04./05. Februar 2005 – Freitag/Samstag

Am Freitag hatte sich wieder Nebel bis in unsere Straße vorgekämpft, der sich bis etwa Mittag hielt. Zu meinem Erstaunen kam danach sofort die Sonne heraus. Nach fast einer Woche wohlgemerkt kam die helle Sonnenscheibe wieder zum Vorschein. Natürlich schoß ich gleich ein paar Bilder mit der Canon Powershot am Lidlscope bei 35-facher Vergrößerung. Der restliche Tag gestaltete sich wettertechnisch sehr freundlich und gegen 23:15 MEZ wuchtete das meinen 8-Zöller (200/1000) nach draußen – das zweite Mal in diesem Jahr.

Am 19. Januar versuchte ich schon mal mein Glück, nachdem sich den ganzen Tag das gute Wetter hielt. Es muss wohl so gegen 20:30 MEZ gewesen sein, als ich meinen weißen Dobson zum Auskühlen auf die Terrasse stellte. Natürlich zog es sich danach schlagartig zu und trotzdem hoffte ich noch auf eine eventuelle Wetterbesserung, doch nach „Alpha Centauri“ schleppte ich alles wieder ins Wohnzimmer. Zurück zum Freitag. Angespornt durch einen Beitrag in der aktuellen „Sterne und Weltraum“ standen M 46 und M 47 ganz oben auf meiner Liste und natürlich galt mein Hauptaugenmerk NGC 2438, einem Planetarischen Nebel in M 46.

Saturn

Natürlich richtete ich den Dobson zuallererst mit 154-fach auf Saturn und bekam ihn nicht scharf. So legte ich wieder das 10er Okular ein und schon besserte sich das Bild, so dass ich immerhin Titan und Rhea ausmachen konnte. Wenn ich jetzt immer Titan betrachte, stelle ich mir vor, dass wir tatsächlich auf diesem kleinen Lichtfünkchen erst vor ein paar Wochen gelandet sind. Und zwar nicht die NASA oder die Russen, sondern wir Europäer. Und irgendwo zwischen dem Reigen einiger mir sichtbarer Saturnmonde schweben 2 Tonnen Technik, die 7 Jahre lang auf dem Weg war, durch die Natur.

NGC 2422, M 47

Der Karkoschka wies mir den Weg zu den beiden Sternhaufen und ausgehend von Sirius sprang ich über iota und gamma CMa in den nordwestlichen Zipfel des Achterdecks der Argo. Im Sucher fand ich sofort das richtige Sternfeld, so wie es in der Abb. 10 auf Seite 55 in der SuW 2/2005 zu sehen ist. Zur einen Seite befand sich das Paar aus SAO 153061 und SAO 153072, zur gegenüberliegenden Seite standen eng beieinander 2 und 4 Pup und dazwischen leuchtete der helle Stern SAO 153227.

Ich hatte immer noch das 10er Okular im Auszug und wurde regelrecht überrannt von den vielen hellen Lichtpunkten die M 47 bilden. Ich wechselte zum 20mm und genoß den Anblick dieses Sternhaufens bei geeigneteren 50-fach. Da kam es nur zu gut, dass der leuchtkräftige Nachbar um 23:30 MEZ endlich seine Terrassenleuchte losch. M 47 besteht aus hellen Haufensternen und wirkte schön zerstreut. Ich klebte fast am Okular und so war mein Auge nur von Schwärze umfangen und die ganzen Lichtpunkte schienen wie ausgestanzt. Ein mit Nadeln bearbeitetes schwarzes Blatt Papier vor einer Lampe, ist auch ein guter Vergleich. Ein toller Anblick! Schon beim ersten Anblick fiel mir SAO 153118 im Herzen von M 47 auf. Ist er etwa ein Doppelstern oder täuscht das nur durch die geringe Vergrößerung?

NGC 2437, M 46

Nun steuerte ich im Sucher M 46 an, der sich grob zwischen dem Paar aus 2 und 4 Pup und SAO 153227 versteckt. Nach ein wenig Sucherei war er dann auch schon im Blickfeld. Er wirkt längst nicht so wahllos verteilt, sondern ist eher symmetrisch angelegt. Deutlich lichtschwächer präsentiert er sich, aber umso mehr Sterne strahlen in ihm. Laut „Sterne und Weltraum“ ist immerhin der hellste Stern in M 46 um 3 Größenklassen schwächer als der hellste im Nachbarhaufen M 47. So bieten M 46 und M 47 einen angenehmen Kontrast in Population und scheinbarer Helligkeit.

