10./11. März 2005 – Donnerstag/Freitag

Zwischen 11:00 und 12:00 MEZ hatte sich der Bonner Himmel super aufgeklart. Anstatt einer grauen Wolkendecke wurde ich von einem blauen Himmel, der mit weißen Haufenwolken bestückt war, überrascht. Ich machte mich flink auf den Heimweg und der Himmel behielt seinen zweifarbigen Farbton. Ein paar Minütchen nach 12:30 MEZ warf ich schon mit meinem Dobson den ersten Blick zur Sonne.

Unser Stern im Sucher

Ein Blick durch den Sucher offenbarte mir drei fleckige Regionen. Mit 0743 kam wieder ein großer, schwarzer und langgezogener Einzelfleck um die Ecke. Ihm voraus eilte 0742, bei dem ich im Sucher 4 Flecken ausmachen konnte. 0741 war ein weiterer aber nur grauer Einzelfleck.

Sonne in den Okularen und der Canon

In den Okularen präsentierten sich jedoch vielmehr Details und kleine Flecken. Besonders reichhaltig zeigte sich 0742 und auch 0741 hatte ein paar kleinere Flecken im Angebot. Der Sonnenrand war etwas ausgefranst und wenn Wolken im Anflug waren fiel die Durchsicht dementsprechend. Aber alles in allem war es eine schöne Spechtelrunde. Knackscharfe Bilder wurden abgeliefert. Auch von der schön strukturierten Region 0742. Mit den Bildern sieht es diesmal nicht so rosig aus, da ich wohl zuviel mit den Einstellungen der Canon beschäftigt war. Auf einen Tipp hin wählte ich den Schwarz/Weiß-Modus und „spielte“ mit anderen Einstellungen herum.

Zwischen 12:38 und 13:49 MEZ entstanden so 43 sonnige Ansichten in jeglicher Kombination und die besten Bilder erhalten durch mein Herumprobieren nur die Note „mittelmäßig“. Aber Übung macht immer noch den Meister und irgendwann sind meine abgelichteten Objekte so gestochen scharf, wie ich sie jedesmal in den Okularen bewundere. Ab und an durchziehende Wolken waren bei den Aufnahmen nicht gerade hilfreich und so verschwand die Sonne auch mal für längere Minuten hinter weißen und grauen Schleiern. Zum Ende dieser Observation grübelte ich wieder: Soll ich 0742 und Co. zeichnen oder mich um Merkur kümmern?

Merkur am Taghimmel

Ich hatte noch eine Stunde Zeit, in der ich mir Merkur vorknöpfte. Zum Auffinden ging ich wie im Mai letzten Jahres vor, wo ich gleich beim ersten Versuch die Venus am blauen Taghimmel erfolgreich aufspürte. Zuerst suchte ich im Internet den Azimut für die Sonne raus und drehte die Grundplatte der Rockerbox auf den angegebenen Wert. Das Einnorden war abgeschlossen, dann brauchte ich nur noch Höhe und Azimut für Merkur einstellen. Nichts war zu sehen. Damals konnte ich die helle Venus schon im Sucher glänzen sehen. Die Helligkeit von Merkur wurde mit -0,6mag angegeben. Abgelenkt wie ich war (aber gut, dass es schnurlose Telefone gibt) glich ich immer wieder die Zahlen für die Koordinaten ab, schwenkte unermüdlich und fand nix.

Gegenüber der Venus liegt hier wohl tatsächlich der Hund bei der geringeren Helligkeit und scheinbaren Größe begraben. Ich tastete den Himmel mit dem 30er und 20er Okular bei Gesichtsfeldern von 1,35 und 0,88 Grad ab, aber Merkur tauchte nicht auf. Es wird bestimmt am fehlenden Filter liegen, dachte ich mir. Um 15:00 MEZ musste ich dann erstmal meine Session unterbrechen und meine Freundin vom WDR abholen.

Merkur in der Dämmerung

Gegen 17:50 MEZ konnte ich mit der Suche nach Merkur fortfahren. Die Sonne schloss gerade Bekanntschaft mit einem Hausdach, aber es reichte noch zum erneuten Eichen der Azimut-Einteilung am Dobson. Ein Schwenk zum mutmaßlichen Ort, wo Merkur am Himmel hängen sollte, aber er gab sich immer noch nicht zu erkennen. Später holte ich noch das 8×40 Fernglas, aber es half auch nichts. Suchte ich immer noch an der falschen Stelle? Es war mittlerweile 18:41 MEZ. Ich sah durch das 20mm-Okular, schwenkte wie üblich und plötzlich sauste ein Lichtpunkt hindurch durch das Bild. Na endlich! Ich blickte durch den Sucher und Merkur stand in der Mitte. Nun versuchte ich es mit bloßen Augen und dem Fernglas, aber der Lichtpunkt war nicht auszumachen. Der kleine Planet war bestimmt einfach noch zu schwach, um als auffallender Punkt erkannt zu werden.

