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Heute: Vorbeiflug des Halloween-Asteroiden 2015 TB145

So sieht er also aus: der Asteroid 2015 TB145, der erst diesen Monat am 10. Oktober entdeckt wurde und heute um 18:00 Uhr in rund 1,3-facher Mondentfernung – 480.000 Kilometer – an der Erde vorbeifliegen wird. Passend zu Halloween wird er in den Medien bereits „Spooky“ genannt oder als Pumpkin- bzw. Kürbis-Asteroid bezeichnet. Und wie die obige erste Radar-Aufnahme, gestern mit dem 305-Meter-Arecibo-Radioteleskop empfangen, erkennen lässt, hat 2015 TB145 schon irgendwie Ähnlichkeit mit einem Totenschädel. Das Bild zeigt außerdem, dass der Asteroiden-Besuch nicht wie berechnet 320 Meter, sondern etwa 600 Meter groß ist. Es scheinen sich auch weitere Hinweise zu zeigen, dass der Asteroid eigentlich ein erloschener, toter Komet sein könnte. Bereits die ungewöhnliche Umlaufbahn lässt einen kometaren Ursprung vermuten. So gesehen ist 2015 TB145 um einiges spannender, als die nahen monatlichen Asteroiden-Besucher (gang unten), die ganz normal und für die Erde nicht gefährlich sind – auch wenn die Medien immer gern vom Weltuntergang schreiben.

Auch für Teleskopbesitzer ist der große Halloween-Himmelskörper sehr interessant, denn immerhin erreicht er heute Nachmittag im erdnächsten Punkt die 10. Größenklasse. Zum Dämmerungsende und ohne störenden Mond am Himmel ist der Asteroid um 18:00 Uhr immer noch 10,7mag hell (knapp unterhalb des Kastens des Großen Wagen), allerdings wird er schnell lichtschwächer und hat 2 Stunden später nur noch eine Helligkeit von 12,5mag (im Sternbild Jagdhunde). Gute Aufsuchkarten für die Beobachtung von 2015 TB145 finden sich hier (18:00 Uhr) und hier (19:00 Uhr). Wer nun kein Fernrohr oder einen wolkenverhangenen Himmel hat, kann hier ab 17:30 Uhr den Livestream des Slooh-Portals einschalten. Für das Rheinland sieht die derzeitige Wolkenprognose ganz gut aus, so dass ich direkt um 18:00 Uhr mein Glück versuchen werde. Denn außerdem ist es der dichteste Vorbeiflug eines Asteroiden dieser Größe für insgesamt 30 Jahre. In diesem Sinne: Clear Skies!

[Update] Vergangene Nacht ab 1:00 Uhr gab es bereits diese Liveübertragung aus Italien. Parallel dazu hat Hobbyastronom Oliver Schneider den Asteroiden fotografiert, woraus eine dynamische GIF-Animation (von 2:03 bis 3:23 Uhr) und diese Aufnahme, die die schnelle Bewegung deutlich werden lässt, entstanden sind.

2015 TB145 am 31.10.2015 zwischen 3:40 und 3:59 MEZ; Oliver Schneider

31.10.2015

„Der Marsianer“: Der Must-See-Weltraumfilm 2015

Das Jahresende scheint mittlerweile für sehenswerte Weltraumabenteuer zu stehen: Erst kam im Herbst 2013 der orbitale Katastrophenfilm „Gravity“ (der Regie-Oscar ging zurecht an Alfonso Cuarón), im Herbst 2014 folgte das Sci-Fi-Drama „Interstellar“ (Christopher Nolans Mix aus „2001“ und „Contact“) und nun geht übermorgen Ridley Scotts „Der Marsianer“ in den deutschen Kinos an den Start. Die Kritiken sind bisher durchweg postitiv und so ist es für Filmseite.de Scotts „bester Film seit langem“ und die Seite Filmstarts.de, die 4 von 5 Sterne vergibt, zieht als Fazit: „Ridley Scott gelingt mit seinem spaßigen Weltraum-Survivaldrama „Der Marsianer“ ein höchst unterhaltsamer Science-Fiction-Film, der zwar durch seine Feel-Good-Leichtigkeit überrascht, aber trotzdem hochspannend ist.“ Auch NASA-Astronauten wie Clayton Anderson und Buzz Aldrin, Apollo-Veteran und Mars-Visionär, äußern sich positiv über den Film.

