Archiv für Juni 2014



Alexander Gerst twittert und schickt WM-Grüße von der ISS

Heute vor zwei Wochen erreichte Alexander Gerst, der 11. deutsche Astronaut, sein neues Zuhause für das nächste halbe Jahr. Um 5:52 Uhr öffnete sich die Luke zwischen Sojus-Raumschiff und der Raumstation ISS. 400 Kilometer über der Erde widmet sich der 38-Jährige aber nicht nur seinem straffen Forschungsprogramm oder absolvierte bereits einen ersten TV-Auftritt, seine tausenden Fans lässt er via Social-Media ebenso an seinem größten Abenteuer teilhaben. Bei Facebook (fast 26.000 Freunde) oder Twitter (fast 45.000 Follower) postet er mittlerweile regelmäßig unglaublich schöne Aufnahmen unseres blauen Heimatplaneten. Welcher Arbeitsplatz bietet schon so eine unvergleichliche Aussicht? Ob fantastische Wolkenschatten, eindrucksvolle Wolkenformationen oder die hauchdünne Atmosphäre – in allen Bildern spiegelt sich die Schönheit der Erde wieder. In höherer Auflösung sind Gersts Fotos bei Flickr zu finden. Auch das ein oder andere Selfie mit der Erde oder seinen Crew-Mitglieder Reid Wiseman (@astro_reid) oder Maxim Surajew (@msuraev) gibt es. Beeindruckende Fotos twittert außerdem der russische Kollege Oleg Artjemjew (@olegmks).

Oder der Deutsche schaut seinen Kollegen einfach mal über die Schulter.

Und pünktlich zum Auftaktspiel der Fußball-WM in Brasilien erschien heute ein kurzer Clip mit kickenden Astronauten auf der Raumstation. Anpfiff für die erste Partie ist zwar erst in fünf Stunden und eine Liveübertragung zur ISS ist auch nicht geplant, @astro_alex macht sich in der Schwerelosigkeit trotzdem schon mal als Torhüter warm.

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As fans around the world tune in to World Cup 2014, a few fans out of this world will be watching, too. United States astronauts Reid Wiseman and Steve Swanson and German astronaut Alexander Gerst will be cheering on their teams from some 230 miles above Earth aboard the International Space Station. The crew sent down a special message to wish good luck to all the players and teams as they compete in World Cup 2014 in Brazil from June 12 until the final match July 13. The astronauts have trained for years to work together as a unified crew, but the U.S. astronauts and their German crewmate are feeling a little friendly competition: their home countries will play against each other for a chance to advance out of Group G of the World Cup matches. USA and Germany face off on June 26 at Arena Pernambuco in Recife, Brazil. Reid Wiseman, of NASA, and Alexander Gerst, of the European Space Agency, arrived at the space station on May 28 as part of the Expedition 40/41 crew and are scheduled to spend the next several months living and working in space until they return to Earth in November 2014. Steven Swanson arrived as part of the Expedition 39/40 crew on March 25 and is expected to return home in September 2014. Video credit: NASA #worldcup #iss #nasa #space #dlr #exp40

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Außerdem postete der deutsche Astronaut vorhin WM-Grüße auf Facebook: „Wir wünschen allen Teams und Fans bei der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien viel Spaß, viel Erfolg und friedliche Spiele! Möge die beste Mannschaft gewinnen! Viel Glück!“

12.06.2014

Live bei der ersten ISS-Pressekonferenz mit Alexander Gerst

Und so sah sie vergangenen Donnerstag an Bord der Internationalen Raumstation ISS …

… bzw. am Boden im Europäischen Astronautenzentrum EAC auf dem DLR-Gelände in Köln-Porz aus. Dorthin hatte die ESA am 05. Juni, genau eine Woche nach Alexander Gersts Ankunft auf der ISS, eingeladen, und für einen Eindruck filmte ich 7 Minuten lang die erste orbitale Pressekonferenz mit dem 11. deutschen Astronauten mit.

