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Live bei Alexander Gersts erstem Auftritt nach der Rückkehr

Nach der spannenden und verrückten Kometenlandung von Philae, der sich nach erfolgreicher Mission zurzeit im Winterschlaf befindet, war mein zweitägiges ESA-Fest erst zur Hälfte vorbei. Denn während ich um 17:00 Uhr am Mittwoch noch auf ein Signal aus über 500 Millionen Kilometer Entfernung wartete, wollte ich am Donnerstag um 11:00 Uhr unbedingt beim Treffen mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst dabei sein. Erst am Montagmorgen war er nach 5 ½ Monaten auf der ISS wieder auf der Erde gelandet und sollte nun bei der ESA in Köln-Porz eine erste Pressekonferenz geben. Ich dachte, so kurz nach der Rückkehr müssen doch seine Eindrücke noch besonders präsent sein und deshalb war dieser erste offizielle Auftritt von @Astro_Alex einfach ein Muss. „Meeting an Astronaut in person that was in space 3 days ago: check! „, twitterte ein Weltraum-Fan aus Aachen und bringt es so mit wenigen Zeichen auf den Punkt.

Bei der Anmeldung hieß es erstmal Schlangestehen, zusammen mit Leuten von ZDF, RTL und eines niederländischen Fernsehsenders. Der Parkplatz am European Astronaut Centre (EAC) der ESA war bereits voll, so dass ich einfach hinter der Ü-Wagen-Reihe parkte. Entsprechend war auch im Gebäude viel los und eine Batterie an Kameras stand schon für Alexander Gersts ersten Auftritt nach der Landung bereit.

Mit spannungsgeladener Trailer-Musik betraten schließlich um Punkt 11 Staatssekretärin und Raumfahrt-Koordinatorin Brigitte Zypries, ESA-Direktor Thomas Reiter, DLR-Chef Jan Wörner und unser Social-Media-Weltraumheld Astro-Alex den Raum, der von begeistertem Applaus erfüllt wurde. Der erst drei Tage zuvor gelandete Astronaut strahlte genauso wie die anwesenden Journalisten und Raumfahrtbegeisterten. Auch über einen Apfel von der Bundestagsabgeordneten freute sich der 38-Jährige, der im Orbit zwischenzeitlich mal Äpfel vermisst hatte.

Eine volle Stunde lang stand nun Alexander Gerst Funk und Fernsehen Rede und Antwort. Bei einer der ersten Fragen ging’s um die Experimente, wobei der heimgekehrte Astronaut auch die Installation des EML (Electromagnetic Leviator) ansprach, was eine der „befriedigendsten Dinge“ war, denn einen klemmenden Bolzen hatte man letztlich mit Sägeblatt, Taschenmesser und Rasierschaum beseitigen können. Wie der Geophysiker schon vor seiner Mission in den Orbit oft betonte, müssen Astronauten eben vor allem Alleskönner sein. Dennoch sprach Gerst ganz bescheiden vom „einfachsten Job“. „Ich habe meine Emotionen weitergeleitet“, an die, die „noch Kind geblieben sind wie ich“, erzählte er zum einen. Zum anderen war er für die Wissenschaftler am Boden einfach der verlängerte Arm an ihren Experimenten, und so bedankte sich der Astronaut zusätzlich bei den Mitarbeitern im Hintergrund, die die eigentliche Arbeit gemacht haben, und deutete dabei auf die über dem Zuschauerraum stehenden Personen. Ein Reporter des Deutschlandfunks fragte konkret nach den Social-Media-Aktivitäten, worauf Gerst antwortete, dass der „Internetzugang relativ begrenzt“ sei, die Texte für die Tweets habe er trotzdem „selbst geschrieben“ und via Mail mit angehängten Fotos an die Bodenkontrolle geschickt; Facebook-Kommentare las er auch hin und wieder. In diesem Zusammenhang wurden auch seine kritischen Tweets zu den militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten angesprochen. Gerst versteht seine Reaktion allerdings nicht als „politische Botschaft“ und will nicht als „Moralapostel“ dastehen, er wollte nur eine „Perspektive transportieren“, dass es nämlich von außen betrachtet „grotesk“ und „nicht wirklich logisch“ erscheint, wie wir mit der Natur und den Menschen umgehen. Zudem haben die 5 ½ Monate auf der ISS ihn nicht zu einem anderen Menschen gemacht, vielmehr hat es eben diese neue „Perspektive erzeugt“, und so ist es auch sein „heimlicher Wunsch“, dass jeder Mensch einmal die Erde aus dem Weltraum sehen könnte.

Viele Fragen drehten sich natürlich um seine „übererfüllte“ Mission und die Rückkehr. Mit Bezug auf einen Tweet erzählte der Astronaut, wie es war, wieder die Natur zu atmen. Bei seiner Zwischenlandung auf dem Flughafen Prestwick in Glasgow, Schottland, wo er auch von seiner Lebensgefährtin sowie Jan Wörner und Thomas Reiter begrüßt wurde, roch es für 10 Minuten nach „grünem Urwald“ und „feuchter Luft“. Um die Rückkehr und die harte Landung ging’s auch in einer anderen Frage. War der Start noch „emotional aufregender“, war der Heimflug vor allem physisch härter. Als die 4,9 auf der g-Anzeige erschien, mussten alle drei Astronauten in der Sojus-Kapsel lachen, weil sie jetzt auch noch die 5 sehen wollten. Die 5 g wurden dann tatsächlich noch erreicht. Anschaulich waren auch Gersts Schilderungen, wie die Kapsel in ein – dicht neben seinem Kopf – glühendes Plasma eingehüllt war und sich brennende Teile ablösten.

