Naturpark Westhavelland ist der erste deutsche Sternenpark

Der Nachthimmel über dem Westhavelland; Andreas Hänel

„Uns, die wir in hellerleuchteten Städten leben und, wenn wir reisen, im Expreßzug sicher unsere Schienenstraße zwischen Telegraphendrähten entlanglaufen, kommt das Sternenband der Milchstraße nur selten zu Gesicht. Wir müssen es suchen, um es zu finden. Uns Kindern der Kultur ist zwischen Bogenlampe und Laternenpfahl der Glanz der Sterne entschwunden, und der Silbergürtel der Milchstraße gehört nicht zu den Schönheiten unserer täglichen Betrachtung. […] Was sind uns die Sterne?“ Das ist nicht etwa ein Satz aus 2014, er stammt aus Fritz Kahns „Die Milchstraße“ von 1914. In den Städten war die Milchstraße schon vor 100 Jahren durch die Lichtverschmutzung verschwunden und sie wächst immer noch weiter, selbst vor ländlichen Regionen macht das zunehmende künstliche Lichtermeer nicht mehr Halt.

„Der Sternenhimmel ist ein wichtiges Kulturgut, das die Menschheit schon immer inspiriert hat – dazu verlieren wir nun den direkten Kontakt.“ Den Kampf gegen die Lichtverschmutzung kämpft Andreas Hänel, Direktor des Osnabrücker Planetariums sowie Leiter der VdS-Fachgruppe „Dark Sky“ (lichtverschmutzung.de), schon seit vielen Jahren und engagiert sich zudem für den Schutz des Nachthimmels an besonders dunklen Orten ein. Vor fast 5 Jahren, im April 2009, erkannte er den außergewöhnlich dunklen Himmel über dem Naturpark Westhavelland; seit 2011 findet hier am Gülper See sogar ein Teleskoptreffen statt. Dort soll es so dunkel sein, dass sogar der Airglow gesehen werden kann. Hänel setzte sich seitdem – sogar medienwirksamzusammen mit der Leiterin des Naturparks, Kordula Isermann, dafür ein, dass das Westhavelland der erste Sternenpark Deutschlands wird. Und am Sonntagabend fiel bei der Dachorganisation, der 1988 gegründeten International Dark Sky Association (IDA), endlich die positive Entscheidung. Der jahrelange Weg zum ersten deutschen Sternenpark ist gemeistert. Damit steht jetzt ganz amtlich der Nachthimmel über dem Westhavelland unter Naturschutz!

Das brandenburgische Umweltministerium konnte es nicht abwarten und gab direkt am Montag eine Pressemitteilung (weitere Meldungen z.b. hier und hier) heraus, dabei sollte die eigentliche Bekanntmachung der IDA erst heute erscheinen. Die IDA zeichnet schützenswerte Regionen in drei Kategorien aus, wobei es sich bei dem Sternenpark Westhavelland offiziell um ein sog. International Dark Sky Reserve handelt, also eine internationale Sternenreserve. Einen astronomischen Flyer zum Naturpark Westhavelland gibt es auch bereits. Aber der Kampf gegen den Verlust der Nacht und für eine verantwortungsvolle ökologische Beleuchtung geht weiter, auch für Harald Bardenhagen (sterne-ohne-grenzen.de). Er hat 2012 den sternenübersäten Nachthimmel im Westhavelland dokumentiert und setzt sich von Köln aus für einen Sternenpark in der Eifel ein. „Denn der Himmel ist das älteste Kulturgut der Menschheit“, sagt Andreas Hänel.

  12.02.2014

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