Archive for the 'Veranstaltungen' Category

90 Jahre Entdeckung der Expansion durch Georges Lemaître

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Es war heute vor 90 Jahren, als ein Priester und Physiker der Universität Löwen eine radikale Idee vor der Akademie der Wissenschaften in Brüssel vortrug. Am 25. April 1927 hatte der Belgier Georges Lemaître nichts weiter als den Grundstein für unser modernes Bild eines dynamischen, eines expandierenden Universums gelegt. Seine Arbeit mit dem langen Titel „Un univers homogène de masse constante et de rayon croissant rendant compte de la vitesse radiale des nébuleuses extra-galactiques“ – „Ein homogenes Universum mit konstanter Masse und wachsendem Radius als Erklärung für die Radialgeschwindigkeit der extragalaktischen Nebel“ – erscheint in den Sitzungsberichten der „Annales de la Société Scientifique de Bruxelles„. An diese und andere wegweisende Ideen des Wissenschafters im Priestergewand hat gestern Abend in der Volkssternwarte Bonn (VSB) der Referent Hans-Joachim Blome, ein ausgewiesener Lemaître-Experte, erinnert. Seit 15 Jahren liest er Lemaîtres Schriften im französischen Original und man kann nur hoffen, dass aus dem Manuskript endlich eine erste deutsche Biografie über diese kaum bekannte und doch außergewöhnliche Persönlichkeit entstehen wird. Der Vortrag spannte den Bogen über die nun zurückliegenden 100 Jahre der (modernen) Kosmoslogie – von den Anfängen durch Slipher, Einstein, de Sitter, über die 1998 veröffentlichte Entdeckung der beschleunigten Expansion und bis zum großen Rätsel der Dunklen Energie. Aber der Hauptprotagonist des Abends war ganz klar Georges Lemaître, denn er hatte das Konzept der Expansion des Universums und des Urknalls entworfen.

1917 fing alles an. Schon kurz nachdem Albert Einstein 1915 seine Allgemeine Relativitätstheorie (ART) abgeschlossen hatte, 8 Jahre waren für ihre Vollendung nötig, wollte er seine Gravitationsgleichungen auf das gesamte Universum anwenden. Im Februar 1917 legte er seine Arbeit „Kosmologische Betrachungen zur allgemeinen Relativitätstheorie“ der königlich-preußischen Akademie der Wissenschaften vor. Aus seinen Gleichungen folgte, dass das Universum nicht statisch ist, sondern kollabieren oder sich ausdehnen sollte. Da das Jahrhundertgenie keinen Grund dafür hatte, ein dynamisches Universum anzunehmen, fügte er den griechischen Buchstaben Lambda – die heutige kosmologische Konstante – ein. Einstein war eben kein Beobachter und bis zu ausreichenden Beobachtungsdaten dauerte es noch etwas. Ausgerechnet der katholische Priester und Physiker Georges Lemaître aus dem kleinen Belgien dachte weiter als Einstein und machte Schluss mit der statischen Welt, denn 10 Jahre später gab es endlich genügend Daten.