Wenn Alexander Gerst mit seiner gewohnt symphatischen Art davon sprach, dass Vulkanologe nur der zweittollste Job ist, dann ist das einfach glaubwürdig. Man hatte bei ihm das Gefühl, dass er keine routinemäßigen Antworten oder bloße Worthülsen für die Presse abgab. Man nahm es ihm einfach ab, dass Astronaut der tollste Job der Welt ist. „Meine Zukunft ist definitv in der Raumfahrt,“ erzählte der 38-Jährige. Mit der Mission sei ihm außerdem klar geworden, dass der Mensch auch länger im Weltraum leben kann, da er persönlich auch noch keine Grenzen spürte. Dennoch gab er zu, „froh wieder hier zu sein“. Natürlich betraf eine Frage auch wieder den Wert/Sinn von Raumfahrt, was Gerst damit kommentierte, dass der EU-Bürger für Raumfahrt ungefähr 10 Euro im Jahr ausgibt, davon sind etwa 1 Euro für bemannte Raumfahrt. Außerdem wurden beispielsweise noch sein coolstes Selfie während des Außenbordeinsatzes, irdische Fotos (die er am längsten angeschaut hat) und die Vielfalt des Essens angesprochen, und er erzählte auch, wie er die historische Kometenlandung von Philae, die er als „einen der spannendsten Wissenschaftskrimis“ bezeichnete, mitbekommen hat. Als eine der letzten Antworten beschrieb der heimgekehrte Astronaut noch seine Eindrücke des gestirnten Nachthimmels auf der ISS. Für Gerst war das „eine der überraschendsten Ausblicke“, denn die Sterne so klar zu sehen und zu erkennen wie „die Milchstraße überhaupt geformt ist“, hatte er nicht erwartet. „Wenn man da rausschaut, dann zieht’s einen schon raus“, ganz einfach weil es in der menschlichen Natur liegt. „Weil wir Menschen Entdecker sind.“ Zur Freude von hunderttausenden Social-Media-Fans hieß es übrigens ganz zum Schluss, dass sein Twitter– und Facebook-Account bestehen bleiben, denn bisher sind „weniger als die Hälfte“ seiner Fotos gezeigt worden.

Nach einer Stunde ging schließlich mein erstes Treffen mit Alexander Gerst zu Ende. Am 28. Mai auf einer großen Launch-Party in Köln begann meine Reise mit ihm, kurz danach durfte ich bei einer 20-minütigen Liveschalte dabei sein, am 01. September hörte ich dann während einer Siegburger Schulveranstaltung mit Amateurfunkern nur seine Stimme im Rauschen und nun saß der 11. Deutsche im All, der fast 6 Monate auf der ISS verbrachte und noch vor 3 Tagen Schwerelosigkeit spürte, direkt vor mir. Für mich war das auf jeden Fall ein großartiges Erlebnis, Alexander Gerst jetzt live ohne Zeitverzögerung zu sehen und zu hören.

Um 12:02 Uhr wurde die Pressekonferenz beendet, doch Smartphone- und Fernsehkameras wollten den Astronaut nicht so schnell gehen lassen und man hatte tatsächlich das Gefühl, dass er auch nicht gehen wollte und noch länger von seinen unvergesslichen Eindrücken erzählen wollte. Doch sein Betreuer und das Tagesprogramm, für den Nachmittag standen vor allem Augenuntersuchungen an, warteten auf ihn und so verschwand Gerst schließlich durch eine Seitentür. Immerhin gelang es einem hartnäckigen Autogrammjäger, der nicht ich war, sich schnell eine Unterschrift zu ergattern.

Auf meinem Weg zurück in Richtung Ü-Wagen-Allee begegnete ich ganz zufällig noch Svetlana Gerasimenko. Die Mitentdeckerin des Rosetta-Kometen 67P (Tschurjumow-Gerasimenko) stand in diesem Moment für einen Fotografen neben der Gagarin-Büste vor dem EAC. Leider reichte der kurze Moment nicht einmal für einen Weißabgleich aus.

[Nachtrag] Hier gibt es noch eine vollständige Aufzeichnung der kompletten Pressekonferenz.

17.11.2014

Philae ist gelandet, „we even landed twice“!? Oder drei Mal?

Die Medien feiern Philaes Kometenlandung wie eine „kleine Mondlandung“, für Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar ist es die „aufregendeste Mission seit der Mondlandung“ und für den ESA-Generaldirektor ist es sogar ein großer Schritt für die Menschheit. „This is a big step for human civilization.“ Mit diesen Worten feierte Jean-Jacques Dordain den Erfolg der Landung des Rosetta-Landers Philae, denn um 17:04 MEZ kam fast planmäßig das erhoffte Signal an. Und auch in Bonn schaute man gleich an zwei Orten gebannt den Raumfahrtpionieren über die Schulter, wie sie noch gebannter auf das Signal aus 511 Millionen Kilometern Entfernung warten. Zum einen gab’s ein Public Viewing in der Bundeskunsthalle, was schon um 19:30 MEZ in der WDR-Lokalzeit zu sehen war, und …

… zum anderen trafen sich einige Hobbyastronomen mit einem weiteren WDR-Team in der Volkssternwarte Bonn, was um 22:45 MEZ in einer Sondersendung der ARD ausgestrahlt wurde.

