Die Rekonstruktion von Einsteins „größter Eselei“

Mit Albert Einstein werden am meisten zwei Dinge in Verbindung gebracht: E=mc² und seine oft zitierte „größte Eselei“. Die berühmte Formel stammt nachweislich aus seiner Feder, aber wie sieht es mit dem bekannten Ausspruch zur kosmologischen Konstanten aus? Lassen sich diese zwei Worte auf Albert Einstein zurückführen? Hat das Genie tatsächlich selber von seiner „größten Eselei“ gesprochen? Die Spur führt Einstein-Forscherin Galina Weinstein direkt zu George Gamows 1970 posthum veröffentlicher Autobiografie. Aus dem Englischen übersetzt heißt es dort: „Als ich viel später mit Einstein kosmologische Probleme diskutierte, bemerkte er, dass die Einführung der kosmologischen Konstanten die größte Eselei [biggest blunder] seines Lebens sei.“ Das ist der Ursprung. Ähnliches lässt sich in einem Artikel von 1956 nachlesen, wo Gamow ebenfalls über Einsteins Bemerkung von der „größten Eselei seines ganzen Lebens“ sprach. Briefe oder andere Aufzeichnungen zwischen Gamow und Einstein existieren nicht, so dass man sich heute nur der Zeit annähern kann, wann Einstein seine „größte Eselei“ dem Fachkollegen gegenüber erwähnt haben könnte. Wie Weinstein in ihrem Artikel beschreibt, fanden die kosmologischen Gespräche zwischen den beiden großen Physikern vermutlich in den 1940er statt.

Zweifel an der 1917 eingeführten kosmologischen Konstanten kamen Einstein schon früh: 1919 war sie bereits „ernsthaft schädlich für die formale Schönheit der Theorie“ und 1947 beschrieb er sie in einem Brief an Lemaitre als „widerwärtig“ [very ugly]. In einem völlig anderen Zusammenhang sprach Einstein in einem 1922 verfassten Brief an Max Born von einem „monumentalen Bock“ [biggest blunder]; Born machte daraus später einen „kapitalen Bock“ [capital blunder]. Vielleicht hat Einstein im Gespräch mit Gamow zwar das Wort „Bock“ [blunder] oder auch „monumentaler Bock“ [biggest blunder] gebraucht, aber Gamow machte daraus schließlich den „biggest blunder he ever made in his life“ und der heute berühmte (deutsche) Einstein-Ausspruch war geboren. In der deutschen Literatur taucht das Zitat von der „größten Eselei“ erstmals 1983 in der Aufsatzsammlung „Die Zeit“ auf. Offensichtlich scheint es also lediglich der deutschen Übersetzung geschuldet zu sein, dass Einsteins selbsternannter Fehler bezüglich seiner kosmologischen Konstanten heute mit diesen berühmten Worten verbunden ist.

23.01.2014

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2 Responses to “Die Rekonstruktion von Einsteins „größter Eselei“”


  1. 1 crocojoe2 . um .

    Dieser mutmaßlichen Aussage stand ich immer skeptisch gegenüber, dachte aber, er könnte Alberts Zynismus entsprungen sein. Ich vertrete ein Geschlossenes Universum, wie es ursprünglich auch Einstein tat. Für mich ist die Kosmologische Konstante eine grandiose Idee, nur muss ihr tatsächlicher Wert erst gefunden werden.


  1. 1 Irren ist menschlich | Raumzeitwellen Blog Trackback zu . um .

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