seiner Heimatsonne gehört dieser Transitplanet zu den am besten untersuchten extrasolaren Planetenwelten.

ESA, NASA, Giovanna Tinetti, Martin Kornmesser

Im Gegensatz zu seinem Bruder HD 209458b zeigte jedoch dieser über 1.000 Kelvin heiße Hot Jupiter bisher keine Anzeichen eines markanten Gasschweifs. Dies änderte sich nun bei Beobachtungen im September 2011. Wenige Stunden vor der geplanten Beobachtung mit dem Hubble Space Telescope wurde mit dem Weltraumteleskop Swift ein sehr starker Röntgenflare registriert, so dass die Sonne HD 189733 im Röntgenlicht fast 4x heller strahlte.

Verglichen mit der Strahlendosis, der unserer Erde bei einem solaren X-Flare ausgesetzt ist, war der Röntgenfluss beim blauen Gasriesen HD 189733b kurzzeitig 3 Millionen Mal stärker. Bei den anschließenden Hubble-Beobachtungen waren direkt die Auswirkungen dieses starken Flares erkennbar, denn anhand der Spektrallinien zeigten sich deutliche Hinweise auf einen durch den Strahlungsausbruch ausgelösten dramatischen Massenverlust.

NASA, ESA, Luís Calçada

28.06.2012

Hat heute jemand einen fliegenden DeLorean gesehen?

Auch wenn heute die Zukunft begonnen hat, ein fliegender DeLorean dürfte dennoch am Himmel aufgefallen sein.

Eben getwittert: „If you spot a DeLorean popping out of nowhere today … please return it to Doc Brown: http://twitpic.com/a17p00„.

27.06.2012

9,0mag-Nova im Schützen entdeckt

Wie eben vor einer halben Stunde getwittert wurde, ist gestern von zwei japanischen Amateurastronomen ein weiterer Nova-Kandidat entdeckt worden. Er befindet sich im Sternbild Schütze nur 4° nordwestlich des Lagunennebels M 8 an der Position 17 52 25.79 -21 26 21.6. Weitere Infos und Bilder finden sich hier. Vergangene Nacht erreichte die Nova-Helligkeit bereits die 9. Größe, wer also klaren Himmel hat …

27.06.2012

Vier Billionen Kelvin: World’s Hottest Guinness Record

Im Februar 2010 wurde bekannt gegeben, dass die Teilchenphysiker am RHIC-Teilchenbeschleuniger bei Kollisionen von Goldatomkernen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit eine rekordverdächtige Temperatur von vier Billionen Kelvin (4x10e12) gemessen haben. Bei solch enormen Temperaturen lösen sich Protonen und Neutronen auf und es entsteht ein Quark-Gluon-Plasma, wie es für einen winzigen Sekundenbruchteil nach dem Urknall existierte.

Wie nun heute vielfach berichtet wird, haben es die vier Billionen Kelvin jetzt als „Highest man-made Temperature“ ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft. Aber die CERN-Kollegen am LHC sind sich bereits sicher, dass sie diesen Rekord mit ihrem Teilchenbeschleuniger knacken werden. Immerhin erreichen sie eine 3x höhere Energiedichte, was eine 30-prozentige Temperatursteigerung bedeutet.

27.06.2012

Bredekamps „Sidereus Nuncius“-Exemplar in Fälschungsskandal verwickelt?

Seit sieben Jahren ist der Name Horst Bredekamp mit einem in New York aufgetauchten Exemplar von Galileo Galileis „Sidereus Nuncius“ verbunden. Mit dieser in einem Antiquariat gefundenen Ausgabe beschäftigte sich der Berliner Kunsthistoriker seit dem Sommer 2005 und es war bald klar, dass es sich hier um einen außergewöhnlichen Fund handeln muss. Die Besonderheit dieses Buches lag darin, dass es – dafür sprachen eingehende Untersuchungen – von Galileis Hand selbst eingefügte farbige Tuschezeichnungen zeigte. So wurde minutiös die Druckgeschichte des im Frühjahr 1610 entstandenen Büchleins „Sidereus Nuncius“ aufgedeckt.

Im Jahr 2007 wurden die Ergebnisse in Buchform veröffentlicht: „Galileo der Künstler: Der Mond. Die Sonne. Die Hand.“; 2009 erschien die zweite Auflage. Das Time Magazine beschrieb diesen Fund der von Galilei persönlich eingefügten Zeichnungen sogar als „the most important Galileo find in more than a century“. Zuletzt berichtete Kunsthistoriker Bredekamp mit einem neuen Artikel in der SuW von Januar 2012 über „Galileos O“.

Wie jetzt allerdings bekannt wurde, könnte sich nun Bredekamps New Yorker Exemplar des „Sternenboten“ tatsächlich als Fälschung herausstellen und ist in einen handfesten Fälschungsskandal verwickelt. Mehr zu den Hintergründen wurde heute bereits hier bei „Skyweek 2.0“ gebloggt.

26.06.2012


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