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Meine bisherige Lichtkurve der Nova Del 2013

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Nova am 16. August; Martin Fiedler (Sternwarte Radebeul)

Da für die kommenden Tage eher wechselhaftes Wetter mit geringen Beobachtungschancen angekündigt ist, hab ich heute mal meine bisherigen visuellen Helligkeitsschätzungen der Nova Delpini 2013 – immerhin 16 an der Zahl in 3 Wochen – grafisch zusammengefasst. Als Basis dienten die bei der AAVSO gemeldeten Schätzungen, mit denen auch eine Lichtkurve generiert werden kann; die eingezeichnete steile Linie gibt zudem den rasanten Anstieg in der ersten Tageshälfte des 14. August wieder, wobei die Nova binnen einer Stunde um 1,5mag bzw. um 10,0mag in 14 Stunden(!) heller wurde. Nach dem Maximum in den Mittagsstunden des 16. August – genau 2 Tage nach der Entdeckung – war der Helligkeitsausbruch des Weißen Zwerges schon wieder auf 4,7mag gefallen, aber noch mit bloßem Auge sichtbar. An diesem Abend entstand auch die obige Aufnahme von Martin Fiedler mit dem Laserpointer auf die Nova gerichtet.

Der zunehmende Mond nahte, aber mit dem kleinen 8×40-Fernglas ließ sich der weitere Verlauf sehr gut verfolgen und auch in den hellen Vollmondnächten nutzte ich jede sich bietende Wolkenlücke. Nicht einmal die Bedeckung von epsilon Aur behielt ich so ernsthaft im Blick. In meinen Datenpunkten lässt sich außerdem das kurze Post-Maximum-Plateau erkennen, bevor es in die Phase des mehr oder weniger konstanten „Early Decline“ ging. Mit dem Abfall um 2 Größenklassen in 10 oder 11 Tagen (je nach Ausgangswert für das Maximum (4,3 oder 4,4mag)) lässt sich die Nova als „schnelle“ oder sogar als „sehr schnelle Nova“ klassifizieren. Seit dem 03. September befindet sie sich aktuell scheinbar in einem neuen Plateau, was sich auch im Spektrum zeigt. Denn bisher konnten die Amateur-Spektroskopiker (z.b. hier und hier) verfolgen, wie die Intensität der H-alpha-Linie gewissermaßen durch die Decke ging, nun aber scheint dieser Anstieg ebenfalls ein Ende zu haben. Was Helligkeitsschätzungen, Spektroskopie und Farbwahrnehmung (bis jetzt wandelte sich ihr Farbton von weißlich zu orange) der Hobbyastronomen über die Physik der Nova Delphini 2013 aussagen, darüber kann man nur mutmaßen. Doch mit der Arbeit der Astrophysiker wird man letztlich auch die eigenen Amateurbeobachtungen deuten können.

Aus dem Verhalten der Lichtkurve während des ersten Abstiegstadiums wurde die Entfernung bereits auf 12.000 bis 13.000 Lichtjahre eingegrenzt. Daraus würde eine absolute Helligkeit von um die -9,0mag folgen, was rund 400.000 Sonnenleuchtkräften entspricht. Und allein aus den visuellen Beobachtungen lässt sich mit der Ausbruchsamplitude von 12,7mag auf eine Helligkeitszunahme um das 100.000-fache schließen – in nur 60 Stunden!

08.09.2013

Nova Del 2013: Nach dem Maximum von 4,4mag, …

… dass sie gestern Mittag genau 48 Stunden nach der Entdeckung eines japanischen Amateurs erreicht hat, habe ich sie am Abend nur noch mit einer Helligkeit von 4,7mag beobachten können. Bei dem rasanten Anstieg hatte ich um Mitternacht schon mit einer 3 vor dem Komma gerechnet und mir entsprechende Vergleichssterne rausgesucht, aber dann zeichnete sich doch schon ein deutlicher Abfall ab. Ein Fernglas brauchte ich nicht für meine Beobachtungen, aber der zunehmende Mond stört zusehends; zumindest gestern Abend war sie noch deutlich mit bloßem Auge sichtbar und konnte sehr gut mit dem 4,8mag-Stern 29 Vul verglichen werden. Damit war klar, dass sie doch keine seltene Nova mit einem extremen Maximum ist. Aber mit 4,4mag ist er zumindest der hellste neue Stern seit 2007 bzw. mit 100.000 Sonnenleuchtkräften – entsprechend der Amplitude von 12,5 Größenklassen – die leuchtstärkste Nova seit 1999.