Fragen an den Astronauten standen nur Fernsehanstalten, großen Radiosendern und der Lokalpresse zu, aber so eine Veranstaltung, von der ich zufällig über Twitter erfuhr, lässt sich doch ein Blogger wie ich nicht entgehen. Schon bei der Ankunft im Foyer des ESA-Astronautenzentrums standen jede Menge – letztlich zählte ich ein Dutzend – Kameras bereit, außerdem wurden ein paar Interviews geführt. Fragen beantwortete auch Samantha Cristoforetti, die Ende des Jahres als erste Italienerin zur ISS starten wird. Ich dagegen sah mir die ausgestellten großen Modelle an, beispielsweise von der NASA-Orion-Kapsel mit dem ESA-Antriebsteil, vom ATV-Frachter und dem Columbus-Modul oder staunte über die bläulich leuchtende Raumstation. So hatte ich zum ersten Mal einen Eindruck davon, wo sich eigentlich die Copula befindet.

Nicht nur die Pressevertreter warteten gespannt auf das Signal von der ISS, zudem hatten sich bis zum Beginn an die 30 – später 40 – Mitarbeiter des Hauses versammelt. Um 15:55 Uhr stand endlich die Verbindung: Über Houston waren Gersts Worte „Station is ready for the event“ via Oberpfaffenhofen nach Köln gereist. Nach dem „voice check“ und einem kurzen Beifall im Foyer kam die Eröffnungsfrage vom ZDF. Der Vulkanforscher Alexander Gerst war eine Woche zuvor ins All gestartet, was in Köln ordentlich gefeiert wurde, und absolvierte nun in der Erdumlaufbahn seinen ersten TV-Auftritt. Lässig im Raum schwebend beantwortete er die Fragen von ARD, RTL, SAT.1, WDR, dpa, Kölner Express etc. und berichtete auf diese Weise von seiner ersten Arbeitswoche auf der ISS. Zwischenzeitlich ließ er auch die mitgenommene Plüschmaus – natürlich korrekt mit Raumanzug ausgestattet – von der „Sendung mit der Maus“ und das Mauerstück des Kölner Doms neben sich schweben.

Eine ZDF-Kinderreporterin fragte etwa, ob man sich denn in einer sechsköpfigen Männer-WG auf engem Raum immer versteht. Eine interessante Zuschauerfrage wurde von der „Aktuellen Stunde“ des WDR gestellt: „Wie träumt man denn in der Schwerelosigkeit?“ Außerdem erfuhr man, dass Gerst kurz vor der Liveschalte aus dem Orbit noch eine Trainingseinheit absolviert hat, bei der er die Tagesthemen von vorgestern schauen konnte. Auch die mitgebrachte Musik sei noch nicht komplett auf das ISS-System übertragen, aber immerhin konnte er bereits am Cupola-Fenster mit elektronischer Musik den unvergleichlichen Anblick der Erde genießen. Die „Space Night“ schaute der Astronaut schon in seiner Jugend sehr gerne, nun erlebt er sozusagen eine „Space Night Live“ mit eigenen Augen. Auf eine Frage bezüglich der Fußball-WM folgte die amüsanteste Antwort der Pressekonferenz, denn die Crew hatte eine spaßige Idee für ein eigenes ISS-Fußballspiel. „Wir machen ein Fußballspiel durch’s Columbus-Labor, rüber ins japanische, dann ins amerikanische Segment und dann weiter ins russische. Wir müssen jetzt vielleicht nur noch die Bodenkontrolle davon überzeugen, dass das wirklich ’ne gute Idee ist“, so der deutsche Astronaut. Lustig war auch die Beschreibung, dass beim Herunterfallen von Teilen immer noch der Impuls da ist, am Boden danach zu suchen, obwohl schwerelose Gegenstände „irgendwo im Dreidimensionalen“ davonschweben.

„Eine Bildqualität wie gleich aus einem Büro nebenan, mit nur ganz leichten Störungen, und ein Ton wie aus dem Studio“, schreibt Blogger-Kollege Daniel Fischer, denn die Qualität der Verbindung war wirklich verblüffend. Zumal es ganz klar auch etwas anderes ist, bei einem solchen Ereignis live dabei zu sein und es nicht einfach daheim im NASA-TV zu verfolgen. Das waren schon besondere 20 Minuten, selbst wenn ich keine Frage loswerden konnte. Dafür musste ich die ganze Zeit an eine Kinderheitserinnerung von Alexander Gerst denken. Als sechsjähriger Junge war es für ihn einfach unglaublich seine eigene Stimme zu hören, die von der Mondoberfläche reflektiert wurde. Und nun sah ich genau diesen erwachsen gewordenen Jungen, der jetzt in 400 Kilometern Höhe die Erde umkreist und in Echtzeit Fragen von neben mir sitzenden Personen beantwortet. Das war schon klasse. Wann ist man schon mal live dabei, wenn ein Interviewgast die Fragen der Presse mal in der waagerechten Position, mal kopfüber von der Decke hängend oder einfach während einer Rolle beantwortet.

