13. Juni 2005 – Montag

Die wunderbare Spechtelnacht am Nutscheid geistert mir immer noch durch den Kopf. Das war ein Erlebnis! Doch seit dem zeigte sich das Wetter eher von der bescheideneren Seite. Gelegentlich gab’s nur eine Kurzspechtelaktion im Garten, aber lange Beobachtungsnächte waren keine möglich. Vor allem saß ich wieder mit der Canon da und versuchte durch das Okular den Mond einzufangen. Auch die Jupitermonde hielt ich zum ersten Mal digital fest, aber so richtig klappte das mit den Einstellungen noch nicht. Oder ich setzte mich mal wieder mit Bleistift und Papier (und Radiergummi) vor die Sonne. Die ISS kam natürlich auch mal wieder vorbei. Am 11. und 12. Mai durchzog sie den Frühlingshimmel. Zur zweiten Sichtbarkeit am 12. Mai hatten schon wieder Wolken das Feld übernommen.

Rückblick

Unter anderem wagte ich mich das erste Mal alleine in den Virgohaufen, riesige Sprünge machte ich jedoch nicht. Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, aber ich spürte auf meiner kleinen Beobachtung ein Galaxienpaar (oder waren es doch zwei Paare) auf, das zu meiner Verwunderung nicht im Karkoschka verzeichnet war. Von Westen kommend schwenkte ich über M 84 und M 86. Ich blieb auf dieser Geraden und fand so zu NGC 4435 und NGC 4438.

Auf dem ATT ergatterte ich an Wolfis Stand einen Crayford und ein 3,6mm-Okular. Der Auszug passte gut an den Tubus, so dass ich nichts bohren oder feilen musste. In der Nacht vom 27. zum 28. Mai sollte das neue Zubehör eingeweiht werden. Erstmal war ich total überrascht und fragte mich wo denn der Saturn geblieben sei. Und die helle Jupiterkugel hing auch schon im Süden als die Dunkelheit hereinbrach. Aber was soll ich großartig vom Seeing vorschwärmen. Ich glaube, ich war zwar so 4 Stunden draußen und bestaunte ausgebiebig M 13 und M 57, aber maximal konnte ich nur bis zu 100x sinnvoll vergrößern. Selbst da zeigte Jupiter hin und wieder einen gewellten Rand. Ohne großen Detailverlust konnte man noch etwas höher gehen, aber das Wahre war’s auch nicht. Vergebens begab ich mich auch auf die Suche nach Tempel 1. Wenigstens war, wenn auch nur kurz betrachtet, ein neues Objekt in meinem Gesichtsfeld. NGC 6210 musste ich zusammen mit dem Karkoschka zweimal anfahren. Erst dann war ich sicher, da der Planetarische Nebel auf den ersten Blick doch sehr stellar erschien. Viel mehr kann man zu meinen Aktivitäten in den letzten beiden Monaten auch nicht sagen.

Venus am Tageshimmel

Endlich zeigte sich das Wetter wieder von der freundlicheren Seite. Irgendwann vor 14:30 MESZ habe ich den Dobson in den Garten gehievt. Mit dem Kompass habe ich grob eingenordet, aber präziser geht es dann doch mit den topozentrischen Koordinaten. Der Tubus war auf die Sonne gerichtet (natürlich mit Sonnenfilter) und so konnte ich den richtigen Wert für den Azimut einstellen. Soweit zur Einnordung. Danach habe ich Azimut und Höhe für die Venus rausgesucht. Für die Uhrzeit von 14:45 MESZ befand sie sich bei rund 173 Grad. Dazu noch die richtige Höhe eingestellt, das 30mm in den Crayford geschoben und da erschien auch schon eine defokussierte Venus , die sich hinter schnell ziehenden Wolken versteckte. Es war 14:46 MESZ. In kürzester Zeit „schoss“ ich mein Arsenal leer, aber die Luftschichten waren so erwärmt, dass da nicht wirklich viel zu holen war. So ließ ich es die ganze Zeit bei 33,33-fach und das Gesichtsfeld von 1,35 Grad bot eine wunderbare Aussicht.

Erstes Aha-Erlebnis

Für mich stellt ein leuchtender Punkt an einem azurblauen Himmel immer noch etwas Besonderes dar. Zu Wissen, dass nicht nur Sonne und Mond am Tag scheinen, finde ich einfach wundervoll. Sicherlich sah die schmale Venussichel, die mit einem zweiten fernen Trabanten der Erde hätte verwechselt werden können, Ende Mai 2004 noch beeindruckender aus, aber man nimmt eben was man kriegen kann. Eine Venus am blauen Tageshimmel ist auch noch ungeschlagen an der Spitze meiner Aha-Erlebnisse. Die Freude ist einfach größer (bzw. war in diesem Moment riesengroß), wenn man etwas am helllichten Tag am Himmel findet, da die Orientierung doch sehr viel schwieriger ist.

