Archiv für Juli 2013



Heute in Bonn: „Argelanders Astro-Abend“ zum Saturn-Winken

Man kann es als groß angelegten PR-Gag der NASA abtun, aber Sternfreunde des Rheinlandes und des Siebengebirges wollen sich die interplanetare Fotosession von Cassini heute Abend nicht entgehen lassen und haben diese Woche noch eine spontane Saturn-Party auf die Beine gestellt – mit dem abschließenden „Winkt dem Saturn“. Nach meiner Zufallsentdeckung eines Vortragstermins am Montag und Gesprächen am Dienstag, wurde es am Mittwoch amtlich. Das Programm für heute Abend im Argelander-Institut für Astronomie (AIfA) sieht nun so aus, dass wir Hobbyastronomen uns einfach an den astronomiegeschichtlichen Vortrag zum Bonner Doppelrefraktor hängen. Außerdem wird es die erste gemeinsame öffentliche Beobachtung des Köln-Bonner-Astrotreffs (KBA) und der Volkssternwarte Bonn (VSB) mit den Mitgliedern der Sternfreunde Siebengebirge. Und die Wetteraussichten sehen wirklich gut aus. Um 18:30 Uhr werde ich vor der Institutstür mein kleines Sonnenteleskop aufbauen.

Nach zähem Beginn sind nun doch auf der Weltkarte viele Aktionen zum globalen Saturn-Winken entstanden – von Neuseeland über Iran und Ghana bis nach Kolumbien. War unser „Argelanders Astro-Abend“ gestern noch einer von 13 Saturn-Events in Europa (Bild oben), sind es heute 17 Veranstaltungen und 3 gibt’s nun in Deutschland. Zudem sind viele Nebenprojekte zur heutigen weltweiten Saturn-Party entstanden, wie man u.a. hier und auf den entsprechenden Homepages hier und hier nachlesen kann – alles zusammengefasst unter dem Namen „The Day the Earth smiled“. Und natürlich das Wichtigste: Nachher zwischen 23:27 und 23:42 Uhr in Richtung Saturn winken, wenn Cassini das neueste Saturnpanorama mit der Erde rechts unter den Ringen aufnimmt. Und ruhig auch an die Merkursonde Messenger denken, denn für die Suche nach Merkurmonden ist ihre Kamera heute und morgen um 13:49, 14:38 und 15:41 Uhr ebenfalls auf die Erde gerichtet.

19.07.2013

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Aachener Hobbyastronomen vermessen Quasar-Spektren

Quasare sind die extremsten, leuchtkräftigsten und fernsten Objekte, die ein Hobbyastronom mit eigenen Augen beobachten kann – und sie wurden vor genau 50 Jahren entdeckt. 1963 untersuchte Maarten Schmidt, Astronom am Caltech, das Spektrum eines Objekts, das auf den Fotoplatten einfach nur wie ein Stern aussah. Zur großen Überraschung waren aber die Spektrallinien an einer andere Stelle als normal zu finden. Sie waren alle um den selben Betrag in den roten Bereich des Spektrums verschoben. Diese (kosmologische) Rotverschiebung ließ sich so interpretieren, dass das stellare Objekt 3C 273 kein naher Stern, sondern ein 2 Milliarden Lichtjahre entferntes Objekt ist – ein Vertreter einer völlig neuen Objektklasse. Die ganze spannende Geschichte zur Entdeckung der Quasare hatte ich pünktlich zum 50. Geburtstag hier beschrieben. Außerdem wird es demnächst in der Zeitschrift interstellarum einen zweiteiligen Artikel geben, die im Heft 90 (Oktober/November) und Heft 93 (April/Mai) erscheinen.

Für die visuelle Beobachtung der hellsten Quasare reicht schon ein Teleskop mit mittlerer Öffnung, doch Hobbyastronomen aus Aachen haben sich gefragt, ob man tatsächlich auch ein brauchbares Spektrum eines Objekts von nur 13,0mag aufnehmen und analysieren kann. Für eine Projektarbeit wanderten Tobias Häusler und Marco Gosch von der FH Aachen sozusagen auf der Spur von Maarten Schmidt und wollten die Rotverschiebung von 3C 273 selbst nachweisen. Mit einem 8-Zoll-Newton auf der 80 Jahre alten Zeiss-Montierung der Sternwarte Aachen spektroskopierten sie zunächst einige helle Sterne von typischen Frühlingssternbildern, wobei sich die Sternfreunde auch mit der Klassifikation von Sternspektren beschäftigten. Wie Tobias Häusler in seinem Artikel schreibt, mussten sie aus wettertechnischen Gründen dann bis Anfang Juni warten, bis sie doch noch mit dem StarAnalyzer am Teleskop ein Spektrum des Quasars 3C 273 aufnehmen konnten.

Und es hat tatsächlich geklappt, wie die Grafik zeigt. Gegenüber des Referenzspektrums (blaue Kurve) des Sterns zeta UMa (Mizar) ist die H-beta-Linie im Licht des Quasars (rote Kurve) nach rechts verschoben. Diese Rotverschiebung bestimmten sie zu z = 0,158197 (0,09 Prozent Abweichung zum Literaturwert), aus der sie eine Entfernung von 1,9 Milliarden Lichtjahren errechneten. Ihre Messung von 3C 273 (hier) und die komplette Projektarbeit (hier) sind als downloadbare PDFs verfügbar.