Lemaître besuchte ab 1920 das Priesterseminar in Mechelen, wobei er von Kardinal Mercier die Erlaubnis erhalten hatte, sich weiter mit Einsteins Gravitationstheorie zu befassen. 1923 wurde er zum Priester geweiht und es erschien seine erste wissenschaftliche Arbeit. Er war bei der Geburtsstunde der extragalaktischen Astronomie (durch Entfernungsmessung mit Cepheiden in M 31 und M 33) anwesend, als am Neujahrstag 1925 Henry Norris Russell auf einer Tagung ein Paper von Edwin Hubble vorlas. Er kannte Hubbles nächste Arbeit über Galaxien und die 1925 veröffentlichte Auflistung von Vesto Sliphers Radialgeschwindigkeiten (meist Rotverschiebungen) durch Gustaf Strömberg. 1927 zählte Lemaître alles zusammen und rechnete. Er fand die heute bekannte Proportionalität: Je weiter eine Galaxie (damals meist noch als „extragalaktischer Nebel“ bezeichnet) entfernt ist, desto schneller bewegt sie sich von uns weg. Lemaître deutete jene Galaxienflucht, die aus den beobachteten (rotverschobenen) Radialgeschwindigkeiten folgte, jedoch nicht als Doppler-Effekt (Bewegung durch den Raum), sondern als Eigenschaft des Raumes selbst. „Die Abkehr der extragalaktischen Nebel ist ein kosmologischer Effekt aufgrund der Ausdehnung des Raumes.“ Auf der Reise von den fernen Galaxien bis zu uns, bewegt sich das Licht durch den wachsenden Raum, wobei seine Wellenlänge  stark gedehnt wird, was im Spektrum als Rotverschiebung sichtbar wird. Diesen völlig richtigen Gedanken hatte Lemaître vor 90 Jahren!  Für die Expansionsrate erhielt er (heute ordentlich danebenliegende) Werte von 625 km/s/Mpc bzw. 575 km/s/Mpc und leitete 900 Millionen Lichtjahre als Radius des Universums ab. Zwei Jahre nach ihm stieß Hubble ebenfalls auf die lineare Beziehung aus  Entfernung und Geschwindigkeit und kam auf eine ähnliche Expansionsrate (heute nur Hubble-Konstante genannt), aber der Schlussfolgerung eines expandierenden Raumes widerstrebte er.

Und nachdem er 1927 auf Beobachtungen basierend das dynamische Universum erfand, legte Georges Lemaître 1931 noch einen weiteren kosmologischen Grundstein, wobei der geistliche Herr noch zum geistigen Vater der Urknalltheorie wurde. Als Schöpfer des Begriffs „Big Bang“ (1948), erlaubte sich Fred Hoyle einen Spaß und stellte Lemaître 1960 auf einer Tagung in Pasadena als „Big Bang Man“ vor. 

25.04.2017

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22. April: Weltweiter „March for Science“ auch in Bonn

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In unsicheren Zeiten von „postfaktisch“ (Wort des Jahres 2016), alternativen Fakten, Fake-News und Lügenpresse werden am morgigen 22. April weltweit Demonstrationen für Wissenschaft und Forschung stattfinden. Der Auslöser dafür ist die wissenschaftsfeindliche Regierung unter US-Präsident Trump. Für Trump ist der Klimawandel bloß eine Erfindung der Chinesen und ein Krieg gegen die Kohleindustrie; seine Beratin Conway kreierte auch die Wortschöpfung „alternative Fakten“. Doch aus der in der Hauptstadt Washington geplanten Demonstration ist binnen kurzer Zeit ein globales Phänomen geworden. Denn jene internationale Entwicklung, in der Emotionen die sachliche Diskussion verdrängen, ist leider vielerorts zu beobachten. Auch in der digitalen Welt von Facebook und Co. werden immer mehr verzerrte Tatsachen, Halbwahrheiten und schlicht Lügen verbreitet. „Die Gesetzlosigkeit des Netzes wird kaltblütig ausgenützt“, um an wissenschaftlichen Methoden und Deutungen vorbei eigene „Wirklichkeiten“ zu erschaffen und so erfolgreich Unsicherheiten und Ängste zu schüren, die zu einer bestimmten politischen, ideologischen oder religiösen Agenda passen. Darum werden morgen eben nicht nur Wissenschaftler auf die Straße gehen, es sind alle Menschen(!) aufgerufen, für die empirische Befunde wichtiger sind als gefühlte Wahrheiten und Verschwörungstheorien. Es geht um den Wert von Wissenschaft und Forschung als eine Lebensgrundlage unserer offenen und demokratischen Gesellschaft. Wissenschaft geht uns alle an! Lorraine Daston, Direktorin am MPI für Wissenschaftsgschichte in Berlin, bringt es wunderbar auf den Punkt: „Es ist Zeit, die Waffen der Aufklärung zu fassen.“ Seid dabei und unterstützt Vernunft, Wissenschaft und Fortschritt!

