27. August 2005 – Samstag

Vorgestern ging es zu Tag 2 der Rallye-WM in der Nähe von Idar-Oberstein und St. Wendel. Kurz vor 8:00 MESZ fuhren wir los. Ich saß auf der Rückbank und konnte so durch die getönten Heckscheiben (endlich waren sie zu etwas nütze) ein bisschen Seitenscheibenastronomie betreiben. Es war locker bewölkt und die Sonne strahlte an einem blauen Himmel. Auch der weiter abnehmende Halbmond – 15 Stunden nach dem letzten Viertel – stand hoch am späten Augusthimmel. Zeitweise war ein richtiger Reigen aus kleinen und großen Wolken um die Sonnenscheibe zu sehen.

Irisierende Wolken?

Und dann fiel mir auch etwas Farbiges auf. Ich kann das Gesehene jetzt schlecht wiedergeben, aber mich erinnerte es sofort an Bilder von irisierenden Wolken. Sehr wohl konnte ich auch zwischendurch rötliche und bläuliche Töne in der Sonnenumgebung erkennen. Dann dachte ich wieder, es seien einfach typische Verfärbungen einer Sonnen-Aureole, doch dann zeichneten sich z.b. an einer Wolkengrenze auch wieder schwache bläulich-grüne Töne ab. Im Internet habe ich mich gestern zu den Phänomenen ein wenig schlau gemacht. Aber ob ich nun irisierende Wolken oder einfach einen farbigen Sonnenkranz sah, kann ich nicht beurteilen.

Nebeltunnel auf der A1

Irgendwo vor Wittlich verschwand von einer Minute zur anderen die Sonne . Wir fuhren in eine riesige Nebelbank. Komischerweise konnte man auf der Autobahn für sonstige nebulöse Ereignisse weit sehen, nur um uns herum existierte keine Welt mehr. Keine Hügel, keine Sonne. Es war rein gar nichts mehr erkennbar. Wir kamen auch an einem Dorf vorbei, welches sich an einen Hügel lehnt und das auch von Nebelschwaden bedeckt war. In den Lichtkegeln der vorbeifahrenden Autos konnte man leicht angedeutet einige Nebelfetzen vorbeihuschen sehen. Es muss wohl am Dreieck Moseltal gewesen sein. Unmittelbar vor dem Autobahndreieck geht es über eine Talbrücke und als wir das alles hinter uns gelassen hatten, konnte man rückblickend ein gewaltiges(!) Wolkenmeer im breiten Moseltal erkennen. Einfach nur unglaublich! An den Ufern erhoben sich hohe Hügel und dazwischen war nur ein weißer Ozean zu sehen. Und ich kann mit Sicherheit sagen: Sowas hab ich noch nicht gesehen! Man hätte meinen können, man befindet sich auf 4.000 Kilometer Höhe oder überfliegt gerade in einem Golf 2 irgendein Mittelgebirge. Wunderschön!

Wie gerne wäre ich nur auf den Parkplatz gefahren, doch wenn sich dieser auf der anderen Seite der A1 befindet, ist das nicht so einfach zu bewerkstelligen. Das wären unbeschreibliche Bilder geworden. Nach diesem wunderbaren Ereignis schaute die Sonne auch schon wieder öfter durch die Nebelwand und von einer auf die andere Minute war sie auch wieder vollständig da.

Ein Lichtring entsteht

Während der letzten Strecke tauchten zwar keine UBWs (unidentifizierbare bunte Wolken) auf, dafür konnte ich aber bei der Bildung von Nebensonnen zuschauen. Sie kamen und gingen – Nebensonnen in allen Varianten. Mit der Zeit schien sich auch ein Bogen zu formen, der zuerst nur sehr, sehr schwach zu erkennen war. Nun hing ich endgültig an der Seitenscheibe. Endlich war die Tönfolie für etwas zu gebrauchen und ich presste weiterhin meine Nase an die Scheibe. Dazu muss ich noch sagen, dass ich mittlerweile dachte, da ich nach jahrelanger Suche nach Halos noch keines gesehen hatte, es sei nur fotografisch festzuhalten und man könne es nicht visuell sehen. Wie oft ich die Sonne auch schon abblendete, ein Ring wurde nie sichtbar.

Welcher Zirkumzenitalbogen?

Zwischenzeitlich war schon ein Halbkreis auszumachen. Und plötzlich fiel mir noch etwas viel schöneres auf! Fast direkt über mir war ein kleiner Bogen sichtbar und dann sah ich sogar Farben angedeutet. Nun kann ich aber nicht sagen zu welchem Halo der Berührungsbogen gehörte, da ich mir leider nicht den Abstand zur Sonne eingeprägt habe. Auf Fotos erscheint der obere Berührungsbogen vom 22-Grad-Halo irgendwie v-förmig, was ich aber sah, war ein richtig schöner Bogen.

Lange hielt sich der nicht zuordbare Bogen jedoch nicht, dafür wurde der halbe 22-Grad-Halobogen durch die getönte Scheibe immer markanter. Irgendwann kam ich auch endlich auf die Idee – Schmutz hin oder her – Fotos durch die Scheibe zu machen und so machte ich noch bis zur Ankunft bei der ersten Wertungsprüfung zahlreiche Bilder.

Mein erstes vollständiges 360° Sonnenhalo

Der 22-Grad-Lichtring der Sonne vervollständigte sich in der Zeit immer weiter. Und irgendwann war er dann komplett. Er ging einmal ringsherum. Nebensonnen hingegen tauchten nur selten auf. Man kann wirklich sagen, dass das Halo sich den ganzen Vormittag über hielt. Mal leuchteten einige Haloabschnitte richtig hell und sogar Farben konnten erkannt werden, mal war es komplett verschwunden oder es waren nur Halbkreise sichtbar. Doch später, bei der letzten von uns besuchten WP, kam es langsam raus und erschien erstmal wieder nur teilweise. Es würde mich nicht wundern, wenn ich am Samstag mehr Halo-Fotos als Rallye-Bilder gemacht hab. Ein bisschen merkwürdig muss es für die richtigen Fans schon ausgesehen haben. Alle versuchen Loeb, Grönholm und Solberg vor die Linse zu bekommen und ich stehe mit dem Rücken zur staubigen Piste und halte die Sonne mit einem Daumen verdeckt.

Wolkenstrahlen am Horizont

So ging ruckzuck auch dieser Rallye-Tag vorüber. Auf der Heimfahrt waren auch noch Wolkenstrahlen im Westen zu sehen. Sonnenstrahlen brachen durch große, dunkelgraue Wolken und fielen auf den Rand der Welt. Gegen 19:40 MESZ standen wir dann wieder vor der Haustür. Auf alle Fälle hat sich der Ausflug gelohnt. Schon nach dem ersten Tag war ich von diesem Sport nicht sonderlich angetan, aber am Samstag wurde ich für alles entschädigt. Klasse! Trotz der unidentifizierbaren Himmelsphänomene (Zirkumzenitalbogen und irisierende Wolken), erkannte ich eines auf Anhieb: Mein erstes vollständiges 22-Grad-Sonnenhalo. Den ganzen Tag schaute ich überaus begeistert Richtung (abgeblendeter) Sonne. Mal sehen, ob die Bilder was geworden sind.

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