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Lift-off für die großartige Weltraum-Ausstellung „Outer Space“ in Bonn

Im August 2011 hörte ich zum ersten Mal von der geplanten Weltraum-Ausstellung in der Bundeskunsthalle und je näher der Oktober 2014 rückte, desto mehr stieg die Vorfreude auf „Outer Space – Faszination Weltraum“. Besonders durch Interviews mit den beiden Kuratoren Stephan Andreae (auch für meinen Blog) und Claudia Dichter, die Landung der Liberty Bell 7 oder der Ariane 5 mitten in Bonn, und erst recht durch den Pressetermin Ende August, wo die Ausstellung erstmals ausführlich vorgestellt wurde. Und dann war er tatsächlich da: der 02. Oktober, an dem zunächst die Presse und abends zu der Eröffnungsveranstaltung auch die Öffentlichkeit bei freiem Eintritt die unendlichen Weiten von 15 Ausstellungsräumen entdecken konnte. Drei Hobbyastronomen des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA)Paul Hombach, Daniel Fischer und ich – nutzten so gleich mehrfach die Gelegenheit in den „Outer Space“ abzuheben und mischten sich schon vormittags unter die Leute von Funk und Fernsehen.

Extra für den Eröffnungstag hatte das DLR noch ihren aufblasbaren Astronauten mitgebracht und im Foyer des Museums gab es bereits eine detailgetreue ISS eines Modellbauers aus Niederkassel zu entdecken. Wie passend zum Tor zu den Sternen wartet vor der Tür zur Ausstellung ein Space Shuttle inkl. Crawler aus Schaumpappe eines New Yorker Künstlers, ein paar Schritte weiter schwebt man dann schon schwerelos durch den Weltraum und reist mit ihm gleichermaßen durch die Menschheitsgeschichte. Die nachfolgenden 18 Bilder sind nur eine kleine Auswahl meiner Fotos, zeigen aber sehr schön, wie breit gefächert das Spektrum in der wunerbaren Ausstellung ist und wie gekonnt die Macher und Kuratoren von „Outer Space – Faszination Weltraum“ ihr Leitmotiv „Der Weltraum zwischen Kunst und Wissenschaft“ umgesetzt haben.

Kunstgeschichte, Raumfahrtgeschichte, Astronomiegeschichte, Technikgeschichte, Science-Fiction-Geschichte und zeitgenössische Kunst – diese sprichwörtlich All-umfassende Ausstellung verbindet einfach All-es. Oder wie es schon die „Welt am Sonntag“ so treffend formulierte: „“Outer Space“ ist eine unverwechselbare Schau geworden, weil sich hier Fakten und Fiktion, Kunst und Wissenschaft wirklich auf Augenhöhe begegnen.“ Schon im ersten Ausstellungsraum trifft man auf den bekannten Meteoriten Ensisheim, das Universum in der Nußschale, die Himmelsscheibe von Nebra und die wunderschöne „Die Geburt der Milchstraße“ von Rubens. Davor steht eine leere Vitrine, in die am 08. Dezember der deutsche Astronaut Alexander Gerst eine zur ISS mitgenommene Bundesbiene vom Dachgarten, legen wird. Im nächsten Raum steht eine kaputte und verbeulte Spitze einer V2, die auf mich eher wie ein Kunstgegenstand wirkte. Auf der großen Wand hinter ihr läuft ein Countdown für eine Sojus in Baikonur in Endlosschleife ab und regelmäßig ist der krachende Lärm des Raketenstarts in der ganzen Ausstellung zu hören. Hier finden sich auch Visionär Oberth, Pionier von Braun und Psychiatriepatient Janke, dessen Raumfahrt-Visionen nie die DDR-Anstaltsmauern verlassen hatten. Wie die Wissenschaft die Kunst beeinflusst, sieht man aber noch an vielen Stellen in den insgesamt 15 Ausstellungsräumen. Ob eine strahlende Sonne oder gleich das ganze expandierende Universum, ob Briefe von sterbenden Sternen oder eine sehr assoziative Installation in Form eines Bettes, „in dem Neil Armstrong in seiner ersten Nacht nach der Rückkehr vom Mond schlief“ (so der vollständige Name) – der Weltraum beflügelt auch heute noch Künstler auf der ganzen Welt. Und in diesem wunderbaren Kontext zeigt sich selbst das Triebwerk einer Ariane 4 von seiner künstlerischen und ästhetischen Seite, man hat kaum mehr eine Vorstellung davon, dass diese Ingenieurskunst eigentlich über 2 Millionen PS Leistung liefert.

Angesichts von gezeichneten Marskarten, bemalten Himmelsgloben, alten Teleskopen, gedruckten Sternkarten und den ersten Mondzeichnungen, die vom Künstler Galileo Galilei stammen, wird ebenfalls deutlich, dass frühere Astronomen in gewisser Weise auch künstlerisch arbeiteten. Galileis Darstellungen, enthalten in einer Ausgabe von 1953 seines berühmten „Siderus Nuncius“, sind außerdem mit einem Gemälde seines Prozesses von 1633 und einem formatfüllenden Foto des Jupitermonds Io sehr schön in Szene gesetzt. Und mit Aquarellfarben gestaltete Entwürfe für die sowjetische Raumfahrt ist zu sehen, dass Kunst und Wissenschaft/Technik selbst in der Gegenwart nicht so weit auseinander liegen wie man zuerst vermutet. Zwar ist die 1964 skizzierte „Lunniy Korabl“ nie auf dem Mond gelandet und dennoch erhält man mit diesen Arbeiten Galina Balaschowas Einblicke in einen völlig unbekannten Aspekt der bemannten Raumfahrt. In der Ausstellung wird an vielen Stellen mit zahlreichen interessanten Exponaten – u.a. mit verschiedenen Raumanzügen, tierischen Raumfahrt-Pionieren, der bekannten weißen Weste zu Apollo 13, Sigmund Jähns Experimenten oder Reinhold Ewalds Socken – Raumfahrt präsentiert. Für Technikfreunde wie für Geschichtsinteressierte dürfte die Mercury-Kapsel Liberty Bell 7 ein Highlight darstellen, mit dem gleichermaßen an den tragischen Helden Gus Grissom erinnert wird. Mit dieser kleinen Kapsel wurde Grissom im Juli 1961 während einer 15-minütigen Mission zum zweiten Amerikaner im Weltraum. Und wenn man schließlich davor steht, kommt einem plötzlich wieder John Glenns amüsanter Satz in den Sinn: „You don’t climb into the Mercury spacecraft, you put it on.“