… mit NGC 2438

Beim ersten Hinsehen fiel mir auch schon bei 50-facher Vergrößerung ein nebulöses Etwas auf. Ja kann es denn sein? Der Blick bei 100-fach ließ dann nur einen Schluß zu. Dieses kleine graue Scheibchen ist NGC 2438. Ein Planetarischer Nebel, der vielleicht durch einen Stern wie unsere Sonne inmitten dieses Sternhaufens vor langer Zeit entstanden sein mag. Auch wenn sich herausstellen sollte, dass NGC 2438 in Wahrheit physisch doch nicht zu M 46 zählt und uns viel näher ist als der Haufensterne, ist es dennoch ein wirklich toller Anblick. Auch denjenigen, die überhaupt nichts mit Offenen Sternhaufen anzufangen wissen, sei er wärmstens empfohlen. M 46 ist jedenfalls visuell kein langweiliger Sternhaufen und beherbergt einen absolut sehenswerten Schatz. Zeichnerisch würde das Duo bestimmt auch ganz gut aussehen, wenn nur die winterlichen Nächte nicht so kalt wären. 

Dieser Schatz wurde von einem auffallend hellen Stern geschmückt, doch innerhalb des Scheibchens war nichts auszumachen. Ich wechselte mit dem 6,5mm-Okular noch zu 154-fach, aber da war nichts zu machen. Keine schwachen Sterne oder sonstige ringähnliche Strukturen waren auch nur ansatzweise zu erkennen. Es blieb ein graues Gebilde. Nur der helle Stern am einen Ende des Planetarischen Nebels funkelte. Und mit ein wenig Fantasie hat man hier einen richtigen Ringnebel vor Augen. Der Nebel als Ring gekrönt von einem strahlenden Diamanten.

NGC 2438

Noch vorbei an NGC 2438 beendete ich den Rundgang in diesem kleinen Himmelsausschnitt. Mittlerweile war es Mitternacht. Die südlichen hellen Sterne des Großen Hundes zogen über ein Dach, das sich zwei Häuser und eine Querstraße weiter befand, im Vordergrund befand sich noch eine die Dachschräge des Nachbarhauses. So gestaltete sich mein bescheidener Horizont im aufgehellten Garten. Das Blickfeld war zwar nicht riesig, aber immerhin passten zwei Sternbilder hinein (vielleicht so 30 Grad horizontal).

NGC 2362

Delta CMa strich über das Dach hinweg und ich entschied mich dann für einen weiteren Sternhaufen. NGC 2362 ist nach meinen Recherchen einer der jüngsten Sternhaufen überhaupt und hat möglichweise sogar ein Alter von nur 5 Millionen Jahren. Mit bloßen Augen konnte ich noch 29 CMa ausfindig machen und richtete den Sucher darauf aus. Ein Schwenk und tau CMa zeigte sich umringt von NGC 2362. Der 4,4mag helle Stern stiehlt den schwächeren Sternen des Haufens die Show. Beim ersten Hingucken wirkte das Objekt irgendwie nebulös und ich dachte mir nichts dabei. Aber so dicht gepackt ist der Haufen doch gar nicht, so wie es bei Kugelsternhaufen zum Zentrum hin milchig wird. Nun lese ich im Karkoschka bei Form ein „n“, welches für „mit Gasnebel“ steht. Schon irgendwie geisterhaft. Kann mich aber auch getäuscht haben, da tau CMa den Haufen ganz schön überstrahlt.

Bei 50-facher Vergrößerung zählte ich etwa 10 bis 12 Sonnen in der näheren Umgebung des hellen tau CMa. Und dann viel mir auch die bestimmende Form auf. Es zeigte sich ein Dreieck und wiederum mit ein wenig Fantasie zur Hand konnte man einen Weihnachtbaum mit hier und da abstehenden Ästen sehen. Und an der Spitze stand natürlich ein strahlender Stern. So gegen 0:08 MEZ schoß etwas Rotes durch das Okular, aber gibt es denn rote Sternschnuppen?

NGC 2447, M93

Nach 20 Minuten verließ ich diesen Haufen und überschritt erneut die Grenze zum Heck der Argo: mein neues Ziel war M 93. Die Diagonale bestehend aus 11, xi und kappa Pup kamen hinter der Dachschräge vom Nachbar hervor und ich fing an mich mit dem Sucher zu orientieren; es dauerte schon eine Weile um an die richtige Stelle zu kommen.

NGC 2287, M41

Später sprang ich wieder zum Großen Hund und da wurde es dann richtig knifflig. Wenn mich meine Erinnerung nicht zu sehr trügt, hatte ich M 41 vor Jahren in meinem damaligen 144mm-Newton bewundert. Sirius hatte sich aber schon gut aus meiner Reichweite zurückgezogen. Nach einigen Versuchen wechselte ich meinen Beobachtungsplatz und zielte dann nochmal auf den Sternhaufen. Nach noch ein wenig mehr Herumstocherei erschien er endlich im Okular. Der schwarze Hintergrund erschien schon aufgehellt. Das ist wohl der Laterne der besagten Querstraße zuzuschreiben.