Die 20-minütige Pressekonferenz mit Alexander Gerst auf der ISS endete um 16:15 Uhr und schon kurz danach war in der 17-Uhr-Tagesschau der erste TV-Beitrag zu sehen; auch in anderen Nachrichten am Donnerstagabend schwebte der 38-Jährige über den Bildschirm, und am Freitag im ARD-Mittagsmagazin wurde dazu noch der Beitrag „Social Media aus dem All“ ausgestrahlt.

11.06.2014

Öffentliche Beobachtung mit dem Bonner General-Anzeiger

Freitagmittag erhielt ich via Facebook eine Anfrage eines General-Anzeiger-Reporters, der mit der aktuellen ISS-Sichtbarkeitsperiode als Aufhänger einen Beitrag über Bonner Hobbyastronomen bringen möchte. Wegen des sommerlichen Wetters und des leuchtenden Halbmondes schlug ich spontan eine Beobachtung in Bonn vor, und wegen zeitlich günstiger ISS-Überflüge sowie aufgrund des zunehmenden Gewitterrisikos hielten wir direkt den Samstag für die beste Wahl und vereinbarten ein Treffen für 21:00 Uhr. Als Örtlichkeit peilte ich die für öffentliche Beobachtungen bewährte (siehe hier und hier) Wiese der Poppelsdorfer Allee an. Und obwohl der Himmel gestern Nachmittag noch mit dichteren Wolken bedeckt war, zogen sie rechtzeitig wieder ab, so dass tatsächlich ab 20:00 Uhr die Sonne zurückkehrte und diesen frühsommerlichen Abend in Poppelsdorf verschönerte.

Meinem kurzfristigen Aufruf waren noch Christian und Malte, ebenfalls Sternfreunde des Köln-Bonner-Astrotreff (KBA), gefolgt und so beantworteten wir zu dritt nicht nur unzählige Fragen von Reporter Nicolas Ottersbach, sondern auch von interessierten Passanten. Um 21:30 Uhr bauten wir unsere Teleskope auf: Christian hatte einen 80mm-Refraktor dabei und ich wuchtete meinen 300mm-Dobson auf die Wiese. Und wir waren noch nicht einmal ganz mit dem Aufbau fertig, da zeigte sich schon ein Familienvater mit seinem 8-jährigen Sohn Malte ganz begeistert. Zunächst hielt sich der Halbmond noch etwas versteckt hinter den letzten abziehenden Wolken, die ebenfalls den ersten ISS-Überflug gegen 21:40 Uhr größtenteils verhinderten. Dann kam die Raumstation doch noch hinter dem Wolkenband hervor und war noch ein kurzes Stück bis zur nächsten hohen Baumkrone zu verfolgen. Danach besserte sich die Sicht zusehends. Natürlich war der Halbmond wieder das Highlight der Beobachtungsaktion und einige Passanten bestaunten den riesigen Krater Copernicus mit seinen Zentralbergen.

In der fortschreitenden Dämmerung tauchten schließlich auch die Planeten auf. Zuerst wurde der Mars anvisiert und nach einem Standortwechsel der Teleskope zeigte sich auch Saturn in seiner ganzen Pracht. Obwohl der wunderschöne Ringplanet nur etwas tiefer stand, war das durch die Bäume an der Allee schon zuviel, aber zu zweit lässt sich auch der 40 Kilogramm schwere 12-Zöller schnell mal umstellen. Wir standen nun halb unter einer Laterne, aber Saturn und drei seiner Monde (links Rhea, rechts Dione und Titan) konnte man gut beobachten. Auch das 9mm-Okular im Auszug brachte noch Gewinn, denn damit konnte der Reporter bei 166-facher Vergrößerung sogar die Cassini-Teilung erkennen. Außerdem versuchte ich mich mit meiner Lumix TZ31 an einem Saturn-Beweisfoto; das beste Ergebnis sieht man nebenstehend.

