08. Februar 2005 – Dienstag

Um 7:30 MEZ holte mich der Wecker aus dem Schlaf und aus dem Fenster blickend fand ich schonmal zu meinem Erstaunen einen klaren Himmel vor. Das konnte nur ein schöner Tag zur Sonnenbeobachtung werden. Von mir unbemerkt trat etwa eine halbe Stunde später unser Stern über den Horizont.

Canon trifft Lidlscope

Um 10:00 MEZ hatte ich schon binnen 17 Minuten 19 Bilder verschossen. Die Powershot A400 hatte ich mir natürlich wieder leihweise von meiner Freundin geborgt, die Bilder habe ich einfach durch das geschlossene Velux-Fenster mit dem Lidlscope aufgenommen. Bisher bekam ich nur unscharfe Bilder hin, obwohl die Sonne im Okular scharf war und so versuchte ich mal über das Display der Kamera zu fokussieren. Natürlich änderte das aber nichts an der Tatsache, dass die Fensterscheibe im Weg war.

Faschingsdienstagssonne im Dobson

Eingepackt in eine dicke Jacke ging es danach endlich raus. Der Dobson wurde schnell auf der Terrasse aufgebaut und ich verschaffte mir erstmal einen Überblick über die Sonnenflecken.

0730, 0732 (Ex-0720?, der für den stärksten Protonensturm seit 1989 sorgte) und 0733

0730 und 0733 waren zwei schöne Einzelflecke wie es sich gehört und bei genauerem Hinsehen zeigten sich einige kleinere Flecken in der Nähe. Bei 0732 zeigte sich auf den ersten Blick auch nur ein Einzelfleck, doch bei genauerer Betrachtung konnte man südwestlich davon einen kleineren zweiten Fleck ausfindig machen, von dem sich eine kurze Schnur aus interessanten Details in Richtung 0733 zog. Gerade diese kleine aber ausgedehnte Fleckengruppe zeigte sich umgeben von einem Fackelgebiet, aber auch 0733, dem großen Einzelfleck am Ostrand, wurde von einigen hellen Fackeln begleitet. Auf den SOHO-Aufnahmen vom Vortag präsentierten sich sogar noch die kleinen Überbleibsel von 0729 und 0731, aber von denen habe ich nichts gesehen. Die hatten sich wohl über Nacht komplett verflüchtigt.

Nacheinander kamen alle vier Okulare zum Einsatz und auch das 4mm-Okular zeigte noch so einiges. Doch am beeindruckendsten ist die Sonne immer noch im 20er Kellner bei „nur“ 50-facher Vergrößerung. Ein scharfes Bild schaffte auch noch das 6,5er Plössl. Sicher ist dort richtiges Feingefühl gefragt. Wie jedoch gesagt geht nichts über das 20mm-Okular mit einem Gesichtsfeld von 1,2 Grad. Ich frage mich immer, ob die körnige Struktur tatsächlich die Granulation ist oder ob ich da immer sowas wie größere Granulen sehe. Immerhin wird der Durchmesser so einer Blase im Durchschnitt mit 1.000 Kilometern angegeben und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich die gesamte Oberfläche mit „nur“ 1.000 Kilometer messenden Granulen komplett bedeckt sehe.

Leider keine Skizzen

Wie dem auch sei. Es zeigten sich herrlich feine Details in den Gegenden der drei Fleckengebiete und so auch in der erwähnten „Schnur“. Das lud geradezu ein das Gesehene zeichnerisch festzuhalten. Eine Ewigkeit müssen meine letzten gezeichneten Sonnenflecken zurückliegen. Ich hätte es ja wenigstens skizzieren können, um mich nun nicht zu fragen, was alles eventuell ein Fleck auf jenen Aufnahmen sein könnte. Reizvoll war es allemal, die zu sehenden Details auf Papier zu bannen, aber was soll ich sagen. Ich konnte meinen Blick nicht von unserem Stern lassen und war fasziniert vom bloßen Anblick. Und so kann ich nur grob die richtigen Sonnenflecken identifizieren.