Hier hielt ich mich auch nicht lange auf und suchte nun was in höheren Lagen. So nahm ich aus dieser begrenzten und sehr südlich gelegenen Fläche immerhin stolze 6 Sternhaufen mit und nur M 41 ist mir schon in früheren Jahren über den Weg gelaufen. Und natürlich nicht zu vergessen der eindrucksvolle Anblick von NGC 2438 in M 46. NGC 2392 (Eskimonebel), den ich letztes Jahr zum ersten Mal beobachtete, würde sich auf jeden Fall lohnen und einen tollen Abschluß zu meinem ersten Himmelsrundgang 2005 bieten.

NGC 2068, M78 …

M 78 war seit letztem Jahr auch noch auf meiner Liste. Er schien mir kein geeignetes Starhopping-Objekt zu sein und darum hatte ich es bis zu dieser Nacht erst gar nicht versucht. Der Wind frischte zwar ein wenig auf und die Kälte machte sich langsam ans Werk, aber ansonsten sprach nichts dagegen. Zeit war jedenfalls noch genug da und los ging es.

Es war gar nicht so leicht eine geeignete Strecke dorthin auszuhandeln. Meine ersten Startversuche mit zeta Ori (Alnitak) über SAO 132445 scheiterten und ich landete immer irgendwo im Nirgendwo. Nach langem Suchen plante ich die neue Route zwar ebenfalls mit Alnitak und SAO 132445, aber ich legte noch einen Stopp bei SAO 113033 ein. Dann noch ein wenig an auffallenden aber namenlosen Sternen orientiert und nach einem letzten Schubs sah ich M 78. Wahnsinn! Ich habe ihn gefunden. Da war ich schon ein wenig stolz.

… mit NGC 2067

Im Karkoschka steht „kometenähnlich“, aber ich möchte eher behaupten zwei Kometen gesehen zu haben. Ich wusste überhaupt nicht was mich da erwartet, aber außer zwei kleinen kometenähnlichen Komas konnte ich nichts erkennen. Hier hatten die tollen bunten Aufnahmen von ausgedehnten Nebeln mit langen Staubbändern unter der Überschrift „M 78“ ganze Arbeit geleistet. Enttäuscht war ich aber lange nicht. Immerhin habe ich ihn gefunden und ich bin sicher, dass ich ihn auch wiederfinden werde. Nach einem prüfenden Blick ins Internet habe ich auch eine Ahnung was ich dort sah. Ich vermute mal, dass ich NGC 2068 und das nördlicher gelegene Nebelgebiet NGC 2067 gesehen habe. So kann ich mich das nächste Mal besser orientieren und weiß wie ich mir den Nebel vorzustellen habe. Und dann werde ich ihn auch nicht nur mit einem 20mm-Okular bearbeiten.

Saturn

Nun kam aber nochmal Saturn dran. Der Wind bließ nun unablässig und mir wurde immer kälter. Doch in meinem zittrigen Blickfeld erwischte ich noch zwei kleine Lichtpunkte nahe dem Ringsystem: die Monde Tethys und Dione. Und ich kann mich nicht erinnern schon mal 4 Trabanten gesehen zu haben. Noch dazu haben die zwei kleineren Exemplare Durchmesser von etwa 1.100 Kilometern. Das ist doch was. Zwar sehe ich bis jetzt nur 4 von den 33 bekannten Monden, aber ich arbeite dran. Nun suchte ich erstmal wärmere Gefilde auf. Die Uhr zeigte mir wenige Minuten vor 1:20 MEZ an. War ich wirklich fast zwei Stunden in der Kälte? Die abendliche Wetterkarte sagte -5 Grad voraus. Aber es hatte sich wirklich richtig gelohnt.

Jupiter

Und nun brauchte ich eine kleine Stärkung und ungefähr 15 Minuten später ging ich nochmal so für 10 Minuten raus. Es war mir einfach zu kalt geworden und der Wind tat sein übriges. Der Saturn zitterte immer noch, doch ich ging nicht ohne noch bei Jupiter vorbeizuschauen. Ich wählte auch nur eine geringe Vergrößerung und bestaunte Jupiters Streifenmuster. Den Großen Roten Fleck konnte ich nicht ausmachen. Ich war wohl noch zu früh dran, wie ich den Karten später entnahm. Drei der Galileischen Monde verteilten sich auf einer Seite und nur Io blinzelte einsam auf der anderen Seite der Jupiterscheibe. Gegen 1:50 MEZ war auch schon meine erste Beobachtungsnacht 2005 vorbei und die Gerätschaften mit dem Zubehör waren schon wieder verstaut.

Alles in allem

Zwischendurch warf ich auch unbewaffnete Blicke zum Himmel und so erschien mir zum Beispiel Corona Borealis ausgesprochen ausgedehnt. Und ich meine im Nordosten mit Wega auch den Sommer leuchten gesehen zu haben. Alles in allem war es eine wundervolle Nacht und ein absolut gelungener Auftakt für das Astrojahr 2005. Was es auch immer bringen mag.

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