Als Weltraum-Fan kam ich dieses Jahr kaum an „Der Marsianer“ vorbei, denn da gab es z.b. das „Sternstunde“-Interview mit Autor Andy Weir, der mit seinem super recherchierten Roman direkt mal einen Bestseller ablieferte (nur 4 Tage nach dem Verlag, klopfte auch Hollywood an die Tür), …

… im Frühjahr las ich dann das spannende Buch und zuletzt habe ich mich noch mit einem Besucher des „Tags der Luft- und Raumfahrt“ in Köln darüber unterhalten. Vor zwei Wochen wurde ich schließlich von Martin Neumann, der Erfinder und der kreative Kopf von universe2go, zu einer Preview von „Der Marsianer“ eingeladen, und gestern Abend war’s dann soweit. Vor und nach dem Film wurde das neuartige digitale Planetarium (passend zum Film enthält die App nun auch Mars-Sequenzen) zusammen mit einer PR-Agentur den zahlreichen Kinobesuchern im Kölner Cinedom vorgeführt – und für eine Besucherin wartete universe2go noch als Geschenk versteckt unter dem Kinosessel. Außerdem wurde nach den üblichen Trailern – angekündigt von ESA-Mitarbeiter Jules Grandsire – ebenfalls passend zum Film eine 3D-Mars-Tour des DLR gezeigt.

Der gute Nachricht zuerst: Es gibt Leben auf dem Mars, wenn auch nur eines und das auch noch unbeabsichtigt. „Der Marsianer“ beginnt mit einem Sonnenaufgang über dem Vallis Marineris und zeigt eine Bodenstation mit 6 Astronauten in einer malerischen Marslandschaft. Aus dem Nichts zieht plötzlich ein riesiger Sandsturm auf, die die Crew zur Rückkehr zur Erde zwingt, bei der Evakuierung kommt allerdings NASA-Astronaut Mark Watney vermeintlich ums Leben. Während sich seine Kollegen schon auf dem Rückflug befinden, wacht Watney verletzt und halb vom Marssand begraben auf. Er lebt. Doch wie überlebt man auf einem lebensfeindlichen Planeten? Werden die Systeme für die Sauerstoffproduktion und die Wasseraufbereitung halten, reichen die CO2-Filter, habe ich genug Strom und reicht überhaupt der Proviant, bis mich eine Rettungsmission abholt? Und dann wäre da noch die Frage: Wie sage ich der Erde überhaupt Bescheid, dass ich gar nicht tot bin? Für das Überleben auf einem toten Planeten braucht man einen kühlen Kopf und den hat Mark Watney auf jeden Fall. Immerhin ist der Astronaut Botaniker und findet in bester MacGyver-Manier auch für die übrigen Probleme eine Lösung. Und geht mal etwas schief, probiert man eine neue Lösung. So wird im Laufe des Mars-Abenteuers aus dem ersten Menschen, der auf einem fremden Planeten vergessen wurde, ein „Space Pirate“, ein fliegender Iron Man und nebenbei kolonisiert Watney auch noch den Mars („In your face, Neil Armstrong!“). Darüber hinaus verliert der Gestrandete nie seinen (Galgen-)Humor, was „Der Marsianer“ zu Scotts vielleicht witzigstem Film macht. So wird der Überlebenskampt in der endlosen roten Einöde aus Sand, Stein und Fels schon mal amüsant mit den Disco-Hits „Hot Stuff“ (an passender Stelle im Mars-Mobil), „I Will Survive“ und dem ABBA-Klassiker „Waterloo“ untermalt – danke Commander Lewis. Auch auf der Erde steuern die Mitarbeiter von NASA und des JPL ein paar lustige Momente bei (z.b. wenn ein Flugdynamiker nicht mal seinen Chef erkennt). Während des Gesprächs über das Projekt Elrond hat eigentlich nur noch eine Spitze gegen den anwesenden Sean „Boromir“ Bean gefehlt.