In über 600 Städten rund um den Erdball sind Veranstaltungen zum „March for Science“ bzw. „Science March“ geplant. Von Neuseeland bis Grönland, von Südafrika über Nepal bis Chile wollen Menschen ein Zeichen für die Wissenschaft setzen. Auch in Deutschland finden zahlreiche Veranstaltungen statt. Bei der Berliner Kundgebung wird Wissenschaftsjournalist und TV-Moderator Ranga Yogeshwar auf der Bühne stehen. Zu seiner Teilnahme sagte er in einem Interview: „Mein Weckruf der persönlichen Art war eine Begegnung Anfang des Jahres mit der Polizeipräsidentin von Bonn. Wir sprachen unter anderem über die Kriminalitätsstatistik in Bezug auf Migranten und sie sagte: „Wissen Sie, wenn wir die Statistik zeigen, dann ist es nicht nur so, dass man uns nicht glaubt. Man behauptet dann sogar, dass wir lügen.“ Ich fand es bemerkenswert, weil es zeigt, dass viele Menschen – bei weitem nicht nur die Populisten – einer gefühlten Wahrheit mehr vertrauen als den objektiven Fakten. Viele Debatten sind mittlerweile geprägt von Angst, mitunter von Hysterie. Sie werden dominiert von den Lautsprechern der Populisten. Und so wird die Chance vertan, Diskussionen auf der Basis von wissenschaftlicher Erkenntnis zu führen.“

Der größte „Science March“ in NRW soll ab 12:00 Uhr auf der Hofgartenwiese der Uni Bonn stattfinden (Bericht im General-Anzeiger inkl. Kommentar dazu); moderiert wird er von Meteorologe und TV-Moderator Karsten Schwanke. Die Organisatoren (im Interview) wollten zunächst eine Aktion in Köln, taten sich dann jedoch mit dem Bonner Team zusammen. Die Veranstalter schreiben auf ihrer Facebook-Seite: „Wissenschaft ist das beste Werkzeug, das wir bisher hervorgebracht haben, um möglichst frei von politischen, ideologischen und religiösen Einflüssen unsere Welt zu ergründen und so gewonnene Erkenntnisse der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Seit der Zeit der Aufklärung konnten so die Wissenschaft und Forschung als universelles Werkzeug erfolgreich zur Weltgestaltung und ständiger Verbesserung unserer Lebensbedingungen in nahezu allen Bereichen beitragen. Die wissenschaftliche Methode zur Erkenntnisgewinnung hat sich darüber hinaus auch im gesellschaftlichen Diskurs bewahrt. Sie hilft bei dem Aufbau und Erhalt von freiheitlich demokratischer, offener Gesellschaft und ermöglicht im Rahmen der Rechtsstaatlichkeit die Sicherung von Transparenz, Gerechtigkeit und Humanität. Wissenschaftlich belegbare Erkenntnisse müssen daher weiterhin Entscheidungsgrundlage in einer Demokratie sein.“

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Kritische Punkte zum „March for Science“ werden beispielsweise von bloggenden Wissenschaftlern hier und hier angesprochen.

21.04.2017

Öffentliche Beobachtung in Bonn zum seltenen Merkurtransit

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Maßstabsgerechte Darstellung des Merkurtransits am 09. Mai 2016; http://www.calsky.com (Arnold Barmettler)

Jetzt ist es nur noch ein Tag bis zum astronomischen Highlight dieses Jahres. Dabei gibt es aber weder eine Sonnen- noch oder Mondfinsternis, diesmal sorgt nämlich der kleinste Planet des Sonnensystems für das größte Himmelsschauspiel 2016! Denn am morgigen Montag wird etwa zwischen 13:10 und 20:40 Uhr der Merkur als schwarzer Punkt vor der Sonnenscheibe vorbeiziehen. So ein Ereignis wird als Merkurtransit bezeichnet und war von Deutschland aus zuletzt vor 13 Jahren zu beobachten. Der nächste Durchgang wird zwar bereits 2019 stattfinden, den nächsten vergleichbaren Merkurtransit (vollständig und hoch am Himmel sowie nah der Sonnenmitte) wird es allerdings erst wieder 2049 geben.