18:48 MEZ sah ich ihn dann im Fernglas und auch mit bloßen Augen war er nun am Himmel zu erkennen. Irgendwann kontrollierte ich nochmal den abgelesenen Azimut mit den Werten der Software. Er passte. Somit lag ich die ganze Zeit wohl an der richtigen Stelle auf der Lauer. Das beruhigte mich wenigstens etwas. Zügig ging ich dann bis an die Grenzen, die durch mein derzeitiges Zubehör (noch) bei 230-facher Vergrößerung (6,5mm Plössl mit 1,5er Barlow) liegen und so saß ich noch eine halbe Stunde beim sonnennächsten Planeten.

Der bunte und eruptive Planet

Sehr schön konnte man die Phase erkennen: Halbmerkur war angesagt. Aber vom Seeing möchte ich gar nicht erst anfangen. Die halbe Planetenscheibe präsentierte sich als eine Abstufung von rot, weißlich bis hin zu bläulich-grün. Fast auf einen Schlag fing das Ding an zu explodieren und die Farben schossen aus ihm raus. Dann beruhigte sich Merkur etwas, um erneut auszubrechen. Einige Zeit wechselten sich so die farbenfrohe und impulsive Phase mit der dreifarbigen und zitternden Scheibe ab. Mittlerweile hatte er sich auch im knochigen Geäst eines Baumes auf Nachbars Grundstück eingefunden und sank immer tiefer.

Endlich kommt Saturn dran

Durch meinen ununterbrochenen Blick auf Merkur hatte ich nicht bemerkt, wie die hellen Sterne schon im Süden strahlten. Und einer von ihnen war Saturn. Für den Ringplaneten wechselte ich gegen 19:30 MEZ meinen Standort. Ich stellte den Saturn in die Mitte des Suchers und so fand ich ihn leicht bei 230-fach im Okular. Das Bild war gestochen scharf und die kleine Ecke hinter der Saturnkugel – der Schatten auf dem Ring – war immer noch wie abgebrochen. Das musste Titan und das dann Rhea sein. Diese nadelfeinen Lichtpunkte hingen rechts vom Saturn. Ein weiterer Punkt funkelte etwas oberhalb vom Saturn. Diesmal schaute ich die Monde nicht vorher nach und mit Titan und Rhea lag ich sogar richtig. Der „Stern“ über dem oberen Saturnpol stellte sich als Dione heraus.

Das erste Mal „Cassini umlaufend“

Und ob ihr es nun glaubt oder nicht: Ich habe zum ersten Mal die umlaufende Cassini-Teilung gesehen! Wow! Das war 19:33 MEZ. Ich weiß auch nicht woran es liegt. Es kann nur sein, dass ich nie richtig danach gesucht habe. Es war aber auch nicht wirklich leicht. Einfaches „Vorbeischielen“ half nicht immer, aber ich habe sie eindeutig gesehen. Sie trat hin und wieder hervor. Ein dunkles Band schwang sich von einem Ende der Kugel über den Ringhenkel vor die runde Planetenscheibe und reichte zum anderen Kugelrand. In den beiden größten Elongationen der Cassini-Teilung war sie schön als eine schwarze Lücke zu sehen und vor dem Planeten war sie fast nicht wahrnehmbar nur indirekt zu entdecken. Zumindest war das mein Eindruck. Zu dem am Taghimmel nicht aufgetauchten Merkur kam diese Sichtung genau richtig. Wirklich ein Erlebnis!

Fotos und schon wieder Wolken

Zwischen 19:53 und 20:03 MEZ habe ich noch 15 Fotos gemacht, die alle leider überbelichtet sind. Zwischendurch kam wieder der Schlag von vorn: Wolken! Von mir unbemerkt hatte sich schon der gesamte Himmel zugezogen, erst als Saturn im Okular bzw. Display schwächer wurde, sah ich den Salat. So pausierte drinnen und nachdem an eine Besserung nicht mehr zu denken war, baute ich um 22:00 MEZ alles ab. Das waren also ca. 9 Stunden mehr oder weniger klarer Himmel. So ging mal wieder eine kurzes Spechelabenteuer zu Ende. Auf jeden Fall hatte es sich gelohnt. Mit Merkur am Tag hatte es nicht geklappt, aber „Cassini umlaufend“ hatte ich in der Tasche. Großartig!

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