In „Outer Space – Faszination Weltraum“ hat natürlich auch die Science-Fiction ihren festen Platz. Von E.T. über die ikonische Horrorgestalt des in diesem Jahr verstorbenen H. R. Giger aus den „Alien“-Filmen bis zum berühmten Bügeleisen des TV-Raumschiffs Orion ist hier einiges zu finden. Und C3Po aus „Star Wars“ habe ich auch noch nie so glänzend gesehen, im richtigen Winkel zum spiegelnden Glas kommt er sogar besonders strahlend zur Geltung. Eine Science-Fiction-Geschichte von 1629 – Francis Godwins „The Man in the Moone“ („Der Mann im Mond“) – ist sogar Ausgangspunkt eines skurrilen Projekts der Kölner Künstlerin Agnes-Meyer-Brandis geworden. Sie beobachtete die Aufzucht von elf Gänsen vom Schlüpfen aus ihren Eiern, die sie mit Namen aus der Raumfahrt (z.b. Buzz, Valentina, Konstantin, Friede) beschriftete, bis zur Flugtauglichkeit. Denn im norditalienischen „Spaceport Pollinaria“ will die Gänsemutter sie ganz nach der literarischen Vorlage zu Mondgänsen ausbilden. Und auch in diesem Ausstellungsraum verschwimmen wiederum Fiktion und Wirklichkeit, wenn man nebeneinander eine Gänsefeder und ein Foto von Apollo 15 mit der bekannten Feder-Hammer-Demonstration auf dem Mond sieht. In den zwei übrigen von Künstlern gestalteten Räumen wird an den ersten Toten der Raumfahrt, Wladimir Komarow, gedacht und mit der Installation „The Man Who Flew into Space from his Apartment“ sieht man, wie sich jemand direkt durch die Zimmerdecke in den Weltraum katapultiert hat und so zugleich dem Kommunismus entkam.

Durch seinen interaktiven Charakter ist der rötlich glänzende Himmelsglobus für mich definitiv das Highlight der großartigen Bonner Weltraum-Ausstellung. Diese aus Kirschholz gefertigte Kugel besteht aus insgesamt 2.800 Holzstücken, die der in Düsseldorf lebende japanische Künstler Hiroyuki Masuyama drei Monate lang geschliffen und poliert hat. Die Kugel misst zwar nur 1,9 Meter im Durchmesser, doch ich empfehle jedem, der nicht allzu klaustrophisch veranlagt ist, dort hineinzugehen. Wenn man durch die kleine Luke in das Schwarze Loch steigt und die Klappe hinter einem blickdicht schließt, ist man plötzlich in der stockfinsteren Nacht von 30.000 Sternen umgeben. Tausende in das Holz gestochene Löcher mit Glasfasern machen das Universum in der Holzkugel möglich. Wenn man sich am Himmel auskennt, reicht ein gefundenes Sternbild zur Orientierung und man findet weitere. Und wie mein Bild zeigt, kann man den Großen Wagen inkl. Polarstern hier sogar am Taghimmel fotografieren. Wie in einer Höhle hallt es in dem Himmelsglobus, was die Naturerfahrung noch lebendiger macht. Unzählige Sterne über dem Kopf, zu den Seiten und unter einem; man sitzt oder liegt also tatsächlich auf den Sternbildern des Südhimmels. Ich kam mir wie in einer engen, kleinen Raumkapsel vor und hatte gleichzeitig – egal wohin ich sah – die unendlichen Weiten des Nachthimmels vor Augen und doch die Sterne wirklich zum Greifen nah! Es ist wie beim echten Sternhimmel: Sowas lässt sich schwer in Worte fassen, jeder muss ihn für sich selbst entdecken. Die paar Minuten vergingen wie im Flug – hallo Relativitätstheorie – und schon ist man wieder auf dem Boden der Tatsachen. Dieses Kunstobjekt ist ein fantastisches Naturerlebnis!

Zwischen meinen beiden Vorbesichtigungen der Ausstellung fand noch eine Pressekonferenz statt. Für das DLR, das mit 13 Exponaten in der Schau vertreten ist, war Sabine Hoffmann, Leiterin der Abteilung Kommunikation, anwesend. Mit einem Zitat Albert Einsteins brachte sie das Leitmotiv von „Outer Space“ sehr schön zum Ausdruck: „Das Schönste, was wir erfahren können, ist das Mysteriöse. Es ist der Quell aller wahren Kunst und Wissenschaft.“ Erwähnung fand auch der Rosetta-Lander Philae, den sie als „ingenieurwissenschaftliche Kunst“ bezeichnete und zu dessen Landung auf dem Kometen am 12. November auch in der Bundeskunsthalle eine Veranstaltung stattfindet. Anschließend berichtete Kuratorin Claudia Dichter ausführlich über die Entstehung der Weltraum-Ausstellung. Sie erläuterte nochmal, dass es ihr und ihrem Kollegen Stephan Andreae nicht so sehr um Fakten und Wissen ging, vielmehr sollte das „Faszinosum“ im Mittelpunkt stehen. Für die Kunsthistorikerin ist der Weltraum und die damit verbundene Neugier und der Forschergeist seit Menschengedenken eine „anthropologische Konstante“. Wie mir beim zweiten Gang durch die Ausstellung klar wurde, lässt sich das auch von der Kunst sagen, denn schon seit jeher formt und baut der Mensch mit seinen Händen. So sind in meinen Augen die anthropologischen Konstanten Kunst und Wissenschaft noch mehr miteinander verbunden.

Dichter erzählte auch, wie am Vortrag der deutsche Raumfahrer Reinhold Ewald mit „leuchtenden Augen“ aus dem hölzernen Himmelsglobus stieg und den Anblick mit „schwarzem Samt“ verglich; so wie tatsächlich Astronauten den im All sichtbaren Sternhimmel beschreiben. Während der Pressekonferenz gab es auch Beifall, als die Kuratorin auf die mit Aquarellfarben gestalteten Raumfahrt-Entwürfe von Galina Balaschowa zu sprechen kam. Die 83-Jährige und ihr Enkel waren der Einladung zur Ausstellungseröffnung gefolgt und einige Tage zuvor aus Moskau angereist. Balaschowa, über die diesen Monat auch ein Buch erschienen ist, studierte ab 1949 Architektur und arbeitete ab Herbst 1964 als Innenarchitektin für die sowjetische Raumfahrt, wobei sie beispielsweise die funktionale Innenraumgestaltung für die Sojus-Kapsel und die Raumstation Mir entwarf. Nach Bonn durfte sie nur Skizzen mitbringen, die sie aber vor Ort nachkoloriert hat und so sind echte Originale in der Ausstellung zu sehen.