An beiden Orten war der Jubel groß, doch ohne Frage wird er in Darmstadt und in Köln noch größer gewesen sein. Gefeiert wurden auch die wenigen ersten Bilder von Philae. Diese Aufnahme vom Lander machte die Muttersonde Rosetta, während …

… dieses Bild von Philaes Kamera ROLIS gemacht wurde. Der auf den Kometenkern zufliegende Lander war zum Aufnahmezeitpunkt noch 3 Kilometer von seinem Ziel entfernt.

In die Aufnahme eingezeichnet habe ich noch die Stelle an der Philae wohl gegen 16:35 MEZ aufsetzte. Ein anderer Space-Nerd hat die Position noch genauer markiert, zu sehen sind außerdem zwei weitere ROLIS-Bilder, die noch gar nicht von offizieller Stelle veröffentlicht wurden; sie gelangten via Screenshots ins Web. Mit etwas Mathematik betrachtet, könnte das rechte ROLIS-Foto vielleicht 35 Meter über dem Boden gemacht worden sein, der zweite ROLIS-Ausschnitt könnte aus einer Höhe von nur 8,3 Metern stammen.

Mehr Bilder gibt’s zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu sehen, außerdem sind bereits „plenty of data“ eingetroffen, wie Stephan Ulamec, der Leiter der Landemission, noch am Abend verkündete. Dass Philae dagegen die Harpunen nicht abgefeuert hat, ist die größte Sorge der Wissenschaftler. Deshalb lässt sich aktuell nur spekulieren, wie sicher eigentlich der kleine Lander auf der Oberfläche steht. „Fluctuations in the radio link“ lassen sogar vermuten, dass der Philae abgeprallt ist und ein zweites Mal auf dem Kometenkern aufsetzte. Ulmaec: „So maybe today we didn’t just land once, we even landed twice!“ Ein Space-Nerd berechnete eine Abprallhöhe von 515 Metern aus, bei einer Geschwindigkeit von 0,3 m/s. Und nach den neuesten Twitter-Meldungen scheint es sogar drei Landungen gegeben zu haben! Zumindest wenn man den Daten eines Philae-Experiments glauben mag. Demnach setzte das Minilabor um 16:33, um 18:26 und um 18:33 MEZ (zzgl. jeweils 28 Minuten Signallaufzeit) auf dem Kometen auf.

Ich gespannt was der heutige Tag an neuen Erkenntnissen bringen mag. Die nächste Pressekonferenz findet um 14:00 MEZ statt und es gibt wieder einen Livestream von der ESA. Außerdem wird man weiterhin mit Daniel Fischers Live-Blog mit den neuesten Meldungen versorgt.

13.11.2014

Sonniger Tag der offenen Tür der Volkssternwarte Bonn

Mehr Sonne geht einfach nicht! So lässt sich tatsächlich der 19. Oktober beschreiben, an dem der alljährliche Tag der offenen Tür der Volkssternwarte Bonn (VSB) stattfand. Wie schon zu unserer gelungenen öffentlichen Sonnenbeobachtung zum Ausstellungsstart von „Outer Space – Faszination Weltraum“ in der Bundeskunsthalle, so lockte die strahlende Sonne an einem vollkommen blauen Herbsthimmel diesmal zahlreiche Besucher zu der alten Argelander-Sternwarte nach Bonn-Poppelsdorf. Deshalb waren natürlich auch mehr Sonnenteleskope als sonst für die Beobachtung unseres Heimatsterns im Weißlicht und H-alpha-Licht aufgestellt. Selbst mit dem Sonnenfilter-Fernglas und sogar freisichtig – nur mit einer Sonnenfinsternisbrille geschützt – war eine neue große Fleckenregion am Sonnenrand auszumachen. Außerdem war passend zum 200-Jahr-Jubiläum ein Spektroskop aufgebaut, mit dem jeder die Entdeckung der Fraunhoferlinien mit eigenen Augen nachvollziehen konnte.

Schätzungsweise zwischen 200 und 300 Besucher lockte das wunderbare T-Shirt-Herbstwetter bzw. der mit 23 Grad(!) wärmste Tag des Monats zu dem 115 Jahren alten Kuppelbau neben der historischen Bonner Sternwarte. Auch dieses Mal boten die Hobbyastronomen der Volkssternwarte ein abwechslungsreiches Programm: interessante Kurzvorträge (von 200 Jahre Fraunhoferlinien bis zum astronomischen Ausblick auf 2015), ein Vortrag speziell für Kinder, Präsentation der beliebten Software „Stellarium“, zum Schmökern lud ein Büchermarkt ein und regelmäßig gab es „spritzige“ Starts von Wasserraketen. Auch wenn sie nicht wie letztes Jahr verfinstert wurde und für einen übervollen Vortragsraum sorgte, war die Sonne dennoch ganz klar der Höhepunkt im Programm und der diesjährige Veranstaltungstag somit ein voller Erfolg.

Der Tag der offenen Tür 2015 ist wegen der totalen Mondfinsternis für den 27. September geplant.

