Mit „Pale Red Dot“ live bei einer Exoplaneten-Jagd dabei

Pale Red Dot

20 Jahre ist es nun her, dass erstmals Planeten um andere sonnenähnliche Sterne – sog. extrasolare Planeten oder kurz Exoplaneten – entdeckt wurden. Dazu befasst sich übrigens auch meine Titelgeschichte „Ein Himmel voller Planeten“ für Ausgabe 1 von „Abenteuer Astronomie“, die am 22. Januar erscheint. Oft wird bei diesem populären Thema gefragt, wie man Exoplaneten eigentlich findet und beobachtet, da sie doch um viele Größenklassen von der Helligkeit ihrer Heimatsonne hoffnungslos überstrahlt werden. Mit welchen Techniken gehen Astronomen heute auf die Suche nach Exoplaneten? Dazu hat sich die ESO, die führende europäische Organisation für astronomische Forschung, eine Kampagne ausgedacht, die am gestrigen 15. Januar startete und bis Anfang April laufen soll. In Anlehnung an das bekannte Foto „Pale Blue Dot“ wurde das ESO-Projekt „Pale Red Dot“ genannt. Ziel dieser Kampagne ist es, auf die Suche nach einem Exoplaneten zu gehen und die Öffentlichkeit live daran teil haben zu lassen. Über Social Media (bei Facebook und bei Twitter inkl. Hashtag #PaleRedDot) und Beiträgen in einem Projektblog unter der Adresse www.palereddot.org kann jeder bei einer echten Planetenjagd dabei zu sein. Projektkoordinator Guillem Anglada-Escude erklärt: „Wir wollen das Spannende an der Suche mit den Leuten teilen und ihnen zeigen, wie Wisenschaft hinter den Kulissen funktioniert, den Prozess von Versuch und Irrtum und die Anstrengungen, die notwendig sind, um zu Entdeckungen zu kommen, von denen die Leute normalerweise in den Nachrichten hören.“

Das Ziel dieser einzigartigen Beobachtungskampagne lautet Proxima Centauri, mit 4,25 Lichtjahren Entfernung der nächste Stern überhaupt. Dabei handelt es sich um einen kleinen roten Zwergstern (0,12 Sonnenmassen, Durchmesser: 200.000 Kilometer (halber Abstand Erde-Mond)), der über die nächsten Wochen und Monate beobachtet werden soll; abschließend werden die Ergebnisse Ende des Jahres in einem Fachartikel veröffentlicht. Die Suche wird mit dem 3,6-Meter-Teleskop des La Silla Observatory mit dem leistungsfähigen HARPS-Spektrografen zusammen mit weiteren Instrumenten zweier Teleskopnetzwerke (BOOTES und LCOGT) durchgeführt. Im Vordergrund dieses Projekts steht nicht so sehr die Entdeckung eines Exoplaneten, sondern das Motto: Der Weg ist das Ziel. Denn immerhin besteht die Möglichkeit, dass auch nichts gefunden wird und das ist auch den Astronomen bewusst. Aber so wird schließlich Forschung gemacht, was dieses Vorhaben zeigen soll. Beispielsweise hätte es ja auch genauso gut sein können, dass selbst mit dem gigantischen Teilchenbeschleuniger LHC am CERN kein Higgs-Teilchen nachgewiesen wird. „Wir gehen das Risiko ein, die Öffentlichkeit zu beteiligen, noch bevor wir überhaupt wissen, was uns die Beobachtungen sagen werden – wir können die Daten nicht in Echtzeit analysieren und bewerten“, so der Projektkoordinator weiter. Wie das Resultat von Proxima Centauri aussieht, werden wir also erst Ende 2016 erfahren. Spannend ist es auf jeden Fall auf diese Weise einmal Astronomen bei einer Beobachtungskampagne zuzuschauen – egal was dabei rauskommt. Morgen beginnen die Beobachtungen mit dem 3,6-Meter-Teleskop.

16.01.2016

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