Archiv für Dezember 2013

„Sidereus Nuncius“ und der größte Fälschungsskandal seit 200 Jahren

Titel des New Yorker Exemplars (links); Tuschezeichnungen des Mondes auf Seite 10 (rechts, Barbara Herrenkind)

Es war ein einmaliger Sensationsfund, der im Jahr 2007 durch den Kunsthistoriker Horst Bredekamp bekannt wurde. Die Sensation zeigte sich ihm bereits im Juli 2005, als er eine eMail des New Yorker Antiquariats Martayan-Lan erhielt und sich als Anhang eine Seite aus Galileos berühmtem „Sidereus Nuncius“ mit Tuschezeichnungen statt mit den üblichen Kupferstichen öffnete. Sollte es wirklich ein Exemplar sein, in dem die Mondzeichnungen aus Galileos Feder selbst stammen? Schon auf der Titelseite lässt sich ganz unten ein handschriftliches „Io, Galileo Galilei f.“ lesen, was sich als „Ich, Galileo Galilei, machte [feci] es“ interpretieren lässt, doch das war nur der Anfang von langwierigen Nachforschungen und detailierten Hightech-Analysen, die letztlich zweifellos die Echtheit des New Yorker Bredekamp-Nuncius bestätigten. Für die Kunst- wie für die gesamte Wissenschaftsgeschichte war das ein außerordentlicher Fund, mit dem sich u.a. sogar die spannende Druckgeschichte von Galileos 400 Jahre altem Buch rekonstruieren ließ; basierend auf den neuen Erkenntnissen erschien bereits in zwei Auflagen Bredekamps „Galilei, der Künstler“. Galileo Galilei „hat als Zeichner die Vorstellung vom Kosmos revolutioniert“, so der Kunsthistoriker.

2011 wurde dann u.a. durch Nick Wilding, Assistent-Professor für Geschichte an der Georgia State University, Bredekamps großer Fund als komplette Fälschung – mit einem Wert von über 10 Millionen Dollar – entlarvt und plötzlich war etwa die Echtheit der Schriftproben weit entfernt von zweifelsfrei. Es fanden sich sogar Gemeinsamkeiten zu einer „Sidereus Nuncius“-Ausgabe, die ebenfalls 2005 in einem Katalog des Auktionshauses Sotheby’s auftauchte und beide führten Wilding schließlich zu einem nachgedruckten Exemplar von 1964. Allerdings war das nur die Spitze des Eisbergs, denn der noch 2007 vom Time Magazine als „the most important Galileo find in more than a century“ gefeierte Bredekamp-Nuncius taucht heute unter dem Satz auf: „This is the biggest books scandal to hit in the past 150 or 200 years.“ Dabei geht es nicht nur um Fälschungen im großen Stil, sondern auch um einen massiven Bücherdiebstahl. Der Hauptverantwortliche dafür ist Marino Massimo De Caro, der unter fraglichen Umständen im Sommer 2011 zum neuen Direktor der Biblioteca dei Girolamini, Neapels ältester Bibliothek, ernannt wurde. Nur wenige Monate später wurde die Bibliothek im Frühjahr 2012 beschlagnahmt. Wie sich herausstellte war ein ganzer Bestandskatalog mit 3.500 bis 4.000 historischen Büchern verschwunden, das komplette Ausmaß lässt sich jedoch noch nicht abschätzen.

Jetzt geht es nicht nur um die Suche nach den Büchern, sondern ebenso um die Aufdeckung des ganzen De-Caro-Netzwerks. Beispielsweise kaufte ihm ein Komplize für 1 Million Euro 600 Bände ab; auch Sandro Marsano, Priester und Kurator der Girolamini-Bibliothek, war in die Geschäfte verwickelt und staubte 60.000 Euro ab. Auf der Suche nach Mittätern wurde sogar ein europäischer Haftbefehl gegen einen Geschäftsführer des Münchner Auktionshauses Zisska & Schauer ausgestellt; seit Oktober ist auf der Homepage zu lesen: „Herr Herbert Schauer befindet sich zu unserem größten Bedauern noch immer in Haft. Am 2. August hatten ihn die Münchener Strafjustizbehörden via Amtshilfe in Gewahrsam genommen. Anlass war ein Europäischer Haftbefehl (EH), ausgestellt in Italien von der Staatsanwaltschaft Neapel, die in der Diebstahlsache zu Lasten der dortigen Bibliothek Girolamini ermittelt.“