Jetzt ist es für Hobbyastronomen spannend, die Helligkeitsabnahme zu verfolgen. Die aktuellsten Schätzungen der Veränderlichenbeobachter sind hier abrufbar. Aktuell ist die Nova schon wieder bei 4,9 bis 5,0mag angekommen. Interessant ist außerdem, dass die Helligkeitswerte der visuellen Beobachter exakt mit der Photometrie der Profis übereinstimmen. Die nun fallende Lichtkurve lässt zudem Rückschlüsse auf die Entfernung zu: Nach den ersten Analysen könnte sie 3,5 bis 5,5 kpc bzw. über 2 kpc entfernt sein. Die Explosion auf einem Weißen Zwerg könnte also tatsächlich in 10.000 Lichtjahren Entfernung stattgefunden haben.

17.08.2013

Nova im Delphin schon bei 5,0mag!

Da ist man einmal nicht am Laptop und schon verpasst man die Entdeckung eines neuen Knallers. Das Entdeckerfoto eines neuen Sterns im Delphin machte der japanische Amateurastronom Koichi Itagaki am Mittwochmittag unserer Zeit (14. August), so dass man wenige Stunden später schon hierzulande die mögliche Nova sichten konnte. 6,3mag hatte sie schon in der Nacht auf Donnerstag erreicht und 24 Stunden konnte ich sie schließlich selbst mit einer Helligkeit von 5,0mag(!) beobachten. Während erste Spektren die Nova-Natur bestätigten, zeigten erste photometrische Untersuchungen einen Helligkeitsanstieg von fast 0,15mag in zwei Stunden! Letzte Nacht konnte ich den neuen Stern im Sommerdreick (Bild unten) auch endlich sichten.

Kurz nach 10 leuchtete noch der Halbmond, aber ich versuchte es trotzdem mit dem handlichen 8×40-Fernglas. Von der Delphin-Raute über den 4,8mag hellen 29 Vul war die Nova Delphini 2013 wirklich leicht zu finden. Mein erster Gedanke war dann nur: Täusche ich mich oder ist die Nova schon bei 5,0mag angekommen? An der Wahrnehmungsgrenze konnte ich sie sogar mit bloßem Auge aufblitzen sehen. Eine Stunde später war dann die Dämmerung abgeschlossen und ich machte mich an eine genauere Helligkeitsschätzung. Mit dem 8×40 fiel mir kein Unterschied zum 5,2mag-Stern 22 Vul auf, freisichtig erschien mir die Nova jedoch einen Ticken heller. Sie hatte also tatsächlich schon 5,0mag erreicht und war leicht mit bloßem Auge zwischen 29 Vul und der Pfeilspitze zu sehen; der 5,7mag-Nachbarstern der Nova war indirekt noch wahrnehmbar. Außerdem konnte ich um Viertel nach 11 verfolgen wie die helle ISS westlich des Pfeils im Erdschatten verschwand. Die gezeigten Bilder entstanden kurz nach Mitternacht; leider kann die Kamera nur maximal 15 Sekunden belichten.

Die H-alpha-Linie im Spektrum zeigt, dass der 20.000 Kelvin heiße Nova-Feuerball mit 2.300 bis 2.400 km/s expandiert, Spektrallinien von Eisen, Silizium und Stickstoff weisen auf Geschwindigkeiten von rund 1.000 km/s hin. Auch ein möglicher Nova-Vorgänger mit 17,0mag ist identifizierbar, so dass die Explosion auf dem Weißen Zwerg schon jetzt 12 Größenklassen bzw. 65.000 Sonnenleuchtkräfte hell ist. Wann sieht man schon mal eine tausende Lichtjahre entfernte Wasserstoffbombe an der Oberfläche einer Sternleiche von Erdgröße aus Kohlenstoff und Sauerstoff hochgehen? Nach einer Entfernungsschätzung von 1.000 pc (3.000 Lichtjahre) könnte die Nova 3. oder sogar 2. Größenklasse erreichen. Ein Ende des Helligkeitsanstiegs ist scheinbar vorerst nicht in Sicht, denn 2 ½ Stunden nach meiner letzten Beobachtung hatte der neue Stern schon die 4,8mag erreicht.

Nach den aktuellsten Schätzungen von heute früh hat der Knaller im Delphin bereits 4,5mag erreicht. Und wenn die Rate so bleibt, hat er um Mitternacht schon eine 3 vor dem Komma.