Am Abend hatte die Eröffnung der Weltraum-Ausstellung dann ihren öffentlichen Höhepunkt. Die eingeladenen deutschen Astronauten Ewald und Thiele kamen wegen Staus leider zu spät, was aber ein perfekten Auftakt zur Veranstaltung lieferte. Denn als die beiden Kuratoren im August 2010 im Stau standen, wurde die Idee zu „Outer Space – Faszination Weltraum“ geboren. Und so bekommt Bonn nun endlich die Ausstellung, die es schon vor beinahe 25 Jahren geben sollte, denn bereits damals zur Eröffnung des Museums wollte man eine interdisziplinäre Schau zum Thema Weltraum zeigen. Dazu kann ich nur sagen: Das Warten hat sich mehr als gelohnt! Zum Abschluss der einstündigen Veranstaltung gab’s noch einen aufgezeichneten Gruß von Alexander Gerst, der die in Acryl gegossene Bundesbiene schwerelos durch den Raum schweben ließ und die er zu seiner Welcome-Home-Party am 08. Dezember in ihre Vitrine legen wird. Damit war dann „Outer Space – Faszination Weltraum“ auch für die Öffentlichkeit geöffnet.

Die sehenswerte Ausstellung ist jetzt noch genau vier Monate lang bis zum 22. Februar 2015 in Bonn zu sehen und ein unbedingtes Muss für jeden, der sich in irgendeiner Form für den Weltraum interessiert. Es lohnt sich nicht etwas speziell hervorzuheben, denn hier passt einfach alles perfekt zusammen – besonders Kunst und Wissenschaft.

22.10.2014

Alexander Gersts Spacewalk für den 07. Oktober angekündigt

Seit nun 4 Monaten schauen viele tausende Fans dem deutschen Social-Media-Star Alexander Gerst via Facebook (139.000 Follower) oder Twitter (155.000 Follower) bei der Arbeit auf der ISS zu und freuen sich täglich über neue fantastisch schöne Postkarten der Erde aus 400 Kilometern Höhe. Ob ein Zeitraffer einer 90-minütigen Erdumkreisung – inkl. Polarlichtern und Blitzen – oder ein Ping-Pong-Turnier mit Kollege Reid Wiseman – so nah war man noch keinem Deutschen im Weltraum und zugleich so fern der Erde. Erst gestern twitterte er zu dem ersten Foto: „4 Months in orbit. Feels like a second now. „, und nach den neuesten Planungen kann sich Gerst schon nächste Woche sein zweites Zuhause von außen angucken. Denn wie die NASA vorgestern bekannt gab, soll er am 07. Oktober ab 14:10 MESZ einen ISS-Außenbordeinsatz absolvieren.

Ursprünglich war Gersts Spacewalk für den 29. August vorgesehen, musste allerdings wegen eines Batterieproblems in den 145 Kilogramm schweren Raumanzügen der NASA verschoben werden. Nun steht jedoch einem Ausstieg nichts mehr im Weg und Alexander Gerst kann nächsten Dienstag die Erde und das sie umgebene Vakuum aus einem neuen Blickwinkel betrachten – nur noch getrennt durch das 3-Millimeter-Plastikvisier seines Helms. Der Außenbordeinsatz von Gerst und seinem US-Kollegen Wiseman wird inkl. Helmkamera bei NASA-TV übertragen. 6 ½ Stunden sind für die Arbeiten außerhalb der ISS geplant, wobei eine Umlagerung eines defekten Ammoniak-Pumpenmoduls, die Installation einer Ersatzenergieversorgung (Mobile Transporter Relay Assembly) des kanadischen Roboterarms Canadarm (Space Station Remote Manipulator System) die Hauptaufgaben der beiden Astronauten sein werden.

01.10.2014

Alexander Gerst funkte mit Siegburg und sprach mit Künzelsau

Am 01. September werden sich sicherlich nicht wenige Schüler ausnahmsweise mal auf die Schule gefreut haben, denn aus dem Stundenplan stand Alexander Gerst. Zu sehen sind hier nur ein paar Impressionen einer großen 2 3/4 Stunden dauernden Schulveranstaltung, die anlässlich eines Funkkontakts mit dem deutschen Astronauten  im Siegburger Gymnasium Alleestraße stattfand. Nach einigen begrüßenden Worten der Schulleiterin und des Bürgermeisters traten auch die beiden Personen, die das Event überhaupt erst möglich machten, ans Mikro: die Stellvertretende Schulleiterin Christel Feldmann-Kahl (Bild 1) und die Erdkundelehrerin Christina Müller (Bild 2), die 2009 mit ihrem Referendariat das Projekt „Fernerkundung in Schulen“ der Uni Bonn an dieses Gymnasium holte. Auch das aktuelle FiS-Projekt „Columbus Eye – Live-Bilder von der ISS im Schulunterricht“, welches sich schon bei der „Bonner Wissenschaftsnacht“ präsentierte, stellte sich ausführlich vor (Bild 3). Neben reichlich musikalischen Beiträgen, darunter Elton Johns „Rocket Man“, John Lennons „Imagine“ und natürlich der von Astronaut Chris Hadfield gesungene David-Bowie-Klassiker „Space Oddity“ bzw. vom Unterstufenchor der Schule (u.a. der NDW-Hit „Sternenhimmel“), gab es auch einige Beiträge der ISS-AG, in denen es um Alexander Gerst, seine Mission „Blue Dot“ und andere Raumfahrtthemen ging; zudem gab es eine zweisprachige Aufführung aus „Der kleine Prinz“.

Die letzten 45 Minuten der Veranstaltung führten Georg Westbeld und Stefan Scharfenstein vom DARC (Deutscher Amateur-Radio-Club) durch’s Programm. Sie verstanden es die rund 600 Zuschauer in der großen Aula zu unterhalten, erklärten zunächst was sich hinter dem Namen ARISS verbirgt und funkten Punkt 15 Uhr mit einem Amateurfunker in Norditalien, der als Back-up fungieren sollte, falls es auf der Empfangsseite Probleme geben sollte. Mittlerweile stieg die Spannung deutlich, denn immerhin war Siegburg eine der wenigen deutschen Städte, für die ein Funkkontakt mit Alexander Gerst möglich wurde. Und anhand der nebenstehenden ISS-Position und den HD-Livebildern konnte man sehr schön sehen, wie sich die Raumstation in 400 Kilometern Höhe endlich Europa näherte.

Kurz nach 15:10 Uhr war’s dann soweit: „Delta November 6 Kilo Whisky ruft Delta Papa 0 India Sierra Sierry, kannst du uns hören, Alex?“ Gegen 15:14 Uhr konnte dann die erste von insgesamt 20 vorher ausgewählten Fragen gestellt werden. Mit einer Antenne auf dem Schuldach hatte man zwar einen direkteren Kontakt, denn ansonsten kommt das Signal erst über NASA-Satelliten nach Deutschland, dafür hatte man jedoch leider eine schlechteren Sound. Die Antworten, die aus den Lautsprechern kamen, waren schon sehr rauschig, so dass zumindest ich keinen Satz vollständig verstehen konnte und auch das WDR musste für die Lokalzeit-Ausgabe den Funkkontakt untertiteln. Auch die noch kurz zuvor bestätigte Videoübertragung wurde seitens der NASA doch nicht durchgeführt. Dennoch konnten während des ISS-Überflugs immerhin 17 von 20 Schülern ihre Frage an den Astronauten Alexander Gerst loswerden. Die MP3-Datei mit dem Funkkontakt kann man sich hier (erste Frage bei Minute 3:55) anhören, außerdem gibt’s noch viele weitere Fotos von den Hobbyfunkern und noch dazu ein 60-minütiger Film (erste Frage bei Minute 28:20). Weitere Pressestimmen kann man hier, hier, hier und hier nachlesen.