Mondfälscher De Caro wurde im März 2013 zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, die er als Hausarrest in seiner 2009 gekauften 1,2-Millionen-Euro-Villa verbringt. Mittlerweile gestand er auch, dass die gefälschten Ausgaben des „Sidereus Nuncius“ in Argentinien hergestellt wurden, einschließlich des Exemplares der Nationalbibliothek von Neapel. Es sollte nur ein Scherz sein, beantwortet er heute die Frage, warum er ausgerechnet Galileos berühmtes Büchlein gefälscht hat: “ … wanted to create a joke.“ Anfänglich hatte Bredekamp an den angeblichen Fälschungsvorwürfen „seines“ außergewöhnlichen New Yorker Fundes gezweifelt, denn dann könnte die Wissenschaftsgeschichte direkt einpacken, und selbst heute bezeichnet der Berliner Kunsthistoriker „seinen“ Sidereus Nuncius“ als „Meisterwerk“ – der Fälschung. 2005, das Jahr in dem der Krimi seinen Anfang nahm, bot De Caro seine Nuncius-Fälschung mit den Tuschezeichnungen dem Antiquariat Martayan-Lan an, wobei Mitinhaber Richard Lan den „Kauf des Lebens“ vor seinen Augen sah und es zu einem Preis von Millionen Dollar verkaufen wollte.

[Nachtrag, 10.01.2014] Mittlerweile sind einige weitere deutsche Berichte zum „gefälschten Mond“ aufgetaucht. Der Stern sowie die Feuilleton-Seite des Spiegels verweisen auf meinen Artikel, eine weitere ausführliche Auseinandersetzung findet sich hier (Teil 2, Teil 3). Auf Nachfrage erhielt ich außerdem die Information, dass es von Horst Bredekamp ein neues Buch zu seiner gefälschten Ausgabe des „Sidereus Nuncius“ gibt. Der Titel „A Galileo Forgery“ soll voraussichtlich im Februar 2014 im Akademie Verlag erscheinen und ist für 50 Euro erhältlich.

[Nachtrag, 15.02.2014] Passend zum heutigen 450. Geburtstag von Galileo Galilei: Im Briefkasten lag die neue „Sterne und Weltraum“ mit einem ausführlichen Hintergrundartikel sowie einem Interview mit Horst Bredekamp zur Meisterfälschung des „Sidereus Nuncius“. Neben dem Gespräch mit SuW-Chefredakteur Uwe Reichert, gibt es ein weiteres Bredekamp-Interview von Wissenschaftsautor Thomas de Padova.

18.12.2013

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„Interstellar“: Erster Teaser zu Nolans neuestem Sci-Fi-Projekt

 

Heute erschienen nicht nur die ersten bewegten Bilder zum Prevolution-Sequel „Planet der Affen: Revolution“, sondern auch der erste deutsche Teaser zum neuen Sci-Fi-Streifen von Regisseur Christopher Nolan. Sein Bruder Jonathan („Memento“, „The Prestige“) schrieb erneut – bereits 2007 – das Drehbuch, was allerdings noch für Steven Spielberg gedacht war. Dieser verließ jedoch das Projekt, so dass nun Christopher Nolan auf dem Regiestuhl von „Interstellar“ sitzt. Noch ist nicht allzu viel zur Story bekannt und auch die ersten bewegten Bilder sagen noch nichts zur Handlung aus, dennoch lässt Hans Zimmers musikalische Untermalung zu bewegenden Bildern der bemannten Raumfahrtgeschichte (von Chuck Yeager bis zur letzten Landung des Space Shuttles) durchaus eine Gänsehautstimmung entstehen. Wann überschreiten wir wieder Grenzen, die die Menschheit nach den Sternen greifen lässt? Das ist die Ausgangsfrage von „Interstellar“. Zur Handlung ist bisher nur bekannt, dass sie auf Kip Thornes Theorie von Wurmlöchern und Zeitreisen basiert. Seine 1987/1988 ausgearbeitete Idee zur Wurmloch-Zeitreise beinhaltet den vermutlich interessantesten Wurmloch-Typ (Morris-Thorne-Wurmloch), da man ohne Schwarze Löcher auskommt und es als einziges stabil und sogar in beide Richtungen passierbar ist.