16.08.2013

Junger Exot im 12-Zöller: Gyulbudaghian-Magakian 1-29

Wenn man Beschreibungen von Uwe Glahn am 16-Zöller („extrem schwache Fläche an exakter Position bestenfalls erahnt, aber nicht sicher und ständig zu halten; unsicher, eher negativ“) oder von Reiner Vogel mit 22 Zoll („nix zu sehen, auch nicht der Stern PV Cep“) liest, dann geht man nicht davon aus, dass man den kleinen Reflektionsnebel GM 1-29 jemals im eigenen 12-Zöller sehen wird. Ein Jahr nach Reiner Vogels Notiz „weder Stern noch Nebel“ hat es letzte Nacht doch geklappt – auf der Terrasse mit 12 Zoll Öffnung und 60x Mindestvergrößerung unter einem 6,0mag-Himmel. Ich war seinem Beobachtungshinweis gefolgt, da der Nebel GM 1-29 offenbar zurzeit einen Helligkeitsschub hat. In der Nacht auf Sonntag zogen leider vermehrt Wolken durch und es gab nur kleine Lücken, für letzte Nacht war dagegen eine Cirrusbewölkung vorhergesagt, aber die Milchstraße stand überdeutlich über meinem Kopf und die Teilung südlich des Adlers fiel ebenfalls auf. Schlag Mitternacht stellte ich den 12-Zöller auf die Terrasse und ich startete die Suche bei beta Cep. Rund 4,5 Grad südwestlich steht der 7,0mag helle HD 198737, neben dem ein Paar 10,0mag-Sterne auffiel. Mehr Aufsuchhilfe braucht’s nicht, nur mehr Vergrößerung. Und an der richtigen Position war tatsächlich ein kleines Nebelchen zu entdecken, bei dem ich bestimmt eine halbe Stunde verbracht habe.

Am besten wirkte er im 9mm (166x), wobei er rundlich erschien und fast schon leicht mit indirektem Sehen erkennbar war; zusätzlich war nördlich davon der 14,8mag-Stern sichtbar. Der kleine Nebel war fast eine Bogenminute groß und seine Helligkeit fand ich mit einem etwa 14,0mag-Stern gut übereinstimmend. Auch mit dem 15mm (100x) war GM 1-29 indirekt noch deutlich zu sehen, wobei er irgendwie länglich-oval wirkte (vielleicht Hinweis auf die Fächerform?). Zu meiner Überraschung war der Nebel sogar im 25mm (60x) wahrnehmbar. Er war an der Wahrnehmungsgrenze, aber an der richtigen Position blitzte ab und zu das Objekt als unscharfer Stern auf. Der für das Nebelleuchten verantwortliche Stern PV Cep war nicht auffindbar.

GM 1-29 wurde 1976 von den armenischen Astronomen Armen Gyulbudaghian und Tigran Magakian entdeckt, aber heute ist das Objekt nur als Gyulbudaghians Nebel bekannt; bei mir heißt er einfach PVC-Nebel. Das Licht von PV Cep streut sich am Staub seiner Geburtswolke, so dass ein kleiner Reflektionsnebel beobachtbar ist. Die Nebelhelligkeit schwankt durch unregelmäßige Ausbrüche des jungen Sterns (Leuchtkraftanstieg durch erhöhte Akkretion auf die Sonne), der nur ein Alter von ein paar 100.000 Jahren hat. So exotisch schon der Objektname ist, so exotisch ist auch die Natur der Quelle, denn zu den bekannten jungen Sterntypen scheint PV Cep nicht zu passen. Nach einer erst im April veröffentlichten Arbeit ist er wohl doch kein typischer Vertreter der sog. EXor-Sterne (nach EX Ori benannt), sondern scheint eher ein massereicher Vertreter dieser aktiven Protosterne zu sein. Denn mit einer Masse von rund 3 Sonnenmassen (zwischen Wega und Regulus) gehört er schon zu den Herbig-AeBe-Sternen und man kann sich dann schnell vorstellen, wie eine Million Jahre später hier ein 1.500 Lichtjahre ferner Stern 8. Größenklasse bereits mit einem Fernglas sichtbar ist. Das war zugleich eine unverhoffte Beobachtung und wunderbare Entdeckung eines scheinbar unbeobachtbaren Nebels, erhellt durch das Streulicht eines versteckten Sterns.