Andy Weir lieferte mit seinem Debütroman eine gelungene Robinsonade auf dem Mars ab, die Regisseur Ridley Scott nun gekonnt mit Spannung und Witz auf die Leinwand bringt und in den 2 Stunden, 15 Minuten keine Langeweile aufkommen lässt. Bis auf ein paar Auslassungen (was u.a. die Navigation angeht) hält sich Drew Goddards („Cloverfield“) Drehbuch eng an die Vorlage (z.b. die codierte Kommunikation), auch der Aufbau des Romans wurde beibehalten. Auf Realismus habe ich jetzt weniger geachtet, aber mir fiel auf, dass jede Marslandschaft auf der großen Leinwand wie ein perfektes Postkartenmotiv aussah. Ob nun die Route zum Schiaparelli-Krater wirklich so malerisch aussieht, weiß ich nicht. Anderen wird dagegen die Wucht des Sturms, die fehlenden Kommunikationspausen oder die nicht realistische Gravitation negativ auffallen. Wie dem auch sei: Der Film bekommt von mir dennoch die Note 4/5 und ist damit jedem Weltraum- bzw. Sci-Fi-Fan zu empfehlen. Auch denen, die sich an zu vielen langatmigen technischen Details im Buch störten, sei der Film empfohlen und die, die schon den Bestseller gut fanden, werden sowieso ein Kinoticket lösen. „Der Marsianer“ ist unterhaltsames Popcorn-Kino, mit dem Scott zugleich sehr schön zeigt, dass der Rote Planet kein Kassengift – siehe etwa „Red Planet“ oder „John Carter“ – sein muss. Somit ist die Mischung aus „Apollo 13“ und „Cast Away“ der bislang beste Mars-Film überhaupt.

P.S. Ridley Scott widmet sich nun wieder seinem „Alien“-Universum zu und wird ab Januar 2016 „Prometheus 2“ drehen.

06.10.2015

Ein Astronomie-Doppelpack zur Mondfinsternis in Bonn

Die meisten werden es schon wissen: Wenn in der Nacht zu Montag ab kurz nach 3:00 Uhr der Vollmond in der Kernschatten der Erde eintritt, beginnt eine totale Mondfinsternis. Die Totalität, in der der Mond die bekannte rötliche Färbung zeigt, kann von 4:11 bis 5:23 Uhr beobachtet werden. Was viele allerdings nicht wissen: Dies wird für einige Jahre die letzte gut beobachtbare und in voller Länge sichtbare totale Mondfinsternis sein. Denn das wird erst wieder in 14 Jahren im Dezember 2029 der Fall sein. Der einzige Haken ist nur, dass die jetzige Finsternis leider auf die zweite Nachthälfte fällt. Dennoch möchte die Volkssternwarte Bonn (VSB) allen Nachtschwärmern, egal ob Hobbyastronom oder nur interessierter Laie, die Möglichkeit bieten, dieses Himmelsschauspiel nicht zu verpassen und lädt ab 3:00 Uhr ins Argelander-Institut für Astronomie (AIfA) in Bonn-Endenich ein. Dort soll bis 5:30 Uhr eine öffentliche Beobachtung anlässlich der totalen Mondfinsternis stattfinden. Alle MoFi-Süchtigen sind herzlich eingeladen – selbst zu nachtschlafender Zeit. Und die gute Nachricht ist, dass die Wetterprognosen für Bonn bis jetzt sehr gut aussehen. Zu dieser Jahreszeit ist zwar oft mit Hochnebelfeldern zu rechnen, aber für das Rheinland ist – wenn überhaupt – nur eine geringe Bewölkung angekündigt.

Die zweite Veranstaltung des Bonner Astronomie-Doppelpacks findet zuvor in der Volkssternwarte Bonn (direkt neben der Argelander-Sternwarte in Bonn-Poppelsdorf) statt: Am morgigen Sonntag lädt sie von 11:00 bis 17:00 Uhr zum jährlichen Tag der offenen Tür ein. Von 11:30 bis 12:30 Uhr gibt es zunächst ein spezielles Kinderprogramm, anschließend folgen eine Reihe interessanter Kurzvorträge, bei denen es u.a. genauso um die totale Sonnenfinsternis vor einem halben Jahr wie auch um die astronomischen Highlights 2016 gehen wird. Und bei dem angekündigten sonnigen Wetter wird natürlich auch Sonnenbeobachtung durch spezielle Fernrohre angeboten. Alle teilnehmenden Hobbyastronomen freuen uns auf viele neugierige Besucher, interessante Fragen und Gespräche und ebenso auf einen (hoffentlich) sonnigen Sonntag.

