Archiv für Dezember 2012



HD 195592: Schneller Stern im Gammalicht

HD 195592 ist ein 30-Sonnenmassen-Stern mit einer Temperatur von 30.000 Kelvin (Spektraltyp O9,5) und strahlt mit 300.000 Sonnenleuchtkräften, weshalb der Riesenstern selbst aus einer Entfernung von 3.600 Lichtjahren noch in einem Fernglas sichtbar ist. Die ferne Sonne steht als 7,1mag heller Lichtpunkt – etwas abseits – zwischen den Sternen Deneb und Sadr im Sommersternbild Schwan. Der massereiche Stern wurde vermutlich vor 3 Millionen Jahren aus dem Sternhaufen M 29 herausgeschleudert und ist seitdem als Schnellläufer bzw. Runaway Star unterwegs. Durch eine Geschwindigkeit von 40 km/s hat sich in 5,6 Lichtjahren Abstand vor dem Stern eine Bugwelle, eine Verdichtung des interstellaren Mediums, gebildet – ähnlich des bekannten Bowshocks von LL Ori im Orionnebel M 42 (Bild unten).

Erst kürzlich wurde dieser schnelle Stern mit einer Gammastrahlenquelle des Weltraumteleskops Fermi in Verbindung gebracht und wie nun heute  argentinische Astronomen berichten, ist man bereits auf der Suche nach dem Ursprung des Gammaleuchtens. HD 195592 ist zwar ein Doppelstern mit vielleicht insgesamt 50 Sonnenmassen, kollidierende Sternwinde können aber nicht für die Gammaphotonen verantwortlich sein. Stattdessen vermuten sie den Beschleunigungsmechanismus in der Bugwelle des Sterns. Mit der einfachsten und gleichzeitig konservativsten Hypothese gelangen die Forscher zu einem vielversprechenden Modell, in dem das Infrarotlicht des Staubes in der Schockfront durch Streuprozesse auf sehr hohe Energien beschleunigt wird, wobei letztlich auch Gammalicht emittiert wird. HD 195592 ist deshalb vermutlich „the very first object detected belonging to the category of gamma-ray emitting runaway massive stars“.

10.12.2012

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Neues Angebot für Weltraumtouristen: Die Mondlandung ab 2020

Heute vor genau 40 Jahren startete am 07. Dezember 1972 mit Apollo 17 die letzte bemannte Mondmission; vier Tage später betraten die letzten beiden Menschen den Mond. Anlässlich dieses für die bemannte Raumfahrt wichtigen Tages ging gestern eine neue Homepage online: www.goldenspikecompany.com. Hinter dem Firmennamen Golden Spike verbirgt sich ein neues Unternehmen, das kommerzielle Flüge zur Mondoberfläche anbieten will. Neben der Homepage und den üblichen parallelen Social-Media-Auftritten bei Facebook („Buzz Aldrin gefällt das“) und Twitter gibt es auch ein Werbevideo.

„Human space exploration is a touchstone of the future – It is time, we’re creating that future“, ist in großen Buchstaben auf der Website des Unternehmens zu lesen. Golden Spike hat sich zum Ziel gesetzt die Mondlandung für Weltraumtouristen attraktiv zu machen. Nach den gestern vorgestellten Plänen hofft man auf den ersten kommerziellen Mondflug im Jahr 2020, wobei der Weltraumurlaub für 1,5 Milliarden Dollar für zwei Personen angeboten werden soll. Danach könnten 15 bis 20 Expeditionen im Jahrzehnt folgen. Unternehmensgründer Alan Stern, Leiter der Pluto-Mission New Horizons und des Projekts Uwingu, äußert sich so zu dem angestrebten Vorhaben: „We realize this is science fiction. We intend to make it science fact.“

Im selben Jahr soll übrigens ebenfalls für 1,5 Milliarden Dollar eine Kopie des Marsrovers Curiosity zum Roten Planeten starten – wie die NASA diese Woche mitteilte.

Golden Spike Company

07.12.2012

V410 Tau: Erstmals Magnetfeld eines Sternflecks direkt gemessen

AIP

Seit mittlerweile 20 Jahren wird die magnetische Aktivität (Darstellung von 1992) des etwa 11,0 mag hellen Sterns V410 Tau spektroskopisch untersucht, zudem wurde 2010 die erste Zeeman-Doppler-Karte der Sternoberfläche veröffentlicht. Nur anhand des Sternspektrums konnte durch die Rotation des Sterns (Doppler-Effekt) und die Polarisation des Magnetfeldes (Zeeman-Effekt) erstmals der auffällige polare Sternfleck kartografiert werden. Bei diesemVerfahren reichte allerdings noch nicht die spektrale Auflösung aus, um etwa die Flussdichte des Magnetfeldes am Ort des Sternflecks zu bestimmen, erklärt Klaus G. Strassmeier in der Pressemitteilung: „Wenn ein Ort auf der Oberfläche am Stern dunkel ist, kommt von dort kein oder nur wenig Licht im Spektrographen an und die über die ganze Sternscheibe rekonstruierte Magnetfeldverteilung wird verfälscht oder sogar unterdrückt.“