Viele Volkssternwarten in Deutschland bieten zu diesem seltenen Ereignis öffentliche Sonnenbeobachtungen an, bei denen Sie mit Teleskopen völlig gefahrlos den winzigen Merkur vor der riesigen Sonnenscheibe sehen können. Nach den aktuellen Prognosen soll das Wetter eigentlich ganz gut werden, mit hoffentlich nicht zu vielen Wolken. Und wo sich doch die Sonne hinter dichten Wolken verstecken sollte, gibt es immer noch die Möglichkeit das Schauspiel zumindest online live zu verfolgen. Dabei kann aus zahlreichen Livestream-Angeboten (z.b. vom NASA-Satelliten SDO (hier), vom Teleskophändler Bresser in Rhede (hier) oder vom Griffith Observatory in Los Angeles (hier)) ausgewählt werden. Noch viel mehr Livestream-Quellen finden sich hier. Man kann aber auch diesen Live-Blog von Blogger-Kollege Daniel Fischer verfolgen.

Auch in Bonn findet eine öffentliche Teleskopaktion von den Hobbyastronomen der Volkssternwarte Bonn (VSB) und des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) statt. Ab 13:00 Uhr sollen die Sonnenfernrohre auf der Poppelsdorfer Allee (auf Höhe der Argelander-Sternwarte) aufgebaut und einsatzbereit sein. Anschließend ist jeder Interessierte herzlich einladen, bei uns vorbeizuschauen; der Merkurtransit beginnt um 13:12 Uhr. Kommen Sie gerne auch während der Mittagspause oder am Nachmittag nach Feierabend vorbei und werfen einen Blick auf dieses seltene Himmelereignis. Unsere besondere Sonnenbeobachtung wird dann gegen 17:30 bzw. 18:00 Uhr (je nach dem, wann die Sonne hinter den Häusern verschwindet) enden. Auch wenn die Wolken dichter werden sollten, steht die Tür der Volkssternwarte für jedermann offen. Im dortigen Kuppelraum werden Livestreams gezeigt und kommentiert. So sind wir immerhin für jedes Wetter gewappnet. Wir freuen uns! Dann kann ich nur noch sagen: clear skies!

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Sonnenbeobachtung in Bonn auf der Poppelsdorfer Allee 2014

08.05.2016

Am 19. März ist der Astronomietag 2016

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Der vor vielen Jahren von der „Vereinigung der Sternfreunde“ (VdS) ins Leben gerufene bundesweite Astronomietag findet dieses Jahr bereits zum 14. Mal statt. Diesmal haben am 19. März alle astronomisch Interessierten die Gelegenheit unseren Erdmond näher kennenzulernen und bei einem hoffentlich wolkenlosen Himmel die einmalige und vielfältige Kraterlandschaft selbst an einem Fernrohr zu bewundern. Denn an diesem Abend soll sich alles um das Thema „Faszination Mond“ drehen, denn wenige Tage vor Vollmond zeigt sich noch sehr schön, wie durch eindrucksvolle Schattenspiele an der Licht-Schatten-Grenze die Mondlandschaft besonders plastisch zu beobachten ist. Ob auch eure Stadt eine Astronomietag-Veranstaltung durchführt, findet ihr unter www.astronomietag.de.

