#GoAlex!! Köln feierte große Launch-Party für Alexander Gerst

Vor einer Woche war’s soweit: Vergangenen Mittwoch um 21:57 Uhr startete der in Künzelsau geborene Vulkanforscher Alexander Gerst zu seiner sechsmonatigen Blue-DotMission an Bord der Raumstation ISS. Mit ihm als 11. Deutschen im Weltraum war sozusagen auch die Astronauten-Nationalmannschaft endlich vollzählig und was liegt da näher, den Start im Fußball-WM-Stil mit einem Public-Viewing zu feiern. Veranstaltungen zum Start gab es gleich mehrere in Deutschland, doch die große Launch-Party in Köln war wohl das einzige Open-Air-Event. Zeitungsartikel gibt’s hier (auch), hier und hier, einen ausführlichen Bericht sowie eine Bildergalerie gibt’s von Blogger-Kollege Daniel Fischer, auch die Aufzeichnung (ab Minute 22:30) des Kölner Livestreams ist online, und nachfolgend kommt endlich auch mein Bildbericht mit 23 Fotos.

Mit Blick auf den historischen Rathausturm (hier gab es auch einen Empfang) und den Kölner Dom im Hintergrund sah es um 19:00 Uhr noch recht übersichtlich auf dem Alter Markt aus, aber zumindest der überdimensionale ESA-Astronaut hatte neben der großen Leinwand bereits Stellung bezogen. Am rechten Rand der Videowand wurden auch schon die ersten Tweets an @Astro_Alex bzw. mit dem Fan-Hashtag #GoAlex eingeblendet.

Und während sich vier Sternfreunde des Köln-Bonner-Astrotreffs (KBA) am Brunnen trafen und sich über den minutiös geplanten Ablaufplan amüsierten, wurde von einem WDR-Team der Kölner Astronaut Reinhold Ewald, der 1997 Musik von den Bläck Fööss zur Raumstation Mir mitnahm, mit einem Modell der Sojus-Rakete in der Hand für die Tagesschau am nächsten Tag interviewt.

Kurz nach 20:00 Uhr. Für die Begrüßung betraten Andreas Bursche und Tobias Schäfer, ein Moderatorenduo des Radiosenders 1Live, die Alexander Gerst schon bei seiner Vorbereitung am Kölner DLR zum Gespräch getroffen hatten, die Bühne, die kurz darauf schon von Peter Schilling und seiner Band gerockt wurde. Gleich zum Auftakt spielte er zwei Songs, darunter seinen Hit „Terra Titanic“, und auf dem schon gut gefüllten Platz flatterten bereits die ersten Köln-Fähnchen in der Luft. Wie der Sänger außerdem erzählte, sei es der „ausdrückliche Wunsch“ des Astronauten gewesen, dass zu seinem Start in Köln zum NDW-Kulthit „Völlig losgelöst“ gefeiert werden sollte.

Auch Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters in der Bildmitte – neben ihm Vertreter von DLR und ESA – schwenkte die Stadtfahne; begleitet wurden sie von einer Astronauten-Grundschulklasse aus der Südstadt mit selbstgebauten Raketen und einer Mini-Ariane.

Verkürzt wurde die Zeit bis zum Start um 21:57 Uhr mit den lauten, rockigen Songs von NDW-Star Peter Schilling und unterhaltsamen Infotainment-Blöcken, in denen es beispielsweise Gespräche mit dem sichtlich gut gelaunten Astronauten Reinhold Ewald gab oder zwei Grußbotschaften von Alexander Gerst ans Kölner Publikum und ein Gruß des singenden Astronauten Chris Hadfield auf der Leinwand zu sehen waren. Zusätzlich gab’s zwei Liveschalten nach Baikonur, aber spätestens bei Ulf Merbold am Hörer brach die Verbindung endgültig zusammen. Die meisten technischen Zicken machte das Livebild direkt aus der Sojus-Kapsel mit den drei Raumfahrern Gerst, Wiseman und Surajew: Auf den Monitoren auf der Bühne war alles wunderbar zu sehen, nur auf der Großleinwand wurde nichts angezeigt, so dass die Kameramänner behelfsmäßig lediglich die kleinen Bildschirme abfilmen konnten. Doch trotz der paar technischen Pannen blieb es eine gelungene und kurzweilige Veranstaltung. So ändern sich die Zeiten: 1992 feierte man den Start eines deutschen Raumfahrers noch bei einem Bonner Mercedes-Autohaus mit einem eher unbekannten Ranga Yogeshwar, 2014 dagegen scheint eine Raumfahrt-Veranstaltung mit Public-Viewing durchaus massentauglich zu sein.