05.11.2014

Sonnenbeobachtung zur Eröffnung der Weltraum-Ausstellung „Outer Space“

Das sind 10 Impressionen unserer überaus gelungenen öffentlichen Sonnenbeobachtung, die am 03. Oktober zum ersten Ausstellungstag der sehenswerten Bonner Weltraum-Ausstellung „Outer Space – Faszination Weltraum“ (ausführlicher Bericht von mir) stattfand. Fünf Hobbyastronomen des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA) – Malte, Wolfgang, Achim, Torsten und ich – standen mit ihren für die Sonnenbeobachtung geeigneten Teleskopen ab dem Vormittag vor der Bundeskunsthalle bereit. In zwei Fernrohren wurden die dunklen Sonnenflecken gezeigt und mit den drei H-alpha-Geräten konnten die vielen Besucher auch die Eruptionen am Sonnenrand beobachten, ich brachte derweil mit fundiertem Fachwissen das Gesehene näher und stand für Fragen aller Art bereit. Viele Familien mit Kindern, aber auch bekannte Gesichter wie Ralph Burmester, Kurator im Deutschen Museum Bonn, und sogar Stephan Andreae, Kurator von „Outer Space“, schauten vorbei und wollten einmal die Sonne so sehen, wie es sonst nicht möglich ist. Uns Hobbyastronomen hat die gesamte Aktion auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht, und keiner von uns hätte je gedacht, dass mal bei einer Beobachtung eine Rakete hinderlich sein würde.

Das Wetter hätte für eine öffentliche Beobachtung nicht besser sein können: T-Shirt-Wetter bei 22 Grad und die Sonne lachte von einem strahlend blauen Herbsthimmel. Bei lange im Voraus geplanten Beobachtungsaktionen hängt schließlich alles am Wetter, denn meine Idee hatte ich dem Kurator schon Anfang Februar vorgestellt, wobei schließlich diese Termine herausgekommen sind. Das freut mich somit nochmal besonders, dass letztlich alles wie gewünscht geklappt hat und wir Sternfreunde so den sonnigen Eröffnungstag der Weltraum-Ausstellung ergänzen konnten. Es war eine sehr schöne Sonnenbeobachtung mit schätzungsweise 100 Besuchern, interessanten Fragen und netten Gesprächen. Und mittendrin machte Malte noch dieses schöne Little-Planet-Bild des aktuellen „Weltraumbahnhofs Bonn“.

Malte Tewes

31.10.2014

Astronauten der ISS mit dem Westfälischen Friedenspreis ausgezeichnet

„Die ISS ist Beispiel dafür, dass wir über alle Konflikte in der Welt hinaus an die Zukunft denken und in einer so kleinen Kapsel zusammenarbeiten“, sagte bereits der Oberbürgermeister von Münster, als sich heute früh noch Laudatoren, Ehrengäste und natürlich die Preisträger des Westfälischen Friedenspreises 2014 ins Goldene Buch der Stadt eintrugen. In der offiziellen Begründung wird die politische Bedeutung angesichts der ehemals verfeindeten Supermächte zusätzlich besonders hervorgehoben: „Männer und Frauen, die noch zur Zeit des Kalten Krieges in verfeindeten Blöcken lebten, arbeiten und leben heute ganz selbstverständlich zusammen auf engstem Raum: 400 Kilometer hoch über der Erde, in der Internationalen Raumstation (ISS).“

Um 11:00 Uhr begann der Festakt im historischen Rathaus zu Münster, wurde im WDR live übertragen und es gab sogar ein Public Viewing. Schon in den ersten Grußworten hob man die friedliche internationale Zusammenarbeit für den „Außenposten der Menschheit im All“, wo „zum Wohle der gesamten Menscheit“ geforscht wird, hervor. Die ISS sei eine „kleine friedliche Welt“, ein „Vorbild“. Zunächst wurde aber von Außenminister Frank-Walter Steinmeier der erste Teil des Westfälischen Friedenspreises für die Jugendarbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge verliehen. Zum zweiten Teil der Preisverleihung leitete ein fünfköpfiges Blechbläser-Ensemble ein – mit der Titelmelodie aus Star Trek.

Die Laudatio von Tom Buhrow, Intendant des WDR, begann mit dem Tweet, den ISS-Astronaut Alexander Gerst mit den Worten „Mein traurigstes Foto“ betitelte. Denn selbst aus dem niedrigen Erdorbit sind die aktuellen Konflikte sichtbar. Die Internationale Raumstation ist nicht nur das „größte Technologieprojekt aller Zeiten“, wo sich die Raumfahrer nur ihrer wissenschaftlichen Arbeit widmen, „sie verstehen ihre Mission auch als politische Mission“, betonte Buhrow. Denn der Blick von der ISS auf unseren Blauen Planeten lässt keine Grenzen erkennen und gleiches gilt auch für das 100-Milliarden-Dollar-Raumlabor selbst, welches damals mit den Russen (Roskosmos), den Amerikanern (NASA und Europäern (ESA) begann und heute werden dort beispielsweise Experimente aus 53 Nationen durchgeführt und an Bord waren mittlerweile Raumfahrer aus 15 Nationen. Der Laudator weiter: „In diesen Tagen, in denen immer wieder von einem „neuen Kalten Krieg“ die Rede ist, mahnt uns die ISS, uns gelegentlich wieder die ganz einfachen Fragen zu stellen. Wenn auf diesem Außenposten der Menschheit Russen, Amerikaner und Deutsche nicht nur friedlich zusammenleben, sondern auch gemeinsam wissenschaftliche Erkenntnisse zum Nutzen der Menschheit gewinnen können, warum machen wir es uns hier unten auf der Erde dann so schwer miteinander?“

Stellvertretend für das „Symbol des Friedens am Sternenhimmel“ wurde der Preis des Westfälischen Friedens für die „Besatzungen der Internationalen Raumstation“ (wie es offiziell in der Urkunde heißt) an drei ISS-Astronauten verliehen: den aus Spanien stammenden US-Amerikaner Michael Lopez-Alegria, den Russen Pavel Vinogradov und den Deutschen Thomas Reiter. Alle drei Raumfahrer waren 2006 gemeinsam auf der ISS, wobei sie zwischenzeitlich noch Besuch von der aus dem Iran stammenden Weltraumtouristin Anousheh Ansari bekamen. So machte die Festveranstaltung in Münster zusätzlich sehr deutlich, wie sehr 400 Kilometer über der Erde doch Grenzen – trotz unterschiedlichster Kulturen – verschwimmen.

