08./09. Februar 2005 – Dienstag/Mittwoch

Als die ARD zur Tagesschau gongte war ich gerade auf dem Weg nach draußen. Wie schon mehrfach erwähnt war das Wetter an diesem Wintertag einfach klasse. Rein gar nichts trübte den Himmel und so dämmerte der Abend und die Nacht brach herein.

Über eine geschlagene Stunde Saturn

Ihr habt richtig gelesen. Eher kam ich einfach nicht weg. Zuerst nahm ich also den Ringplaneten in Beschlag. Vorher hatte ich mir im Internet die Stellungen der hellen Monde angesehen. Japetus war wieder mal ziemlich weit im Abseits; den knöpfe ich mir ein anderes Mal vor. In den ersten 15 Minuten schoß ich am 8-Zoll-Dobson erstmal das Magazin bestehend aus den vier Okularen leer: Zuerst mit dem 20mm Titan und Rhea gecheckt, anschließend tauchte mit dem 10mm Tethys auf und die Cassini-Teilung trat sehr deutlich hervor. In dem gleichen Abstand von der Ringkante sollte auf der gegenüberliegenden Seite Dione zu sehen sein, aber nichts da.

Besonders schön war natürlich die Cassini-Teilung. Ein schwarzes Band durchzog die hellen Henkel von Saturns Ring. Ansonsten sieht man die Teilung gut auf der breiten Ringseite, doch heute konnte ich sie fast bis zum Planetenscheibchen ausmachen. Das gleiche Spiel bei dem Ringabschnitt, der sich im Vordergrund befindet. Was heißt eigentlich umlaufend? Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Cassini-Teilung auch im Ring vor dem Planeten gesehen habe. Das sieht doch ziemlich schmal an dieser Stelle aus. Nach einem wiederholten prüfenden Blick ins Web begab ich mich wieder auf die Suche nach Dione. Da war doch was! Nicht viel mehr als einen Augenblick funkelte doch da was, was nur Dione sein konnte. Die Uhr zeigte 20:25 MEZ. Das 6,5mm Plössl lieferte leider keine Besserung und sogar Tethys und Rhea schienen nicht mehr deutlich im Okular.

So griff ich wieder auf das 10er zurück und lag noch über eine halbe Stunde auf der Lauer. Tethys war ein knackscharfer bzw. nadelfeiner Punkt in der Nähe der Ringkante. Tethys (10,1mag) konnte ich immer wieder schnell ausmachen, aber Dione (10,2mag) bereitete mir Probleme und ich brauchte richtig Geduld. Zusammenfassend zur Saturnbeobachtung kann ich aber sagen, dass ich für ein etwa eine handvoll kurzer Augenblicke Dione aufblitzen sah und für wenige Sekunden halten konnte. So schaffte ich es zum Schluß doch noch, alle vier Monde auf einmal zu erblicken. Titan, Rhea, Tethys und Dione strahlten zusammen bei 100-facher Vergrößerung im Kellner-Okular. Und so verging die Stunde wirklich wie im Flug.

NGC 2068, M78 mit NGC 2067

Ohne einen Blick in ein schlaues Büchlein konnte ich M 78 binnen kürzester Zeit ausfindig machen. Aber irgendwie kam mir der Nebel nun noch kleiner vor, als vor drei Tagen bei meiner ersten Sichtung dieser Nebelregion. Kurz gesagt: Unspektakulär. Beim nächsten Mal werde ich doch mal spezielle Software aufsuchen, damit ich den korrekten Anblick mir zumindest vorstellen kann. Anhand von umliegenden Sternen kann ich mir die Ausdehnung des Nebels ausmalen. Im Dobson sieht mir der Bursche reichlich klein aus.

NGC 1976, M42 (Orionnebel) mit NGC 1982, M43

So wanderte ich zwischen M 78 und dem Orionnebel hin und her. In dem Maße wie ich von der Ausdehnung von M 42 überrascht war, muss meine letzte Beobachtung auch schon ein Weilchen zurückliegen. Wirklich beeindruckend und das immer wieder! Die mächtigen grauen Schwingen und dann das helle Nest der Trapez-Sterne mit dem vorgelagerten diffusen M 43. Dazu muss man sich auch noch die Ausdehnung des unsichtbaren Wasserstoffs ins Gedächtnis rufen. Da fällt man fast vom Gartenstuhl. So hoch ich aber an dem Abend vergrößerte, ich konnte zwischen den vier Trapez-Sternen keine anderen Mitglieder entdecken.

Aber die Totale war einfach ’ne Wucht. Meine letzte Sichtung muss wirklich schon etwas her sein. Und irgendwann rücke ich dem Orionnebel auch noch mit Bleistift und Papier auf den Pelz und vergleiche sie dann mit meiner ersten Zeichnung (wenn man es so nennen will) von dieser Region. Die habe ich damals als Schüler als eine meiner ersten Deep-Sky-Zeichnungen überhaupt mit schwarzen, roten und orangenen Faserstiften angefertigt. Das waren noch Zeiten. Ein anderes helles Objekt in dieser Preisklasse kennt man ja in der Anfangszeit noch nicht. Die hat bestimmt schon 7 oder 8 Jahre auf dem Buckel und vergilbt in meinem Archiv.