Beispielsweise finden einige Aktionen auch wieder in Bonn und der Umgebung statt. So soll es zum einen ab 19:00 Uhr auf der Poppelsdorfer Allee (auf Höhe der Argelander-Sternwarte) eine öffentliche Himmelsbeobachtung (ohne Schlechtwetter-Alternative) geben und zum anderen findet ebenfalls um 19:00 Uhr am Freibad Sankt Augustin erneut die öffentliche Beobachtung „Sternstunden über der Heide“ (mit Schlechtwetter-Alternative) statt. An beiden Standorten stellen Hobbyastronomen des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) ihre Teleskope für die Besucher und ihren persönlichen Mondflug bereit. Des Weiteren plant der Verein „Sternwarte Siebengebirge“ bei klarem Himmel ebenfalls für 19:00 Uhr eine öffentliche Beobachtung und zwar hoch oben auf dem Drachenfels (hier wird bekanntgegeben, ob der Termin wetterbedingt abgesagt wird). Und auch die Volkssternwarte Köln hat ein Astronomietag-Programm aus Vorträgen und Beobachtungsmöglichkeiten zusammengestellt. Bei all diesen Aktionen wird aber nicht nur unser eigener Mond ins Visier genommen, denn zurzeit steht auch Jupiter günstig am Abendhimmel und bei ihm lassen sich gleich 4 helle Monde beobachten. Dann bleibt mir nur noch zu sagen: clear skies und viel Spaß!

17.03.2016

Zur 9. Bonner Wissenschaftsrallye schnupperten 150 Schüler …

P1540692_01 … in die Astronomie rein. Denn am Samstag veranstaltete die Uni Bonn bereits zum 9. Mal die Wissenschaftsrallye durch Bonn-Poppelsdorf, bei der es für Schüler der Oberstufe wieder spannende Einblicke in die Forschung gab. 14 Stationen konnten interessierte Schüler diesmal entdecken und so technische und wissenschaftliche Berufe wie Geologie, Biologie, Informatik und Botanik kennenlernen. Die erste Station der Rallye war dieses Jahr erneut die Astronomie, auch wenn sich das astronomische Institut längst nicht mehr in der alten Sternwarte an der Poppelsdorfer Allee befindet. Deshalb war auch diesmal das Gebäude der Volkssternwarte Bonn (VSB) Gastgeber für die Berufsastronomen. Andrea Dieball (sucht nach Braunen Zwergen in Kugelsternhaufen) und Martin Quast (untersucht Röntgendoppelsterne) hatten drei verschiedene Aufgabenblätter (Sonnensystem, Sternhaufen und Strahlung) vorbereitet, die u.a. mit einer Powerpoint-Präsentation gelöst werden konnten. Wilfried Bongartz, Mitglied der Volkssternwarte und ich vom Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) unterstützten die beiden Astronomen, was angesichts des mitunter größeren Andrangs keine schlechte Idee war. So sorgten schätzungsweise um die 150 Schüler (oder mehr) für ein volles Haus, der Zulauf verteilte sich jedoch sehr gut.

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25.01.2016

„Astrotermine für Bonn“ und Vorschau auf 2016

2016 ist zwar schon wieder gut 2 Wochen alt, ich möchte jedoch nicht versäumen darauf hinzuweisen, dass es auch 2016 (wird regelmäßig aktualisiert) wieder meine Übersicht „Astronomie für Bonn“ gibt – und das nun schon im 5. Jahr. Mit Hinweisen und Links informiert ZauberDerSterne.de wie gewohnt über interessante Veranstaltungen für astronomisch Interessierte in Bonn und der Umgebung. Denn auch dieses Jahr wird es wieder die unterhaltsamen 4 Vorträge „Pauls Portables Planetarium“ (mit Springmaus-Impro-Talent Paul Hombach) im Deutschen Museum Bonn, die monatlichen Montagsvorträge der Volkssternwarte Bonn (VSB) oder das DLR-Astroseminar mit spannenden Fachvorträgen geben. Darüber hinaus möchte ich noch gesondert hervorheben, dass es von April bis Juli eine astronomische Sonderausstellung im Bonner Universitätsmuseum zu sehen gibt, und zusätzlich lockt im September ein astronomisches Wochenende, denn während am 17. September das große Stockert-Radioteleskop bei Bad Münstereifel auf den Tag genau seinen 60. Geburtstag feiert, findet tags darauf der jährliche Tag der offenen Tür der Volkssternwarte Bonn statt. Der bundesweite Astronomietag findet dieses Jahr am 19. März statt, wobei es parallel zur Himmelsbeobachtung in Sankt Augustin diesmal auch eine Teleskopaktion – bei wolkenlosem Himmel(!) – auf der Poppelsdorfer Allee (auf Höhe der Alten Sternwarte) geplant ist.