Und nur drei Tage danach hatte der raumfahrende Vulkanologe schon seinen nächsten deutschen Auftritt: nach Siegburg hatte er am 04. September von 19:15 bis 19:35 Uhr ein Treffen mit seiner Heimatstadt Künzelsau. Bei der gut 20-minütigen Videoschalte (auch hier und ein Artikel) vor dem Künzelsauer Rathaus sollen 5.000 Zuschauer dabei gewesen sein, sogar via Livestream konnte man sie – über SWR oder DLR – online verfolgen.

Und bei der ersten Frage, gestellt von DLR-Chef Wörner, stellte der erneut gut gelaunte Gerst, der mit einem ET-Gruß nach Hause telefonierte, erstmal fest, dass Raumfahrt „eigentlich überhaupt nix für Erwachsene“, sondern „nur was für Kinder“ und ihre „Neugier“ ist.

Einen guten Überblick über die Menschenmenge hatte man zusätzlich noch über eine Webcam und …

… wenn man genau hinguckt, dann sieht man tatsächlich am Ende des langen Platzes Alexander Gerst schwebend im Columbus-Labor. In diesem absolvierte der schwerelose Künzelsauer zum Abschied noch eine Weltpremiere: einen Gienger-Salto, benannt nach dem ebenfalls gebürtigen Künzelsauer Turner Eberhard Gienger.

gerst3021.09.2014

Alexander Gerst spricht heute mit seiner Heimatstadt Künzelsau

So sah bereits am Dienstag der Platz vor dem alten Rathaus in der baden-württembergischen Kleinstadt Künzelsau aus.

Zwei Tage später sieht’s nun so aus, denn heute Abend wird sich dort Alexander Gerst von der ISS aus in seiner Heimatstadt melden. Hier kam der Vulkanforscher und Raumfahrer im Mai 1976 zur Welt.

Erst diesen Montag hatte das Gymnasium Alleestraße in Siegburg als 4. deutsche Schule die Gelegenheit mit dem deutschen Astronauten zu funken und bereits heute hat der 38-Jährige zwischen 19:15 und 19:35 Uhr einen Termin mit den Künzelsauer Bürgern. Die Liveschalte in den Erdorbit will das SWR auf ihrer Homepage streamen. Nach einem musikalischen Vorprogramm beginnt um 18:00 Uhr die Veranstaltung, bei der der Bürgermeister von Künzelsau genauso zu Wort kommen soll wie DLR-Chef Wörner oder die Astronauten Reinhold Ewald und Thomas Reiter. Außerdem wird im Rathaus eine Ausstellung mit Gersts Aufnahmen aus der Internationalen Raumstation gezeigt. Und als Einstimmung auf die Liveschalte gab’s erst gestern ein Foto der Heimatstadt aus 400 Kilometern Höhe, was auch direkt beschriftet wurde. Die Aufnahme entstand übrigens schon am 15. Juli.

Übrigens: So sah die Liveschalte nach Köln Anfang Juni aus; der Bericht zum Funkkontakt mit Siegburg folgt natürlich noch.

04.09.2014

Wie sich Deutschland und USA auf der ISS für das WM-Spiel warm machen

In genau 4 Stunden ist es soweit: Die entscheidende Fußball-WM-Partie USA gegen Deutschland wird angepfiffen und auch auf der ISS erwartet man dieses Spiel mit Spannung. So postete der deutsche Astronaut Alexander Gerst vorhin diesen lustigen Youtube-Clip bei Facebook: „Als Vorbereitung auf das Spiel heute Abend haben meine amerikanischen Kollegen und ich an Bord der ISS schon mal das Tor-Jubeln geübt. #‎USAGER #‎WM2014„. Und wie man sieht, ist das WM-Fieber nun endgültig auf der Raumstation angekommen. Zwischen dem Deutschen und den beiden US-Kollegen Reid Wiseman und Steve Swanson gibt’s sogar eine Wette, wie die drei Astronauten diese Woche in einem 12-minütigen TV-Interview verrieten. Wenn die deutsche Nationalelf gewinnt, müssen sich die US-Astronauten den Kopf rasieren und falls die USA gewinnen, wird Gersts Glatze mit einer US-Flagge angemalt. Ich bin schon auf die nächsten Selfies von der ISS gespannt. ;)

26.06.2014

Alexander Gerst gratuliert der Nationalelf zum 4:0-Sieg

Während beim gestrigen WM-Auftaktspiel der Nationalelf allein Hunderttausende auf Deutschlands größter Fanmeile in Berlin feierten, konnte ein Deutscher bei der sensationellen Partie gegen Portugal nur am ThinkPad mitfiebern. Ja, so sah die 72. Minute, in der Hummels eingewechselt wurde, rund 400 Kilometer über der Erde auf der Internationalen Raumstation ISS aus. Ich hätte nicht gedacht, dass bei dem straffen Programm eine FußbALL-Liveübertragung möglich ist, aber offenbar scheint es geklappt zu haben, denn Alexander Gerst twitterte und postete auch bei Facebook: „Zwischen die 10 Stunden wissenschaftlicher Experimente gestern passten auch 20 Minunten live #worldcup FussbALL. Gratulation an das DFB-Team aus dem Erdorbit!“ So konnte der Astronaut doch mit seinen Kollegen den verdienten 4:0-Triumph eines spannenden Spiels, in dem Lahm, Kroos, der dreifache Torschütze Müller und Co. glänzten und Ronaldo eigentlich nur durch die wenigsten Ballbesitze auffiel, verfolgen.

17.06.2014

Alexander Gerst twittert und schickt WM-Grüße von der ISS

Heute vor zwei Wochen erreichte Alexander Gerst, der 11. deutsche Astronaut, sein neues Zuhause für das nächste halbe Jahr. Um 5:52 Uhr öffnete sich die Luke zwischen Sojus-Raumschiff und der Raumstation ISS. 400 Kilometer über der Erde widmet sich der 38-Jährige aber nicht nur seinem straffen Forschungsprogramm oder absolvierte bereits einen ersten TV-Auftritt, seine tausenden Fans lässt er via Social-Media ebenso an seinem größten Abenteuer teilhaben. Bei Facebook (fast 26.000 Freunde) oder Twitter (fast 45.000 Follower) postet er mittlerweile regelmäßig unglaublich schöne Aufnahmen unseres blauen Heimatplaneten. Welcher Arbeitsplatz bietet schon so eine unvergleichliche Aussicht? Ob fantastische Wolkenschatten, eindrucksvolle Wolkenformationen oder die hauchdünne Atmosphäre – in allen Bildern spiegelt sich die Schönheit der Erde wieder. In höherer Auflösung sind Gersts Fotos bei Flickr zu finden. Auch das ein oder andere Selfie mit der Erde oder seinen Crew-Mitglieder Reid Wiseman (@astro_reid) oder Maxim Surajew (@msuraev) gibt es. Beeindruckende Fotos twittert außerdem der russische Kollege Oleg Artjemjew (@olegmks).

