Archiv für März 2013



„Kometenwoche in Bonn“ kommt … und weitere Termine

Wie man auch in meinen Astroterminen nachlesen kann, ist es jetzt noch genau eine Woche bis zur „Kometenwoche in Bonn“, bei der anlässlich des hellen Kometen PanSTARRS öffentliche Veranstaltungen in und um Bonn stattfinden werden. Sie beginnt nächsten Montag, 11. März, mit einem einleitenden Kometenvortrag von Stefan Krause und endet mit der letzten Beobachtungsaktion am darauffolgenden Montag, 18. März. Zufälligerweise fällt die beste Sichtbarkeit des auffälligen Schweifsterns, der leider in der Abenddämmerung nur tief am Westhorizont stehen wird, auf den 11. bundesweiten Astronomietag am 16. März. Hierzu laden nicht nur die aktiven Hobbyastronomen von VSB und KBA nach Bonn und parallel nach Sankt Augustin ein, auch die neue Gruppe der „Sternfreunde Siebengebirge“ plant in Bad Honnef eine eigene Beobachtungsaktion. Letztere erweitert den Astronomietag sogar um eine zweite öffentliche Beobachtung am Sonntagabend. Alle Termine mit Orten und Zeiten zur „Kometenwoche in Bonn“ wurden hier wunderbar zusammengefasst. Für ein gutes Gelingen braucht’s dann eigentlich nur noch ein paar hoffentlich wolkenlose Abende.

Nach dem „kometenhaften“ März folgt im April und Mai das beliebte Astroseminar, das schon zum 19. Mal auf dem DLR-Gelände in Köln-Porz stattfindet. Des Weiteren sind für diese beiden Monate auch drei Vorträge geplant, die im Rahmen der Bonner „Sammlung historischer Himmelsaufnahmen“ stattfinden werden. Außerdem im Mai: das 13. „Pauls Portables Planetarium“ von Paul Hombach und Sonnenbeobachtung beim zweitägigen Klosterfest in Sankt Augustin. Über die genannten Termine kann man sich auch direkt im Veranstaltungskalender informieren.

04.03.2013

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Musiktipp: Ein Song wie der Urknall

Eigentlich ist Post-Rock gar nicht mein Genre, aber seitdem ich vor 12 Jahren zufällig einen Konzertmitschnitt vom November 2000 von Sigur Rós gesehen habe, war ich von ihrem atmosphärischen Gitarren-Sound völlig fasziniert. Es wurde nicht einfach geschrammelt, Sänger Jónsi strich seine E-Gitarre mit einem Bogen. Seit diesem Momemt sind die Isländer meine absolute Lieblingsband und ich war mir damals schon sicher, diese unvergleichlichen Klangwelten können nicht von dieser Welt sein – außerirdisch eben. Seit über 15 Jahren ist der Cellobogen auf der Gitarre das Markenzeichnen der Band, 1999 folgte schließlich ihr Durchbruch mit dem von der Presse hoch gelobten Meisterwerk „Ágætis Byrjun“.

Sigur Rós ist eine typische Band, die man entweder mag oder nicht mag. Der Falsettgesang, die sich nur langsam entwickelnden Songs und der normalerweise langsame Rhythmus ist sicherlich nicht jedermanns Sache, man muss sich auf die Musik einfach einlassen. Dass man kein isländisch versteht ist noch das geringste Problem, denn Sigur Rós untermalen ihren vertrackten Soundteppich gerne auch einfach mit einer Fantasiesprache (vor allem beim namenlosen Album „()“) und legen so direkt den Fokus auf das Klangerlebnis. Aus traumhaft schönen Melodien (StarálfurViðrar vel til Loftárása, Sé Lest), treibenden Gitarren-Sounds (Sæglópur, Hafsól, Ný BatteriÍ Gær), experimentellen Ambient-Stücken und auch wunderbaren Pop-Nummern (Hoppípolla, Með suð í eyrum) besteht ihr einzigartiger Mix, den man am ehesten als atmosphärische Musik mit mitreißenden Gitarren(+Bogen)-Einlagen bezeichnen kann und die man einfach aufdrehen muss.