Auf dem Weg von beta Cep nach PV Cep kommt man unweigerlich am Irisnebel NGC 7023 mit dem zentralen HD 200755 vorbei. NGC 7023 ist ebenfalls ein Reflektionsnebel, keine 1,5 Grad neben GM 1-29, und auch das Alter des Sterns von 300.000 bis 400.000 Jahre stimmt überein. Der einzige Unterschied: Der junge Herbig-AeBe-Stern HD 200755 fällt mit seinen 7,4mag schon im Fernglas auf. Den umgebenen Nebel konnte ich im 80mm-Richfielder indirekt bereits mit dem 25mm (30x) deutlich als Halo des hellen Sterns sehen. Anschließlich suchte ich mit dem kleinen Refraktor noch die Cygnus-OB2-Assoziation auf, wegen der Müdigkeit habe ich die tiefergehende Beobachtung dann jedoch vertagt.

05.08.2013

Supernovae und Protoplanetarische Nebel mit 3 und 12 Zoll

Heute vor einer Woche wurde das Entdeckerfoto von 2013ej, der zurzeit hellsten Supernova, gemacht, doch bis zur letzten Nacht machten immer Wolken oder Regen in der zweiten Nachthälfte einen Strich durch die Rechnung, oder es klarte erst in den Morgenstunden auf. Diesmal war der Himmel schon relativ früh aufgerissen und die Milchstraße zog ihr Band besonders deutlich über den Garten, Richtung Adler und Schütze konnte ich sogar vom Fenster aus die Teilung erkennen. So stand Punkt Mitternacht der 12-Zöller bereit für die Supernovajagd. Doch erstmal aktivierte ich den kleinen 80mm-Richfielder auf der Terrasse. Nachdem ich mit ihm zum Juli-Neumond schon CRL 2688, den hellsten Protoplanetarischen Nebel, beobachtet hatte, wollte ich unbedingt auch Minkowskis berühmten Fußabdruck versuchen. Mit den fast 4 Grad des Übersichtsokulars war die richtige Position zwischen beta (Albireo) und phi Cyg schnell gefunden. Innerhalb eines auffälligen Dreiecks stand ein Paar aus 9,7mag-Sternen. Weitere Hilfen brauchte ich nicht, nur mehr Vergrößerung, denn Minkowski 1-92 steht nur 30 Bogensekunden neben dem unteren Stern. Mit dem 9mm war höchstens etwas mit Augenverdrehen erahnbar, im 6mm war es sicher indirekt und mit den 82x des 4,9mm-Okulars war der kleine Punkt fast schon direkt zu sehen. Ein Fußabdruck war freilich nicht sichtbar, aber eine 1946 gemachte Entdeckung von Rudolph Minkowski in Sternform. Seine Helligkeit würde ich mit 12,0mag angeben, wobei am meisten wirklich die Nähe des Sterns 9. Größenklasse störte.

Für den direkten Vergleich schwenkte ich hinüber zu CRL 2688, den ich mittlerweile mit Übersichtsokular von 61 Cyg aus schnell finde. Dieser Protoplanetarische Nebel war diesmal sogar mit dem 15mm-Okular auszumachen. Mit etwa 11,7mag ist er etwas heller als M 1-92 und vor allem gibt’s hier keine störenden Nachbarsterne. Mit einer neuen Arbeit wurde kürzlich wieder bestätigt, dass dieser winzige Reflektionsnebel, der staubige Überrest einer Hülle eines ehemaligen Roten Riesen, erst vor 400 Jahren entstanden ist. Der im Okular stellar erscheinende Protoplanetarische Nebel ist somit gerade einmal so alt wie die Erfindung des Instruments, mit dem ich den Nachthimmel entdecke. Kurz vor halb 2 ein kurzer prüfender Blick Richtung Osthimmel. Die drei markanten Widder-Sterne lockten bereits zur Supernova 2013ej in M 74. Von gamma Ari aus war das Zielgebiet schnell gefunden. Von der prächtigen Spiralgalaxie ist selbst im 12-Zöller nur der helle innere Bereich sichtbar. Der genau vor einer Woche in rund 30 Millionen Lichtjahren Entfernung explodierte Überriese war nicht zu übersehen. Seine Supernova-Helligkeit schätzte ich anhand eines vergleichbar hellen Nachbarsterns auf 12,5mag. Ein Lichtpunkt mit 500 Millionen Sonnenleuchtkräften!