Dort findet auch die öffentliche Beobachtung des astronomischen Highlights 2016 statt, denn mit geeigneten Sonnenteleskopen lässt sich am 09. Mai über viele Stunden verfolgen, wie der Planet Merkur gemütlich vor der Sonne vorbeiziehen wird; der nächste Merkurtransit ereignet sich erst 2019. Jeweils im April und Oktober mache ich auch wieder meine zwei Spaziergänge durch’s Sonnensystem am Bonner Rheinufer, für die man sich anmelden kann. Und außerdem organisiere ich als Mitglied des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) wieder die monatlichen Himmelsbeobachtungen um Halbmond auf der Poppelsdorfer Allee. Von den 12 geplanten Terminen waren 2015 immerhin 3 Abende tatsächlich wolkenlos, so dass wir unsere Teleskope dort auf der Wiese aufgebaut haben (Berichte hier und hier). Wann es dieses Jahr öffentliche Beobachtungen auf der Poppelsdorfer Allee geben soll (sofern es einen klaren Himmel gibt), ist ebenso in meiner Übersicht unter „Astrotermine für Bonn“ zu finden.

Und so startet 2016 das astronomische Veranstaltungsprogramm in Bonn: 15. Januar (Vortrag in der Reihe „Bonner Sternenhimmel“, Thema: Europäische Südsternwarte (ESO)), 16. Januar (bei klarem Himmel öffentliche Beobachtung auf der Poppelsdorfer Allee), 23. Januar (für Schüler findet die 9. Wissenschaftsrallye der Uni Bonn statt), 25. Januar (Montagsvortrag in der Volkssternwarte Bonn, Thema: Einführung in das Hobby Astronomie). In der Volkssternwarte Bonn liegt dann ab sofort auch der neue Jahresflyer aus, der bis zum Jahresende über alle Termine von Volkssternwarte Bonn und Argelander-Institut für Astronomie (AIfA) auf dem Laufenden hält.

Und auch Blogger-Kollege und Wissenschaftsjournalist Daniel Fischer hat ebenfalls wieder einen umfangreichen Planer für dieses Jahr zusammengestellt. Was wird am Himmel beobachtbar sein, was für Veranstaltungs- und Raumfahrttermine gibt es und welche runden Jahrestage ereignen sich? Darüber informiert seine Übersicht „Bedeutendes am Himmel im Jahr 2016“. Für die praktische Seite des Hobbys Astronomie ist sehr das Heft „Himmels-Almanach 2016“ zu empfehlen, denn es informiert Woche für Woche kompakt und fundiert über alles, was sich so am Himmel tut.

