Live bei der ersten ISS-Pressekonferenz mit Alexander Gerst

Und so sah sie vergangenen Donnerstag an Bord der Internationalen Raumstation ISS …

… bzw. am Boden im Europäischen Astronautenzentrum EAC auf dem DLR-Gelände in Köln-Porz aus. Dorthin hatte die ESA am 05. Juni, genau eine Woche nach Alexander Gersts Ankunft auf der ISS, eingeladen, und für einen Eindruck filmte ich 7 Minuten lang die erste orbitale Pressekonferenz mit dem 11. deutschen Astronauten mit.

Fragen an den Astronauten standen nur Fernsehanstalten, großen Radiosendern und der Lokalpresse zu, aber so eine Veranstaltung, von der ich zufällig über Twitter erfuhr, lässt sich doch ein Blogger wie ich nicht entgehen. Schon bei der Ankunft im Foyer des ESA-Astronautenzentrums standen jede Menge – letztlich zählte ich ein Dutzend – Kameras bereit, außerdem wurden ein paar Interviews geführt. Fragen beantwortete auch Samantha Cristoforetti, die Ende des Jahres als erste Italienerin zur ISS starten wird. Ich dagegen sah mir die ausgestellten großen Modelle an, beispielsweise von der NASA-Orion-Kapsel mit dem ESA-Antriebsteil, vom ATV-Frachter und dem Columbus-Modul oder staunte über die bläulich leuchtende Raumstation. So hatte ich zum ersten Mal einen Eindruck davon, wo sich eigentlich die Copula befindet.

Nicht nur die Pressevertreter warteten gespannt auf das Signal von der ISS, zudem hatten sich bis zum Beginn an die 30 – später 40 – Mitarbeiter des Hauses versammelt. Um 15:55 Uhr stand endlich die Verbindung: Über Houston waren Gersts Worte „Station is ready for the event“ via Oberpfaffenhofen nach Köln gereist. Nach dem „voice check“ und einem kurzen Beifall im Foyer kam die Eröffnungsfrage vom ZDF. Der Vulkanforscher Alexander Gerst war eine Woche zuvor ins All gestartet, was in Köln ordentlich gefeiert wurde, und absolvierte nun in der Erdumlaufbahn seinen ersten TV-Auftritt. Lässig im Raum schwebend beantwortete er die Fragen von ARD, RTL, SAT.1, WDR, dpa, Kölner Express etc. und berichtete auf diese Weise von seiner ersten Arbeitswoche auf der ISS. Zwischenzeitlich ließ er auch die mitgenommene Plüschmaus – natürlich korrekt mit Raumanzug ausgestattet – von der „Sendung mit der Maus“ und das Mauerstück des Kölner Doms neben sich schweben.

Eine ZDF-Kinderreporterin fragte etwa, ob man sich denn in einer sechsköpfigen Männer-WG auf engem Raum immer versteht. Eine interessante Zuschauerfrage wurde von der „Aktuellen Stunde“ des WDR gestellt: „Wie träumt man denn in der Schwerelosigkeit?“ Außerdem erfuhr man, dass Gerst kurz vor der Liveschalte aus dem Orbit noch eine Trainingseinheit absolviert hat, bei der er die Tagesthemen von vorgestern schauen konnte. Auch die mitgebrachte Musik sei noch nicht komplett auf das ISS-System übertragen, aber immerhin konnte er bereits am Cupola-Fenster mit elektronischer Musik den unvergleichlichen Anblick der Erde genießen. Die „Space Night“ schaute der Astronaut schon in seiner Jugend sehr gerne, nun erlebt er sozusagen eine „Space Night Live“ mit eigenen Augen. Auf eine Frage bezüglich der Fußball-WM folgte die amüsanteste Antwort der Pressekonferenz, denn die Crew hatte eine spaßige Idee für ein eigenes ISS-Fußballspiel. „Wir machen ein Fußballspiel durch’s Columbus-Labor, rüber ins japanische, dann ins amerikanische Segment und dann weiter ins russische. Wir müssen jetzt vielleicht nur noch die Bodenkontrolle davon überzeugen, dass das wirklich ’ne gute Idee ist“, so der deutsche Astronaut. Lustig war auch die Beschreibung, dass beim Herunterfallen von Teilen immer noch der Impuls da ist, am Boden danach zu suchen, obwohl schwerelose Gegenstände „irgendwo im Dreidimensionalen“ davonschweben.

„Eine Bildqualität wie gleich aus einem Büro nebenan, mit nur ganz leichten Störungen, und ein Ton wie aus dem Studio“, schreibt Blogger-Kollege Daniel Fischer, denn die Qualität der Verbindung war wirklich verblüffend. Zumal es ganz klar auch etwas anderes ist, bei einem solchen Ereignis live dabei zu sein und es nicht einfach daheim im NASA-TV zu verfolgen. Das waren schon besondere 20 Minuten, selbst wenn ich keine Frage loswerden konnte. Dafür musste ich die ganze Zeit an eine Kinderheitserinnerung von Alexander Gerst denken. Als sechsjähriger Junge war es für ihn einfach unglaublich seine eigene Stimme zu hören, die von der Mondoberfläche reflektiert wurde. Und nun sah ich genau diesen erwachsen gewordenen Jungen, der jetzt in 400 Kilometern Höhe die Erde umkreist und in Echtzeit Fragen von neben mir sitzenden Personen beantwortet. Das war schon klasse. Wann ist man schon mal live dabei, wenn ein Interviewgast die Fragen der Presse mal in der waagerechten Position, mal kopfüber von der Decke hängend oder einfach während einer Rolle beantwortet.

Die 20-minütige Pressekonferenz mit Alexander Gerst auf der ISS endete um 16:15 Uhr und schon kurz danach war in der 17-Uhr-Tagesschau der erste TV-Beitrag zu sehen; auch in anderen Nachrichten am Donnerstagabend schwebte der 38-Jährige über den Bildschirm, und am Freitag im ARD-Mittagsmagazin wurde dazu noch der Beitrag „Social Media aus dem All“ ausgestrahlt.

11.06.2014

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