Bei dieser Helligkeit wollte ich es direkt mit dem kleinen 80mm-Refraktor versuchen – und es hat geklappt. Ich steckte das 4,9mm für 82-fache Vergrößerung in den Auszug und ließ das Feld mit M 74 als diffuses Etwas viele Male durchlaufen. Man musste schon genau hinsehen, aber ab und zu blitzte an der richtigen Stelle der 12,3mag-Stern mit der Supernova daneben auf. Während der Suche bemerkte ich nebenbei, wie scheinbar aus dem Schornstein eines Nachbarhauses der Sternhaufen der Plejaden rauskletterte. Direkt im Anschluss ging’s dann mit dem 12-Zöller noch hoch in die Eidechse zur zweiten hellen Supernova: 2013dy. Hatte das Auffinden bei der ersten Sichtung problemlos geklappt, dauerte es dieses Mal umso länger. Irgendwann bin ich dann doch noch angekommen. Sogar die etwa 50 Millionen Lichtjahre ferne Galaxie NGC 7250 war als länglicher Nebel erkennbar und daneben stand die punktförmige Trümmerwolke eines zerstörten Weißen Zwergs im Maximumslicht. Die Supernova ist immer noch 12,8mag hell, wobei das Leuchten durch den radioaktiven Zerfall von Nickel über Kobalt zu Eisen entsteht. Als Abschluss der kleinen Beobachtungsrunde im Garten schwenkte ich den Richfielder noch auf den Mond. Nahe des Terminators fielen vor allem die Regenbogenbucht Sinus Iridum und Copernicus, der bis auf den westlichen Kraterwall schon im Dunkeln lag, mit einigen auffälligen Strahlen in der Umgebung auf.

01.08.2013

Supernova 2013dy bei 12,9mag beobachtet

Nach einem Schauer gestern Abend klarte es wie angekündigt noch auf und ich nutzte spontan die Gelegenheit, mich trotz des hellen Vollmondes an der aktuellen Supernova 2013dy zu versuchen. Gegen Viertel vor 1 baute ich den 12-Zöller im Garten auf. Der Mond – etwas mehr als 24 Stunden nach Vollmond – stand noch knapp hinter dem Haus, so dass die Blendung nicht allzu stark war. Im Pegasus lag die Grenzgröße im Mondlicht zwischen 4,0 und 4,5mag, weshalb ich das Starhopping bei beta Peg startete. Zuerst tastete ich mich mit dem 10×50-Fernglas an das richtige Himmelsfeld in der Eidechse ran und konnte noch den 8,0mag-Stern erkennen, von dem es nur 0,5 Grad bis zum Ziel waren. Den selben Weg von beta Peg fuhr ich dann mit dem Sucher des Dobson ab. Nun reichte der Sternatlas nicht mehr und ich nutzte die Seite wikisky.org am iPad; in der Waagerechten um 180 Grad gedreht erhält man damit den Anblick im Newton.

Mit den 40mm- und 15mm-Okularen ließ sich die genaue Position relativ schnell lokalisieren und mit dem 9mm erschien dann schon indirekt deutlich die Supernova nahe eines 11,5mag-Sterns. Und während ich hörte wie die Kirchturmuhr 1 schlug und der Regen von den Bäumen tropfte, schaute ich mir einen vielleicht 15 Bogenminuten kleinen Himmelsausschnitt im Mondschein an. 10, 15 Minuten beobachtete ich diesen mehr als 40 Millionen Lichtjahre entfernten Lichtpunkt – das explosionsartige Ende eines Weißen Zwerges. Die Supernova 2013dy strahlt mittlerweile mit einer Milliarde Sonnenleuchtkräften! Ihre Helligkeit bestimmte ich zu 12,9mag, was sehr gut zu den anderen Schätzungen dieser Nacht passt. Damit steht sie jetzt auf Rang 5 der hellsten Supernovae 2013. Und wenn der Milchstraßenstaub nicht zu sehr stört, erreicht sie ja vielleicht doch die vorhergesagten 11,5mag.

25.07.2013

Toller Beobachtungsabend in Bonn zum weltweiten Saturn-Winken …

… in 21 Bildern.

Vergangenen Freitag, 19. Juli, nahm die Saturnsonde Cassini ein neues Panorama des Ringplaneten inkl. unseres Heimatplaneten in Pixelgröße auf. Während dieser Aufnahme sollte weltweit gewunken werden, denn die Aktion hieß „Winkt dem Saturn“. Hobbyastronomen des Köln-Bonner-Astrotreffs, der Volkssternwarte Bonn und der „Sternfreunde Siebengebirge“ trafen sich zu einem recht spontanen öffentlichen Beobachtungsabend, um Teil dieser globalen Saturn-Party und der interplanetaren Fotosession zu sein. „Looks like fun!“, schrieb mir noch ein KBA-Sternfreund, bevor er nach New York flog – und den hatten wir auf jeden Fall.

