Im StarTalk mit … Jörg Peters

2012: Der fertige 28″-Binosaurier; © Jörg Peters

Im Jahr 2000 begann seine Selbstbau-Leidenschaft mit einem kleinen 8-Zoll-Reiseteleskop, vier Jahre später schmiedete Jörg Peters bereits Pläne für den vielleicht größten Feldstecher, der von einem Hobbyastronom gebaut wurde. Nach unglaublichen acht Jahren Bauzeit stellte der Fernrohrtüftler aus Sachsen jetzt sein vollendetes Meisterwerk im Astrotreff-Forum vor; für so ein Großprojekt gab es selbst von der internationalen Amateurszene einige Worte der Anerkennung: „Ik ben sprakeloos“, „mes Respects Monsieur Peter“, „it is pretty impressive and a magnificent piece of ATM construction“. Bis 2012 hatte der Sternfreund über 10.000 Stunden in sein Riesenfernglas investiert, für die Arbeit an den beiden 28-Zoll-Spiegeln brauchte er allein anderthalb Jahre. Ohne Frage ist es eine optische wie mechanische Meisterleistung, die von Akribie, Ausdauer und Zielstrebigkeit zeugt, und angesichts der gigantischen Ausmaße lässt sich das riesige Instrument locker als Binosaurier bezeichnen.

12 Fragen an … Jörg Peters

  • Wann und wie wurden Sie mit dem Astrovirus angesteckt?

Das geschah im Astronomieunterricht, der gelegentlich auf die erste Unterrichtsstunde fiel. Da es in den Wintermonaten früh noch dunkel ist, hatte unser Lehrer das Schulfernrohr aufgebaut. Ich glaube es war ein Refraktor mit 90mm Öffnung. Er zeigte uns Jupiter und Saturn.

  • Welches sind Ihre unvergesslichsten Astroerlebnisse als Hobbyastronom?

Eine Astroreise nach Namibia. So einen von Licht völlig unverschmutzten Sternenhimmel vergisst man nie.

  • Wie kamen Sie dann zum Teleskop-Selbstbau?

Nach dem Astronomieunterricht schlummerte der Virus noch 18 Jahre bis zum ersten Teleskop. Es war ein gekaufter 8-Zöller. Schnell war mir klar, dass mehr Sternenlicht nur mit einer größeren Öffnung zu erreichen ist und so begann der Selbstbau.

8″-Selbstbau beim ITV 2001; © Jörg Peters

  • Wie beginnt man eigentlich ein Selbstbauprojekt?

Bei mir beginnt so etwas immer im Kopf. Pläne, Vorstellungen, Abmessungen, Transportfähigkeit, Lichtsammelvermögen, optisches Design usw.

  • Wann haben Sie mit dem Riesenfeldstecher begonnen und wieviele Stunden waren es schätzungsweise bis zur Fertigstellung?

Ich glaube, die ersten Pläne habe ich 2004 geschmiedet. Die Arbeitsstunden kann ich beim besten Willen nicht mehr abschätzen. Irgendwo zwischen zehn- und zwanzigtausend.

  • Welche notwendigen Geräte Marke Eigenbau mussten extra für das Großprojekt gebaut werden?

Eine Schleifmaschine, ein Interferometer und ein Foucault-Tester.

  • Aus den geplanten drei Jahren wurde aber viel mehr.

Die Planung lag bei drei Jahren, dabei habe ich den immensen Arbeitsaufwand deutlich unterschätzt. Das Projekt war ja auch völliges Neuland.

Ein halb fertiger 28″-Spiegel; © Jörg Peters

  • Gab es beim Bau ein besonders hartnäckiges Problem?

Extrem hartnäckige Probleme gab es eigentlich nicht. Es gab viele unerwartete, aber nicht unlösbare Probleme.

  • Sind Sie auf eine Detaillösung des Riesenfeldstechers besonders stolz?

Ehrlich gesagt, fällt mir dazu nichts ein. Im Grunde ist alles so gelungen, wie ich es mir vorgestellt habe. Es gibt da keine besondere hervorzuhebende Detaillösung.

  • Was haben die Testbeobachtungen am Nachthimmel bereits gezeigt?

Ein schönes Beispiel ist die Beobachtung der Whirlpool Galaxie M 51. Die lichtschwache Brücke zwischen den Galaxien kann ich einäugig mit einer 28 Zoll Öffnung nur indirekt sehen. Wenn man das zweite Auge aufmacht und den zweiten Tubus zur Aufklärung hinzuzieht, ist sie einfach da und direkt zu sehen. Und beim Schwenken um M 51 ploppen auf einmal Galaxien ins Bildfeld, die eigentlich noch nie da waren. Das ist schon irgendwie komisch.

Bauzeit: 2004 bis 2012; © Jörg Peters

  • Ist damit jetzt Ihr ultimatives Wunschteleskop fertig geworden oder haben Sie schon Pläne für ein Nachfolgeprojekt in der Schublade?

Momentan bin ich teleskoptechnisch wunschlos glücklich, allerdings schwirren immer irgendwelche neuen Gedanken im Kopf umher … Nun wird aber erst einmal mit dem Instrument beobachtet, bei einem neuen Projekt wäre dafür kaum Zeit.

  • Das Universum in einem Satz:

Die Unendlichkeit des Universums ist unbegreifbar aber zugleich faszinierend.

Vielen Dank für das Interview!

28.01.2013

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1 Response to “Im StarTalk mit … Jörg Peters”



  1. 1 Im StarTalk mit … Matthias Wirth | Zauber der Sterne Trackback zu . um .

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