Zu der Verleihung wurde auch ein Film über die Friedenspreisträger gezeigt und auch Alexander Gerst, der schon bald seine Rückkehr zur Erde antreten wird, bedankte sich via Twitter für die Auszeichnung. Dieser kam auch noch in einer eingespielten Aufzeichnung ausführlich zu Wort. Das Telefon-Interview (geführt vom EAC in Köln-Porz) mit WDR-Chefredakteurin Sabine Scholt, die auch den heutigen Festakt moderierte, ist bei Youtube verfügbar. Der Geophysiker und Vulkanologe, für den der Friedenspreis eine „große Ehre“ ist, sprach mit ihr über die ISS als „komplexeste Maschine“, das freundschaftliche Miteinander an Bord und die sichtbaren Konflikte auf der Erde – selbst aus 400 Kilometern Höhe.

25.10.2014

Lift-off für die großartige Weltraum-Ausstellung „Outer Space“ in Bonn

Im August 2011 hörte ich zum ersten Mal von der geplanten Weltraum-Ausstellung in der Bundeskunsthalle und je näher der Oktober 2014 rückte, desto mehr stieg die Vorfreude auf „Outer Space – Faszination Weltraum“. Besonders durch Interviews mit den beiden Kuratoren Stephan Andreae (auch für meinen Blog) und Claudia Dichter, die Landung der Liberty Bell 7 oder der Ariane 5 mitten in Bonn, und erst recht durch den Pressetermin Ende August, wo die Ausstellung erstmals ausführlich vorgestellt wurde. Und dann war er tatsächlich da: der 02. Oktober, an dem zunächst die Presse und abends zu der Eröffnungsveranstaltung auch die Öffentlichkeit bei freiem Eintritt die unendlichen Weiten von 15 Ausstellungsräumen entdecken konnte. Drei Hobbyastronomen des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA)Paul Hombach, Daniel Fischer und ich – nutzten so gleich mehrfach die Gelegenheit in den „Outer Space“ abzuheben und mischten sich schon vormittags unter die Leute von Funk und Fernsehen.

Extra für den Eröffnungstag hatte das DLR noch ihren aufblasbaren Astronauten mitgebracht und im Foyer des Museums gab es bereits eine detailgetreue ISS eines Modellbauers aus Niederkassel zu entdecken. Wie passend zum Tor zu den Sternen wartet vor der Tür zur Ausstellung ein Space Shuttle inkl. Crawler aus Schaumpappe eines New Yorker Künstlers, ein paar Schritte weiter schwebt man dann schon schwerelos durch den Weltraum und reist mit ihm gleichermaßen durch die Menschheitsgeschichte. Die nachfolgenden 18 Bilder sind nur eine kleine Auswahl meiner Fotos, zeigen aber sehr schön, wie breit gefächert das Spektrum in der wunerbaren Ausstellung ist und wie gekonnt die Macher und Kuratoren von „Outer Space – Faszination Weltraum“ ihr Leitmotiv „Der Weltraum zwischen Kunst und Wissenschaft“ umgesetzt haben.

Kunstgeschichte, Raumfahrtgeschichte, Astronomiegeschichte, Technikgeschichte, Science-Fiction-Geschichte und zeitgenössische Kunst – diese sprichwörtlich All-umfassende Ausstellung verbindet einfach All-es. Oder wie es schon die „Welt am Sonntag“ so treffend formulierte: „“Outer Space“ ist eine unverwechselbare Schau geworden, weil sich hier Fakten und Fiktion, Kunst und Wissenschaft wirklich auf Augenhöhe begegnen.“ Schon im ersten Ausstellungsraum trifft man auf den bekannten Meteoriten Ensisheim, das Universum in der Nußschale, die Himmelsscheibe von Nebra und die wunderschöne „Die Geburt der Milchstraße“ von Rubens. Davor steht eine leere Vitrine, in die am 08. Dezember der deutsche Astronaut Alexander Gerst eine zur ISS mitgenommene Bundesbiene vom Dachgarten, legen wird. Im nächsten Raum steht eine kaputte und verbeulte Spitze einer V2, die auf mich eher wie ein Kunstgegenstand wirkte. Auf der großen Wand hinter ihr läuft ein Countdown für eine Sojus in Baikonur in Endlosschleife ab und regelmäßig ist der krachende Lärm des Raketenstarts in der ganzen Ausstellung zu hören. Hier finden sich auch Visionär Oberth, Pionier von Braun und Psychiatriepatient Janke, dessen Raumfahrt-Visionen nie die DDR-Anstaltsmauern verlassen hatten. Wie die Wissenschaft die Kunst beeinflusst, sieht man aber noch an vielen Stellen in den insgesamt 15 Ausstellungsräumen. Ob eine strahlende Sonne oder gleich das ganze expandierende Universum, ob Briefe von sterbenden Sternen oder eine sehr assoziative Installation in Form eines Bettes, „in dem Neil Armstrong in seiner ersten Nacht nach der Rückkehr vom Mond schlief“ (so der vollständige Name) – der Weltraum beflügelt auch heute noch Künstler auf der ganzen Welt. Und in diesem wunderbaren Kontext zeigt sich selbst das Triebwerk einer Ariane 4 von seiner künstlerischen und ästhetischen Seite, man hat kaum mehr eine Vorstellung davon, dass diese Ingenieurskunst eigentlich über 2 Millionen PS Leistung liefert.