Soweit zur komplizierten Theorie. Bereits 1997 schaffte es ein Morris-Thorne-Wurmloch auf die große Leinwand, durch das Jodie Foster in „Contact“ gleichzeitig durch Raum und Zeit reiste, und ähnliches gilt auch für den Mystery-Streifen „Donnie Darko“. Was Christopher Nolan aus diesem Sci-Fi-Stoff macht, kann man dann in gut 11 Monaten im November 2014 im Kino sehen. Jedenfalls wusste der Starregisseur mit seinen Filmen bisher immer zu überzeugen: Ob mit seinem rückwärts laufenden Meisterwerk („Memento“), einem perfekt doppelbödigen Magier-Duell („The Prestige“) oder mit Trips durch auf den Kopf gestellte Träume („Inception“) – Nolan ist immer für eine Überraschung gut. Und vielleicht gelingt ihm ja ein ähnlich visueller Weltraum-Bilderrausch wie dieses Jahr Alfonso Cuaróns „Gravity“.

18.12.2013

China feiert Bilder vom Mond live im TV

Am Nachmittag gab es zu Chinas erster Mondlandung erneut eine Sondersendung, in der u.a. über die weitere Planung der Mission berichtet wurde (z.b. wie Yutu ein Panorama der Landeeinheit aufnehmen und danach auf 3-monatige Exkursion gehen soll), mit Vertretern von ESA und NASA gesprochen wurde und es dann 26 ½ Stunden nach der erfolgreichen Landung tatsächlich das erwartete Foto des Rovers Yutu live zu sehen gab. Der Rover hatte sich um 180 Grad gedreht, so dass eine Kamera des Landers die Vorderseite mit der rotgelben Flagge Chinas fotografieren konnte. Direkt im Anschluss sprachen Politiker wie Vize-Premierminister Man Kai (Bild 2) im Kontrollzentrum in Beijing, feierten den bisherigen Erfolg der Mission und gingen anschließend durch die Reihen der Mitarbeiter und gratulierten jedem mit Händeschütteln. Bei weiteren Interviews hieß es außerdem, dass bereits Daten der wissenschaftlichen Instrumente wie dem Radar von Yutu eingetroffen sind. Und in einer anderen TV-Übertragung wurde sogar das allererste Foto gezeigt, das Yutu vom Lander Chang’e 3 gemacht hat.

[Nachtrag] Ein fantastisches Video zeigt offenbar in Echtzeit Abstiegsphase und Landemanöver (inkl. Staubaufwirbelungen) von Chang’e 3; für die richtige Orientierung lässt sich die Bildschirmanzeige mit Strg+Alt+Pfeil drehen. Am Horizont zeichnet sich der Gebirgszug der Montes Recti hinter dem großen Krater Laplace F ab, während im Vordergrund der 500-Meter-Krater (der linke des Krater-Trios) sichtbar ist, von dessen rechtem Rand 100 Meter entfernt der Lander aufsetzte. Umgebungsdarstellungen mit der exakten Landeposition gibt’s hier und hier (ab Nachtrag 2). 

15.12.2013

Jetzt: Chinas Mondlandung live im Web

Die heiße Phase hat begonnen: China ist im Anflug auf die Regenbogenbucht (Sinus Iridum) und damit steht die erste weiche Mondlandung seit 40 Jahren kurz bevor. Nach 13 Tagen Flugzeit ist heute der Tag der Landung des chinesischen Monderkunders Chang’e 3 und mit ihm des kleinen Rovers Yutu. Die um zwei Stunden bzw. einen Mondorbit vorverlegte Landung wurde gestern noch von Chinas Staatsfernsehen CCTV bestätigt und soll um 14:40 MEZ stattfinden. Eine Sondersendung mit jeder Menge Gesprächen, Animationen und interaktiven Einspielern ist bereits seit 13:00 MEZ auf Sendung und kann auch online gesehen (Klick auf die Screenshots) werden.

[Nachtrag 1] Entgegen der geplanten Landezeit setzte Chang’e 3 bereits um 14:12 MEZ auf der Mondoberfläche auf. Hier gibt’s außerdem eine Animation aus Bildern der Abstiegskamera der landenden Mondsonde. Und ein User eines Raumfahrtforums vermutet die Landestelle nahe des kleinen Kraters Laplace F, etwas südlich der Montes Recti. Berichte aus dem Kontrollzentrum in Beijing scheinen dies zu bestätigen: die Position zwischen Laplace F und le Verrier wird mit 44,12° Nord und 19,51° West angegeben – über 100 Kilometer außerhalb der Regenbogenbucht. Mit einem gelben Punkt habe ich diese Position in einer zwei Tage alten Aufnahme des Goldenen Henkels (Bild 4) markiert.

