Archiv für November 2012



Abell 30: Zentralstern zweimal gestorben

Er ist ca. 5.500 Lichtjahre entfernt, 14,3mag hell und steht etwa einen Monddurchmesser südöstlich von delta Cnc im Sternbild Krebs: der Zentralstern des Planetarischen Nebels Abell 30. Visuell ist die kreisrunde Nebelscheibe allerdings nur etwas für größere Amateurteleskope.

Die äußere Hülle ist bereits 12.500 Jahre alt; ansonsten ist von der sterbenden Riesensonne nur ihr kleiner Kern übrig geblieben, der sich zu einem Weißen Zwerg entwickeln sollte. Doch vor rund 850 Jahren ereignete sich eine thermonukleare Explosion in der Heliumschicht, die den Weißen Zwerg umgab. Durch diese als VLTP (Very Late Thermal Pulse) bezeichnete Zündung ereignete sich eine Born-Again-Episode: Die schrumpfende Sternleiche wurde auf diese Weise kurzzeitig zu einem Stern mit Heliumbrennen wiederbelebt. Die dabei abgestoßene Hüllenmaterie raste durch den älteren Gasnebel, formte Wirbel und andere Strukturen und dicht am Zentrum entstanden kometenähnliche Knoten. Der Sternrest ist nun zum zweiten Mal gestorben, er ist immer noch über 100.000 Kelvin heiß und durch seine energiereiche UV-Strahlung ist der zentrale Nebelbereich sogar mit dem Röntgensatellit Chandra nachweisbar (im Ausschnitt violett dargestellt).

Der Fachartikel vom Februar zu der aktuellen Pressemitteilung ist hier verfügbar.

23.11.2012

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Kuriose Außenpolitik: Piraten wollen friedliche Marsbesiedlung

„Friedliche, nachhaltige und schonende Besiedlung des Mars“ ist der Titel eines kuriosen Antrags, über den am Wochenende in Bochum auf dem Bundesparteitag 2012.2 der Piratenpartei abgestimmt und sogar ins Wahlprogramm aufgenommen werden soll. Der Antragsteller Stephan Bliedung, als Beisitzer im Landesverband Berlin der Piratenpartei Deutschland tätig, begründet so seinen Plan: „Der zunehmenden Ressourcenknappheit der Erde kann nur durch Erschließung neuer Lebensräume begegnet werden. Interstellare Raumfahrt ist derzeit noch nicht in der Lage nahegelegene Sonnensyteme zu erreichen.“ Darum sieht er im Mars den alternativlosen Ausweg für unsere bedrohte Existenz. Mal sehen, ob jetzt die Piraten tatsächlich beim Terraforming mitmischen werden. Zumindest wurden für den Piraten-Bundesparteitag insgesamt etwa 800 Anträge eingereicht.

23.11.2012

Kein Mondlander aus Deutschland. Aber deutscher Antrieb für Orion?

Eine deutsche Mondmission wäre einfach zu schön gewesen, doch das Projekt ist wohl nun endgültig gestorben. Vor 5 ½ Jahren tauchten erstmals Pläne zum LEO (Lunar Exploration Orbiter) auf, mit dem Deutschland alleine den Mond erkunden wollte. Aus den ursprünglich zwei Satelliten, die wie STEREO den Mond in 3D vermessen sollten, machte das DLR ein Jahr später sogar einen Lander. Aufgrund der deutschen Haushaltslage gab es aber letztlich kein grünes Licht für die Mission und als erst vor einem Monat die Kosten auf 500 Millionen Euro (für Entwicklung, Start, Flug und sechsmonatiger Missionsdauer) festgesetzt wurden, versuchte man für die nötige Finanzierung andere ESA-Mitgliedsstaaten ins Boot zu holen.