Angesichts von gezeichneten Marskarten, bemalten Himmelsgloben, alten Teleskopen, gedruckten Sternkarten und den ersten Mondzeichnungen, die vom Künstler Galileo Galilei stammen, wird ebenfalls deutlich, dass frühere Astronomen in gewisser Weise auch künstlerisch arbeiteten. Galileis Darstellungen, enthalten in einer Ausgabe von 1953 seines berühmten „Siderus Nuncius“, sind außerdem mit einem Gemälde seines Prozesses von 1633 und einem formatfüllenden Foto des Jupitermonds Io sehr schön in Szene gesetzt. Und mit Aquarellfarben gestaltete Entwürfe für die sowjetische Raumfahrt ist zu sehen, dass Kunst und Wissenschaft/Technik selbst in der Gegenwart nicht so weit auseinander liegen wie man zuerst vermutet. Zwar ist die 1964 skizzierte „Lunniy Korabl“ nie auf dem Mond gelandet und dennoch erhält man mit diesen Arbeiten Galina Balaschowas Einblicke in einen völlig unbekannten Aspekt der bemannten Raumfahrt. In der Ausstellung wird an vielen Stellen mit zahlreichen interessanten Exponaten – u.a. mit verschiedenen Raumanzügen, tierischen Raumfahrt-Pionieren, der bekannten weißen Weste zu Apollo 13, Sigmund Jähns Experimenten oder Reinhold Ewalds Socken – Raumfahrt präsentiert. Für Technikfreunde wie für Geschichtsinteressierte dürfte die Mercury-Kapsel Liberty Bell 7 ein Highlight darstellen, mit dem gleichermaßen an den tragischen Helden Gus Grissom erinnert wird. Mit dieser kleinen Kapsel wurde Grissom im Juli 1961 während einer 15-minütigen Mission zum zweiten Amerikaner im Weltraum. Und wenn man schließlich davor steht, kommt einem plötzlich wieder John Glenns amüsanter Satz in den Sinn: „You don’t climb into the Mercury spacecraft, you put it on.“

In „Outer Space – Faszination Weltraum“ hat natürlich auch die Science-Fiction ihren festen Platz. Von E.T. über die ikonische Horrorgestalt des in diesem Jahr verstorbenen H. R. Giger aus den „Alien“-Filmen bis zum berühmten Bügeleisen des TV-Raumschiffs Orion ist hier einiges zu finden. Und C3Po aus „Star Wars“ habe ich auch noch nie so glänzend gesehen, im richtigen Winkel zum spiegelnden Glas kommt er sogar besonders strahlend zur Geltung. Eine Science-Fiction-Geschichte von 1629 – Francis Godwins „The Man in the Moone“ („Der Mann im Mond“) – ist sogar Ausgangspunkt eines skurrilen Projekts der Kölner Künstlerin Agnes-Meyer-Brandis geworden. Sie beobachtete die Aufzucht von elf Gänsen vom Schlüpfen aus ihren Eiern, die sie mit Namen aus der Raumfahrt (z.b. Buzz, Valentina, Konstantin, Friede) beschriftete, bis zur Flugtauglichkeit. Denn im norditalienischen „Spaceport Pollinaria“ will die Gänsemutter sie ganz nach der literarischen Vorlage zu Mondgänsen ausbilden. Und auch in diesem Ausstellungsraum verschwimmen wiederum Fiktion und Wirklichkeit, wenn man nebeneinander eine Gänsefeder und ein Foto von Apollo 15 mit der bekannten Feder-Hammer-Demonstration auf dem Mond sieht. In den zwei übrigen von Künstlern gestalteten Räumen wird an den ersten Toten der Raumfahrt, Wladimir Komarow, gedacht und mit der Installation „The Man Who Flew into Space from his Apartment“ sieht man, wie sich jemand direkt durch die Zimmerdecke in den Weltraum katapultiert hat und so zugleich dem Kommunismus entkam.

Durch seinen interaktiven Charakter ist der rötlich glänzende Himmelsglobus für mich definitiv das Highlight der großartigen Bonner Weltraum-Ausstellung. Diese aus Kirschholz gefertigte Kugel besteht aus insgesamt 2.800 Holzstücken, die der in Düsseldorf lebende japanische Künstler Hiroyuki Masuyama drei Monate lang geschliffen und poliert hat. Die Kugel misst zwar nur 1,9 Meter im Durchmesser, doch ich empfehle jedem, der nicht allzu klaustrophisch veranlagt ist, dort hineinzugehen. Wenn man durch die kleine Luke in das Schwarze Loch steigt und die Klappe hinter einem blickdicht schließt, ist man plötzlich in der stockfinsteren Nacht von 30.000 Sternen umgeben. Tausende in das Holz gestochene Löcher mit Glasfasern machen das Universum in der Holzkugel möglich. Wenn man sich am Himmel auskennt, reicht ein gefundenes Sternbild zur Orientierung und man findet weitere. Und wie mein Bild zeigt, kann man den Großen Wagen inkl. Polarstern hier sogar am Taghimmel fotografieren. Wie in einer Höhle hallt es in dem Himmelsglobus, was die Naturerfahrung noch lebendiger macht. Unzählige Sterne über dem Kopf, zu den Seiten und unter einem; man sitzt oder liegt also tatsächlich auf den Sternbildern des Südhimmels. Ich kam mir wie in einer engen, kleinen Raumkapsel vor und hatte gleichzeitig – egal wohin ich sah – die unendlichen Weiten des Nachthimmels vor Augen und doch die Sterne wirklich zum Greifen nah! Es ist wie beim echten Sternhimmel: Sowas lässt sich schwer in Worte fassen, jeder muss ihn für sich selbst entdecken. Die paar Minuten vergingen wie im Flug – hallo Relativitätstheorie – und schon ist man wieder auf dem Boden der Tatsachen. Dieses Kunstobjekt ist ein fantastisches Naturerlebnis!

