Archiv für Januar 2014



Der interstellarum-Mondmann Wilfried Tost ist gestorben

Über seine 20-jährige Tätigkeit am Institut für Planetenforschung des DLR in Berlin-Adlershof hinaus, war Wilfried Tost bei vielen Mondfreunden als der Mondspezialist schlechthin bekannt. 1987 trat er der Wilhelm-Foerster-Sternwarte bei und war dort aktuell Leiter der Arbeitsgemeinschaft „Berliner Mondbeobachter“, in der er z.b. den fotografischen „Berliner Mondatlas“ digitalisierte. Als langjähriger Autor für die interstellarum wurde „Mondmann“ Wilfried Tost schließlich weit über Berlin hinaus bekannt. Seit 2005 bereicherte er mit seinem fundierten Fachwissen die „Zeitschrift für praktische Astronomie“: In den fast 40 Artikeln stellte er beispielsweise regelmäßig für den interessierten Mondbeobachter wie für den Einsteiger ausführliche Mondspaziergänge vor und berichtete bei seinen Beschreibungen zugleich über spannende Erkenntnisse zur Mondgeologie. Für die ergänzende Recherche zum „Moonhopper“ von Lambert Spix hatte ich ihn 2011 mit einer speziellen Frage zu den unterschiedlichen Bezeichnungen für die Ascheflecken im Krater Alphonsus kontaktiert und erhielt umgehend eine umfassende Antwort. Als Mondspezialist kannte er die abwechslungsreiche Mondlandschaft wie seine Westentasche und konnte ebenso eingehend über die Entstehung von Strahlen- und Rillensystemen, Vulkandomen, Doppelkratern oder magnetischen Anomalien wie Rainer Gamma informieren.

Wilfried Tost starb am 12. Januar nach langer Krankheit; er wurde nur 61 Jahre alt. Die Sternfreunde der Wilhelm-Foerster-Sternwarte trauen mit den Worten: „Wilfried ist viel zu früh von uns gegangen. Was bleibt ist zunächst Schmerz, aber auch die Erinnerung an sein großes Wissen, seinen Humor und seine Begeisterung für das, was er tat. Er wird uns fehlen und hinterlässt eine große Lücke.“

[Nachtrag 26.01.2014] Nachrufe von Freunden gibt es hier von Charles Wood und hier im aktuellen interstellarum-Newsletter.

20.01.2014

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Aufruf zu weltweiter Bürgersteig-Astronomie – in Erinnerung an John Dobson

John Dobson besuchte 2006 einen Tag vor seinem 91. Geburtstag den Teleskophändler Fernrohrland

John Dobsons Werdegang ist schon eine kuriose Lebensgeschichte: Der Sohn einer Musikerin kommt 1915 in Peking zur Welt, wird Chemiker, geht danach für 23 Jahre in ein hinduistisches Kloster und baut dort 1956 als Mönch erste Teleskope, findet seine Berufung auf dem Bürgersteig und kritisiert den Urknall, und längst wird seine Erfindung – das Dobson-Teleskop – am Fließband produziert. Heute kennt jeder visuell beobachtende Hobbyastronom seinen Namen, dabei hatte John Dobson lediglich eine simple wie geniale Idee: eine azimutale Montierung in Form einer Holzkiste. Zu seinem Konstruktionsprinzip sagte er einmal: „Held together by gravity and driven by joghurt power.“ 1969 wurde Dobsons erster Artikel zum preiswerten Selbstbau-Fernrohr noch von der „Sky & Telescope“ abgelehnt, heute dagegen werden die unzähligen Dobson-Besitzer – mich mit einem 12-Zöller eingeschlossen – alle übereinstimmen, dass seine Erfindung die visuelle Astronomie nicht bloß bereichert, sondern umgekrämpelt oder sogar revolutioniert hat. Der wohl einflussreichste Hobbyastronom der letzten 50 Jahre starb am gestrigen Mittwoch im Alter von 98 Jahren.