Oder der Deutsche schaut seinen Kollegen einfach mal über die Schulter.

Und pünktlich zum Auftaktspiel der Fußball-WM in Brasilien erschien heute ein kurzer Clip mit kickenden Astronauten auf der Raumstation. Anpfiff für die erste Partie ist zwar erst in fünf Stunden und eine Liveübertragung zur ISS ist auch nicht geplant, @astro_alex macht sich in der Schwerelosigkeit trotzdem schon mal als Torhüter warm.

Außerdem postete der deutsche Astronaut vorhin WM-Grüße auf Facebook: „Wir wünschen allen Teams und Fans bei der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien viel Spaß, viel Erfolg und friedliche Spiele! Möge die beste Mannschaft gewinnen! Viel Glück!“

12.06.2014

Live bei der ersten ISS-Pressekonferenz mit Alexander Gerst

Und so sah sie vergangenen Donnerstag an Bord der Internationalen Raumstation ISS …

… bzw. am Boden im Europäischen Astronautenzentrum EAC auf dem DLR-Gelände in Köln-Porz aus. Dorthin hatte die ESA am 05. Juni, genau eine Woche nach Alexander Gersts Ankunft auf der ISS, eingeladen, und für einen Eindruck filmte ich 7 Minuten lang die erste orbitale Pressekonferenz mit dem 11. deutschen Astronauten mit.

Fragen an den Astronauten standen nur Fernsehanstalten, großen Radiosendern und der Lokalpresse zu, aber so eine Veranstaltung, von der ich zufällig über Twitter erfuhr, lässt sich doch ein Blogger wie ich nicht entgehen. Schon bei der Ankunft im Foyer des ESA-Astronautenzentrums standen jede Menge – letztlich zählte ich ein Dutzend – Kameras bereit, außerdem wurden ein paar Interviews geführt. Fragen beantwortete auch Samantha Cristoforetti, die Ende des Jahres als erste Italienerin zur ISS starten wird. Ich dagegen sah mir die ausgestellten großen Modelle an, beispielsweise von der NASA-Orion-Kapsel mit dem ESA-Antriebsteil, vom ATV-Frachter und dem Columbus-Modul oder staunte über die bläulich leuchtende Raumstation. So hatte ich zum ersten Mal einen Eindruck davon, wo sich eigentlich die Copula befindet.

Nicht nur die Pressevertreter warteten gespannt auf das Signal von der ISS, zudem hatten sich bis zum Beginn an die 30 – später 40 – Mitarbeiter des Hauses versammelt. Um 15:55 Uhr stand endlich die Verbindung: Über Houston waren Gersts Worte „Station is ready for the event“ via Oberpfaffenhofen nach Köln gereist. Nach dem „voice check“ und einem kurzen Beifall im Foyer kam die Eröffnungsfrage vom ZDF. Der Vulkanforscher Alexander Gerst war eine Woche zuvor ins All gestartet, was in Köln ordentlich gefeiert wurde, und absolvierte nun in der Erdumlaufbahn seinen ersten TV-Auftritt. Lässig im Raum schwebend beantwortete er die Fragen von ARD, RTL, SAT.1, WDR, dpa, Kölner Express etc. und berichtete auf diese Weise von seiner ersten Arbeitswoche auf der ISS. Zwischenzeitlich ließ er auch die mitgenommene Plüschmaus – natürlich korrekt mit Raumanzug ausgestattet – von der „Sendung mit der Maus“ und das Mauerstück des Kölner Doms neben sich schweben.

Eine ZDF-Kinderreporterin fragte etwa, ob man sich denn in einer sechsköpfigen Männer-WG auf engem Raum immer versteht. Eine interessante Zuschauerfrage wurde von der „Aktuellen Stunde“ des WDR gestellt: „Wie träumt man denn in der Schwerelosigkeit?“ Außerdem erfuhr man, dass Gerst kurz vor der Liveschalte aus dem Orbit noch eine Trainingseinheit absolviert hat, bei der er die Tagesthemen von vorgestern schauen konnte. Auch die mitgebrachte Musik sei noch nicht komplett auf das ISS-System übertragen, aber immerhin konnte er bereits am Cupola-Fenster mit elektronischer Musik den unvergleichlichen Anblick der Erde genießen. Die „Space Night“ schaute der Astronaut schon in seiner Jugend sehr gerne, nun erlebt er sozusagen eine „Space Night Live“ mit eigenen Augen. Auf eine Frage bezüglich der Fußball-WM folgte die amüsanteste Antwort der Pressekonferenz, denn die Crew hatte eine spaßige Idee für ein eigenes ISS-Fußballspiel. „Wir machen ein Fußballspiel durch’s Columbus-Labor, rüber ins japanische, dann ins amerikanische Segment und dann weiter ins russische. Wir müssen jetzt vielleicht nur noch die Bodenkontrolle davon überzeugen, dass das wirklich ’ne gute Idee ist“, so der deutsche Astronaut. Lustig war auch die Beschreibung, dass beim Herunterfallen von Teilen immer noch der Impuls da ist, am Boden danach zu suchen, obwohl schwerelose Gegenstände „irgendwo im Dreidimensionalen“ davonschweben.

„Eine Bildqualität wie gleich aus einem Büro nebenan, mit nur ganz leichten Störungen, und ein Ton wie aus dem Studio“, schreibt Blogger-Kollege Daniel Fischer, denn die Qualität der Verbindung war wirklich verblüffend. Zumal es ganz klar auch etwas anderes ist, bei einem solchen Ereignis live dabei zu sein und es nicht einfach daheim im NASA-TV zu verfolgen. Das waren schon besondere 20 Minuten, selbst wenn ich keine Frage loswerden konnte. Dafür musste ich die ganze Zeit an eine Kinderheitserinnerung von Alexander Gerst denken. Als sechsjähriger Junge war es für ihn einfach unglaublich seine eigene Stimme zu hören, die von der Mondoberfläche reflektiert wurde. Und nun sah ich genau diesen erwachsen gewordenen Jungen, der jetzt in 400 Kilometern Höhe die Erde umkreist und in Echtzeit Fragen von neben mir sitzenden Personen beantwortet. Das war schon klasse. Wann ist man schon mal live dabei, wenn ein Interviewgast die Fragen der Presse mal in der waagerechten Position, mal kopfüber von der Decke hängend oder einfach während einer Rolle beantwortet.