Zwischen meinen beiden Vorbesichtigungen der Ausstellung fand noch eine Pressekonferenz statt. Für das DLR, das mit 13 Exponaten in der Schau vertreten ist, war Sabine Hoffmann, Leiterin der Abteilung Kommunikation, anwesend. Mit einem Zitat Albert Einsteins brachte sie das Leitmotiv von „Outer Space“ sehr schön zum Ausdruck: „Das Schönste, was wir erfahren können, ist das Mysteriöse. Es ist der Quell aller wahren Kunst und Wissenschaft.“ Erwähnung fand auch der Rosetta-Lander Philae, den sie als „ingenieurwissenschaftliche Kunst“ bezeichnete und zu dessen Landung auf dem Kometen am 12. November auch in der Bundeskunsthalle eine Veranstaltung stattfindet. Anschließend berichtete Kuratorin Claudia Dichter ausführlich über die Entstehung der Weltraum-Ausstellung. Sie erläuterte nochmal, dass es ihr und ihrem Kollegen Stephan Andreae nicht so sehr um Fakten und Wissen ging, vielmehr sollte das „Faszinosum“ im Mittelpunkt stehen. Für die Kunsthistorikerin ist der Weltraum und die damit verbundene Neugier und der Forschergeist seit Menschengedenken eine „anthropologische Konstante“. Wie mir beim zweiten Gang durch die Ausstellung klar wurde, lässt sich das auch von der Kunst sagen, denn schon seit jeher formt und baut der Mensch mit seinen Händen. So sind in meinen Augen die anthropologischen Konstanten Kunst und Wissenschaft noch mehr miteinander verbunden.

Dichter erzählte auch, wie am Vortrag der deutsche Raumfahrer Reinhold Ewald mit „leuchtenden Augen“ aus dem hölzernen Himmelsglobus stieg und den Anblick mit „schwarzem Samt“ verglich; so wie tatsächlich Astronauten den im All sichtbaren Sternhimmel beschreiben. Während der Pressekonferenz gab es auch Beifall, als die Kuratorin auf die mit Aquarellfarben gestalteten Raumfahrt-Entwürfe von Galina Balaschowa zu sprechen kam. Die 83-Jährige und ihr Enkel waren der Einladung zur Ausstellungseröffnung gefolgt und einige Tage zuvor aus Moskau angereist. Balaschowa, über die diesen Monat auch ein Buch erschienen ist, studierte ab 1949 Architektur und arbeitete ab Herbst 1964 als Innenarchitektin für die sowjetische Raumfahrt, wobei sie beispielsweise die funktionale Innenraumgestaltung für die Sojus-Kapsel und die Raumstation Mir entwarf. Nach Bonn durfte sie nur Skizzen mitbringen, die sie aber vor Ort nachkoloriert hat und so sind echte Originale in der Ausstellung zu sehen.

Am Abend hatte die Eröffnung der Weltraum-Ausstellung dann ihren öffentlichen Höhepunkt. Die eingeladenen deutschen Astronauten Ewald und Thiele kamen wegen Staus leider zu spät, was aber ein perfekten Auftakt zur Veranstaltung lieferte. Denn als die beiden Kuratoren im August 2010 im Stau standen, wurde die Idee zu „Outer Space – Faszination Weltraum“ geboren. Und so bekommt Bonn nun endlich die Ausstellung, die es schon vor beinahe 25 Jahren geben sollte, denn bereits damals zur Eröffnung des Museums wollte man eine interdisziplinäre Schau zum Thema Weltraum zeigen. Dazu kann ich nur sagen: Das Warten hat sich mehr als gelohnt! Zum Abschluss der einstündigen Veranstaltung gab’s noch einen aufgezeichneten Gruß von Alexander Gerst, der die in Acryl gegossene Bundesbiene schwerelos durch den Raum schweben ließ und die er zu seiner Welcome-Home-Party am 08. Dezember in ihre Vitrine legen wird. Damit war dann „Outer Space – Faszination Weltraum“ auch für die Öffentlichkeit geöffnet.

Die sehenswerte Ausstellung ist jetzt noch genau vier Monate lang bis zum 22. Februar 2015 in Bonn zu sehen und ein unbedingtes Muss für jeden, der sich in irgendeiner Form für den Weltraum interessiert. Es lohnt sich nicht etwas speziell hervorzuheben, denn hier passt einfach alles perfekt zusammen – besonders Kunst und Wissenschaft.