18.07.2013

14. „Pauls Portables Planetarium“ mit Sonnenbeobachtung

Gestern Abend hat alles gepasst. Zur Sommerausgabe von „Pauls Portables Planetarium“, das 4 Mal im Jahr im Deutschen Museum Bonn stattfindet, wurde zur Einstimmung auf Paul Hombachs Sonnen-Vortrag vor der Museumstür Sidewalk Solar Astronomy geboten. Geplant waren nur 2 Teleskope, doch letztlich wurden 4 Instrumente zur Sonnenbeobachtung aufgebaut; sogar Paul Hombach baute seinen Refraktor mit Sonnenprojektion auf. Unsere sonnige Star-Party war wirklich gut besucht (weitere Fotos der Aktion gibt’s von Daniel Fischer); Jung und Alt staunten am Okular über ein paar gut sichtbare Protuberanzen und zwei erdgroße bipolare Sonnenfleckenpaare (Bild 6, 3 Stunden vor dem Vortrag aufgenommen) auf der Sonne. Unter den interessierten Besuchern waren auch einige Schüler des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums (EMA), die durch ihren Physiklehrer Udo Wernick im Rahmen einer Projektwoche auf den gestrigen Vortrag hingewiesen wurden. Auch die Presse in Form des „General-Anzeiger Bonn“ mischte sich unter die Sonnenbeobachter und warf ebenfalls kurz einen Blick durch’s Okular (Bild 5, ganz links sowie sein Artikel), und wie man sieht, kam sogar eine Finsternisbrille zum Einsatz.

Um 19:00 Uhr begann schließlich der Vortrag, bei dem diesmal sogar Gäste des Deutschen Museums in München im Publikum saßen. Anderthalb Stunden gab’s wieder bestes Astrotainment vor dem Teilchenbeschleuniger (der bald Mittelpunkt einer neuen Ausstellung ist) des Technikmuseums. In dem bunten Sommerspecial fehlte natürlich auch nicht der Hinweis auf die weltweite Aktion am kommenden Freitagabend: „Winkt dem Saturn“. Und auch bei diesem Astroabend hatte Hobbyastronom und Springmaus-Pianist Paul Hombach sein Keyboard dabei (Bild 7) und untermalte mit tollen Syntie-Klangteppichen wunderbare Nachtleuchtende Wolken im Zeitraffer und das Teleskopkarussell von ALMA. „Pauls Portables Planetarium“ gibt’s wieder am 05. November – hoffentlich mit ähnlich gutem Wetter und vielen neugierigen Besuchern.

17.07.2013

Dunkelblaue Farbe von Exoplanet HD 189733b bestätigt

ESA, NASA, Giovanna Tinetti, Martin Kornmesser

„Die Analyse des Lichts des Sterns HD 189733 ergab, dass der ihn umkreisende Exoplanet eine dunkelblaue Version von Neptun sein könnte.“ Das schrieb ich 2010 in einem Artikel, und nach den ersten Hinweisen liegen nun neue Ergebnisse vor, nach denen die 63 Lichtjahre entfernte Welt tatsächlich ein dunkelblau gefärbter Gasplanet sein soll. Eine Forschergruppe stellt dies aktuell in einem Fachartikel („deep, dark blue“) und in einer Presseveröffentlichung („deep, azure blue“) vor. Für die Untersuchung wurde am 20. Dezember 2012 der 7,7mag helle Stern mit dem Hubble-Weltraumteleskop angepeilt, während vier Orbits wurden dann mit dem STIS-Spektrografen 102 Spektren in fast vier Stunden Beobachtungszeit aufgenommen. Beobachtet wurde nicht die Transitphase des (unsichtbaren) Planeten, sondern die sekundäre Bedeckung, wenn also der umkreisende Gasriese fast vom Stern selbst bedeckt wird. Das Spektrum von HD 189733 mit einer zusätzlich Sternlicht reflektierenden Planetenoberfläche sieht anders aus, als ein Spektrum ohne ein begleitendes Objekt im System. Das lässt sich tatsächlich nachweisen, so dass sich HD 189733b im Sternspektrum bemerkbar macht.

Bei der Auswertung der Spektren – aufgenommen zwischen 290 (UV-Bereich) und 570 Nanometer (sichtbares Licht) – fand das Team einen signifikanten Anstieg des Rückstrahlungsvermögens bei kurzen Wellenlängen: Im UV-Bereich liegt die Albedo bei 40 Prozent, während es im grüngelben Teil des Optischen weniger als 12 Prozent sind. Etwas in der Planetenatmosphäre sorgt dafür, dass sie im Ultravioletten viel mehr Sternlicht reflektiert und damit heller erscheint. Glastropfen aus Magnesium-Silikaten, die mit 7.000 Stundenkilometern durch die über 1.000 Kelvin heiße Gashülle getrieben werden, hält man u.a. für wahrscheinlich. Mineralien wie diese sollen das Licht des Heimatsterns so streuen, dass der Gasplanet mit bloßem Auge dunkelblau erscheinen würde. Hell dagegen erscheint temperaturbedingt der Fleck – Hot Spot genannt -, der immer in Richtung Stern weist, da der Planet wie der Mond eine gebundene Rotation hat. „Our best-fit albedo values imply that HD 189733b would appear a deep blue color at visible wavelengths.“ Im Gegensatz dazu entsteht Neptuns blaue Atmosphäre durch Methan, das den Rotanteil des Sonnenlichts absorbiert und das Blau streut.

12.07.2013


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