26.09.2015

Sehr gut besuchte Sonnenbeobachtung zum „Tag der Luft- und Raumfahrt“

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So sah sie aus, unsere erfolgreiche Sonnenbeobachtung zum „Tag der Luft- und Raumfahrt“, der am 20. September auf dem Gelände von DLR und ESA in Köln-Porz stattfand. Nachdem sich die Wetterprognosen bis zum vergangenen Sonntag zusehens verschlechtert hatten, wurden am Tag selber doch noch 3 Sonnenstunden angekündigt und die hatten wir tatsächlich auch. Um Punkt 10:00 Uhr (Bild 1) kam die Sonne hinter den grauen Wolken hervor, also pünktlich zum Beginn des Tags der offenen Tür. Und bis etwa 13:00 Uhr blieb es auch so schön: Die Sonne zeigte sie sich oft in großen und kleinen Wolkenlücken und sorgte für viel Sonnenschein. Je größer die Löcher in der Wolkendecke wurden, desto länger wurden natürlich auch die Schlangen vor den Teleskopen. Wie zwei Jahre zuvor (der Tag der offenen Tür findet alle zwei Jahre statt) befand sich unser Stand wieder leicht zu finden zwischen dem Europäischen Astronauten-Zentrum (EAC) der ESA und dem Envihab, das Forschungszentrum für Raumfahrtmedizin. Die Hobbyastronomen des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) hatten zahlreiche für die Sonnenbeobachtung geeignete Fernrohre bereitgestellt. Auch Peter Schmidt von der Volkssternwarte Köln war wieder mit seinem Doppelsonnenteleskop dabei und Heinrich Sommerkorn von den Sternfreunden Erftstadt zeigte wunderbar, dass man für die Vermittlung von Wissen nur ein paar laminierte Schautafeln benötigt. Mit seinen Blättern hatte er vor zwei Jahren den großen kosmischen Elementkreislauf den Besuchern nähergebracht und so gezeigt, was der Mensch mit den Sternen zu tun hat, dagegen waren diesmal die Sonne mit ihren unterschiedlichen Erscheinungen bzw.  das Weltraumwetter mit zugleich wunderschönen Phänomenen und mitunter folgenschweren Sonnenstürmen sein Thema.

An den vielen Teleskopen konnten hunderte kleine und große Sonnenbeobachter einmal einen Blick auf die Sonne mit ihren schwarzen Flecken und den Eruptionen werfen. Sogar Darth Vader schaute mal kurz vorbei und schickte seine Kinder auf die helle Seite der Macht. Der Andrang in den ersten Stunden war sehr groß und dennoch hat es allen Hobbyastronomen, die mitgeholfen haben, wieder sehr viel Spaß gemacht. Besonders nach dem (fast) vollständig wolkenverhangenen „Tag der Luft- und Raumfahrt“ 2013 waren wir froh um jeden Sonnenstrahl.

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Nach etwa drei Stunden war allerdings das Wetterglück vorbei, aber weiterhin schauten viele Interessierte und Familien mit Kindern vorbei. So war auch mal Zeit für längere Gespräche zu allen denkbaren Themen der Astronomie und Heinrich Sommerkorn, den ich zwischendurch immer wieder unterstützte, war mit seinen Infoblättern ja sowieso komplett wetterunabhängig. So war bis 18:00 Uhr an Langeweile überhaupt nicht zu denken. Nach dem Aufräumen (der haushohe aufblasbare Astronaut war überraschend schnell wieder verstaut) folgte die abschließende Party für alle Helfer, wobei die neue DLR-Chefin Pascale Ehrenfreund verkündete, dass etwas über 60.000 Besucher das DLR- und ESA-Gelände mit der angrenzenden Flugzeugausstellung besucht hatten. Obwohl ich es mir vorgenommen hatte und auch die Hauptbühne direkt um die Ecke war, habe ich nicht wirklich etwas von den anderen unzähligen Stationen gesehen (bis auf die Mond-Knipskiste mit einer übergroßen Mondaufnahme von KBA-Sternfreund Rolf Hempel). Wie dem auch sei: Man sieht sich dann im September 2017 wieder! Jemand der mehr vom „Tag der Luft- und Raumfahrt“ gesehen hat, ist Blogger-Kollege Daniel Fischer, der den Tag hier und hier mit Fotos zusammengefasst hat. Noch mehr Bilder gibt’s in den Fotosammlungen von DLR und ESA.

