Archiv für Januar 2013



Beeindruckende Polarlichter über den Lofoten

In der ersten Ausgabe des Online-Astronomiemagazins „interstellarum Sternstunde“  im neuen Jahr zeigt KBA-Sternfreund und interstellarum-Redakteur Frank Gasparini seine fantastischen Polarlichtfotos – bewegte und unbewegte -, die er im Herbst auf den Lofoten gemacht hat. Vorab waren sie schon bei „Pauls Portables Planetarium“ (Termine 2013) und sogar auf einer Kabarettbühne in Bonn zu sehen. Nun berichtet der Bonner Hobbyastronom ausführlich über seinen farbenprächtigen Lofoten-Urlaub ab Minute 9, und im Anschluss stellt er in der Rubrik „interstellarum packt ein aus“ eine neue Serie von H-alpha-Okularen vor. Und natürlich gibt es auch wieder Neuigkeiten aus der Forschung und die Astrovorschau für Februar und März.

10.01.2013

Superscharfe Orionnebel-Geschosse

Gestern am späten Abend wurde auf der 221. AAS-Tagung noch ein echter Knüller präsentiert: ein erst am 28. Dezember mit neuester Technik entstandenes Detailbild des Orionnebels. Es zeigt die hinter dichten Gasmassen verborgene und darum am besten im Infrarot sichtbaren Gasfinger, die in der Literatur als Geschosse – Bullets – bezeichnet werden. Tatsächlich findet sich hier ein Geschwindigkeitsbereich von bis zu 100 km/s, mit dem das Gas in den umgebenen Orionnebel jagt.

Gemini Observatory/AURA

Diese kürzlich gemachte Aufnahme der Orion Bullets entstand mit der neuen Adaptiven Optik (AO) GEMS zusammen mit der neuen Nahinfrarotkamera GSAOI am Gemini South Observatory in Chile. Der 50-Watt-Laser des AO-Systems besteht dabei aus fünf Strahlen, so dass die Luftunruhe (Seeing) in der Atmosphäre dreidimensional erfasst und aus den Aufnahmedaten rausgerechnet werden kann. So kann der störende Seeing-Einfluss auf 0,1 Bogensekunden verringert werden, normalerweise sind die Werte um 1 Bogensekunde groß. Was die neue Bildkorrektur bringt, sieht man auch im direkten Vergleich mit einer Aufnahme von 2007.

Verantwortlich für diese explosive Ausströmung ist das kompakte Infrarotobjekt Orion BN/KL (schmetterlingsförmig der KL-Nebel, BN der hellste Stern darin), ein massereiches Sternentstehungebiet ganz in der Nähe der bekannten Trapezsterne, doch welche Mechanismen genau dahinterstecken, ist immer noch ein Rätsel. Auch diese Infrarotaufnahme zeigt die Bullets hinter dem Gasvorhang des Orionnebels.

ESO

10.01.2013

Verdampfende Exokometen bei 10 Sternen

Im Jahr 1987 wurde erstmals über extrasolares Kometenmaterial berichtet: bei dem Stern beta Pic wurde eine variable „Ca II redshift as due to a discrete event of freely infalling material (large bodies of cometary material could plausibly account for such observations)“ interpretiert. Dieses spektrale Merkmal der veränderlichen Fraunhoferlinie K (ionisiertes Kalzium Ca II) mit einer Rotverschiebungskomponente gilt auch heute als Hinweis auf verdampfende Schweifsterne: „These absorption features are most probably associated with the presence of falling evaporated bodies (exo-comets) that liberate evaporating gas on their approach to the central star.“

Im Mai 2011 kamen die Sterne 2 And (5,1mag), 5 Vul (5,6mag, steht mitten im Kleiderbügelhaufen Collinder 399) und 49 Cet (5,6mag) hinzu, so dass bereits sieben junge Exokometen-Sternsysteme bekannt waren. Dass es bei der hellen Sonne 49 Cet mit täglich 15.000 Kometenkollisionen extrem turbulent zugeht, stellte sich schließlich 2012 heraus.