Strassmeier und sein Kollege Thorsten A. Carroll, beide vom Astrophysikalischen Institut Potsdam (AIP), konnten nun – wie sie hier berichten – dieses Problem lösen. Mit der neuen Analysesoftware iMap ließen sich jetzt erstmals aus Sternspektren, aufgenommen im Oktober und Dezember 2008 sowie Januar 2009, simultan die Temperaturverteilung und die Verteilung des stellaren Magnetfeldes rekonstruieren. Diese gleichzeitige Tomografie-Betrachtung der Linienprofile in den Spektren macht es möglich, dass detailierte Temperaturkarten (Bild unten, obere Reihe) und Magnetfeldkarten (Bild unten, untere Reihe; die Polaritäten sind farblich codiert) erstellt werden können; bei der Abbildung ganz oben wurden beide Daten übereinander gelegt. So zeigt sich, dass der 500 Lichtjahre entfernte 1.000 Kelvin kühlere Sternfleck tatsächlich mit einem starken Magnetfeld (maximal 1.900 Gauss) zusammenhängt – so wie bei den Sonnenflecken unseres Heimatgestirns.

V410 Tau befindet sich noch in seiner T-Tauri-Phase und gehört deshalb mit einem Alter von nur 1,2 Millionen Jahren zu den Vor-Hauptreihensternen, er hat eine Masse von 1,4 Sonnenmassen und die zwei- bis dreifache Sonnengröße, außerdem steht der junge Stern scheinbar vor der Dunkelwolke Barnard 7.

AIP

06.12.2012

Stellarer Weißlicht-Flare mit 8,0mag-Helligkeitssprung

Im Rahmen des Mount Lemmon Survey (MLS), der mit dem 1,5m-Teleskop des Steward Observatory der University of Arizona durchgeführt wird, haben Astronomen vor genau einem Monat einen kurzen Helligkeitsausbruch entdeckt. Die Aufnahme vom 06. November um 6:38 MEZ lässt nichts an der Stelle erkennen (1. Bild), um 6:47 MEZ blitzte plötzlich ein 17,9mag helles Objekt auf (2. Bild), welches 20 Minuten später schon wieder an der 20,0mag-Grenze lag (3. Bild; der helle Stern über dem Kästchen ist 19,1mag hell) und verschwand. Weitere Aufnahmen sind übrigens hier zu finden. Das nur sehr kurz sichtbare Objekt befand sich an dieser Position 0,8 Grad südlich des Sterns omikron Psc und wurde als MLS121106:014420+082311 katalogisiert.

Die Suche nach dem extrem schwachen Stern, die Ende November/Anfang Dezember u.a. mit dem 10,4 Meter großen Spiegel des GTC auf La Palma durchgeführt wurde, war letztlich erfolgreich. Die erste Analyse der Bilddaten ergab, dass es sich bei dem im optischen Licht rund 26,0mag schwachen Objekt um einen kleinen Roten Zwerg des Spektraltyps M7 bis M8 handelt. Der am 06. November beobachtete Lichtblitz ist somit kein weit entfernter Gammastrahlenausbruch, was ebenfalls für möglich gehalten wurde, sondern ein sehr energiereiche Flare eines nahen Zwergsterns. Nur durch den großen Helligkeitssprung von etwa 8 Größenklassen wurde er für wenige Minuten 1.500 Mal heller und dadurch überhaupt erst sichtbar.

Auf diese Weise haben Astronomen in 1.900 Lichtjahren Entfernung einen gewaltigen Ausbruch auf einem roten Stern von Jupitergröße beobachtet. Bei diesem Weißlicht-Flare wurde die Energie von 6,5×10^24 Watt bzw. 6,5×10^31 erg/s freigesetzt, was im Vergleich zu unserer Sonne immerhin fast an den Carrington-Flare von 1859 (10^32 erg/s) herankommt bzw. einem solaren X-Flare entspricht.

06.12.2012

Hubble-Weihnachtskalender 2012 online

Auch dieses Jahr muss man in der Adventszeit nicht auf die schönen Pretty Pictures des Hubble-Weltraumteleskops verzichten. Das News-Portal The Atlantic bietet hier den bebilderten Weihnachtskalender sogar gleich in zwei Pixelgrößen an. Viel Spaß mit dem restlichen HST-Adventskalender, 21 digitale Türchen sind noch verschlossen!

04.12.2012


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