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26.09.2015

Schöne Leuchtende Nachtwolken über Bonn

Bevor ich mich am vergangenen Freitag zur Himmelsbeobachtung mit dem Bonner General-Anzeiger getroffen habe, dachte ich am Nachmittag noch daran, wie genial es wäre, wenn ausgerechnet an diesem Abend auch noch Leuchtende Nachtwolken (NLCs = Noctilucent Clouds) sichtbar wären. Immerhin befinden wir uns mitten in der Hochzeit und bisher gab’s 2015 über dem Rheinland noch keine zu sehen. Deshalb behalte ich täglich das NLC-Forum im Auge, aber Freitagabend habe ich dann doch nicht mehr daran gedacht. Erst als ich auf dem Nachhauseweg von dem Interview war, traf mich um kurz vor Mitternacht auf der Autobahnabfahrt der Schlag. Was für eine Überraschung in der Kurve. Stammt die deutliche Aufhellung von einer Art Restlicht der Dämmerung? Nein, dass konnten nur Leuchtende Nachtwolken sein. Ich bog noch 2x ab und stand schon auf einem dunklen Feldweg, von wo man einen tollen Überblick über das ferne nächtliche Bonn hat. Über mir spannte sich eine gut sichtbare Milchstraße über den Sommerhimmel – vom Kepheus bis an den Schützen und dicht über dem Nord-Nordost-Horizont schwebten über Bonn die silbrig scheinenden Leuchtenden Nachtwolken. In einem parallel verlaufenden Feldweg hielten zwei Autos und kurz danach konnte ich im Fernglas ihre Kameradisplays sehen. Offenbar war ich dort nicht der einzige NLC-Beobachter. Nach einer guten halben Stunde ließ die Aktivität aber deutlich nach und sie waren kaum noch in Bonn gelblicher Lichtglocke auszumachen, so dass ich erstmal nach Hause gefahren bin.

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P1450640Letztes Jahr fand in der Nacht vom 03. zum 04. Juli meine beste NLC-Show 2014 statt und wie schon damals hoffte ich nach dem Himmelsschauspiel in der späten Abenddämmerung auf eine Wiederholung im Morgengrauen. Und tatsächlich ging die Show weiter, so dass ich um 3:00 Uhr nochmal zum gleichen Standort gefahren bin.

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Punkt 3:50 Uhr fingen die Vögel an zu singen und die silbrigen Leuchtenden Nachtwolken über Bonn waren kaum noch zu sehen bzw. wurden von einer nahenden Wolkenfront verdeckt. So packte ich langsam wieder meine Sachen zusammen und genoss noch ein wenig die Morgenstimmung mit der abnehmenden Mondsichel im Südosten. Schließlich wollte ich nach über 20 Stunden auf den Beinen nur noch selig ins Bett fallen.

Noch mehr sehr schöne NLC-Fotos aus der Nacht 10./11. Juli sind z.b. hier (aus dem ganzen deutschsprachigen Gebiet) und hier zu finden, außerdem gibt’s eine Zusammenfassung der Nacht („mit Abstand die bislang eindrucksvollsten der Saison 2015“) und tolle Fotos des Bonner NLC-Beobachters Stefan Krause.

13.07.2015

Ein Beobachtungsabend mit dem Bonner General-Anzeiger

Bereits vor gut einem Jahr gab’s mitten auf der Poppelsdorfer Allee für den General-Anzeiger Bonn einen kleinen Beobachtungsabend und vergangene Woche erreichte den Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) eine erneute Anfrage für ein spontanes Interview inkl. Beobachtung. Wegen der Wetterabhängigkeit sind gerade öffentliche Himmelsbeobachtungen überhaupt nicht planbar, aber was soll ich sagen: Der Bonner General-Anzeiger hatte tatsächlich ein riesiges Wetterglück, denn nur zwei Tage, nachdem mich die Anfrage erreichte, konnte die kurzfristige Beobachtung stattfinden. Christian, Malte, Torsten, Lambert und Achim waren meinem Aufruf gefolgt, so dass letzten Freitag (10. Juli) am Argelander-Institut für Astronomie (AIfA) in Bonn-Endenich gleich 4 Teleskope für das Interview aufgebaut wurden. Gegen 20:30 Uhr baute ich meinen 12-Zöller auf und wir alle bestaunten in Christians kleinen 3-Zöller (mit Sonnenfilter!) die tiefstehende Sonne und ihre Flecken; sogar die Granulation war mit dieser kleinen Öffnung gut zu sehen. Danach ging’s aber direkt an die Suche nach der Venus am Taghimmel, was irgendwie nicht so einfach war. Sogar mit einem Winkelmesser wurde an meinem Fernrohr Azimut und Höhe eingestellt und trotzdem war sie weder im Sucher noch mit Fernglas zu entdecken.

