Öffentliche Beobachtung mit dem Bonner General-Anzeiger

Freitagmittag erhielt ich via Facebook eine Anfrage eines General-Anzeiger-Reporters, der mit der aktuellen ISS-Sichtbarkeitsperiode als Aufhänger einen Beitrag über Bonner Hobbyastronomen bringen möchte. Wegen des sommerlichen Wetters und des leuchtenden Halbmondes schlug ich spontan eine Beobachtung in Bonn vor, und wegen zeitlich günstiger ISS-Überflüge sowie aufgrund des zunehmenden Gewitterrisikos hielten wir direkt den Samstag für die beste Wahl und vereinbarten ein Treffen für 21:00 Uhr. Als Örtlichkeit peilte ich die für öffentliche Beobachtungen bewährte (siehe hier und hier) Wiese der Poppelsdorfer Allee an. Und obwohl der Himmel gestern Nachmittag noch mit dichteren Wolken bedeckt war, zogen sie rechtzeitig wieder ab, so dass tatsächlich ab 20:00 Uhr die Sonne zurückkehrte und diesen frühsommerlichen Abend in Poppelsdorf verschönerte.

Meinem kurzfristigen Aufruf waren noch Christian und Malte, ebenfalls Sternfreunde des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA), gefolgt und so beantworteten wir zu dritt nicht nur unzählige Fragen von Reporter Nicolas Ottersbach, sondern auch von interessierten Passanten. Um 21:30 Uhr bauten wir unsere Teleskope auf: Christian hatte einen 80mm-Refraktor dabei und ich wuchtete meinen 300mm-Dobson auf die Wiese. Und wir waren noch nicht einmal ganz mit dem Aufbau fertig, da zeigte sich schon ein Familienvater mit seinem 8-jährigen Sohn Malte ganz begeistert. Zunächst hielt sich der Halbmond noch etwas versteckt hinter den letzten abziehenden Wolken, die ebenfalls den ersten ISS-Überflug gegen 21:40 Uhr größtenteils verhinderten. Dann kam die Raumstation doch noch hinter dem Wolkenband hervor und war noch ein kurzes Stück bis zur nächsten hohen Baumkrone zu verfolgen. Danach besserte sich die Sicht zusehends. Natürlich war der Halbmond wieder das Highlight der Beobachtungsaktion und einige Passanten bestaunten den riesigen Krater Copernicus mit seinen Zentralbergen.

In der fortschreitenden Dämmerung tauchten schließlich auch die Planeten auf. Zuerst wurde der Mars anvisiert und nach einem Standortwechsel der Teleskope zeigte sich auch Saturn in seiner ganzen Pracht. Obwohl der wunderschöne Ringplanet nur etwas tiefer stand, war das durch die Bäume an der Allee schon zuviel, aber zu zweit lässt sich auch der 40 Kilogramm schwere 12-Zöller schnell mal umstellen. Wir standen nun halb unter einer Laterne, aber Saturn und drei seiner Monde (links Rhea, rechts Dione und Titan) konnte man gut beobachten. Auch das 9mm-Okular im Auszug brachte noch Gewinn, denn damit konnte der Reporter bei 166-facher Vergrößerung sogar die Cassini-Teilung erkennen. Außerdem versuchte ich mich mit meiner Lumix TZ31 an einem Saturn-Beweisfoto; das beste Ergebnis sieht man nebenstehend.

Durch die netten Gespräche und vielen Fragen, ob nun mit dem General-Anzeiger oder den neugierigen Fußgängern, gingen die 90 Minuten bis zum nächsten ISS-Überflug rum wie nix. Gegen 23:20 Uhr war es schon wieder Zeit für die Raumstation. Ein Ehepaar aus Düsseldorf, das schon die erste ISS des Abends gesehen hatte, schaute nochmal vorbei und wollte mit uns ein zweites Mal Alexander Gerst 400 Kilometer über der Erde gedanklich Hallo sagen. In ungefähr 5 Minuten zog der von sechs Astronauten bewohnte Lichtpunkt am Himmel über der Poppelsdorfer Allee vorüber – genau durch den Zenit. Die ISS-Beobachter werden dann vermutlich mit diesem schönsten Bild von Nicolas Ottersbach nächste Woche im General-Anzeiger zu sehen sein.

Nach zwei Stunden – und insgesamt 10 bis 15 Passanten – bauten wir dann langsam ab, während ich nebenbei noch eine schöne Aufnahme mit Mond, Mars und dem GA-Fotografen in ungewöhnlicher Position unter einem Teleskop machte. Bis kurz vor Mitternacht beantworteten wir noch letzte Fragen des Reporters und ich informierte über die nächsten Aktionen im Rahmen des großen Bonner Veranstaltungsprogramms „Astronomie für jedermann“.

Und das fertige Bild aus dieser Position sieht dann so aus:

08.06.2014

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