Durch einen Aufruf postet heute die gesamte Amateurszene bei Twitter unter #JohnDobson Fotos von ihren Dobson-Teleskopen. Doch was liegt näher, um sich von John Dobson angemessen zu verabschieden, als sich ganz in seinem Sinne auf den Bürgersteig zu stellen? Denn dort hatte der auch „Star Monk“, „Pied Piper of Astronomy“ oder „MacGuyver of Astronomy“ genannte Hobbyastronom seine Berufung gefunden, und 1968 wurde mit der Gründung der Organisation „Sidewalk Astronomers“ die Bürgersteig-Astronomie geboren. Dobson wollte in seinem Leben so vielen Leuten wie möglich mit einem Teleskop die Sterne zeigen. Diese wortwörtliche Öffentlichkeitsarbeit war seine Lebensaufgabe: „Macht es euch einfach! Zeigt den Menschen das Universum, damit sie wissen wo wir sind.“ Es ist einfach unglaublich, was dieser Mann mit einer simplen Idee erreicht hat. Er wollte nur die Astronomie in die Öffentlichkeit bringen, einfach seine ganze Faszination für den Nachthimmel mit den Leuten auf der Straße teilen und heute kann man sich gar nicht vorstellen, wievielen staunenden Fußgängern er die Sterne, Mond und Planeten näher brachte.

In Erinnerung an John Dobson haben die „Sidewalk Astronomers“ nun einen Aufruf zu einer weltweiten öffentlichen Beobachtung – quasi eine globale Dobson-Nacht – am 08. März gestartet, denn seine Idee, seine Vision und das Engagement werden weiter leben. „On March 8th, in honor of John, this year’s ISAN (International Sidewalk Astronomie Night) will be dedicated to his memory. Amateur astronomers around the globe can join in and celebrate John’s life and continue to carry the torch that he lit back in 1968 when he co-founded the San Francisco Sidewalk Astronomers.“ Also wer macht mit? Am besagten Abend lässt sich wunderbar im Süden ein höchstmöglicher Halbmond beobachten, der die Fußgänger immer zum Staunen bringt. John Dobson beschreibt so seine erste Mondbeobachtung 1956: „When I first saw the third quarter moon through this twelve inch telescope, I thought, ‚My God, it looks like i’m coming in for a landing.‘ And I thought, ‚Lordy, Lordy, everyone has got to see this!‘ And that is when the idea of public service sidewalk astronomy got into my head.“

16.01.2014

Kunst trifft Teilchenphysik inkl. Vernissage im Deutschen Museum Bonn

Wenn jemand derzeit auf beeindruckende Weise Kunst und Wissenschaft zusammenbringen kann, die Schönheit der Natur und die Technik des Menschen in einem nie gesehenen Kontext setzen kann, dann ist es Michael Hoch (Homepage, Facebook). Er ist Experimentalphysiker bzw. „forensischer Physiker“, hat am CERN von 2007 bis 2009 am Aufbau des CMS-Detektors für die Weltmaschine LHC mitgearbeitet und ist sogar einer von 2.900 Personen, die in der CMS-Kollaboration an der Entdeckung des Higgs-Bosons beteiligt waren. Heute analysiert er keine Daten von Protonenkollisionen, sondern kann sich ganz der Öffentlichkeitsarbeit widmen, ist nun Wissenschaftsvermittler und Vollzeit-Fotokünstler und hat zwei Outreach-Programme gestartet: Art@CMS und Science&Art@School (Blog), wobei Schüler in einem Wissenschaftsatelier Kunstworkshops absolvieren können. Als ich am 08. Oktober bei „Quarks & Co“ (Minute 27:50; der WDR war wohl eingeweiht, denn nur wenige Stunden zuvor wurden die Preisträger des Physik-Nobelpreis 2013 bekanntgegeben) das erste Mal die Kunst des Teilchenphysikers Michael Hoch sah, war ich sofort begeistert und fasziniert. Kurz darauf erfuhr ich von Ralph Burmester vom Deutschen Museum Bonn, dass dort im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung „Wolfgang Paul – Der Teilchenfänger“ einige Werke ausgestellt werden sollen und der Künstler selbst auch einen Vortrag (mit anschließender Vernissage) halten wird. Und gestern Abend war’s dann soweit.

Die Ausstellungsfläche lockt schon von weitem mit einer 1:1-Ansicht des gigantischen und hochkomplexen Teilchendetektors CMS, bzw. eher einem Viertel der 1:1-Darstellung.