Den Anfang machte um 19:00 Uhr Michael Geffert, der unsere öffentliche Aktion überhaupt erst möglich machte, mit einem astronomiegeschichtlichen Vortrag im Rahmen der „Sammlung historischer Himmelsaufnahmen“. Diesmal ging es um den 5 Meter langen Doppelrefraktor, der bis Mitte der 1960er Jahre im heutigen Gebäude der Volkssternwarte Bonn stand. Man erfuhr etwas über die wichtigen Arbeiten mit dem großen Teleskop und die von Karl Friedrich Küstner gemachten und sogar signierten Fotoplatten, die eine größere Aufnahmetiefe als die Yerkes-Platten erreichten. Auch Persönliches zum Astronom Küstner, der auch für Geodäten kein Unbekannter ist, wurde angesprochen. Beispielsweise sind seine Beobachtungsbücher erhalten geblieben, in denen er schreibt, wie „sein“ Doppelrefraktor am 17. November 1899 in sieben Kisten an der Bonner Sternwarte ankommt. Im Anschluss an den Vortrag wurde erneut über die Auflösung des Observatorium Hoher List (OHL) diskutiert.

Gegen 20:00 Uhr ging’s dann von der Bonner Astronomiegeschichte direkt in die moderne Saturnforschung. Daniel Fischer erläuterte dem Publikum den Grund für unsere spontane Beobachtungsaktion und stellte das kuriose NASA-Event mit globalem Wink-Effekt „Wave at Saturn“ bzw. „The Day the Earth smiled“ ausführlich vor. Auch wenn es noch mehr als 3 Stunden bis zum Saturn-Winken waren, die Uhr wurde trotzdem im Blick behalten.

Es wurde die Cassini-Mission vorgestellt und viele der fantastischen Aufnahmen, die die Sonde seit 2004 macht, gezeigt. So auch das im September 2006 entstandene erste Saturnpanorama – mit unserem Blauen Planet Erde zwischen den Ringen. Neben den atemberaubend schönen Cassini-Bildern wurde auch eine Grafik aller Orbits zwischen 2004 und 2017 (das Missionsende steht schon fest) der Saturnsonde um den Ringplaneten gezeigt.

Etwa um 20:30 Uhr baute ich meinen 12-Zoll-Dobson auf der Wiese vor dem Institut auf. Richtung Westen hing eine Wolke halb vor der Sonne, so dass wunderbare Licht- und Schatteneffekte entstanden. Meinen kleinen 80/400-Sonnenrefraktor stellte ich trotzdem noch dazu.

Während in meinem Dobson bereits der tiefstehende Mond beobachtet werden konnte, schraubte neben mir Peter Kittner, ein Sternfreund aus Swisttal-Buschhoven, der meinen Hinweis auf astronomie.de gesehen hatte, einen großen Schiefspiegler zusammen. Nachdem für die Besucher zuerst die fast volle Venus eingestellt wurde, fuhr schließlich der lange Tubus automatisch auf den Punkt am blauen Taghimmel, wo Saturn stehen sollte. Und da stand er tatsächlich! Die beiden Kinder waren die ersten, die einen Blick durch’s Okular warfen und tatsächlich Saturn bei Tag sehen konnten.

Matt aber deutlich war er als Ringplanet erkennbar und damit hatte schon um 21:00 Uhr unsere öffentliche Saturnbeobachtung begonnen, obwohl die Sonne noch deutlich über dem Horizont stand. Etwas später in der noch hellen Dämmerung war außerdem schon die Cassini-Teilung sichtbar.

Kurz nach 9 trafen auch Christian Preuß und Daniel Bockshecker von den „Sternfreunden Siebengebirge“ ein. Mit einem Großfernglas wurde versucht Saturn am Dämmerungshimmel zu erwischen.

Die Abenddämmerung schritt voran. Zwischen 10 und 15 Leute schauten an dem Abend vorbei – einige blieben sogar bis es schließlich „Winkt dem Saturn“ hieß – und konnten mit den aufgestellten Teleskopen Mond mit unzähligen Details, Venus mit Phase und natürlich Saturn mit seinem Ringsystem sehen. Sternfreunde fachsimpelten unter sich, beantworteten spannende Fragen von Passanten (u.a. schauten neugierige Spaziergänger mit Hund und Katze vorbei) oder erklärten den kleinen Besuchern die Sternbilder.

