Musiktipp: Ein Song wie der Urknall

Eigentlich ist Post-Rock gar nicht mein Genre, aber seitdem ich vor 12 Jahren zufällig einen Konzertmitschnitt vom November 2000 von Sigur Rós gesehen habe, war ich von ihrem atmosphärischen Gitarren-Sound völlig fasziniert. Es wurde nicht einfach geschrammelt, Sänger Jónsi strich seine E-Gitarre mit einem Bogen. Seit diesem Momemt sind die Isländer meine absolute Lieblingsband und ich war mir damals schon sicher, diese unvergleichlichen Klangwelten können nicht von dieser Welt sein – außerirdisch eben. Seit über 15 Jahren ist der Cellobogen auf der Gitarre das Markenzeichnen der Band, 1999 folgte schließlich ihr Durchbruch mit dem von der Presse hoch gelobten Meisterwerk „Ágætis Byrjun“.

Sigur Rós ist eine typische Band, die man entweder mag oder nicht mag. Der Falsettgesang, die sich nur langsam entwickelnden Songs und der normalerweise langsame Rhythmus ist sicherlich nicht jedermanns Sache, man muss sich auf die Musik einfach einlassen. Dass man kein isländisch versteht ist noch das geringste Problem, denn Sigur Rós untermalen ihren vertrackten Soundteppich gerne auch einfach mit einer Fantasiesprache (vor allem beim namenlosen Album „()“) und legen so direkt den Fokus auf das Klangerlebnis. Aus traumhaft schönen Melodien (StarálfurViðrar vel til Loftárása, Sé Lest), treibenden Gitarren-Sounds (Sæglópur, Hafsól, Ný BatteriÍ Gær), experimentellen Ambient-Stücken und auch wunderbaren Pop-Nummern (Hoppípolla, Með suð í eyrum) besteht ihr einzigartiger Mix, den man am ehesten als atmosphärische Musik mit mitreißenden Gitarren(+Bogen)-Einlagen bezeichnen kann und die man einfach aufdrehen muss.

Laut hören muss man auf jeden Fall auch Untitled 6 (E-Bow) und Untitled 8 (Popplagið)! Den Spannungsbogen des ersten Songs mit einem grandiosen Finale assoziiere ich immer mit dem gespannten Warten auf die Totalität einer Sonnenfinsternis und dem zweiminütigen Höhepunkt. Dagegen wirkt der zweite Song und energiegeladene Schluss jeder Show wie die Geburt des Kosmos selbst. Diesen hochenergetischen Urknall habe ich bei meinem dritten Sigur-Rós-Konzert vor anderthalb Wochen in Amsterdam aufgenommen. Um so einen ohrenbetäubenden Energieausbruch mit Gänsehaut in der erste Reihe zu erleben, fahre ich liebend gerne drei Stunden. Vielleicht reißen sie mit diesem Post-Rock-Gewitter sogar das 76m-Radioteleskop ab, vor dem sie am 30. August spielen werden.

04.03.2013

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