Der Entdecker der letzten drei Kandidaten, Barry Welsh von der University of California, Berkeley, hat nun Anfang dieser Woche auf der noch laufenden AAS-Tagung drei weitere Sterne vorgestellt, so dass nun 10 Systeme dieser Art bekannt sind. Zu diesen drei gehören rho Vir (4,9mag), HD 21620 (6,3mag) und der Dreifachstern im Orion HD 42111 (6,0mag). Bei allen fand sich die selbe Signatur der variablen Kalziumlinie in den Spektren, so dass man hier ebenfalls von Exokometen ausgeht, die auf dem Weg ins Innere ihres Sternsystems verdampfen. Diese nun insgesamt sechs neuen Sonnen sind teilweise nur wenige Millionen Jahre alt, weshalb sie zusätzlich noch von Scheiben aus Staub oder bereits größeren Planetenbausteinen umgeben sind.

Die Beobachtungen sind erst kürzlich beendet worden und wurden zwischen Mai 2010 und November 2012 am 2,1m-Teleskop des McDonald Observatory in Texas durchgeführt; drei Beobachtungsläufe zu fünf Nächten wurden dabei absolviert.

NASA, Lynette Cook

09.01.2013

Viertes Bild des Exoplaneten-Kandidaten von Fomalhaut

Als Abschluss des gestrigen AAS-Tagungstages in Kalifornien berichtete Paul Kalas über die neueste HST-Aufnahme des vermuteten Exoplaneten bei dem hellen Stern Fomalhaut. Doch die wahre Natur des wandernden Punktes bleibt weiterhin unklar. Ist der helle Punkt Fomalhaut b tatsächlich nur eine Staubwolke- oder scheibe, in der der eigentliche Planet versteckt ist? Nach dem neuesten Modell würde die 1,5-fache Masse des Kleinplaneten Ceres ausreichen, um die Staubmassen gravitativ zusammenhalten zu können.

NASA, ESA, Paul Kalas

Dieser neue Datenpunkt nahe des Staubgürtels erlaubt den Forschern nun auch eine Draufsicht auf das Sternsystem mit der Umlaufbahn des Exoplaneten (oder Kleinplaneten)-Kandidaten. Um das Jahr 2032 sollte Fomalhaut b in den dichten Bereich des Hauptgürtels eindringen. Letztes Jahr hatte sich zudem gezeigt, dass der markante äußere Ring der Ort von täglich tausenden Kometenkollisionen ist.

NASA, ESA, Paul Kalas

[Nachtrag] Eine ähnlichen Aufbau wie bei Fomalhaut aus warmen Staubring relativ nah am Stern (vergleichbar mit dem Asteroidengürtel) und kalten Staubgürtel weiter außen (vergleichbar mit dem Kuipergürtel) konnte nun bei Wega nachgewiesen werden. Um diese Struktur stabil zu halten, hält man bei den sog. „debris disk twins“ Fomalhaut und Wega jeweils mindestens zwei Planeten für möglich.

09.01.2013

Übersicht zu helle Kometen 2013

Eine aktuelle Übersicht über die zu erwartenden und möglichen hellen Kometen 2013 hat der Bonner Sternfreund Stefan Krause im Nachbarblog zusammengestellt. Denn neben PANSTARRS (im März) und dem Sensationskometen ISON (im November) könnten noch andere Schweifsterne für das bloße Auge auftauchen. Einen weiteren Planer für 2013 gibt es noch von Kometenbeobachter Burkhard Leitner.

Dass der als vollmondheller Jahrhundertkomet betitelte ISON weiterhin in der Presselandschaft seine Wellen schlägt, zeigt u.a.  diese deutsche Meldung von heute. Doch wie sich seine Helligkeit entwickelt, werden wir erst Ende des Jahres sehen; zurzeit ist er immer noch ein winziges und nur 16,5mag helles Fleckchen irgendwo zwischen Kastor und Pollux in den Zwillingen. Das hier gezeigte Foto gelang dem Kometenfotografen Norbert Mrozek aus Hagen, Mitte November hatte das Nebelchen ISON nur die 17. Größenklasse.