Fernglas und Sucher

Der Calsky-Rechner gab eine scheinbare Helligkeit von -3,9mag, eine Elongation von 19,5, 19,6 Grad und einen Durchmesser von 10,5 Bogensekunden an. Venus in Sucher und Okular reichte mir diesmal aber nicht. Ich holte mein 10×50-Fernglas raus und begann zu suchen. Es war gar nicht so leicht das Teilstück am Himmel, welches man im Sucher sah, mit dem Fernglas zu finden. Irdische Referenzobjekte fehlten um diese Tageszeit und so hielt ich mich an den Wolken. Und dann leuchtete tatsächlich ein heller Stern im Meade. Und da kam bei mir die Frage auf: Wäre Venus ohne Hilfsmittel zu knacken?

Warten

In gewissen Abständen warf ich einen Blick durch’s 30mm und den Sucher und führte so den Dobson nach. So wartete ich den Nachmittag über, bis die strahlende Venus in einer besseren Position zu einem Vordergrundobjekt stehen sollte. Das klappte ganz gut, nur einmal verlor ich sie nach einer längeren Pause und musste den Wert für den Azimut neu einstellen. Für die Fotos wechselte ich zum 25mm Okular, da beim 30mm auf dem Display der Digicam schon der Fangspiegel sichtbar wird. Das helle Pünktchen streifte am fortschreitenden Nachmittag die Krone unseres Apfelbäumchens und so nahm ich mit Fernglas und Sucher bewaffnet einen zweiten Versuch in Angriff. Nun war das Auffinden der Venus mit dem 10×50 auch kein Problem mehr. Sie erschien auch heller als im Sucher des Dobson.

Ich lehnte mich schließlich zurück und versuchte mein Glück auch freisichtig die strahlende Venus zu erwischen. Sie befand sich jetzt bei 250 Grad Azimut. Und ich starrte, guckte angestrengt und dann wieder starrte ich und deckte mit der Hand noch den Rest Sonnenstrahlen ab, die durch die Bäume kamen. Irgendwo dort neben den belaubten Ästen und auf diesen gedachten Linien müsste sie doch zu finden sein.

18:01 MESZ – Venus mit bloßem Auge!

Da war sie! 100-prozentig! Ich sah mit bloßen Augen einen schwachen Punkt am blauen Himmel! Ich konnte es kaum glauben. Na gut, eine Brille war auch im Spiel, aber es war einfach unfassbar. Man musste sich schon gut konzentrieren, aber sie war definitiv zu sehen und ich konnte sie auch über einige Sekunden halten. 18:17 MESZ gelang mir schließlich eine zweite erfolgreiche Sichtung. Die Höhe der Sonne betrug zu diesen beiden Zeitpunkten ungefähr 32 bzw. 29,5 Grad. Es ist wirklich, als würde man einen Stern am Tage beobachten. Wunderbar! In Worte kann man das kaum fassen.

Noch ein kleiner Mondrundgang

Gegen 18:45 MESZ habe ich die Venus aus den Augen verloren. Ich sah nur noch sich im Wind wiegendes grünes Blattwerk. Nebenbei stellte ich zweimal Saturn ein, aber gab es sogleich auf. Außer der Begegnung mit Merkur am 27. Juni, findet auch ein Treffen mit Saturn statt (siehe Seite 127 im Himmelsjahr). Auf jeden Fall werde ich mir ein paar detaillierte Karten vorbereiten. Und wehe das Wetter spielt diesmal nicht mit!

Während der 4-stündigen Venus-Beobachtung legte sie fast 90 Grad im Azimut zurück und nachdem ich mich von unserem hellen Nachbarplaneten verabschiedet hatte, richtete ich den Newton mit dem 3,6mm noch kurz auf den Mond und das Bild, welches sich mit der Barlow bei 417x bot, kann ich nur mit einem Wort umschreiben: Wow! Um Punkt 23:00 MESZ bin ich nochmal in den Garten. Man konnte zugucken wie der Hof um den Mond zu- und abnahm und im Okular flimmerte es natürlich, aber für einen kleinen Rundgang hat man doch immer Zeit. Bei der höchstmöglichen Vergrößerung präsentiert sich das bekannte Krater-Triplett Theophilus, Cyrillus und Catharina wahrhaft atemberaubend. Bei Rabbi Levi hielt ich mich auch eine Weile auf und natürlich machte ich auch Halt bei dem diesmal so richtig plastisch wirkenden Abhang von Rupes Altai. Armstrong, Collins und Armstrong waren aber selbst bei 417x nicht auszumachen, um so mehr fiel mir die lange Rima Ariadaeus auf. Ich konnte sie von Ariadaeus bis in das Mare Vaporum hinein verfolgen; vom Rillensystem Ritter war nichts wahrzunehmen und auf weitere Rillen achtete ich auch nicht.

Alles in allem

Hoffentlich bessert sich nun das Wetter mal langsam. Immerhin sind Merkur und Venus am 27. Juni so dicht beisammen, wie seit 268 Jahren nicht mehr. Damals kam es sogar zu einer Bedeckung der beiden inneren Planeten. Durch Zufall stieß ich vor einigen Tagen bei Astronomie.de auf einen älteren Thread, in dem es um die enge Begegnung von Merkur und Venus Ende Juni ging. Also vormerken: 27. Juni um 18:01 MESZ; Merkur und Venus mit 3,9 Bogenminuten Abstand. Also hoffen wir auf einen klaren Himmel für das Dreigestirn Ende Juni.

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