Außerdem: Reinhold Ewald beantwortete sogar Fragen der kleinen Fans im Publikum, …

… es gab ein raumfahrtmedizinisches Experiment mit Rupert Gerzer, dem DLR-Institutsleiter für Luft- und Raumfahrtmedizin, im Gespräch und …

… immer wieder flatterten die Köln-Fähnchen über den unzähligen Köpfen. Zwischen 1.000 und 3.000 Zuschauer sollen bei den großen Launch-Party für Alexander Gerst dabei gewesen sein.

20 Minuten vor dem donnernden Lift-off in Baikonur, donnerten erstmal die ersten Takte des perfekten Soundtracks für einen Raketenstart über Kölns Alter Markt. Peter Schillings deutsche Major-Tom-Version „Völlig lösgelöst“ wurde abgefeiert und lauthals mitgesungen, die Kinder tanzten eh längst jenseits der Absperrung im bunten Scheinwerferlicht mit. Die Volksfeststimmung war auf dem Höhepunkt und da hält sogar die Köln-Fahne von Reinhold Ewald nicht mehr still. Tja, wenn Köln feiert, dann feiert es. Selbst wenn der Song mittlerweile 31 Jahre alt ist, „das Ding ist genauso unkaputtbar wie die Sojus-Rakete“, wie einer der Moderatoren treffend kommentierte.

5 Minuten vor der Zündung von 280 Tonnen Treibstoff wurde noch eine Videobotschaft mit dem Ziel Raumstation aufgenommen, wobei wirklich der ganze Platz zu einer einmaligen Zuschauerwelle mit winkenden Fähnchen wurde und der Schlachtruf „Gooo Alex!!“ lauthals ertönte. Es folgte der Moment des Starts und der Flug in die Erdumlaufbahn, den Reinhold Ewald kommentierte. Wie zu Silvester wurde von den über 1.000 Zuschauern laut der Countdown runtergezählt, bei null ertönte nochmal ein gemeinsames, lautstarkes „Go Alex!!“ und scheinbar auf die Sekunde zündeten die Triebwerke und die Sojus-Trägerrakete erhob sich in den kasachischen Nachthimmel. Ein Nachtstart wie aus dem Bilderbuch und die ganze Menge wartete gespannt auf ein Handzeichen des Geophysikers auf dem Weg ins All.

Und dann gab’s nochmal großen Jubel, als wenige Minuten nach dem Start das Innere der engen Sojus-Kapsel auf der Leinwand erschien und Astronaut Alexander Gerst tatsächlich einen Hang-Loose-Gruß an die Kölner schickte. Wie es zuvor angekündigt wurde, soll es wirklich eine „Dienstanweisung“ gewesen sein und laut Ewald symbolisieren, dass er „für Köln im All angekommen“ ist. Und prompt schickte das Publikum ein Hang-Loose zurück; der Gruppen-Surfergruß der jubelnden Menge sollte auch auf die ISS geschickt werden. Auch wenn der 11. deutsche Astronaut eigentlich aus dem nördlichen Baden-Württemberg stammt, wurde er auf der Launch-Party kurzerhand als „kölscher Major Tom“ oder „Kölner Held“ gefeiert und in die Domstadt „eingemeindet“, doch mit diesem Handzeichen war er dann endgültig ein Kölner der Herzen.

04.06.2014

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