22.10.2014

Alexander Gerst funkte mit Siegburg und sprach mit Künzelsau

Am 01. September werden sich sicherlich nicht wenige Schüler ausnahmsweise mal auf die Schule gefreut haben, denn aus dem Stundenplan stand Alexander Gerst. Zu sehen sind hier nur ein paar Impressionen einer großen 2 3/4 Stunden dauernden Schulveranstaltung, die anlässlich eines Funkkontakts mit dem deutschen Astronauten  im Siegburger Gymnasium Alleestraße stattfand. Nach einigen begrüßenden Worten der Schulleiterin und des Bürgermeisters traten auch die beiden Personen, die das Event überhaupt erst möglich machten, ans Mikro: die Stellvertretende Schulleiterin Christel Feldmann-Kahl (Bild 1) und die Erdkundelehrerin Christina Müller (Bild 2), die 2009 mit ihrem Referendariat das Projekt „Fernerkundung in Schulen“ der Uni Bonn an dieses Gymnasium holte. Auch das aktuelle FiS-Projekt „Columbus Eye – Live-Bilder von der ISS im Schulunterricht“, welches sich schon bei der „Bonner Wissenschaftsnacht“ präsentierte, stellte sich ausführlich vor (Bild 3). Neben reichlich musikalischen Beiträgen, darunter Elton Johns „Rocket Man“, John Lennons „Imagine“ und natürlich der von Astronaut Chris Hadfield gesungene David-Bowie-Klassiker „Space Oddity“ bzw. vom Unterstufenchor der Schule (u.a. der NDW-Hit „Sternenhimmel“), gab es auch einige Beiträge der ISS-AG, in denen es um Alexander Gerst, seine Mission „Blue Dot“ und andere Raumfahrtthemen ging; zudem gab es eine zweisprachige Aufführung aus „Der kleine Prinz“.

Die letzten 45 Minuten der Veranstaltung führten Georg Westbeld und Stefan Scharfenstein vom DARC (Deutscher Amateur-Radio-Club) durch’s Programm. Sie verstanden es die rund 600 Zuschauer in der großen Aula zu unterhalten, erklärten zunächst was sich hinter dem Namen ARISS verbirgt und funkten Punkt 15 Uhr mit einem Amateurfunker in Norditalien, der als Back-up fungieren sollte, falls es auf der Empfangsseite Probleme geben sollte. Mittlerweile stieg die Spannung deutlich, denn immerhin war Siegburg eine der wenigen deutschen Städte, für die ein Funkkontakt mit Alexander Gerst möglich wurde. Und anhand der nebenstehenden ISS-Position und den HD-Livebildern konnte man sehr schön sehen, wie sich die Raumstation in 400 Kilometern Höhe endlich Europa näherte.

Kurz nach 15:10 Uhr war’s dann soweit: „Delta November 6 Kilo Whisky ruft Delta Papa 0 India Sierra Sierry, kannst du uns hören, Alex?“ Gegen 15:14 Uhr konnte dann die erste von insgesamt 20 vorher ausgewählten Fragen gestellt werden. Mit einer Antenne auf dem Schuldach hatte man zwar einen direkteren Kontakt, denn ansonsten kommt das Signal erst über NASA-Satelliten nach Deutschland, dafür hatte man jedoch leider eine schlechteren Sound. Die Antworten, die aus den Lautsprechern kamen, waren schon sehr rauschig, so dass zumindest ich keinen Satz vollständig verstehen konnte und auch das WDR musste für die Lokalzeit-Ausgabe den Funkkontakt untertiteln. Auch die noch kurz zuvor bestätigte Videoübertragung wurde seitens der NASA doch nicht durchgeführt. Dennoch konnten während des ISS-Überflugs immerhin 17 von 20 Schülern ihre Frage an den Astronauten Alexander Gerst loswerden. Die MP3-Datei mit dem Funkkontakt kann man sich hier (erste Frage bei Minute 3:55) anhören, außerdem gibt’s noch viele weitere Fotos von den Hobbyfunkern und noch dazu ein 60-minütiger Film (erste Frage bei Minute 28:20). Weitere Pressestimmen kann man hier, hier, hier und hier nachlesen.

Und nur drei Tage danach hatte der raumfahrende Vulkanologe schon seinen nächsten deutschen Auftritt: nach Siegburg hatte er am 04. September von 19:15 bis 19:35 Uhr ein Treffen mit seiner Heimatstadt Künzelsau. Bei der gut 20-minütigen Videoschalte (auch hier und ein Artikel) vor dem Künzelsauer Rathaus sollen 5.000 Zuschauer dabei gewesen sein, sogar via Livestream konnte man sie – über SWR oder DLR – online verfolgen.

Und bei der ersten Frage, gestellt von DLR-Chef Wörner, stellte der erneut gut gelaunte Gerst, der mit einem ET-Gruß nach Hause telefonierte, erstmal fest, dass Raumfahrt „eigentlich überhaupt nix für Erwachsene“, sondern „nur was für Kinder“ und ihre „Neugier“ ist.

Einen guten Überblick über die Menschenmenge hatte man zusätzlich noch über eine Webcam und …

… wenn man genau hinguckt, dann sieht man tatsächlich am Ende des langen Platzes Alexander Gerst schwebend im Columbus-Labor. In diesem absolvierte der schwerelose Künzelsauer zum Abschied noch eine Weltpremiere: einen Gienger-Salto, benannt nach dem ebenfalls gebürtigen Künzelsauer Turner Eberhard Gienger.

gerst3021.09.2014


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