C/2004 Q2 Machholz

Auf gut Glück durchforstete ich den Himmel oberhalb von epsilon Cas auf der Suche nach Komet Machholz. Im Januar hatte ich ihn nur mit dem Fernglas beobachtet und nun war es endlich Zeit den Dobson darauf auszurichten. Ich wusste nur ungefähr wo ich ansetzen musste, denn zwei Nächte zuvor konnte ich ihn in einem 200/1200-Skywatcher eines Sternfreundes des Köln-Bonner-Astrotreffs beobachten. Nun wandelte sich der Sucher zum Finder und der Komet schien hell im Okular. Er befand sich etwas oberhalb der Linie aus iota und 50 Cas. Mit bloßen Augen war aber freilich nichts mehr drin und wenn, dann nicht unter diesen Bedingungen im heimischen Garten.

Nach diesem Blick auf Machholz‘ noch große Koma überlegte ich, was ich als nächstes anfahren könnte. Durch die vielen tollen Bilder der letzten Tage beeindruckt, sollte es NGC 2359 (Thors Helm) oder NGC 281 (Pacman-Nebel) werden. Ich entschied mich für NGC 281, da die Region um den Großen Hund jedenfalls für mich noch nicht aufgegangen war, denn sonst hätte ich mich längst nochmal tief beeindruckt von M 46 mit seinem Planetarischen Nebel gezeigt.

NGC 869 und NGC 884 (h und chi Persei)

Doch zuvor huschte ich noch am berühmten Doppelsternhaufen im nördlichen Perseus vorbei. Im 20mm-Okular erschienen noch zusammen beide Zentren und das 1,2° Gesichtsfeld war übersät von vielen kleinen hellen und (scheinbar) nicht so leuchtkräftigen Glühwürmchen. Ein toller Anblick. Auch für die, die wie ich Offene Sternhaufen – neben Doppelsternen – aus der Beobachtung ausklammern. H und chi Persei ist auf jeden Fall immer einen Blick wert.

NGC 281 (Pacman-Nebel) …

Wie gesagt hatte ich mich für NGC 281 entschieden, da er von meiner Warte aus gut zu erreichen war und wie sich herausstellen sollte, ist dieser Nebel ein ideales Starhopping-Objekt. Er befindet sich unweit von alpha und eta Cas und das richtige Sternfeld stand schnell im Okular. Das Gesehene deckte ich mit der Software auf dem Rechner ab und so war ich am richtigen Fleck. Doch wo war der versprochene graue Nebel? Nicht die geringste Aufhellung des Gasnebels war erkennbar. Ich hätte genauso gut im Nirgendwo sein können, doch ich war beim richtigen Stern gelandet, wie ein letzter Abgleich zeigte.

… mit IC 1590

Der richtige Stern ist in diesem Fall HD 5005, der mit den umgebenden Sonnen den Sternhaufen IC 1590 bildet. Bisher sind wohl 63 identifizierte Mitglieder (eine andere Quelle gibt 45 an) des Haufens bekannt, aber die meisten haben eine scheinbare Helligkeit von nur 13,0mag und weniger. Die Entfernung des Haufens wird mit 2,94 +/- 0,15 Kiloparsec angegeben und er ist ungefähr 3,5 Millionen Jahre alt. HD 5005 dürfte mit seiner Spektralklasse von O5,5 der Hauptenergielieferant für den leuchtenden Pacman-Nebel sein und es handelt sich wohl dabei um ein Vierfachsystem, was gerne mit dem Orion-Trapez verglichen wird. Eine Komponente befindet sich in 4 Bogensekunden Abstand.

Hier werde ich um einen entsprechenden Filter nicht herumkommen. Mit dem angepeilten HD 5005 konnte ich mir anhand von Fotos also nur vorstellen, wo das breite Staubband den Emissionsnebel verdeckt und die dunklen Bok Globulen umherschwirren. Die größte befindet sich ja in unmittelbarer Nähe zum hellen Zentralstern von IC 1590. Für etwa eine halbe Stunde war ich insgesamt mit Pacman beschäftigt.

Wolken!!

Zur Abwechslung nahm ich mal mein Auge vom Okular und erhob meinen Blick. Was war das über mir für ein Streifen? Die Sicht gen Westen zeigte es überdeutlich: Wolken! Ich möchte mal wissen, wo die so schnell wieder hergekommen sind. Fast das halbe Himmelszelt war schon bedeckt. Der ganze Tag war sowas von wolkenfrei gewesen, dass ich regelrecht von den aufziehenden Wolken überrannt wurde und es nicht fassen konnte. Sie haben nur 10 Minuten gebraucht, um den kompletten Himmel zu verhüllen und ich stand wieder unter einer Wolkendecke. Es waren 5 oder 10 Minuten vor Mitternacht. An Wolkenlücken oder gar eine Auflockerung war nicht mehr zu denken und so verzog ich mich mit meinem Gepäck wieder ins warme Haus.

Alles in allem

Die Suche nach Dione (das war sie eindeutig) und NGC 281 (wo ist denn da was diffuses?) würde ich als Highlight nennen. Dicht gefolgt von meiner „Wiederentdeckung“ vom Orionnebel. Einfach Prächtig! Das war ein gelungener Abschied eines absolut herrlichen Beobachtungstages bzw. einer kurzen aber feinen Beobachtungsnacht. Ein schönes Ende eines wolkenfreien Tages im Februar. Anscheinend handelt es sich dabei eher um den Anfang einer langen Durststrecke. Seit dieser Neumondnacht gab es keine klare Gelegenheit mehr nachts die Sterne aufzusuchen. In der Zwischenzeit sah ich zweimal den Mond hinter dichte Wolken glänzen und mittlerweile haben wir auch schon wieder einen Dreiviertelmond am Himmel hängen. Obendrein hat es heute Abend auch noch zu schneien angefangen.

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