Keine exotische Erklärung für gewaltigen Sonnensturm von 775

Was war eigentlich im Jahr 775 in der Weltgeschichte los? In Aachen thronte der Frankenkönig Karl der Große, von dem die Sachsenkriege ausgingen, Leo IV., Kaiser des Byzantinischen Reiches, starb, und Bagdad war die größte Stadt der Welt. Außerdem entstand in dieser Zeit eine Anomalie, die erst über 1.200 Jahre später entdeckt wurde und über die eine japanische Forschergruppe im Juni 2012 im Fachblatt Nature berichtete. In Baumringen von Zedern fand sie eine überdurchschnittlichen Menge an Kohlenstoff-14 (C-14), was auf einen Anstieg der kosmischen Strahlung um das Jahr 775 hindeutete.  Das deutete zwar auf eine gewaltige kosmische Katastrophe hin, aber über die Ursache konnte nur spekuliert werden. Im folgenden halben Jahr erschien ein Studie nach der anderen, in denen neben extremen Sonnenstürmen auch ein folgenreicher Kometensturz in die Sonne sowie eine (unsichtbare) Supernova oder – wie erst im Januar berichtet – ein noch exotischerer Gammastrahlenblitz (Gamma Ray Burst, GRB) als Erklärungen diskutiert wurden.

Ein gestern erschienener Fachartikel schiebt nun doch der Sonne die Schuld zu: „The Sun is to blame“. Ein internationales Team prüfte anhand von weiteren Datensätzen noch einmal die Zahlen für Kohlenstoff-14 und Beryllium-10, nahm u.a. Daten einer Deutschen Eiche am Main hinzu, suchte historische Beschreibungen von Polarlichtern und zur Untersuchung, wie das radioaktive Kohlenstoffisotop von der Natur aufgenommen wurde, wurden gleich drei Modelle des Kohlenstoff-Kreislaufs verwendet. Das Resultat der Arbeit: Um 775 gab es tatsächlich eine globale Katastrophe, aber statt exotischer Erklärungsversuche war vermutlich doch ein sehr starker Sonnensturm die Ursache. Allerdings war dieser ursprünglich um einen Faktor 5 überschätzt worden, wie diese neue Untersuchung jetzt zeigt, weshalb ein hochenergetischer Teilchenschauer eines solaren Riesenflares im Mittelalter eben für unrealistisch gehalten wurde.

Global müssen die Auswirkungen des geomagnetischen Sturms von 775 tatsächlich gewesen sein, denn nach den neuesten Zahlen erreichte er eine Dichte von 4,5×10^10 Teilchen pro cm² (bei Energien über 30 MeV)! Als Vergleich: Der bisher größte Protonensturm, 1859 durch den bekannten Carrington-Flare ausgelöst, spielt in der gleichen Liga und erreichte im selben Energiebereich 2×10^10 Protonen pro cm².

01.03.2013

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