Ein Start für den EADS-Lander war für 2018/2019 anvisiert, doch nun ist der deutsche Mondflug schon zum dritten Mal gestorben. „Deutschland hätte das Projekt gern umgesetzt“, sagt Peter Hintze, Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt, doch statt großer Namen wollten sich nur Länder wie Belgien, Portugal oder Tschechien an dem Projekt beteiligen. Und so kam die 16-Millionen-Euro-Studie von EADS bei der ESA-Ministerratssitzung, die diesen Dienstag und Mittwoch in Neapel stattfand, schon gar nicht mehr auf den Tisch. Für die europäische Raumfahrt geht es in den nächsten Jahren u.a. um Großprojekte wie Ariane 5 ME (Start 2017/2018) und Ariane 6 (Start 2021/2022; „Today, the Ariane 6 is born“) und der Beteiligung an der Merkurmission BepiColombo und dem JWST-Weltraumteleskop.

Außerdem wurde in Neapel über eine Mitarbeit an dem NASA-Mondprogramm entschieden. 450 Millionen Euro sollen jetzt für zwei Jahre in die Entwicklung des Servicemoduls für das Orion-Transportsystem – offiziell als Multi-Purpose Crew Vehicle (MPCV, bemannter Flug nicht vor 2021) bezeichnet – gehen. Wenn die NASA nun auf das Know-how des ESA-Raumfrachters ATV (vierter Flug im April 2013) setzen sollte, dann könnte doch noch deutsche Technik zur ISS und sogar zum Mond fliegen. Denn immerhin wurden am EADS-Standort Bremen schon das Abstriebsteil und die Steuerungseinheit für das ATV entwickelt.

Jeremy Cook

22.11.2012

Morgen: 25. Raumfahrt-Kolloquium in Aachen

Wie eben durch die Sternfreunde Siebengebirge erfahren, findet schon am morgigen Donnerstag (22. November) bereits das 25. Raumfahrt-Kolloquium in Aachen statt. Veranstaltet wird es vom Fachbereich für Luft- und Raumfahrttechnik der FH Aachen und findet von 13 bis 20 Uhr im Raum 00201 des FH-Gebäudes in der Hohenstaufenallee 6 statt. Zum Thema des Kolloquiums, „Raumfahrt-Visionen von einst und heute“, wurden namhafte Redner sowie bekannte Raumfahrt-Experten wie NASA-Berater Jesco von Puttkammer und Astronaut Reinhold Ewald, der schon vor zwei Monaten zu einem ähnlichen Thema in Köln sprach, eingeladen.

Nähere Informationen und das komplette Vortragsprogramm findet sich hier als PDF, die Teilnahme ist natürlich kostenlos.

21.11.2012

Eine historische Entdeckung von Marsrover Curiosity?

Von einer bevorstehenden „earthshaking“ Entdeckung war gestern in einem Interview mit dem leitenden NASA-Forscher John Grotzinger die Rede. Zumindest soviel verriet der Chefwissenschaftler des im August gelandeten Marsrovers Curiosity: „This data is gonna be one for the history books. It’s looking really good.“ Offenbar geht es um eine neue Bodenproben-Untersuchung mit dem Chemielabor SAM, doch es sollen noch weitere Daten analysiert werden, bevor man in einigen Wochen an die Öffentlichkeit gehen möchte. Und bis dahin bleibt nur das Spekulieren zu der angeblich vielverspechenden Entdeckung: Geht es vielleicht um neue Methan-Ergebnisse (bisher war die Suche negativ) oder um andere organische Verbindungen auf dem Roten Planeten?

Rover-Selbstportrait von Sol 84 (31.10.2012)

21.11.2012

[Nachtrag] Entschärfende Worte zu der großen Ankündigung wurden via Twitter und durch einen NASA-Sprecher mitgeteilt. Mehr zu der Neuigkeit soll in der ersten Dezemberwoche  auf der Herbsttagung der American Geophysical Union (AGU) in San Francisco bekanntgegeben werden.

23.11.2012

Ein Hypernova-Überrest im Sternbild Schwan?