Inklusive Barlow und Mondfilter

Nach den ersten Bildern durch zwei Okulare kramte ich noch die selten benutzte 1,5er Barlow heraus, setzte sie in den Auszug und wechselte die Okulare bis ich zur 375-fachen Vergrößerung mit dem 4mm(?) gekommen bin. Es war zwar nicht mehr richtig scharf, aber ich konnte mit leben. Zur Kontraststeigerung nahm ich zu dieser Kombination noch einen Mondfilter dazu und zoomte dann wieder heraus. Ansonsten fällt mir die Richtungsänderung mit der Barlow schwer, aber wenn man lange genug davor sitzt, läuft auch das wie geschmiert. So sah ich bei jedem „Fliegendreck“ in Großaufnahme mal vorbei und verweilte jeweils Minuten.

Mit dem 10mm-Okular in der Barlow fing ich dann noch ein paar Fotos bei 150-fach ein und immer wieder schaute ich zum Himmel, aber keine einzige Wolke zog vorüber. Ich sah in alle 5 Himmelrichtungen (Zenit ist ja fast eine eigene) und konnte es fast nicht glauben. Es war glasklar. Das einzige Weiß was ich sah, waren die üblichen Kondensstreifen und die Wolken aus Nachbars Schornstein.

0733 und Co

Besonders schaute ich natürlich auf 0733, der mich mit seiner schwarzen Katzenpupille ansah. In den frühen Nachmittagstunden vom Rosenmontag müsste er auf der erdzugewandten Sonnenscheibe aufgetaucht sein. Bei hoher Vergrößerung ist mir dann auch aufgefallen, dass die Penumbra im nördlichen Teil gar nicht geschlossen war. Dort zog sich von der Umbra her so etwas wie ein weißes Band nach außen. Hätte ich doch nur mal gezeichnet. So hätte ich auch gesehen, ob es nur zwischenzeitlich oder die ganze Zeit sichtbar war.

Wo ist mein Fadenkreuz hin?

Aber natürlich waren alle drei Gebiete toll anzuschauen. Zwischendurch kümmerte ich mich noch um den Sucher, der seit geraumer Zeit von innen beschlagen war. Ein prüfender Blick auf die Linsen, dann gereinigt und schon lieferte er wieder scharfe Bilder. Zu dumm, dass das Fadenkreuz diese Begegnung nicht überstanden hat. Im Sucher konnte ich dann die Einzelflecke von 0730 und 0733 ausmachen und von 0732 zeigte sich nur der Hauptfleck. Das Ganze versuchte ich dann noch mit der Filterfolie vor den Augen.

Noch mehr Fotos

Mit der Zeit wanderte der Dobson auf der Terrasse wie der Schatten einer Sonnenuhr und ich konnte sogar ein halbes Flugzeug vor der Sonnenscheibe verfolgen. So habe ich von 10:14 MEZ bis 11:40 MEZ nochmal 20 Bilder zusammenbekommen und mit einigen Ergebnissen bin ich richtig zufrieden, besonders angesichts der angewandten Technik. Wie immer habe ich die Kamera einfach an das Okular gehalten und versucht still zu halten. Jedenfalls weiß ich nun auch, dass das Fensterglas einfach hinderlich ist und ich über das Display der Canon fokussieren muss. So entstehen schon recht brauchbare Fotos.

Die Sonne verschwindet

Gegen 13:00 MEZ verabschiedete sich die Sonne und zog sich hinter das Dach des westlichen Nachbars zurück. So bewunderte ich über 3 Stunden (mit den üblichen Pausen) unseren Stern bei diesem herrlichen Wetter und zum Abschied musste ich sogar daran denken, wie ich vor einem Dreivierteljahr die Venus zum ersten Mal am tagblauen Himmel aufgespürt hatte. Ein unglaubliches Erlebnis! Leider kam ich nicht zu einer zweiten Beobachtung und so musste ich darauf vertrauen, dass dieser Himmel sich bis zur Nacht halten würde. Das Wetter hielt sich wirklich prächtig und keine einzige Wolke trübte an diesem Tag den Blick zum Himmel. Die Nacht konnte kommen, schließlich war der Dobson schon fertig ausgekühlt, aber davon später mehr.

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