Letzte öffentliche Himmelsbeobachtung in Bonn 2015

Am Donnerstag sah die Wetterprognose für den gestrigen Samstag noch gut aus, danach verschlechterte sich die Vorhersage jedoch wieder und nach vielen prüfenden Blicken auf stündliche Wolkenprognosen und Satellitenbilder haben Malte und ich uns dennoch dafür entschieden, die für 2015 letzte öffentliche Himmelsbeobchtung in Bonn zu starten. Gegen 17:15 Uhr trafen wir gleichzeitig bei der Argelander-Sternwarte ein und bauten unsere großen Teleskope auf der Wiese der Poppelsdorfer Allee auf. Und wir waren noch mit dem Aufbau beschäftigt, da kamen schon die ersten Fragen, was wir denn da machen. Wenig später kam sogar noch Dieter, ebenfalls Hobbyastronom des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) vorbei und brachte sein 60mm-Teleskop mit. So konnten sich die vielen neugierigen Passanten, die z.b. auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt, ins Kino – natürlich „Star Wars“ – oder mit Weihnachtseinkäufen unterwegs waren, für einen Moment mal den Halbmond von nahem ansehen. Zwischendurch wählte ich bewusst auch mal eine hohe Vergrößerung, damit jeder interessierte Besucher mit einer Hand am Tubus auch selbst einmal über die von Kratern übersäte Landschaft surfen konnte. So ein Flug über die Oberfläche ist gerade durch den Blick wie aus einem Raumschifffenster immer wieder beeindruckend. Das Alpental war deutlich neben dem lavaüberfluteten Krater Plato zu sehen, die Gipfel der Apenninen warfen noch Schatten, auch die Rupes Recta warf ihren schnurgeraden Schatten, aber besonders markant war der Krater Clavius. Sah er anfangs noch wie ein großes, schwarzes und rechteckiges Loch aus, fielen ein paar Stunden später die ersten Sonnenstrahlen auf den gegenüberliegenden Kraterrand von Clavius. Wenn man mit manchen Leuten länger ins Gespräch kam, unterhielt man sich nicht nur über Mond und die Entstehung seiner unterschiedlichen Formationen, stattdessen sprach man z.b. über Lichtverschmutzung, Supernova-Explosionen, kosmische Strahlung, kosmologische Rotverschiebung oder die beschleunigte Expansion des Universums.

Kurz vor 18:00 Uhr kam außerdem wie immer pünktlich auf die Minute die ISS vorbei und während die meisten Leute um uns herum sie mit bloßem Auge am Abendhimmel verfolgten, konnte Malte mit seinem 14,5-Zoll-Teleskop die Raumstation deutlich aufgelöst sehen. Trotz des hellem Stadthimmels richteten wir später am Abend unsere Fernrohre noch auf das Siebengestirn (Plejaden), die Andromedagalaxie und sogar auf den Orionnebel. Auch angesichts dieser verwaschenen Nebelflecke zeigten sich die Besucher beeindruckt. Denn wann sieht man schon mal einen Geburtsort neuer Sterne oder 2,5 Millionen Jahre in die Vergangenheit zurück, denn schließlich ist die Andromedagalaxie, unsere große Nachbargalaxie, wirklich 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt. Als größte Überraschung stellte sich jedoch das Wetter heraus, denn obwohl jedes Wettermodell Wolken ankündigte, hatten wir bis auf kurzzeitige Ausnahmen durchweg einen klaren Himmel. Umso mehr freute ich mich über die richtige Entscheidung (wer nicht wagt …) und die anschließend sehr schöne Himmelsbeobachtung, bei der vielleicht über 50 Personen bei unseren Teleskopen vorbeischauten. In den gut 5 Stunden, in denen wir zu dritt unsere Fernrohre auf den Herbsthimmel richteten, gab es wieder viele nette Besucher, schöne Gespräche, interessante Fragen und neue Erfahrungen, denn wie bringt man beispielsweise einem blinden Mann die astronomische Beobachtung näher? Und irgendwann endete schließlich unser Weihnachtsspecial und wir bauten um 22:15 Uhr die Instrumente ab, temperaturmäßig werden es immer noch um die 10 Grad gewesen sein.

Damit war die letzte öffentliche Beobachtung in Bonn wirklich voller Erfolg, aber keine Angst: Auch für 2016 sind wieder monatliche Teleskopaktionen geplant, bei denen wir bei klarem Himmel Fernrohre auf der Poppelsdorfer Allee aufbauen und unsere Faszination für die Astronomie in die Stadt bringen wollen. Meine Auswahl für „Astrotermine für Bonn“ 2016 ist bereits online. Ich bin schon gespannt, wieviele der geplanten 12 Mondtermine das Wetter nächstes Jahr zulässt. 2015 waren es immerhin 3 von den 12 Beobachtungen (Juni, August, Dezember). Also: clear skies 2016!

Malte Tewes

21.12.2015

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3 Responses to “Letzte öffentliche Himmelsbeobachtung in Bonn 2015”


  1. 1 lunochod . um .

    Sehr feine Aktion, die ihr da macht!


  1. 1 “Astrotermine für Bonn” und Vorschau auf 2016 | ZauberDerSterne.de Trackback zu . um .
  2. 2 Rückschau auf 2015, Vorschau auf 2016 | ZauberDerSterne.de Trackback zu . um .

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