Am späten Abend wurden bei immerhin fast vollem Mond auch Deep-Sky-Objekte wie M 13, Albireo und der Doppel-Doppel epsilon Lyr für die Besucher eingestellt. Mit einer abgestützten Kamera versuchte ich mich nebenbei an ein paar Stimmungsaufnahmen im Dunkeln. Zu meiner Überraschung zeigte bereits eine Belichtung von einer Sekunde Saturn (über dem Tubus), Spika (rechter Bildrand) und Antares (unterhalb des Mondes). Und die, die es nicht mehr abwarten konnten, haben vorab schon mal für die richtige Pose für das Saturn-Winken geübt. Der Höhepunkt der kleinen Saturn-Party in Bonn nahte und wie man hier sieht, haben wir dann alle tatsächlich zwischen 23:27 und 23:42 Uhr dem Saturn gewunken und freundlich zugelächelt. Auch meinen Dobson richtete ich nochmal auf Saturn, neben dem zumindest die Monde Titan und Rhea sichtbar waren. 80 Minuten später trafen dann unsere Photonen die Kamera von Cassini hinter dem Saturn. 1,4 Milliarden Kilometer legte das Licht zurück und unser 15-minütiger Moment wurde ein Pixel groß auf den Chip gebrannt. Das finale Saturnpanorama wird die NASA wohl erst Ende August veröffentlichen, aber erste Eindrücke von „Argelanders Astro-Abend“ aus 1,4 Milliarden Kilometern Entfernung gibt’s schon jetzt.

Nach Mitternacht wurden dann langsam die Teleskope abgebaut. Ein letztes Foto zeigt meinen Dobson mit Saturn zwischen den Stangen. An dieser Stelle geht ein herzlicher Dank an Michael Geffert, der bis halb 1 vor Ort war und diese spontane öffentliche Star-Party unterstützt und in dieser Form überhaupt erst möglich gemacht hat. Insgesamt waren 30 bis 35 Leute dabei, so dass es angesichts der kurzfristigen Aktion doch eine kleine aber feine und vor allem eine sehr gelungene Saturnbeobachtung mit Wink-Effekt war. Und dank des Go-To-Schiefspieglers war für mich ein überraschender Blick auf Saturn am Taghimmel möglich. Wunderbar!

Ein paar Fotos, die in der noch hellen Dämmerung entstanden, wurden auch in der Sondersendung zum Saturn-Winken im NASA-TV gezeigt: Einfach auf das Bild klicken und zu Minute 25 vorspulen („… we have some pictures from Bonn, Germany …“).

Weitere Berichte von den Teilnehmern der gelungenen Beobachtungsaktion in Bonn:

Astronomischer Sommerabend mit Wink-Effekt (Bonner Sterne)

Astronomieabend in Endenich (Volkssternwarte Bonn)

Astro-Treffen in Bonn: Sternfreunde winkten gemeinsam dem Saturn, und Cassini fotografiert uns dabei! (Sternfreunde Siebengebirge)

Außerdem kann sich jeder Saturnbeobachter vom 19. Juli als kleine Erinnerung ein Zertifikat erstellen.

Und auch der berühmteste Sohn der Stadt hat zumindest bildhaft unsere Saturn-Party mitgerockt.

22.07.2013

Jupiter am blauen Taghimmel und bedeckt in Australien

Grahame Kelaher

So konnte ich den gestreiften Gasplaneten zwar nicht sehen, denn die Jupiterbedeckung konnte gestern zu deutscher Mittagsstunde nur von Südaustralien beobachtet werden. Und während von Deutschland aus Jupiter 1,4 Grad am Mondrand vorbeizog, konnte auf der anderen Seite der Erde der Astrofotograf Grahame Kelaher mit einem 12-Zöller und einer Canon 6D den Eintritt am dunklen Mondrand eindrucksvoll festhalten. Wenige Stunden nach der australischen Jupiterbedeckung zielte ich gegen 17:00 MEZ von einem Garten in Bad Honnef – zu Besuch bei Christian Preuß – aus auf den weißen Halbmond. Ich wusste ungefähr, wo der Planet stehen sollte und dann konnte ich Jupiter tatsächlich mit bloßem Auge am blauen Taghimmel entdecken. Ich beobachtete mit meinem kleinen 80mm-Widefield-Gerät und konnte bei 10-facher Übersichtsvergrößerung gerade noch Mond und Jupiter gemeinsam im Gesichtsfeld sehen. Das fand ich wirklich beeindruckend, da ich bisher nur Venus am Taghimmel beobachtete. In einem 8-Zöller fiel mir sogar direkt neben Jupiter noch sein Mond Io auf, aber da stand die Sonne spätnachmittags schon etwas tiefer. Aber trotzdem war ich ganz begeistert von meiner Jupitersichtung am blauen Himmel – auch ohne Planetenbedeckung.