Durch die netten Gespräche und vielen Fragen, ob nun mit dem General-Anzeiger oder den neugierigen Fußgängern, gingen die 90 Minuten bis zum nächsten ISS-Überflug rum wie nix. Gegen 23:20 Uhr war es schon wieder Zeit für die Raumstation. Ein Ehepaar aus Düsseldorf, das schon die erste ISS des Abends gesehen hatte, schaute nochmal vorbei und wollte mit uns ein zweites Mal Alexander Gerst 400 Kilometer über der Erde gedanklich Hallo sagen. In ungefähr 5 Minuten zog der von sechs Astronauten bewohnte Lichtpunkt am Himmel über der Poppelsdorfer Allee vorüber – genau durch den Zenit. Die ISS-Beobachter werden dann vermutlich mit diesem schönsten Bild von Nicolas Ottersbach nächste Woche im General-Anzeiger zu sehen sein.

Nach zwei Stunden – und insgesamt 10 bis 15 Passanten – bauten wir dann langsam ab, während ich nebenbei noch eine schöne Aufnahme mit Mond, Mars und dem GA-Fotografen in ungewöhnlicher Position unter einem Teleskop machte. Bis kurz vor Mitternacht beantworteten wir noch letzte Fragen des Reporters und ich informierte über die nächsten Aktionen im Rahmen des großen Bonner Veranstaltungsprogramms „Astronomie für jedermann“.

Und das fertige Bild aus dieser Position sieht dann so aus:

08.06.2014

#GoAlex!! Köln feierte große Launch-Party für Alexander Gerst

Vor einer Woche war’s soweit: Vergangenen Mittwoch um 21:57 Uhr startete der in Künzelsau geborene Vulkanforscher Alexander Gerst zu seiner sechsmonatigen Blue-DotMission an Bord der Raumstation ISS. Mit ihm als 11. Deutschen im Weltraum war sozusagen auch die Astronauten-Nationalmannschaft endlich vollzählig und was liegt da näher, den Start im Fußball-WM-Stil mit einem Public-Viewing zu feiern. Veranstaltungen zum Start gab es gleich mehrere in Deutschland, doch die große Launch-Party in Köln war wohl das einzige Open-Air-Event. Zeitungsartikel gibt’s hier (auch), hier und hier, einen ausführlichen Bericht sowie eine Bildergalerie gibt’s von Blogger-Kollege Daniel Fischer, auch die Aufzeichnung (ab Minute 22:30) des Kölner Livestreams ist online, und nachfolgend kommt endlich auch mein Bildbericht mit 23 Fotos.

Mit Blick auf den historischen Rathausturm (hier gab es auch einen Empfang) und den Kölner Dom im Hintergrund sah es um 19:00 Uhr noch recht übersichtlich auf dem Alter Markt aus, aber zumindest der überdimensionale ESA-Astronaut hatte neben der großen Leinwand bereits Stellung bezogen. Am rechten Rand der Videowand wurden auch schon die ersten Tweets an @Astro_Alex bzw. mit dem Fan-Hashtag #GoAlex eingeblendet.

Und während sich vier Sternfreunde des Köln-Bonner-Astrotreffs (KBA) am Brunnen trafen und sich über den minutiös geplanten Ablaufplan amüsierten, wurde von einem WDR-Team der Kölner Astronaut Reinhold Ewald, der 1997 Musik von den Bläck Fööss zur Raumstation Mir mitnahm, mit einem Modell der Sojus-Rakete in der Hand für die Tagesschau am nächsten Tag interviewt.

Kurz nach 20:00 Uhr. Für die Begrüßung betraten Andreas Bursche und Tobias Schäfer, ein Moderatorenduo des Radiosenders 1Live, die Alexander Gerst schon bei seiner Vorbereitung am Kölner DLR zum Gespräch getroffen hatten, die Bühne, die kurz darauf schon von Peter Schilling und seiner Band gerockt wurde. Gleich zum Auftakt spielte er zwei Songs, darunter seinen Hit „Terra Titanic“, und auf dem schon gut gefüllten Platz flatterten bereits die ersten Köln-Fähnchen in der Luft. Wie der Sänger außerdem erzählte, sei es der „ausdrückliche Wunsch“ des Astronauten gewesen, dass zu seinem Start in Köln zum NDW-Kulthit „Völlig losgelöst“ gefeiert werden sollte.

