19. Juni und 23. Juni 2005 – Sonntag und Donnerstag

Kurz vor 15:30 MESZ schleppte ich ihn den weißen Dobson ins Freie, nordete 15 Minuten später wieder mit der Sonne ein und nochmal 5 Minuten später war auch schon die Venus im Okular. Genau beim richtigen Wert für Azimut und Höhe. Trotz ihrer Helligkeit dauerte es dieses Mal länger, die Venus mit dem 10×50 aufzuspüren. Ich orientierte mich an den Blättern der in der Nähe stehenden Blutpflaume, aber ich brauchte fast eine halbe Stunde bis ich sie mit dem Fernglas fand. Und ein oder zwei Minuten vor 16:20 MESZ erwischte ich sie dann auch wieder mit dem bloßen Auge.

Ein schattiges Plätzchen

Im Schatten zweier starker Äste der Haselnuss stand die Gartenbank wie gerufen. Da war ich doch schon wieder froh, dass ich den Baum im Herbst nicht zur Gänze beschnitten hatte. Die freisichtige Venus konnte ich viel einfacher halten und so zog ich mit ihr vom Dobson zur Bank um. Ich ließ mich für etwa eine halbe Stunde auf das schattige Plätzchen nieder. Die Arme hinter dem Kopf lag ich mehr oder weniger entspannt und betrachtete das ferne Lichtpünktchen, wie es sich zwischen den großen Blättern bewegte. Ganz schön flink war sie unterwegs. Die Sonne verbarg sich zur Rechten hinter dem grünen Blattwerk und ich konnte ungetrübt der Venus mit bloßen Augen zusehen.

Knapp -4,0mag war dieser Funken hell und ich bestaunte ihn am blauen vorsommerlichen Himmel. Mit wahrscheinlich dieser Helligkeit erschien der berühmte „Gaststern“ den Chinesen vor 951 Jahren. Und ich stellte mir vor, dass diese Gluthölle da oben von Venus Express im nächsten Frühjahr umrundet wird. Es ist einfach ein besonderer Anblick, der sich mir da bietet, wenn ich außer Sonne und Mond ohne Mühe einen hellen Punkt am hellichten Tage bewundern kann – ganz ohne Feldstecher oder Teleskop. Und das macht die Venus , als Morgen- und Abendstern bekannt, für mich zu einem Tagesstern. So würde es also aussehen, falls mal wieder eine Supernova in unserer Galaxie aufflammen sollte.

Vier Tage später: Merkur am Taghimmel!

Zweimal fuhr ich auch Merkur an, aber es war wieder nichts zu machen. Ich nahm mir nicht richtig Zeit für das Aufsuchen, doch mit Venus als nahenden Referenzpunkt sollte es bald gelingen. Vier Tage später gelang es mir dann auch endlich. Das 30mm steckte im Auszug meines 8-Zöllers, womit mir um 18:07 MESZ die Sichtung des Merkur gelang. Das war meine erste Sichtung des sonnennächsten Planet am blauen Tageshimmel! Das war für mich der Beweis, dass man -0,3mag am Tag beobachten kann. Beide Planeten dürften auch fast nur noch 1,35 Grad voneinander getrennt gewesen sein. Nur noch ein kleines bisschen, dann wären beide im Okular drin. Calsky gab den Abstand tatsächlich mit 1,38 Grad an. Nach 65 Minuten habe ich die Session beendet. Die Cirrostratus, die gegen halb 7 auftauchten, sind mir einfach zu viel geworden. Zum Schluss war nur noch eine geblich leuchtende Wolkendecke zu sehen.

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