Laut hören muss man auf jeden Fall auch Untitled 6 (E-Bow) und Untitled 8 (Popplagið)! Den Spannungsbogen des ersten Songs mit einem grandiosen Finale assoziiere ich immer mit dem gespannten Warten auf die Totalität einer Sonnenfinsternis und dem zweiminütigen Höhepunkt. Dagegen wirkt der zweite Song und energiegeladene Schluss jeder Show wie die Geburt des Kosmos selbst. Diesen hochenergetischen Urknall habe ich bei meinem dritten Sigur-Rós-Konzert vor anderthalb Wochen in Amsterdam aufgenommen. Um so einen ohrenbetäubenden Energieausbruch mit Gänsehaut in der erste Reihe zu erleben, fahre ich liebend gerne drei Stunden. Vielleicht reißen sie mit diesem Post-Rock-Gewitter sogar das 76m-Radioteleskop ab, vor dem sie am 30. August spielen werden.

04.03.2013

Keine exotische Erklärung für gewaltigen Sonnensturm von 775

Was war eigentlich im Jahr 775 in der Weltgeschichte los? In Aachen thronte der Frankenkönig Karl der Große, von dem die Sachsenkriege ausgingen, Leo IV., Kaiser des Byzantinischen Reiches, starb, und Bagdad war die größte Stadt der Welt. Außerdem entstand in dieser Zeit eine Anomalie, die erst über 1.200 Jahre später entdeckt wurde und über die eine japanische Forschergruppe im Juni 2012 im Fachblatt Nature berichtete. In Baumringen von Zedern fand sie eine überdurchschnittlichen Menge an Kohlenstoff-14 (C-14), was auf einen Anstieg der kosmischen Strahlung um das Jahr 775 hindeutete.  Das deutete zwar auf eine gewaltige kosmische Katastrophe hin, aber über die Ursache konnte nur spekuliert werden. Im folgenden halben Jahr erschien ein Studie nach der anderen, in denen neben extremen Sonnenstürmen auch ein folgenreicher Kometensturz in die Sonne sowie eine (unsichtbare) Supernova oder – wie erst im Januar berichtet – ein noch exotischerer Gammastrahlenblitz (Gamma Ray Burst, GRB) als Erklärungen diskutiert wurden.

Ein gestern erschienener Fachartikel schiebt nun doch der Sonne die Schuld zu: „The Sun is to blame“. Ein internationales Team prüfte anhand von weiteren Datensätzen noch einmal die Zahlen für Kohlenstoff-14 und Beryllium-10, nahm u.a. Daten einer Deutschen Eiche am Main hinzu, suchte historische Beschreibungen von Polarlichtern und zur Untersuchung, wie das radioaktive Kohlenstoffisotop von der Natur aufgenommen wurde, wurden gleich drei Modelle des Kohlenstoff-Kreislaufs verwendet. Das Resultat der Arbeit: Um 775 gab es tatsächlich eine globale Katastrophe, aber statt exotischer Erklärungsversuche war vermutlich doch ein sehr starker Sonnensturm die Ursache. Allerdings war dieser ursprünglich um einen Faktor 5 überschätzt worden, wie diese neue Untersuchung jetzt zeigt, weshalb ein hochenergetischer Teilchenschauer eines solaren Riesenflares im Mittelalter eben für unrealistisch gehalten wurde.

Global müssen die Auswirkungen des geomagnetischen Sturms von 775 tatsächlich gewesen sein, denn nach den neuesten Zahlen erreichte er eine Dichte von 4,5×10^10 Teilchen pro cm² (bei Energien über 30 MeV)! Als Vergleich: Der bisher größte Protonensturm, 1859 durch den bekannten Carrington-Flare ausgelöst, spielt in der gleichen Liga und erreichte im selben Energiebereich 2×10^10 Protonen pro cm².

01.03.2013


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