V900 Mon: Amateurentdeckung eines eruptiven Protosterns

2011 (links): Adam Block/Mount Lemmon SkyCenter/University of Arizona;            1953 (rechts): POSS-I (First Palomar Observatory Sky Survey)

Und noch eine weitere Amateur-Beobachtung, wobei es sich hier sogar um eine Entdeckung handelt. Mensch, da hätte ich aufgrund dieser Nachricht von Deep-Sky-Beobachter Reiner Vogel fast den Austritt von Io gestern Abend verpasst, wirklich in allerletzter Minute schaffte ich es dennoch zum Dobson und verfolgte das Schauspiel am Jupiter. Im Astrotreff-Forum berichtete er über eine im November 2009 gemachte Entdeckung des Hobbyastronomen Jim Thommes. Unter einem Wüstenhimmel Südkaliforniens entstand damals mit seinem C8-Teleskop und über zwei Stunden Belichtungszeit eine Aufnahme, mit der der Astrofotograf den veränderlichen Stern V900 Mon bzw. vielmehr einen neuen Nebel entdeckte. Das oben gezeigte Bild zeigt links eine aktuellere Aufnahme des neuen Nebels, fotografiert von Adam Block im November 2011, und rechts ein fast 59 Jahre älteres Bild, auf dem an der selben Position ein kaum sichtbarer Stern – schwächer als 20,0mag – zu erkennen ist.

Dass V900 Mon eine Neuentdeckung sein muss, sieht man schon allein daran, dass in der Simbad-Datenbank nur vier Literaturquellen gelistet sind, der erste Fachartikel (PDF) erschien erst vor einem Jahr. Nach der Entdeckung mit dem C8 eines Amateurs richteten die Fachastronomen u.a. Großteleskope wie die beiden Keck-Teleskope und das Gemini North Telecope auf das neue Objekt. Anhand der ersten spektroskopischen Untersuchungen und dem Helligkeitsausbruch von über vier Größenklassen konnte nachgewiesen werden, dass es sich um ein sog. FU-Ori-Objekt handelt. Diese durch heftige Akkretionsvorgänge ausgelöste sehr aktive FUor-Phase wird meist bei sonnenähnlichen Protosternen (Klasse-I-YSO (Young Stellar Object)), aber auch noch im klassischen T-Tauri-Stadium (Klasse-II-YSO) beobachtet; selbst für die sehr junge Sonne werden solche Ausbrüche angenommen.

V900 Mon wird jetzt als leuchtkräftiges Klasse-I-YSO klassifiziert, so dass es sich bei der 3.600 Lichtjahre entfernten Sonne um einen eruptiven Protostern handelt, sein Alter sollte daher nur zwischen 100.000 und 500.000 Jahre liegen. Staub in seiner unmittelbaren Nähe lässt den eigentlich unsichtbaren  Stern nun sichtbar werden, denn das Licht des Helligkeitsausbruchs streut sich an den Staubteilchen seiner Geburtswolke. Dieser neue Reflexionsnebel stellt sogar eine Herausforderung für den visuellen Beobachter dar. Er dürfte wie ein winziges Nebelscheibchen aussehen und die Helligkeit sollte so um die 15,0mag liegen. „Auch im 14″ war er kein schwieriges Objekt“, heißt es nach dem ersten Beobachtungsversuch, so dass ich es auch mal mit meinem 12-Zöller versuchen werde.

Klasse-I-Protostern; ESA, Christophe Carreau

07.03.2013

Reipurth, B., Aspin, C., & Herbig, G. (2012). V900 MON AND THOMMES’ NEBULA: A NEW FUor IN MONOCEROS The Astrophysical Journal, 748 (1) DOI: 10.1088/2041-8205/748/1/L5

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