Die 20-minütige Pressekonferenz mit Alexander Gerst auf der ISS endete um 16:15 Uhr und schon kurz danach war in der 17-Uhr-Tagesschau der erste TV-Beitrag zu sehen; auch in anderen Nachrichten am Donnerstagabend schwebte der 38-Jährige über den Bildschirm, und am Freitag im ARD-Mittagsmagazin wurde dazu noch der Beitrag „Social Media aus dem All“ ausgestrahlt.

11.06.2014

#GoAlex!! Köln feierte große Launch-Party für Alexander Gerst

Vor einer Woche war’s soweit: Vergangenen Mittwoch um 21:57 Uhr startete der in Künzelsau geborene Vulkanforscher Alexander Gerst zu seiner sechsmonatigen Blue-DotMission an Bord der Raumstation ISS. Mit ihm als 11. Deutschen im Weltraum war sozusagen auch die Astronauten-Nationalmannschaft endlich vollzählig und was liegt da näher, den Start im Fußball-WM-Stil mit einem Public-Viewing zu feiern. Veranstaltungen zum Start gab es gleich mehrere in Deutschland, doch die große Launch-Party in Köln war wohl das einzige Open-Air-Event. Zeitungsartikel gibt’s hier (auch), hier und hier, einen ausführlichen Bericht sowie eine Bildergalerie gibt’s von Blogger-Kollege Daniel Fischer, auch die Aufzeichnung (ab Minute 22:30) des Kölner Livestreams ist online, und nachfolgend kommt endlich auch mein Bildbericht mit 23 Fotos.

Mit Blick auf den historischen Rathausturm (hier gab es auch einen Empfang) und den Kölner Dom im Hintergrund sah es um 19:00 Uhr noch recht übersichtlich auf dem Alter Markt aus, aber zumindest der überdimensionale ESA-Astronaut hatte neben der großen Leinwand bereits Stellung bezogen. Am rechten Rand der Videowand wurden auch schon die ersten Tweets an @Astro_Alex bzw. mit dem Fan-Hashtag #GoAlex eingeblendet.

Und während sich vier Sternfreunde des Köln-Bonner-Astrotreffs (KBA) am Brunnen trafen und sich über den minutiös geplanten Ablaufplan amüsierten, wurde von einem WDR-Team der Kölner Astronaut Reinhold Ewald, der 1997 Musik von den Bläck Fööss zur Raumstation Mir mitnahm, mit einem Modell der Sojus-Rakete in der Hand für die Tagesschau am nächsten Tag interviewt.

Kurz nach 20:00 Uhr. Für die Begrüßung betraten Andreas Bursche und Tobias Schäfer, ein Moderatorenduo des Radiosenders 1Live, die Alexander Gerst schon bei seiner Vorbereitung am Kölner DLR zum Gespräch getroffen hatten, die Bühne, die kurz darauf schon von Peter Schilling und seiner Band gerockt wurde. Gleich zum Auftakt spielte er zwei Songs, darunter seinen Hit „Terra Titanic“, und auf dem schon gut gefüllten Platz flatterten bereits die ersten Köln-Fähnchen in der Luft. Wie der Sänger außerdem erzählte, sei es der „ausdrückliche Wunsch“ des Astronauten gewesen, dass zu seinem Start in Köln zum NDW-Kulthit „Völlig losgelöst“ gefeiert werden sollte.

Auch Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters in der Bildmitte – neben ihm Vertreter von DLR und ESA – schwenkte die Stadtfahne; begleitet wurden sie von einer Astronauten-Grundschulklasse aus der Südstadt mit selbstgebauten Raketen und einer Mini-Ariane.

Verkürzt wurde die Zeit bis zum Start um 21:57 Uhr mit den lauten, rockigen Songs von NDW-Star Peter Schilling und unterhaltsamen Infotainment-Blöcken, in denen es beispielsweise Gespräche mit dem sichtlich gut gelaunten Astronauten Reinhold Ewald gab oder zwei Grußbotschaften von Alexander Gerst ans Kölner Publikum und ein Gruß des singenden Astronauten Chris Hadfield auf der Leinwand zu sehen waren. Zusätzlich gab’s zwei Liveschalten nach Baikonur, aber spätestens bei Ulf Merbold am Hörer brach die Verbindung endgültig zusammen. Die meisten technischen Zicken machte das Livebild direkt aus der Sojus-Kapsel mit den drei Raumfahrern Gerst, Wiseman und Surajew: Auf den Monitoren auf der Bühne war alles wunderbar zu sehen, nur auf der Großleinwand wurde nichts angezeigt, so dass die Kameramänner behelfsmäßig lediglich die kleinen Bildschirme abfilmen konnten. Doch trotz der paar technischen Pannen blieb es eine gelungene und kurzweilige Veranstaltung. So ändern sich die Zeiten: 1992 feierte man den Start eines deutschen Raumfahrers noch bei einem Bonner Mercedes-Autohaus mit einem eher unbekannten Ranga Yogeshwar, 2014 dagegen scheint eine Raumfahrt-Veranstaltung mit Public-Viewing durchaus massentauglich zu sein.

Außerdem: Reinhold Ewald beantwortete sogar Fragen der kleinen Fans im Publikum, …

… es gab ein raumfahrtmedizinisches Experiment mit Rupert Gerzer, dem DLR-Institutsleiter für Luft- und Raumfahrtmedizin, im Gespräch und …

… immer wieder flatterten die Köln-Fähnchen über den unzähligen Köpfen. Zwischen 1.000 und 3.000 Zuschauer sollen bei den großen Launch-Party für Alexander Gerst dabei gewesen sein.

20 Minuten vor dem donnernden Lift-off in Baikonur, donnerten erstmal die ersten Takte des perfekten Soundtracks für einen Raketenstart über Kölns Alter Markt. Peter Schillings deutsche Major-Tom-Version „Völlig lösgelöst“ wurde abgefeiert und lauthals mitgesungen, die Kinder tanzten eh längst jenseits der Absperrung im bunten Scheinwerferlicht mit. Die Volksfeststimmung war auf dem Höhepunkt und da hält sogar die Köln-Fahne von Reinhold Ewald nicht mehr still. Tja, wenn Köln feiert, dann feiert es. Selbst wenn der Song mittlerweile 31 Jahre alt ist, „das Ding ist genauso unkaputtbar wie die Sojus-Rakete“, wie einer der Moderatoren treffend kommentierte.