08.01.2013

Kepler: 105 bestätigte Exoplaneten und 2.740 Kandidaten

Fast vier Jahre nach dem Start des satellitengestützten Planetenjägers Kepler hat die NASA gestern auf der 221. AAS-Tagung die neuesten Daten vorgestellt. Demnach sind im Kepler-Feld an der Sternbildgrenze von Schwan und Leier jetzt 105 bestätigte extrasolare Planeten bekannt und die Zahl der Kandidaten stieg auf insgesamt 2.740. Mit 43% gab es den größten Zuwachs bei den erdgroßen Planeten (jetzt 351 Kandidaten), auch die Zahl der Super-Erden stieg um 21% (jetzt 816 Kandidaten). Dass darin aber noch mehr Kandidaten zu finden sind, zeigte ebenfalls gestern eine neue Veröffentlichung der Amateurforscher der Planet Hunters, die die Datenflut von Kepler analysiert – und jeder kann mitmachen und Lichtkurven untersuchen. Neben den 42 Kandidaten berichteten sie außerdem über ihren zweiten sicheren Exoplaneten-Fund PH2.

Alle bis heute bekannten 2.740 Exoplaneten-Kandidaten auf einen Blick zeigt diese Übersicht. Rot und orange stellen große und kleine Gasplaneten dar, grün sind Super-Erden von doppelter Erdgröße und blaue Punkte zeigen mögliche Exoplaneten mit Erddurchmesser (kleiner als 1,25x Erdgröße) an. Zur Einschätzung der Ausdehnung des Kepler-Feldes habe ich noch die scheinbare Größe des Mondes (0,5° am Himmel) dargestellt. Eine mondgroße Fläche enthält rechnerisch somit fünf Kepler-Kandidaten!

Software Bisque, NASA, Kepler mission

08.01.2013

Fast 200 Seiten zur Verfinsterung von epsilon Aur online

Mit einer zum Jahresanfang online erschienenen Spezialausgabe des „Journal of the American Association of Variable Star Observers“ stellten vergangene Woche die amerikanischen Veränderlichen-Beobachter der AAVSO die Highlights ihrer Kampagne zur letzten Sternbedeckung des Veränderlichen epsilon Aur vor. Auf rund 190 Seiten widmen sie sich den verschiedenen Beobachtungsergebnissen zur weltweit verfolgten Sternfinsternis der außergewöhnlichen und rätselhaften Sonne epsilon Aur und dem dazugehörigen Citizen-Science-Portal Citizen Sky. Alle Artikel zu diesem Thema sind so auf einen Blick sichtbar und als PDF-Dateien frei zugänglich.

Darunter findet sich auch die letzte Auswertung der während der Sternbedeckung entdeckten veränderlichen Kaliumlinie, über die ich schon im Juli berichtete. Mit dem Beitrag „An Artist’s Note on Art in Science“ stellt sich auch der Künstler Nico Camargo vor, dessen Draufsicht auf das Sternsystem epsilon Aur den heutigen Kenntnisstand zur wahren Natur des wohl rätselhaftesten Bedeckungsveränderlichen – mit elongierter Staubspirale mit kleinen Lücken – vermutlich am besten wiedergibt.

07.01.2013

PH2 nächster Exoplanet der Planet Hunters – und 42 neue Kandidaten

„This publication has been made possible by the participation of more than 200,000 volunteers in the Planet Hunters project.“ Diesen Satz findet man in der heute veröffentlichten Entdeckungsmeldung zum zweiten Exoplaneten-Fund der Amateur-Planetenjäger. Die Planet Hunters entstanden 2010 im großen Citizen-Science-Netzwerk Zooniverse, vor weniger als drei Monaten stellten sie ihren ersten bestätigten Exoplaneten vor und legen nun schon die nächsten vielversprechenden Resultate ihrer Datenanalyse nach.

Bereits im Juli kommentierte Planet Hunter Kian Jek im Forum die Kepler-Lichtkurve des Sterns KIC 12735740: „Estimated 1.12x RJ planet at 0.862AU. With a Teq of 292K, it’s in the HZ!“ Hinter dieser Nummer verbirgt sich ein 13,0mag-Stern, der sich im Sternbild Schwan an der Position 19 19 03.264 +51 57 45.36 genau zwischen zwei Sternen 9. Größe befindet. Mittlerweile ist man sich zu 99,92% sicher, dass um diesen sonnenähnlichen Stern (0,94 Sonnenmassen, 5.600 Kelvin) ein kühler Gasriese (130.000 Kilometer, 280 Kelvin bzw. 10 Grad) von etwa Jupitergröße genau im richtigen Abstand (0,83 AE, 9 ½ Monate) kreist, so dass er sich in der habitablen Zone (HZ) befindet. So lässt sich ebenso wieder über lebensfreundliche Monde spekulieren, die den Exoplanet PH2 umkreisen könnten.