Auch Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters in der Bildmitte – neben ihm Vertreter von DLR und ESA – schwenkte die Stadtfahne; begleitet wurden sie von einer Astronauten-Grundschulklasse aus der Südstadt mit selbstgebauten Raketen und einer Mini-Ariane.

Verkürzt wurde die Zeit bis zum Start um 21:57 Uhr mit den lauten, rockigen Songs von NDW-Star Peter Schilling und unterhaltsamen Infotainment-Blöcken, in denen es beispielsweise Gespräche mit dem sichtlich gut gelaunten Astronauten Reinhold Ewald gab oder zwei Grußbotschaften von Alexander Gerst ans Kölner Publikum und ein Gruß des singenden Astronauten Chris Hadfield auf der Leinwand zu sehen waren. Zusätzlich gab’s zwei Liveschalten nach Baikonur, aber spätestens bei Ulf Merbold am Hörer brach die Verbindung endgültig zusammen. Die meisten technischen Zicken machte das Livebild direkt aus der Sojus-Kapsel mit den drei Raumfahrern Gerst, Wiseman und Surajew: Auf den Monitoren auf der Bühne war alles wunderbar zu sehen, nur auf der Großleinwand wurde nichts angezeigt, so dass die Kameramänner behelfsmäßig lediglich die kleinen Bildschirme abfilmen konnten. Doch trotz der paar technischen Pannen blieb es eine gelungene und kurzweilige Veranstaltung. So ändern sich die Zeiten: 1992 feierte man den Start eines deutschen Raumfahrers noch bei einem Bonner Mercedes-Autohaus mit einem eher unbekannten Ranga Yogeshwar, 2014 dagegen scheint eine Raumfahrt-Veranstaltung mit Public-Viewing durchaus massentauglich zu sein.

Außerdem: Reinhold Ewald beantwortete sogar Fragen der kleinen Fans im Publikum, …

… es gab ein raumfahrtmedizinisches Experiment mit Rupert Gerzer, dem DLR-Institutsleiter für Luft- und Raumfahrtmedizin, im Gespräch und …

… immer wieder flatterten die Köln-Fähnchen über den unzähligen Köpfen. Zwischen 1.000 und 3.000 Zuschauer sollen bei den großen Launch-Party für Alexander Gerst dabei gewesen sein.

20 Minuten vor dem donnernden Lift-off in Baikonur, donnerten erstmal die ersten Takte des perfekten Soundtracks für einen Raketenstart über Kölns Alter Markt. Peter Schillings deutsche Major-Tom-Version „Völlig lösgelöst“ wurde abgefeiert und lauthals mitgesungen, die Kinder tanzten eh längst jenseits der Absperrung im bunten Scheinwerferlicht mit. Die Volksfeststimmung war auf dem Höhepunkt und da hält sogar die Köln-Fahne von Reinhold Ewald nicht mehr still. Tja, wenn Köln feiert, dann feiert es. Selbst wenn der Song mittlerweile 31 Jahre alt ist, „das Ding ist genauso unkaputtbar wie die Sojus-Rakete“, wie einer der Moderatoren treffend kommentierte.

5 Minuten vor der Zündung von 280 Tonnen Treibstoff wurde noch eine Videobotschaft mit dem Ziel Raumstation aufgenommen, wobei wirklich der ganze Platz zu einer einmaligen Zuschauerwelle mit winkenden Fähnchen wurde und der Schlachtruf „Gooo Alex!!“ lauthals ertönte. Es folgte der Moment des Starts und der Flug in die Erdumlaufbahn, den Reinhold Ewald kommentierte. Wie zu Silvester wurde von den über 1.000 Zuschauern laut der Countdown runtergezählt, bei null ertönte nochmal ein gemeinsames, lautstarkes „Go Alex!!“ und scheinbar auf die Sekunde zündeten die Triebwerke und die Sojus-Trägerrakete erhob sich in den kasachischen Nachthimmel. Ein Nachtstart wie aus dem Bilderbuch und die ganze Menge wartete gespannt auf ein Handzeichen des Geophysikers auf dem Weg ins All.