Während die erste Abbildung – aufgenommen im optischen Spektralbereich – die Sommersternbilder Schwan und Leier mit dem Milchstraßenband und den bekannten Nebelkomplexen von Nordamerika-, Cirrus- und Schmetterlingsnebel zeigt, erscheint im Röntgenbild darunter eine ausgedehnte Bogenstruktur, die einen großen Teil der linken Bildhälfte einnimmt. Sie beginnt etwa im Bereich von Sadr, dem Bruststern des Schwans, spannt einen großen Bogen über Deneb hinaus und erreicht fast das Cirrusnebelgebiet.

Wie könnte diese als Cygnus Superbubble (CSB) bezeichnete riesige Aushöhlung, die immerhin eine Ausdehnung von 13×18 Grad erreicht, entstanden sein? Schon kurz nach der Entdeckung vor über 30 Jahren sprach man von mehreren Supernovae oder einer Hypernova-Explosion.  Ein japanisches Forscherteam hat aktuell basierend auf alten Röntgendaten die Plasmatemperatur der Superblase zu 2,5 Millionen Kelvin berechnet und kam zu dem Schluss, dass sie sich in der selben Entfernung wie die bekannte Cygnus-OB2-Assoziation, ein versteckter massereicher Sternhaufen, befinden könnte. Diese Sternansammlung, die ihrerseits mitten in der Cygnus-X-Sternentstehungsregion steckt, ist auch auf der Röntgenkarte im westlichen Bereich der CSB-Struktur zu erkennen.

Über die 2 bis 3 Millionen Jahre, die seit der Entstehung der Cyg-OB2-Assoziation vergangen sind, könnten zwar die Sternriesen mit ihren starken Winden eine derartige Aushöhlung schaffen, doch problematisch ist dabei die nicht zentrale Position des Sternhaufens. Aus diesem Grund halten auch die japanischen Astronomen in ihren neuen Arbeit die Hypernova-Theorie als „most likely“ Erklärung. Es könnte ein stellarer Ausreißer, ein sog. Runaway Star, des OB2-Haufens existiert haben, der zentral als Hypernova explodiert ist, was zur Entstehung der röntgenhellen Cygnus Superbubble führte.

20.11.2012

Superjupiter bei kappa And fotografiert?

Bei der Suche nach extrasolaren Planeten mit dem 8m-Subaru-Teleskop wurde ein internationales Astronomenteam auf eine interessante Neuentdeckung im Herbststernbild Andromeda aufmerksam. Im Rahmen des SEEDS-Projekts (Strategic Exploration of Exoplanets and Disks at Subaru), das seit Oktober 2009 läuft, wurde am 01. Januar und 28. Juli 2012 bei dem hellen Stern kappa And ein schwacher Begleiter fotografiert. In der unten gezeigten Juli-Aufnahme beträgt der Abstand zum Stern 1,06 Bogensekunden, was bei einer Entfernung von 170 Lichtjahren rund 55 AE entspricht. Wie die Forscher jetzt berichten, soll es sich bei diesem Objekt um einen Planetenkandidaten handeln.

Nach den Modellannahmen hat der Begleiter des Spektraltyps L5 eine Temperatur von 1.700 Kelvin und besitzt 12,8 Jupitermassen. Damit liegt er an der Grenze zum Deuterium-Brennen, was zwar für einen Braunen Zwerg sprechen würde, doch ausgehend von Massenverhältnis, Abstand zum Stern und mögliches Entstehungsszenario wird dennoch ein Exoplanet für denkbar gehalten. Da sich das fotografierte Objekt im Grenzbereich zwischen Planeten und Braunen Zwergen befindet, bezeichnen die Astronomen ihren Kandidaten als Superjupiter.

Sein Heimatgestirn kappa And – zwischen iota und lambda And gelegen – ist ein 2,5-Sonnenmassen-Stern, 11.000 Kelvin heiß, um die 30 Millionen Jahre alt und kann mit einer Helligkeit von 4,1mag schon mit bloßem Auge über dem Pegasus-Viereck gesehen werden.

NAOJ

19.11.2012


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