Screenshot von 14:12 MEZ

Goldener Henkel: Sonnenaufgang in der Regenbogenbucht am 12.12.2013; Michael Hessmann

Goldener Henkel: Sonnenaufgang in der Regenbogenbucht am 12.12.2013; Michael Hessmann

[Nachtrag 2] Seit heute um 14:12 MEZ befindet sich China auf dem Mond und hat zumindest symbolisch eine Staatsflagge aufgestellt. Wegen der um einen Mondumlauf vorgezogenen Landung setzte die Sonde statt in der Regenbogenbucht weiter östlich am äußersten Rand der Landezone auf. Die Landestelle (weißes Kreuz) befindet sich rund 40 Kilometer südlich des 8-Kilometer-Kraters Laplace F.

NASA / JPL / ASU / Phil Stooke

NASA / JPL / ASU / Phil Stooke

Am Nachmittag wurde noch ein erstes Farbbild veröffentlicht, seitdem wartet man auf Neuigkeiten – z.b. zum Aussetzen des Rovers Yutu (Jadehase), was noch für heute Abend um 22:00 MEZ angekündigt wurde. In der Zwischenzeit haben Raumfahrt-Fans die exakte Position der gelandeten Sonde Chang’e 3 mit den hochauflösenden Bildern des NASA-Orbiters LRO bis hin zum Meterbereich lokalisiert. So zeigt sich, dass der Lander 20 Meter entfernt neben einem 20-Meter-Krater steht; der sich am Bildrand andeutende größere Krater misst 500 Meter, von seinem Rand ist Chang’e 3 etwa 100 Meter entfernt. Die nebenstehende Darstellung zeigt den 500-Meter-Krater mit dem Lander (weißer Punkt) nahe seines Randes. Die Position liegt bei 44,1260° Nord und 19,5014° West.

Gegen 22:00 MEZ begann erneut eine Sondersendung im chinesischen Staatsfernsehen, in der man jedoch diesmal nicht live verfolgen konnte, wie ungefähr 400.000 Kilometer entfernt der Rover sich in Bewegung setzte, auf eine Rampe fuhr und diese das kleine Gefährt langsam auf den Mondboden absetzte. Wie anschließend Yutu auf die Oberfläche rollte – genau in Richtung des 20 Meter großen Kraters – fand eigentlich schon um 21:40 MEZ statt. Und so sieht das als fertiger Film aus:

Außerdem berichten Amateurfunker von zwei neuen starken Radioquellen auf dem Mond; Yutu sendet auf 8462,08 MHz. Und wer die ersten spannenden Minuten des Rovers Yutu verpasst hat, hier gibt es jetzt einen Ausschnitt der halbstündigen TV-Übertragung am Abend.

14.12.2013

Meine Lovejoy-Zeichnung vom Freitag, den 13.

Pavlimir Ugrin

Ausgerechnet am Freitag, den 13. hatte ich endlich mein Wetterglück – ein morgendlicher Sternhimmel ohne Hochnebelsuppe oder Wolken – und noch dazu war ich um halb 6 ohne Wecker aufgewacht. Ich öffnete das Dachfenster, staunte über den hohen Stand der Frühlingssternbilder und sah bei frostigen Temperaturen zum ersten Mal den ISON-Ersatzkometen Lovejoy (C/2013 R1). Bei einem Schwenk mit dem 10×50-Fernglas über den Eckstern zeta Her fiel die relativ helle Koma sofort auf; ihre Helligkeit schätzte ich auf rund 6,0mag. Schwächer aber dennoch ohne Schwierigkeiten erkennbar war der lange Gasschweif, der visuell über eine Länge von 0,5 Grad sichtbar war (bis zur Hälfte der Strecke in Richtung des nächsten hellen Sterns), mit indirektem Sehen und leichtem Wackeln des Fernglases sogar noch etwas weiter. Gegen 6 entschied ich mich für eine Zeichnung, wobei ich zunächst eine grobe Skizze machte und später am Tag eine fertige Illustration meines Anblicks im Fernglas erstellte. Für meine erste Computerzeichnung eines Kometen bin ich ganz zufrieden mit dem Ergebnis, und sie gibt das Gesehene recht gut wieder.