Und dann gab’s nochmal großen Jubel, als wenige Minuten nach dem Start das Innere der engen Sojus-Kapsel auf der Leinwand erschien und Astronaut Alexander Gerst tatsächlich einen Hang-Loose-Gruß an die Kölner schickte. Wie es zuvor angekündigt wurde, soll es wirklich eine „Dienstanweisung“ gewesen sein und laut Ewald symbolisieren, dass er „für Köln im All angekommen“ ist. Und prompt schickte das Publikum ein Hang-Loose zurück; der Gruppen-Surfergruß der jubelnden Menge sollte auch auf die ISS geschickt werden. Auch wenn der 11. deutsche Astronaut eigentlich aus dem nördlichen Baden-Württemberg stammt, wurde er auf der Launch-Party kurzerhand als „kölscher Major Tom“ oder „Kölner Held“ gefeiert und in die Domstadt „eingemeindet“, doch mit diesem Handzeichen war er dann endgültig ein Kölner der Herzen.

04.06.2014

Kepler-10c: Keine Supererde, sondern erste Mega-Erde

David A. Aguilar (CfA)

So sieht das aktuelle Bild des Sternsystems Kepler-10 in einer künstlerischen Darstellung aus. Seit ein paar Jahren ist bekannt, dass dieser 11,0mag heller und 560 Lichtjahre ferner Stern von Sonnengröße das Zentralgestirn von zwei Exoplaneten ist. Mit Kepler-10b hatte man hier den ersten extrasolaren Gesteinsplaneten überhaupt entdeckt, bei dem es sich sicherlich – bei Temperaturen von 1.800 Kelvin und mehr – um eine rot glühende Lavawelt von 1,5-fachem Erddurchmesser handelt. Nun offenbart auch Kepler-10c, der äußere Planet von Kepler-10, eine einzigartige Natur und präsentiert sich sogar als erster Fund einer völlig neuen Planetenklasse. Diese Ergebnisse erschienen gestern in einem Fachartikel sowie in einer Pressemeldung und wurden ebenfalls auf der bekannten und diesmal in Boston stattfindenen AAS-Tagung (ein deutscher Live-Blog dazu) vorgestellt.

Grundlage für die neue Analyse sind über zwei Jahre hinweg rund 150 durchgeführte Beobachtungen mit dem HARPS-N-Spektrograf am 3,57-Meter-Teleskop auf La Palma. So konnten mit hochaufgelösten Spektren 4x mehr präzise Radialgeschwindigkeitsmessungen durchgeführt werden als bisher. Damit wurden die stellaren Parameter des sonnenähnlichen Sterns überprüft und verfeinert, ebenso konnten dadurch die Massen beider Planeten und somit auch ihre Dichten um einen Faktor 2 besser bestimmt werden. Mit 5,8 g/cm³ zählt der kochende Kepler-10b weiterhin zu den Supererden mit einer der Erde vergleichbaren Dichte, die große Überraschung hält allerdings die Nachbarwelt Kepler-10c bereit und lässt sich so zusammenfassen: „Mega-Erde: 2,3-mal Erdgröße, 17 Erdmassen, alles Felsen“. Und wieder haben die Exoplanetenforscher eine Entdeckung, mit der sie nicht gerechnet haben. Im Zuge des gewichtigen Fundes, immerhin eine Welt mit der Masse von Neptun in eine Kugel von ungefähr doppelter Erdgröße gepresst (was eine Dichte von 7,1 g/cm³ ergibt), spricht man hier schon vom Godzilla unter den Planeten. „This is the Godzilla of Earths!“

Angesichts des mit rund 11 Milliarden Jahren sehr hohen Alters des Sternsystems und der fast 600 Kelvin heißen Oberfläche von Kepler-10c, schließen die Astronomen eine dichte Gashülle aus Wasserstoff und Helium bereits aus. Die ferne Mega-Erde von Kepler-10 kann eigentlich nur fast vollständig aus Gestein bestehen und falls flüchtige Elemente doch noch vorhanden sein sollten, dann beispielsweise Wasser, was am ehesten als exotisches Eis in einer Hochdruckphase vorliegen würde.

03.06.2014


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