13.01.2016

Letzte öffentliche Himmelsbeobachtung in Bonn 2015

Am Donnerstag sah die Wetterprognose für den gestrigen Samstag noch gut aus, danach verschlechterte sich die Vorhersage jedoch wieder und nach vielen prüfenden Blicken auf stündliche Wolkenprognosen und Satellitenbilder haben Malte und ich uns dennoch dafür entschieden, die für 2015 letzte öffentliche Himmelsbeobchtung in Bonn zu starten. Gegen 17:15 Uhr trafen wir gleichzeitig bei der Argelander-Sternwarte ein und bauten unsere großen Teleskope auf der Wiese der Poppelsdorfer Allee auf. Und wir waren noch mit dem Aufbau beschäftigt, da kamen schon die ersten Fragen, was wir denn da machen. Wenig später kam sogar noch Dieter, ebenfalls Hobbyastronom des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) vorbei und brachte sein 60mm-Teleskop mit. So konnten sich die vielen neugierigen Passanten, die z.b. auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt, ins Kino – natürlich „Star Wars“ – oder mit Weihnachtseinkäufen unterwegs waren, für einen Moment mal den Halbmond von nahem ansehen. Zwischendurch wählte ich bewusst auch mal eine hohe Vergrößerung, damit jeder interessierte Besucher mit einer Hand am Tubus auch selbst einmal über die von Kratern übersäte Landschaft surfen konnte. So ein Flug über die Oberfläche ist gerade durch den Blick wie aus einem Raumschifffenster immer wieder beeindruckend. Das Alpental war deutlich neben dem lavaüberfluteten Krater Plato zu sehen, die Gipfel der Apenninen warfen noch Schatten, auch die Rupes Recta warf ihren schnurgeraden Schatten, aber besonders markant war der Krater Clavius. Sah er anfangs noch wie ein großes, schwarzes und rechteckiges Loch aus, fielen ein paar Stunden später die ersten Sonnenstrahlen auf den gegenüberliegenden Kraterrand von Clavius. Wenn man mit manchen Leuten länger ins Gespräch kam, unterhielt man sich nicht nur über Mond und die Entstehung seiner unterschiedlichen Formationen, stattdessen sprach man z.b. über Lichtverschmutzung, Supernova-Explosionen, kosmische Strahlung, kosmologische Rotverschiebung oder die beschleunigte Expansion des Universums.

Kurz vor 18:00 Uhr kam außerdem wie immer pünktlich auf die Minute die ISS vorbei und während die meisten Leute um uns herum sie mit bloßem Auge am Abendhimmel verfolgten, konnte Malte mit seinem 14,5-Zoll-Teleskop die Raumstation deutlich aufgelöst sehen. Trotz des hellem Stadthimmels richteten wir später am Abend unsere Fernrohre noch auf das Siebengestirn (Plejaden), die Andromedagalaxie und sogar auf den Orionnebel. Auch angesichts dieser verwaschenen Nebelflecke zeigten sich die Besucher beeindruckt. Denn wann sieht man schon mal einen Geburtsort neuer Sterne oder 2,5 Millionen Jahre in die Vergangenheit zurück, denn schließlich ist die Andromedagalaxie, unsere große Nachbargalaxie, wirklich 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt. Als größte Überraschung stellte sich jedoch das Wetter heraus, denn obwohl jedes Wettermodell Wolken ankündigte, hatten wir bis auf kurzzeitige Ausnahmen durchweg einen klaren Himmel. Umso mehr freute ich mich über die richtige Entscheidung (wer nicht wagt …) und die anschließend sehr schöne Himmelsbeobachtung, bei der vielleicht über 50 Personen bei unseren Teleskopen vorbeischauten. In den gut 5 Stunden, in denen wir zu dritt unsere Fernrohre auf den Herbsthimmel richteten, gab es wieder viele nette Besucher, schöne Gespräche, interessante Fragen und neue Erfahrungen, denn wie bringt man beispielsweise einem blinden Mann die astronomische Beobachtung näher? Und irgendwann endete schließlich unser Weihnachtsspecial und wir bauten um 22:15 Uhr die Instrumente ab, temperaturmäßig werden es immer noch um die 10 Grad gewesen sein.

Damit war die letzte öffentliche Beobachtung in Bonn wirklich voller Erfolg, aber keine Angst: Auch für 2016 sind wieder monatliche Teleskopaktionen geplant, bei denen wir bei klarem Himmel Fernrohre auf der Poppelsdorfer Allee aufbauen und unsere Faszination für die Astronomie in die Stadt bringen wollen. Meine Auswahl für „Astrotermine für Bonn“ 2016 ist bereits online. Ich bin schon gespannt, wieviele der geplanten 12 Mondtermine das Wetter nächstes Jahr zulässt. 2015 waren es immerhin 3 von den 12 Beobachtungen (Juni, August, Dezember). Also: clear skies 2016!

Malte Tewes

21.12.2015


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