Natürlich waren heute früh auch wieder viele Hobbyastronomen und professionelle Astrofotografen unterwegs: Atemberaubende Lovejoy-Aufnahmen gibt’s heute z.b. von Gerald Rhemann, Michael Jäger und Rudi Dobesberger, der kroatische Amateur Pavlimir Ugrin hat mit einem 135mm-Objektiv den Kometen mit seinem sehr langen Schweif sogar zusammen mit dem Kugelsternhaufen M 13 links oben abgelichtet.

13.12.2013

Sonnenaufgang in der Regenbogenbucht: Noch 46 Stunden bis zur Landung

Der monatliche Goldene Henkel bei einem Mondalter von ca. 10 Tagen lockte mich heute Abend aus einem ganz bestimmten Grund ans Fernrohr, denn es war der letzte Sonnenaufgang in der Regenbogenbucht, bevor genau dort am Samstagnachmittag die chinesische Sonde Chang’e 3 inkl. Mondfahrzeug Yutu landen soll. Damit landet China zum ersten Mal auf einem anderen Himmelskörper und lässt dort den ersten Mondrover seit 40 Jahren über die weite Ebene des Sinus Iridum rollen. Chang’e 3 startete am 01. Dezember um genau 18:30 MEZ und umkreist bereits seit dem 06. Dezember den Mond; ein letztes wichtiges Bremsmanöver für die geplante Landung am Samstag erfolgte vorgestern und brachte die Sonde auf eine elliptische Umlaufbahn von 15 bis 100 Kilometern über der Oberfläche. Die Landung in der Regenbogenbucht soll am 14. Dezember zwischen 16:22 und 16:35 MEZ stattfinden – somit genau 46 Stunden nachdem ich die Fotos machte – und noch am Abend soll der kleine Rover auf die Oberfläche abgesetzt werden.

[Nachtrag, 13.12.2013] Heute früh hieß es, dass Chang’e 3/Yutu offenbar morgen schon um 14:40 MEZ in der Regenbogenbucht landen soll – also in genau 24 Stunden.

12.12.2013

Neuer verdampfender Gesteinsplanet von Mondgröße

MIT

Heute erschien die erste Arbeit zum derzeit an vorletzter Stelle gelisteten Planetenkandidaten in der KOI-Liste der Kepler Objects of Interest: KOI 2700 (KIC 8639908). Anhand des Profils einer periodischen und jeweils 5 bis 6 Stunden dauernden Abschwächung des Sternlichts wurde die Planetennatur des bedeckenden Objekts identifiziert. Da die Transit-Lichtkurve zeitlich variabel ist, nämlich in der Größenordnung von 0,3 bis 0,5 Millimag (300 bis 500 ppm), vermuten die Exoplanetenforscher, dass die ferne Sonne KOI 2700 von einem verdampfenden Planeten mit Staubschweif umkreist wird – ähnlich den Systemen KOI 3794 (KIC 12557548) und KOI 1843.03. Nur 22 Stunden benötigt der Planetenkandidat für einen Umlauf in gerade einmal 3 Sterndurchmessern Entfernung (siehe Bild unten). Der Stern selbst ist 0,6 Sonnendurchmesser groß, besitzt die 0,6-fache Sonnenmasse, ist 4.400 Kelvin heiß und rotiert in nur 11 Tagen (etwa 3x schneller als die Sonne). Er steht im Sternbild Schwan und ist als 15,8mag-Stern nur in großen Amateurteleskopen auszumachen.

Der neue Planetenkandidat von KOI 2700 ist ein weiteres interessantes System, um den genauen Mechanismus zu verstehen, wie eine planetare Gesteinsoberfläche zum Verdampfen gebracht wird. Temperaturen von etwa 2.000 Kelvin und mehr sind nur eine entscheidene Zutat (der Massenverlust durch spezielle Winde kann sogar größer sein als durch den thermischen Jeans-Mechanismus), ebenso wichtig scheint eine niedrige Oberflächenschwerkraft bzw. Fluchtgeschwindigkeit zu sein. Mit beiden Kriterien kommt man mit heutigen Modellen zum Schluss, dass die bisher beobachteten verdampfenden Gesteinsplaneten nur Mondmasse und Mondgröße besitzen können. Dies deckt sich immerhin mit anderen kurzperiodischen Gesteinsplaneten von Erdgröße, bei denen ein normaler Transit ohne weitere Auffälligkeiten beobachtet wird. Die Helligkeit der Heimatsonne KOI 2700 von nur 15,8mag macht es allerdings sehr schwer, dieses Sternsystem detailiert zu untersuchen.

Schweifsimulation zu KOI 2700; http://arxiv.org/abs/1312.2054

10.12.2013


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