Supernovae und Protoplanetarische Nebel mit 3 und 12 Zoll

Heute vor einer Woche wurde das Entdeckerfoto von 2013ej, der zurzeit hellsten Supernova, gemacht, doch bis zur letzten Nacht machten immer Wolken oder Regen in der zweiten Nachthälfte einen Strich durch die Rechnung, oder es klarte erst in den Morgenstunden auf. Diesmal war der Himmel schon relativ früh aufgerissen und die Milchstraße zog ihr Band besonders deutlich über den Garten, Richtung Adler und Schütze konnte ich sogar vom Fenster aus die Teilung erkennen. So stand Punkt Mitternacht der 12-Zöller bereit für die Supernovajagd. Doch erstmal aktivierte ich den kleinen 80mm-Richfielder auf der Terrasse. Nachdem ich mit ihm zum Juli-Neumond schon CRL 2688, den hellsten Protoplanetarischen Nebel, beobachtet hatte, wollte ich unbedingt auch Minkowskis berühmten Fußabdruck versuchen. Mit den fast 4 Grad des Übersichtsokulars war die richtige Position zwischen beta (Albireo) und phi Cyg schnell gefunden. Innerhalb eines auffälligen Dreiecks stand ein Paar aus 9,7mag-Sternen. Weitere Hilfen brauchte ich nicht, nur mehr Vergrößerung, denn Minkowski 1-92 steht nur 30 Bogensekunden neben dem unteren Stern. Mit dem 9mm war höchstens etwas mit Augenverdrehen erahnbar, im 6mm war es sicher indirekt und mit den 82x des 4,9mm-Okulars war der kleine Punkt fast schon direkt zu sehen. Ein Fußabdruck war freilich nicht sichtbar, aber eine 1946 gemachte Entdeckung von Rudolph Minkowski in Sternform. Seine Helligkeit würde ich mit 12,0mag angeben, wobei am meisten wirklich die Nähe des Sterns 9. Größenklasse störte.

Für den direkten Vergleich schwenkte ich hinüber zu CRL 2688, den ich mittlerweile mit Übersichtsokular von 61 Cyg aus schnell finde. Dieser Protoplanetarische Nebel war diesmal sogar mit dem 15mm-Okular auszumachen. Mit etwa 11,7mag ist er etwas heller als M 1-92 und vor allem gibt’s hier keine störenden Nachbarsterne. Mit einer neuen Arbeit wurde kürzlich wieder bestätigt, dass dieser winzige Reflektionsnebel, der staubige Überrest einer Hülle eines ehemaligen Roten Riesen, erst vor 400 Jahren entstanden ist. Der im Okular stellar erscheinende Protoplanetarische Nebel ist somit gerade einmal so alt wie die Erfindung des Instruments, mit dem ich den Nachthimmel entdecke. Kurz vor halb 2 ein kurzer prüfender Blick Richtung Osthimmel. Die drei markanten Widder-Sterne lockten bereits zur Supernova 2013ej in M 74. Von gamma Ari aus war das Zielgebiet schnell gefunden. Von der prächtigen Spiralgalaxie ist selbst im 12-Zöller nur der helle innere Bereich sichtbar. Der genau vor einer Woche in rund 30 Millionen Lichtjahren Entfernung explodierte Überriese war nicht zu übersehen. Seine Supernova-Helligkeit schätzte ich anhand eines vergleichbar hellen Nachbarsterns auf 12,5mag. Ein Lichtpunkt mit 500 Millionen Sonnenleuchtkräften!

Bei dieser Helligkeit wollte ich es direkt mit dem kleinen 80mm-Refraktor versuchen – und es hat geklappt. Ich steckte das 4,9mm für 82-fache Vergrößerung in den Auszug und ließ das Feld mit M 74 als diffuses Etwas viele Male durchlaufen. Man musste schon genau hinsehen, aber ab und zu blitzte an der richtigen Stelle der 12,3mag-Stern mit der Supernova daneben auf. Während der Suche bemerkte ich nebenbei, wie scheinbar aus dem Schornstein eines Nachbarhauses der Sternhaufen der Plejaden rauskletterte. Direkt im Anschluss ging’s dann mit dem 12-Zöller noch hoch in die Eidechse zur zweiten hellen Supernova: 2013dy. Hatte das Auffinden bei der ersten Sichtung problemlos geklappt, dauerte es dieses Mal umso länger. Irgendwann bin ich dann doch noch angekommen. Sogar die etwa 50 Millionen Lichtjahre ferne Galaxie NGC 7250 war als länglicher Nebel erkennbar und daneben stand die punktförmige Trümmerwolke eines zerstörten Weißen Zwergs im Maximumslicht. Die Supernova ist immer noch 12,8mag hell, wobei das Leuchten durch den radioaktiven Zerfall von Nickel über Kobalt zu Eisen entsteht. Als Abschluss der kleinen Beobachtungsrunde im Garten schwenkte ich den Richfielder noch auf den Mond. Nahe des Terminators fielen vor allem die Regenbogenbucht Sinus Iridum und Copernicus, der bis auf den westlichen Kraterwall schon im Dunkeln lag, mit einigen auffälligen Strahlen in der Umgebung auf.

01.08.2013

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