Ursprünglichster (= ältester) Stern am Südhimmel entdeckt

Kurz und knapp formuliert passt die großartige neue Entdeckung sogar in eine Twitter-Nachricht von Astrophysikerin Anna Frebel: „no iron lines visible there! just H, together with CH (carbon), a calcium and a magnesium line. that’s it! :)“ Zusammen mit australischen Kollegen hat sie den ursprünglichsten und damit ältesten derzeit bekannten Stern entdeckt. Die ungefähr 6.000 Lichtjahre ferne Sonne befindet sich im Halo unserer Milchstraße in Richtung des Südhimmel-Sternbildes Kleine Wasserschlange und ist derart metallarm, dass man nicht einmal das Alter dieses 14,7mag-Sterns genau bestimmen kann; es wird auf 13,6, 13,7 Milliarden Jahre geschätzt. Neben Wasserstoff verrät das Spektrum von SMSS J031300.36-670839.3 nur Kohlenstoff, Kalzium und Magnesium. Denn die große Überraschung ist nämlich, dass bei der Spektralanalyse keinerlei Eisen nachgewiesen werden konnte, obwohl in den Supernova-Explosionen der allerersten Sterngeneration auch Eisen in großen Mengen produziert worden sein müsste. Dies macht diese ferne Sonne nun zum eisenärmsten Stern überhaupt, da man ohne Anzeichen von Eisenlinien nur eine Obergrenze für seinen Eisengehalt angeben kann: Er muss weniger als 10 Millionstel des solaren Eisengehalts besitzen bzw. der Fe/H-Wert muss kleiner als -7,1 sein. Der bisherige Rekordhalter HE 1327-2326 besitzt 30x mehr Eisen (Fe/H = -5,6).

Dies ist zugleich auch ein Schlüsselfund für die Chemie des ganz frühen Universums bzw. für das Verständnis der Natur der sog. Population-III-Sterne. Waren sie gar nicht so supermassereich bzw. ihre Supernovae nicht so superexplosiv, wie die gängige Lehrbuchmeinung vorgibt? Um die Metallizität (ohne nachweisbares Eisen) des entdeckten Sterns zu erklären, würde eine einzelne und noch dazu äußerst eisenarme Supernova eines 60-Sonnenmassen-Sterns ausreichen. Die Entdeckung wird am Donnerstag in der Fachzeitschrift „Nature“ erscheinen, aber auch ein Preprint als PDF soll noch diese Woche folgen; Pressemeldungen gibt’s vom MIT und ANU. Anna Frebel über ihre Mitentdeckung: „Das Glück bevorzugt den, der vorbereitet ist.“ Ist es tatsächlich Glück oder doch zum Großteil Fleißarbeit, denn immerhin wurde  SMSS J031300.36-670839.3 im Oktober 2012 aus 60 Millionen Sternen des SkyMapper-Teleskops rausgefischt, wobei anschließend im Januar und Februar 2013 dann mit zwei weiteren Teleskopen die einzigartige Natur des neuen Uralt-Rekordsterns bestätigt wurde.

[Nachtrag] Anna Frebel berichtet in einem 9-minütigem Video über die Entdeckung des bislang ältesten Sterns, und außerdem ist bereits der Fachartikel online verfügbar: A single low-energy, iron-poor supernova as the source of metals in the star SMSS J 031300.36-670839.3

10.02.2014

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4 Responses to “Ursprünglichster (= ältester) Stern am Südhimmel entdeckt”


  1. 1 Max . um .

    Sehr aufregend! Ich frage mich immer, wie so alte Sterne überleben konnten und immernoch Brennstoff haben.

  2. 2 Nico Schmidt . um .

    Das lässt sich ganz einfach ausrechnen. Wenn der Stern nur um die 0,8 Sonnenmassen schwer ist, dann lebt er auch noch nach 13,7 Milliarden Jahren.

    Je leichter ein Stern ist, desto länger lebt er. Ein Zwergstern mit nur 0,1 Sonnenmassen lebt beispielsweise ganze 10 Billionen Jahre, und bekanntermaßen ist das Universum erst 13,8 Milliarden Jahre alt.

  3. 3 Max . um .

    Ja, du hast Recht. Ich musste an einen Fall denken, wo der Stern „zu groß“ war für sein Alter – da wurde dann über die Fusion mit einem Partner diskutiert.


  1. 1 Allgemeines Live-Blog ab dem 8. Februar 2014 | Skyweek Zwei Punkt Null Trackback zu . um .

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