Weitere Eindrücke aus dem „astronomischen TV-Studio“ – der WDR war zu Gast in Preuß‘ Garten – gibt es hier von mir oder hier direkt auf der Homepage der „Sternfreunde Siebengebirge“.

19.02.2013

Supernova-Kandidat 2009ip bei 14,0mag beobachtet

In den letzten Wochen hat sich der veränderliche und sehr massereiche Sterngigant 2009ip in einen Supernova-Kandidaten verwandelt (siehe meine ausführlichen Beiträge hier und hier), so dass durchaus mit einer sehr hellen Sternexplosion vom Typ IIn zu rechnen ist. Aber wie sich der sterbende Stern weiter entwickelt, kann selbst die Fachwelt nicht vorhersagen.

Erst gestern Abend ergab sich die Gelegenheit – völlig wolkenlos und kein störender Mond – mit meinem Dobson den Punkt bei -29° Deklination anzupeilen. Wegen der Horizontnähe fuhr ich ein Dorf weiter zu einer Anhöhe, wo ich meinen 12-Zöller aufbauen konnte. Die Akkus im Rotlicht waren leer und dummerweise hatte ich auch ein Fernglas vergessen, aber mit dem Sucher konnte ich mich auch so recht schnell von alpha PsA (Fomalhaut) zu lambda PsA manövrieren. Mit steigender Vergrößerung war die richtige Position nahe zweier 12,0mag-Sterne gut zu finden.

Es musste mindestens das 9mm-Okular sein, um überhaupt blickweise und grenzwertig indirekt etwas wahrzunehmen; das 6mm bestätigte die Anwesenheit eines Lichtpunkts und die Position konnte ich nach der Beobachtung mit den Fotos in Übereinstimmung bringen. Ich meine außerdem teilweise auch die Galaxie NGC 7259 gesehen zu haben. Aufgrund der Grenzwertigkeit war die Helligkeit nicht leicht zu bestimmen, dennoch schätzte ich sie grob auf 14,0mag. Das passt wiederum sehr gut zu den aktuellen Schätzungen, denn nach der beobachteten Helligkeitssteigerung Anfang Oktober, scheint sie jetzt wieder um eine halbe Größenklasse gefallen zu sein.

Es bleibt also spannend bei dem veränderlichen Supernova-Kandidaten 2009ip.

11.10.2012

12,5mag heller Blazar-Flare in der Giraffe

Normalerweise gilt 3C 273 (z=0,16) mit rund 12,7mag als hellster Quasar, derzeit scheint jedoch ein Blazar mit ähnlicher Helligkeit und das obwohl PKS 0716+71 (z=0,31) 1,5 Milliarden Lichtjahre weiter entfernt ist. Extra für diesen Flare habe ich in der Nacht von Donnerstag auf Freitag (20./21. September) meinen 12-Zoll-Dobson hervorgekramt und auf das Sternbild Giraffe gerichtet. Die Milchstraße war noch gut von meinem Gartenstandort sichtbar, doch ebenso schien der Himmel bereits leicht diesig zu sein.

Die Giraffe hat wenig markante Orientierungspunkte, aber wenn man erstmal der helle L Cam gefunden hat, ist der schwierigste Teil geschafft. Mit dem Sucher lässt sich dann leicht die Position eines 11,5mag-Sterns (2) anpeilen, in dessen Nähe der veränderliche Blazar zu finden ist. Ich hatte nur das 40mm-Okular im Auszug und konnte nach ein paar Minuten Adaption tatsächlich den Blazar-Ausbruch indirekt sicher sehen – mit gerade mal 37,5x Vergrößerung! Die Helligkeit ließ sich mit einem benachbarten 12,4mag-Stern (3) gut auf 12,5mag schätzen. Wahnsinn: Etwa 3,5 Milliarden Lichtjahre entfernte „leuchtende Elektronen“ in einem sehr hellen Synchrotron-Flare bei weniger als 40-facher Vergrößerung!

Mitte September wurde ich durch Klaus Wenzels Beitrag im Interstellarum-Newsletter auf den neuen Helligkeitsausbruch aufmerksam, mittlerweile schreibt auch die AAVSO über den hellen Blazar-Flare und bei den aktuellen Helligkeitsschätzungen vermerkt Wenzel „very bright!!“. Bei einem historischen Ausbruch im März 2004 erreichte PKS 0716+71 übrigens ein Maximum von 12,3mag (12,1mag Rmag).

23.09.2012


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