Wie außerdem berichtet wird, fand man in den Archivdaten des Weltraumteleskops Kepler sogar noch 42 neue Exoplaneten-Kandidaten, wobei 33 davon schon mit mindestens drei Transits beobachtet wurden. Das interessanteste Objekt in der Liste ist zugleich der kleinste Kandidat: KIC 4947556, ein kühler 14,0mag heller Stern, könnte vermutlich in der habitablen Zone von einer kühlen Supererde umkreist werden. Im August wurde dazu die erste Auswertung der Lichtkurve im Forum der Planet Hunters gepostet. Der Planet soll die 2,6-fache Erdgröße und eine Temperatur von 277 Kelvin (4 Grad) haben, die Umlaufzeit im Abstand von 0,5 AE beträgt etwa 4 ½ Monate. Allerdings ist der Kandidat erst zu 76% sicher und zur besseren Einschätzung fehlt noch eine Massenbestimmung, was angesichts des lichtschwachen Sterns nicht so leicht ist.

Lichtkurve von KIC 4947556: Kian Jek (Planet Hunters)

07.01.2013

Wie entstehen heiße Kohlenstoffsterne?

Wenn sich Sterne mit wenigen Sonnenmassen ihrem Lebensende nähern, blähen sie sich zu Riesensternen auf, wobei sie sich – falls der produzierte Kohlenstoff in der Sternhülle überwiegt – zu sog. Kohlenstoffsternen entwickeln können. Sie werden je nach  Temperatur und chemischer Zusammensetzung ihrer ausgedehnten Atmosphären in drei Spektralklassen (N, R und J) eingeteilt; allerdings geht man heute davon aus, dass sich die chemischen Besonderheiten aller Kohlenstoffsterne nicht durch einen einzigen Entwicklungsweg physikalisch erklären lassen.

Zwei Astrophysiker haben jetzt neue Sternmodelle analysiert und wollen so heiße Kohlenstoffsterne des R-Typs (hellster Vertreter HD 112127) und zugleich die kühlen J-Sterne (hellste Vertreter sind Y CVn und RY Dra) erklären. Denn trotz ihres Temperaturunterschiedes zeigt die Chemie beider Sterntypen Ähnlichkeiten: so etwa eine Überhäufigkeit an Lithium, die im Falle von R-CrB-Sternen durch die Verschmelzung von zwei Weißen Zwergen entstehen soll. Dieser Ansatz wird nun auch bei den Kohlenstoffsternen aufgegriffen, wobei von fünf Sternmodellen die Subduktionstheorie (siehe Bild) am besten funktioniert: Ein 0,4 Sonnenmassen schwerer heliumreicher Weißer Zwerg wird von einem Riesenstern verschluckt und verschmilzt danach mit dessen Kern.

Nach diesem Modell beträgt die Lebensspanne von heißen R-Sternen 60 Millionen Jahre, die kühlen J-Sterne sollen dabei nur in einer sehr kurzen Phase von lediglich einer Million Jahre zu finden sein. Außerdem passt die Theorie sehr gut zu den 15 R-Kohlenstoffsternen – darunter auch der 6,9mag-Stern HD 112127 -, mit denen sie überprüft wurde. Im Fall eines 8,7mag hellen exotischen Exemplars der J-Klasse nehmen die Astrophysiker sogar an, dass „HD 100764 might be a very recent merger currently evolving towards the J-star phase“.

07.01.2013

Was ist los 2013?

Im neuen Jahr angekommen wurde aktuell im Blog Skyweek 2.0 ein umfassender Astroplaner 2013 zusammengestellt. Hier hat man alles auf einen Blick: Was wird am Himmel beobachtbar sein, was für Veranstaltungs- und Raumfahrttermine gibt es und welche runden Jahrestage ereignen sich?

Und speziell für astronomische Veranstaltungstipps im Rheinland gibt es natürlich auch für 2013 meine Astrotermine für Bonn und Umgebung – der Kalender füllt sich bereits. Außerdem habe ich hier meine Berichte von 2012 zu Terminen und Beobachtungen chronologisch zusammengefasst.

03.01.2013

[Nachtrag] Einen weiteren Jahresrückblick 2012 gibt es nun auch in Form von 26 Astrozeichnungen von Lambert Spix.

07.01.2013


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