5 Minuten vor der Zündung von 280 Tonnen Treibstoff wurde noch eine Videobotschaft mit dem Ziel Raumstation aufgenommen, wobei wirklich der ganze Platz zu einer einmaligen Zuschauerwelle mit winkenden Fähnchen wurde und der Schlachtruf „Gooo Alex!!“ lauthals ertönte. Es folgte der Moment des Starts und der Flug in die Erdumlaufbahn, den Reinhold Ewald kommentierte. Wie zu Silvester wurde von den über 1.000 Zuschauern laut der Countdown runtergezählt, bei null ertönte nochmal ein gemeinsames, lautstarkes „Go Alex!!“ und scheinbar auf die Sekunde zündeten die Triebwerke und die Sojus-Trägerrakete erhob sich in den kasachischen Nachthimmel. Ein Nachtstart wie aus dem Bilderbuch und die ganze Menge wartete gespannt auf ein Handzeichen des Geophysikers auf dem Weg ins All.

Und dann gab’s nochmal großen Jubel, als wenige Minuten nach dem Start das Innere der engen Sojus-Kapsel auf der Leinwand erschien und Astronaut Alexander Gerst tatsächlich einen Hang-Loose-Gruß an die Kölner schickte. Wie es zuvor angekündigt wurde, soll es wirklich eine „Dienstanweisung“ gewesen sein und laut Ewald symbolisieren, dass er „für Köln im All angekommen“ ist. Und prompt schickte das Publikum ein Hang-Loose zurück; der Gruppen-Surfergruß der jubelnden Menge sollte auch auf die ISS geschickt werden. Auch wenn der 11. deutsche Astronaut eigentlich aus dem nördlichen Baden-Württemberg stammt, wurde er auf der Launch-Party kurzerhand als „kölscher Major Tom“ oder „Kölner Held“ gefeiert und in die Domstadt „eingemeindet“, doch mit diesem Handzeichen war er dann endgültig ein Kölner der Herzen.

04.06.2014

In 35 Stunden startet Alexander Gerst mit Rückenwind zur ISS

„Ich verspreche Ihnen, dass jeder von Ihnen fliegen wird“, sagte der ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain in einer Festansprache im European Astronaut Center (EAC) am DLR-Standort in Köln-Porz. Am 22. November 2010 wurden hier dem Geophysiker und Vulkanologen Alexander Gerst sowie fünf weiteren europäischen Kollegen ihre Ernennungsurkunden zu ESA-Astronauten überreicht. Die ernannten Astronauten hatten die Grundausbildung bestanden und hatten sich damit letztlich gegen insgesamt 8.400 Bewerber durchgesetzt. Dordain weiter: „Unsere Astronauten sind die Botschafter der Menschheit im Weltraum.“ Gerst ist aber nicht bloß im Weltraum ein Botschafter, denn im Zeitalter von Social Media lässt er online schon längst alle an seinen mehrjährigen Vorbereitungen auf drei Kontinenten teilhaben. Alexander Gerst twittert (zu 20.000 Followern), postet bei Facebook und Flickr, bloggt im eigenen Blue-Dot-Missionsblog oder ist in zahlreichen Videos bei Youtube zu sehen, denn der 38-jährige Astronaut aus einer Kleinstadt in Baden-Württemberg „hat noch eine andere, größere Mission: Er soll den 165 Millionen Euro, die Deutschland jährlich für die bemannte Raumfahrt ausgibt, ein Gesicht geben, soll die Menschen überzeugen, dass das Geld gut angelegt ist.“ Besonders in den letzten Wochen konnte man sehen, wie die mediale Aufmerksamkeit um seine Person, seine letzten Vorbereitungen, seine Blue Dot genannte Mission (DLR-Seite, ESA-Seite, Twitter-Hashtag #BlueDot) und selbst um das 100-Milliarden-Dollar-Labor in der Erdumlaufbahn immer weiter zunahm: Neben den üblichen Interviews war von einer einstündigen Pressekonferenz im März in Köln bzw. einem Pressetermin im April in Berlin bis zur einer Weltraum-Ausgabe der „Sendung mit der Maus“ für die Kleinen am letzten Sonntag alles dabei. Eine kleine Plüschmaus wird tatsächlich morgen Abend ebenfalls für sechs Monate zur Raumstation ISS aufbrechen, und man kann sogar Fragen ins All schicken. Gestern stand für Gerst z.b. ein kurzes Skype-Gespräch mit Bundespräsident Joachim Gauck, der mit zahlreichen Diplomaten das ESA-Satellitenkontrollzentrum ESOC in Darmstadt besuchte, auf dem Plan.

Links: Alexander Gerst (GCTC), rechts: Logo zu seiner Mission “Blue Dot” (ESA)

Internationale Raumstation ISS rund 400 Kilometer über der Erde

Jetzt sind es noch genau 35 Stunden bis zum Start der Sojus-Rakete und dem Beginn seiner sechsmonatigen Mission an Bord der ISS. In Baikonur wurde gestern der rund 30 Tonnen schwere und 45 Meter lange Koloss aus der Montagehalle zur Startrampe gefahren und aufgerichtet. Journalisten und Blogger sind für ihre Liveberichte direkt vom Startplatz längst vor Ort (es wird via #AlexTweetup und #SPONbaikonur getwittert), anwesend sind auch Sigmund Jähn und Ulf Merbold, die ersten beiden deutschen Raumfahrer, sowie der Vater des Astronauten Alexander Gerst. Um 21:56 MESZ am Mittwoch ist es dann endlich soweit: Mit 26 Millionen PS und 280 Tonnen Treibstoff wird der Geophysiker mit seinen beiden Kollegen, dem Amerikaner Reid Wiseman und dem Russen Maxim Surajew, in den Nachthimmel donnern. Und während in Kasachstan der Feuerstuhl abhebt und auf dem Weg in den Weltraum ist, wird überall in Deutschland der Start des 11. deutschen Astronauten gefeiert werden. Und das nicht nur alleine am Bildschirm via Livestream, sondern in bester Fußball-WM-Manier beim gemeinsamen Rudelgucken. Die drei offiziellen Veranstaltungen finden in Frankfurt, Oberpfaffenhofen und in Köln statt. Alle Informationen zum Public-Viewing in der Domstadt inkl. einem Talk- und Showprogramm finden sich hier und hier. Der Leiter des DLR in Köln-Porz erklärt: „Hier ist unser Hauptsitz, hier bildet die ESA die europäischen Astronauten aus, und unser Mann im All wohnt in der Domstadt. Was liegt also näher, als dieses Ereignis gemeinsam zu feiern?“ Weitere Public-Viewing-Aktionen soll es noch in Berlin, Bremen, Cottbus, Stuttgart und sogar im vogtländischen Heimatort von Sigmund Jähn geben. Ebenso wird man in der Stadthalle von Künzelsau, Gersts baden-württembergische Heimat, den Start im russischen Baikonur gespannt verfolgen. Vom Bürgermeister heißt es: „Wir in Künzelsau sind stolz auf unseren berühmten Botschafter und gratulieren Alexander Gerst zu seinen herausragenden Leistungen.“ Auch vom singenden Astronauten Chris „Major Tom“ Hadfield gibt’s eine Grußbotschaft und Thomas D wünscht dem deutschen Astronauten Rückenwind für den Start. Außerdem: Eine vollständige Liste mit Sondersendungen im TV (u.a. im Bayerischen Rundfunk, ZDF, N24, N-TV, Phoenix) und mit Webcast-Angeboten (z.b. dlr.de/next (zeigt die NASA-TV-Übertragung), dlr.de) ist hier zu finden.