Um halb 7 war noch Zeit für einen kleinen Rundgang durch die Wolfgang-Paul-Ausstellung, aber diese werde ich mir zu einem späteren Zeitpunkt noch genauer ansehen. Zu der Ausstellung gibt es außerdem wieder ein Begleitprogramm, zu dem Rainer Selmann an 8 Terminen erneut einen naturwissenschaftlichen Stadtspaziergang – diesmal in die Nußallee – anbietet.

Seit dem 13. November (und noch bis zum 24. August) wird im Deutschen Museum Bonn der Bogen vom Makro- und Mikrokosmos bis zu Pauls Nobelpreis – drei Modelle seiner Ionen-Falle sind zu sehen – gespannt.

Kurz nach 7 …

… begrüßte dann Ralph Burmester die rund 25 Gäste und stellte Michael Hoch vor, der zunächst mit weißem Schutzhelm, Gehörschutz und Kopflampe die Bühne betrat.

Der Vortrag bot einen allgemeinen Rundumschlag von der Teilchenphysik zur hochkomplexen Detektortechnik des CMS-Experiments am LHC, mit dem – zusammen mit dem ATLAS-Detektor – 2012 die Entdeckung des Higgs-Teilchens gelang. Erst kürzlich am 10. Dezember 2013 wurden Peter Higgs und Francois Englert für ihre Vorhersage des Higgs-Feldes mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet.

Zum Ende des Vortrags gab’s dann erste Einblicke in die künstlerische Arbeit des CERN-Physikers …

… und nach gut 45 Minuten lud dann Ulrike Lenk, Geschäftsführerin des Wissenschaftszentrums Bonn, nach „nebenan“ in Michael Hochs Ausstellung „Faszination Ursprung“ (läuft leider nur noch bis übermorgen) ein. Hier war der Teilchenphysiker, der zuvor den Aufbau der Welt und die Suche danach beschrieben hatte, ganz der Künstler, der das Entstehen seiner einzigartigen Werke und seine Motivation erläuterte.

Normalerweise soll man ja die Arbeit nicht mit nach Hause nehmen, aber der Fotokünstler Michael Hoch macht das und nimmt seine Aufnahmen von großen oder kleinen Bauteilen des CMS-Teilchendetektors mit, zerschneidet sie und setzt sie neu zusammen. Dabei fügt er Fotos von Apfelblüten aus dem eigenen Garten oder von Mohn und Mageriten von der Wiese ein, so dass auf wunderbare Weise die Schönheit der Natur mit der Ingenieurskunst der Weltmaschine verschmelzen. Natur und Wissenschaft fließen derart ineinander über, dass man sich sogar fragt, ob das Grün von der Blumenwiese stammt oder ein Bauelement des CMS ist. Es braucht diesen besonderen Blick um zu verstehen, wie der Mensch mit seinem Erfindergeist die Natur begreifen möchte. Und wenn man staunend vor einem der 3×1 Meter großen Bilder steht, kommt unwillkürlich ein bekannter Spruch ins Gedächtnis. Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters, denn man kann sie in der Blütenpracht genauso finden wie in der symmetrischen Geometrie und den Farben eines 14.000-Tonnen-Teilchendetektors. Das ist Wissenschaftsvermittlung im besten Sinne! Und dann ist es auf einmal glasklar – im Wort Teilchen steckt ja schon die Kunst: pARTicle.

Während der Vernissage unterhielten sich die Gäste über Gott und die Welt bzw. was sie zusammenhält (das Higgs-Feld). Der Physiker und Künstler erläuterte wie einige seiner Fotos und Fotocollagen (ein paar Bilder wechselten auch den Besitzer) entstanden, welche Bedeutung eigentlich die Farben des CMS haben, warum die aktuelle Wartung nötig ist und zudem empfahl er einen Besuch des LHC noch bis zum Herbst zu unternehmen, denn dann ist die große Pause für Upgrades und Wartung des größten Mikroskops der Welt vorüber. Dann wird auch Michael Hoch nicht mehr so leicht 100 Meter unter die Erde kommen, aber mit den bisherigen Aufnahmen seines Arbeitsplatzes ist längst ein jahrelanger Vorrat entstanden, der noch für sicherlich zahlreiche Ausstellungen und wunderschöne Fotoprojekte reichen wird. Und mit mehr Zeit im Rücken gibt’s vielleicht auch einmal einen Bildband.

Übrigens wird demnächst noch ein Blog-Interview folgen.