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Kurz nach 21:00 Uhr traf auch Reporter Andreas Dyck ein, der zurzeit für die General-Anzeiger-Sommertour in der Region unterwegs ist und für diese Serie einen Beitrag über uns Bonner Hobbyastronomen schreiben möchte. Zwischen seinen Fragen – wie kommt man zu diesem Hobby, warum ist die Astronomie so faszinierend, wie teuer ist ein Fernrohr, wodurch entsteht die Färbung von Jupiters Wolkenbändern – streuten wir auch immer wieder einen Blick zum Himmel ein. Wir zeigten Venus und Jupiter am Taghimmel bzw. letzteren später in der Dämmerung mit seinen 4 hellsten Monden. Und bevor überhaupt Saturn mit bloßem Auge sichtbar war, konnte auch der wunderschöne Ringplanet in einem Teleskop beobachtet werden. Vor allem bei der Frage nach der Motivation/Faszination für die Astronomie ist mir wieder aufgefallen, wie verschieden die Ursachen für den Blick in den Nachthimmel sein können. So vielfältig die Astronomie an sich schon ist, so vielfältig sind auch die Antworten auf die Frage „Warum Astronomie?“. Lustigerweise mussten ein paar von uns die Frage, ob wir schon mal Richtung Himmel gewunken haben, mit Ja beantworten, denn immerhin haben wir vor fast genau zwei Jahren von der selben Stelle dem Saturn zugewunken – für ein weltweites Saturn-Winken mit hochaufgelöstem Erinnerungsfoto. Nach über zwei Stunden waren schließlich alle Fragen beantwortet und alle Bilder im Kasten. Jetzt bin ich gespannt auf den fertigen Artikel, der vielleicht schon am Mittwoch erscheinen soll, und vor allem auf die Fotos mit mir. Zum Schluss möchte ich mich noch bei allen KBA-Sternfreunden für die spontane Unterstützung bedanken!

Übrigens: Mit welchem überraschenden Himmelsschauspiel es – leider erst – nach dem Interview weiterging, kann man hier in meinem Bericht über Leuchtende Nachtwolken nachlesen.

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12.07.2015

Venus und Jupiter trafen sich am Kölner Dom

Bereits nach der sehenswerten engen Begegnung zwischen Venus und Jupiter am 30. Juni, hatte ich die Idee das schöne Planetenpaar zusammen mit dem Kölner Dom abzulichten. In der ebenfalls klaren Vollmondnacht am 01. Juli (Fotos hier und hier) war ich für die beiden nochmal mit der Fotoausrüstung losgezogen, ansonsten hat es aber zeitlich oder wolkentechnisch nicht gepasst. Vergangenen Montag, am 06. Juli, hat dann doch alles gepasst. Den ganzen Tag gab’s Sonne satt, so dass ich am Abend mit Kamera und Stativ nach Köln-Deutz gefahren bin. Als ich um 22:00 Uhr ankam, musste ich erstmal feststellen, dass dort wegen Bauarbeiten das ganze Rheinufer mit einem Bauzaun abgesperrt ist, aber das Fotografieren ging dann doch ganz gut. Am Kaiser-Wilhelm-Reiterdenkmal an der Hohenzollernbrücke war ich zudem nicht der einzige, der mit einer Kamera auf die Venus über dem Kölner Dom wartete. Etwas später erschien deutlich rechts von der Venus auch Jupiter am Dämmerungshimmel, der Abstand untereinander hatte sich schon sichtlich vergrößert. Der hellste und der größte Planet des Sonnensystems wanderten zwischen den Türmen des dritthöchsten Kirchenhauses der Welt hindurch. Anhand der Domtürme konnte man schön verfolgen, wie schnell sich das Planetenpaar doch Richtung Horizont bewegt, aber so ergaben sich durch meinen ständigen Standortwechsel immer neue Anordnungen des schönen Planetentreffens am Kölner Dom. Die meisten oben gezeigten Bilder sind vor dem Hyatt-Hotel (bzw. im Biergarten) oder dem LVR-Gebäude daneben entstanden – aber immer irgendwie durch den Bauzaun hindurch. Einem älteren Ehepaar mit bayrischem Akzent erklärte ich, was ich da vor dem Hotel mache und wies sie noch darauf hin, dass der Stern rechts neben der Venus eigentlich der Planet Jupiter ist. Und immer wieder bemerkte ich, wie noch andere Leute mit Smartphone oder mit Profikamera und Stativ das Schauspiel festhielten.

Für mich hat sich die 50-Kilometer-Anfahrt auf jeden Fall gelohnt und bestimmt komme ich bei einer nächsten abendlichen Konjunktion wieder vorbei. Weitere Fotos meines Ausflugs sind hier zu finden.

12.07.2015


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