Alexander Gerst auf Tuchfühlung mit seiner Sojus-Kapsel

Gestern wurde die Sojus-Trägerrakete zum Startplatz gerollt

Die Sojus-Kapsel mit der Kennung TMA-13M und dem Rufzeichen „Kepheus“ soll bereits nach nur vier Erdumkreisungen, also nach etwa sechs Stunden Flugzeit, an der Raumstation ankommen. Zuvor soll übrigens die Sojus bei zwei ISS-Überflügen (um 1:03 MESZ und 02:36 MESZ; für Standort Bonn) über Deutschland sichtbar sein. Das Andocken des Raumschiffs soll um 3:48 MESZ stattfinden, dann ist die ISS für ein halbes Jahr das Zuhause für den Deutschen. Damit erfüllt sich zugleich ein Kindheitstraum. Denn obwohl Gerst letztlich Geowissenschaftler wurde, hatte er doch immer die alte Faszination für den Weltraum im Hinterkopf. Zum wöchentlichen Pflichtprogramm des neugierigen Knripses gehörten die Abenteuer von Captain Future, er war ebenso ein Fan der „Space Night“ im Bayerischen Fernsehen, las „Die Astronauten“ von Stanislaw Lem und stellte am Tag „25 Fragen über Blitze, Stürme und das Weltall“. „Soweit ich mich zurückerinnern kann, hat mich das schon immer fasziniert, Astronaut zu werden“, erzählt der heutige ESA-Astronaut. „Ich war schon immer neugierig und hatte das Glück, dass ich Eltern und Großeltern hatte, die nie versucht haben, mir diese Neugier auszutreiben.“ Schon im Alter von sechs Jahren sendete er seine Stimme zum Mond – und hörte sie zwei Sekunden später verzerrt im Lautsprecher. Mit seinem Opa hatte er den Mond angefunkt und lauschte seiner eigenen Stimme, die von der Mondoberfläche reflektiert wurde. „Ich war fasziniert. Ein kleiner Teil von mir war auf dem Mond gewesen. Unglaublich.“ Und selbst der damalige Betreuer bei Gersts Diplomarbeit über einen neuseeländischen Vulkan erzählt heute: „Was ich aber sehen konnte war, dass er in seiner Arbeit immer ein Stück weiter wollte, als es die eigentliche Aufgabenstellung erfordert hätte. So, als mache ihn das, was jenseits des unmittelbaren Horizonts liegt, besonders neugierig. Als ich das Gutachten zu seiner exzellenten Arbeit schrieb, dachte ich: So einer wäre im 18. oder 19. Jahrhundert ein Entdeckungsreisender geworden und hätte die unbekannten Weiten der Erde erforscht. In moderner Form macht er das ja heute auch.“

Aus dem wissbegierigen Jungen von damals, der mit 21 Jahren nur mit einem Rucksack auf dem Rücken schon die ganze Welt bereiste, wurde ein Vulkanforscher, der im Mai 2008 von einer Ausschreibung für neue ESA-Astronauten las und sich bewarb. Die Zusage erhielt Gerst, als er seine Doktorarbeit abschloss; und heute bezeichnet er nach wie vor das dreimonatige Russischen lernen in der Grundausbildung als die größte Herausfordung der gesamten Ausbildung. Seit seiner Bewerbung sind nun ganze sechs Jahre vergangen und die Erfüllung eines Kindheitstraumes bzw. der Start in sein größtes Abenteuer, die ISS-Expedition 40/41, steht nun unmittelbar bevor. 1,5 Kilogramm an persönlichen Dingen kann der deutsche Astronaut zur sechsmonatigen Blue-Dot-Mission mitnehmen. „Vor allem Fotos von der Familie und Freunden. So ein bisschen als Anker, dass ich weiß, wo ich herkomme.“ Lems „Die Astronauten“ und Carl Sagans vor 20 Jahren erschienenes Buch „Pale Blue Dot“ hat er als Reiselektüre dabei. Außerdem befinden sich unter den Souvenirs u.a. eine Flagge aus Künzelsau, ein kleines Mauerstück des Kölner Doms und eine Kölner Stadtfahne sowie eine Flagge des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), an dem Gerst Geophysik studierte.

Ein halbes Jahr lang wird der deutsche Astronaut auf die eine oder andere Weise an 160 Experimenten auf der ISS beteiligt sein. Einzelheiten zu seinen hauptsächlichen Arbeiten sind ausführlich auf 25 Seiten in der offiziellen Broschüre zur Mission nachzulesen. Dabei geht es aber nicht nur um Materialphysik, Biologie oder Humanphysiologie, denn Gerst wird z.b. auch das letzte ESA-Versorgungsraumschiff ATV-5 in Empfang nehmen und natürlich gibt es selbst 400 Kilometer über der Erde ebenso die ganz normalen All-Tags-Tätigkeiten. Wie das Logo der Blue-Dot-Mission mit der blauen Erde und den schützenden Händen bzw. das dazugehörige Motto „Shaping The Future“ außerdem schon erkennen lassen, will man mit der Langzeitmission zugleich die Aufmerksamkeit der Menschen auf den Schutz unseres zerbrechlichen Heimatplaneten lenken. Auf dem Programm steht auch ein Bildungsprogramm, was etwa ein Zehntel der Zeit in Anspruch nehmen soll. Beispiele für die geplanten Experimente und Vorhaben für die Bildung und Nachwuchsförderung sind „Beschützer der Erde“, „Aktion 42“ oder die Flying-Classroom-Versuche, zudem soll es für Schüler auch direkte Funkkontakte mit dem deutschen ISS-Botschafter geben. Und sicherlich wird sich der Geowissenschaftler auch weiterhin via Twitter und Facebook melden und uns Bilder von der einmaligen Aussicht auf unsere kleine blaue Erde zeigen.

Siehst du den Horizont? Direkt über’m Boden fängt der Himmel an. Und wär ich dort, dann würd ich wetten, dass ich ihn erreichen kann. Doch hier hat es den Anschein – Bin ich dafür zu klein“ (Prolog zum Song „Rückenwind“ von Thomas D)

27.05.2014

[Nachtrag, 28.05.2014] #GoAlex ist das offizielle Fan-Hashtag bei Twitter zum heutigen Start, und hier gibt’s einen Live-Blog.


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