15.01.2014

Hobbyastronomen entdecken Zwerggalaxien bei Walgalaxie NGC 4631

23,9 Stunden tiefe Aufnahme von NGC 4631 mit den drei entdeckten Zwerggalaxien; http://arxiv.org/abs/1401.2719

Wie gemeinsam Hobbyastronomen und Fachastronomen zusammenarbeiten können, zeigt der heute online erschienene Fachartikel „Three low surface brightness dwarfs discovered around NGC 4631“ wieder einmal sehr schön. Der Erstautor ist zwar ein russischer Astronom am Special Astrophysical Observatory im Kaukasus, die weiteren Autoren sind jedoch alles Hobbyastronomen und VdS-Mitglieder. In der „Fachgruppe Astrofotografie“ der VdS beschäftigen sich etwa 30 Mitglieder mit dem Projekt „Tief Belichtete Galaxien“ und mit ganz oben auf der Projektliste stand die Galaxie NGC 4631 (Arp 281). Sie fällt durch ihre unregelmäßige Form auf, die vor einer Milliarde Jahre durch eine enge Begegnung mit NGC 4656 entstanden ist; heute beträgt ihr Abstand rund 30 Bogenminuten. Anfang März 2013 nahm Dirk Bautzmann die 24 Millionen Lichtjahre ferne Walgalaxie mit einer Gesamtbelichtung von 13 Stunden auf. Das oben gezeigte Summenbild hat eine Gesamtbelichtungszeit von fast 24 Stunden und besteht aus insgesamt 75 Einzelbildern von Dirk Bautzmann (3,25 Stunden mit 12,5 Zoll), Robert Pölzl (5,67 Stunden mit 14,5 Zoll) und Fabian Neyer (15 Stunden mit 5,5 Zoll), der die Aufnahme auch bearbeitete. Damit konnten die Hobbyastronomen/professionellen Astrofotografen drei vorher unbekannte sehr lichtschwache Zwerggalaxien in unmittelbarer Nähe von NGC 4631 entdecken. Eine diffuse Struktur südlich von dw3 scheint zusätzlich darauf hinzuweisen, dass all diese Objekt Überreste der Wechselwirkung mit der großen Nachbargalaxie NGC 4656 sind.

14.01.2014

Die Menschheit schaut so tief in den Kosmos wie noch nie

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So sieht das Ergebnis aus, wenn man für genau 87 Orbits das Hubble Space Telescope auf ein scheinbar leeres und nur 2 Bogenminuten breites Himmelsareal 16,5 Grad östlich des hellen Herbststerns Fomalhaut ausrichtet und so mit zwei Kameras 67 Stunden lang belichten kann; inklusive der Nachbarfelder erhält man dann insgesamt 176 Orbits. Dabei ist dieses gestern veröffentlichte Pretty Picture von Abell 2744 (Rohbilder gibt’s hier, Pressemeldungen hier und hier, sowie hier eine größere Amateurarbeit mit noch mehr Rohbildern) nur das erste Mosaik von sechs massereichen Galaxienhaufen der sog. „The Frontier Fields“-Kampagne. Für einen tieferen Blick zu den ersten Galaxien ist über drei Jahre hinweg Beobachtungszeit mit insgesamt 640 HST-Orbits geplant – damit schaut die Menschheit so tief in den Kosmos wie noch nie. Der 3,5 Milliarden Lichtjahre ferne supermassive Galaxienhaufen Abell 2744 (allein die gezeigte Aufnahme lässt über fast 500 Billionen Sonnenmassen blicken) ist nur das südlich versetzte Kerngebiet einer gigantischen Verschmelzung von mehreren Galaxienhaufen (Seite 13). Die bisherige Analyse der Haufenkollision offenbarte bereits, dass davon nur 5 Prozent im optischen Licht zu sehen ist, Röntgenlicht emittierendes Gas zwischen den Haufen stellt 20 Prozent dar und der überwiegende Massenanteil von 75 Prozent macht die Dunkle Materie aus.

Diese gewaltige Massenansammlung macht über ihre Gravitationslinsenwirkung unzählige lichtschwache und viel weiter im Hintergrund liegende Galaxien überhaupt erst sichtbar, und neben der Lichtverstärkung wurden auch schon einige Mehrfachbilder von einzelnen Hintergrundobjekten aufgespürt. Welche Entdeckungen im ganz jungen Universum damit möglich sind, wird sich erst in den nächsten Jahren nach detailierten Analysen offenbaren, zumal die veröffentlichte Aufnahme von Abell 2744 erst zur Hälfte fertig ist – im Sommer sammelt das HST weiter 3,5 Milliarden Jahre alte Photonen. Eine allererste Arbeit gibt es dennoch, in der schon von einem Kandidaten mit z=8, entsprechend einer Entfernung von über 13 Milliarden Lichtjahren, gesprochen wird (Bild unten). Es wird aber noch dauern, bis man mit Sicherheit sagen kann, wie tief die Aufnahmen des „The Final Frontiers“-Projekts tatsächlich reichen. Als entferntestes Objekt gilt heute die Galaxie mit der kryptischen Bezeichnung z8_GND_5296. Über die Lyman-alpha-Emissionslinie wurde bei ihr eine Rotverschiebung von z=7,5, was einer Entfernung von 13,1 Milliarden Lichtjahren entspricht, gemessen. Diese Rotverschiebung ist bereits so hoch, dass die sich eigentlich im fernen UV-Bereich befindende Spektrallinie in den nahen IR-Bereich verschoben ist.

08.01.2014

Das Leben, das Universum und der ganze Rest

„Das Leben, das Universum und der ganze Rest“ ist nicht nur der Titel eines Bandes aus Douglas Adams‘ kultiger Romanreihe, ich finde damit ließe sich auch treffend Terrence Malicks wohl wichtigster Film „The Tree of Life“ (Trailer) beschreiben, denn nur das Wort Familiendrama trifft es nicht im geringsten. In gewohnt lyrischer und undurchsichtiger Art und Weise verknüpft Kinopoet Malick seine Geschichte mit der Suche nach dem Sinn des Lebens und bettet dabei alles in einen wahrhaft kosmischen Epos ein. „The Tree of Life“ ist der Blick auf unser kleines Leben zwischen Werden und Vergehen in einem unendlichen Universum. Die kosmische Perspektive verdeutlicht dabei eine atemberaubende 15-minütige Szene, die noch lange im Gedächtnis bleibt. Denn wie majestätisch Galaxien oder der Pferdekopf- und Helixnebel zu Preisners „Lacrimosa“ über die große Leinwand schweben, ist ein schlicht einmaliger Gänsehautmoment. Wie in einem Naturfilm offenbart Regisseur Malick das Entstehen des Kosmos, die Geburt der Erde und die Entwicklung des Lebens bis zu einem nahenden Asteroiden vor 65 Millionen Jahren. Wie ein Raubsaurier Gnade kennen kann, gefällt allerdings nicht jedem, aber dennoch gilt: Nie war die Entstehung der Welt schöner. Nie gesehene Bilder erschuf der Kinopoet zusammen mit dem aus der Rente geholten Douglas Trumbull, der schon für die Spezialeffekte in Stanley Kubricks „2001“ verantwortlich war. Malicks Opus Magnum würde Kubrick sicher gefallen.

Fazit: „The Tree of Life“ gehört ganz klar zu den Filmen, die man nur mögen kann oder nicht. Sogar bei seiner Vorführung in Cannes 2011 erntete der Streifen zugleich Buhrufe und langen Applaus, und wurde schließlich mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Wer einen nachdenklichen Film mit einer ungewohnten Erzählweise (nie bauen zwei Szenen aufeinander auf, vielmehr sind es Erinnerungsfetzen wie in einem Fotoalbum) erwartet und Malicks poetische Bildsprache aus „Der schmale Grat“ oder „The New World“ kennt, sollte sich diese Ode an die Kindheit (u.a. wunderbar mit Smetanas „Moldau“ untermalt) bzw. an die Schönheit der Natur nicht entgehen lassen.

08.01.2014

Venus in rotem Abendkleid

Während in drei Tagen die Venus in Konjunktion zur Sonne steht und immerhin gestern Mittag noch mit 3,5 Grad Sonnenabstand fotografiert wurde, hab ich mir endlich die Zeit genommen meine letzten Fotos aus Dezember durchzusehen. Wie schon am Vorabend lockte auch am 16. Dezember ein malerischer Dämmerungshimmel mit allen denkbaren Rottönen ans Fenster. Die letzten drei Bilder zeigen Venus umgeben von einem langsam Verblassenden aber dennoch wunderschönen Abendrot.

08.01.2014


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