Zwei Schwarze Löcher der Superlative entdeckt

Nach den extrem supermassereichen Schwarzen Löchern in NGC 4889 und NGC 3842 (beide 10 Milliarden Sonnenmassen oder mehr) sowie OJ 287 (18 Milliarden Sonnenmassen), könnte nun ein weiteres Schwerkraftmonster dieser Größenordnung entdeckt worden sein. Es wurde in einer Galaxie des 240 Millionen Lichtjahre entfernten Perseus-Galaxienhaufens entdeckt, allerdings befindet es sich wie im Falle der beiden genannten NGC-Galaxien des Virgo- und Leo-Galaxienhaufens nicht in der Zentralgalaxie. Das Massenzentrum des Perseus-Haufens bildet die hellste Galaxie NGC 1275 (Perseus A) am linken Bildrand. Die runde und etwas kleinere Galaxie darüber ist NGC 1278 und dicht über dieser fällt ein schmales und längliches Objekt auf: NGC 1277.

Nach einer heute im Fachmagazin Nature veröffentlichten Untersuchung, soll sich im Zentrum von NGC 1277 ein extrem massives Schwarzes Loch mit 17 Milliarden Sonnenmassen befinden. Mit dieser ungeheuren Masse ist es selbst 50-fach schwerer als das Schwarze Loch in der zentralen Galaxie des Perseus-Haufens, denn jenes in NGC 1275 (Perseus A) soll „nur“ 340 Millionen Sonnenmassen schwer sein.

Die Masse von 17 Milliarden Sonnenmassen ist zwar allein schon rekordverdächtig, doch die Astronomen sind noch überraschter über das Massenverhältnis zwischen dem Schwarzen Loch und der Heimatgalaxie NGC 1277. Denn die Masse des extremen Schwarzen Lochs beträgt 14% der Gesamtmasse bzw. 59% (typisch sind 0,1%) der inneren Verdichtung der Galaxie! So etwas wurde noch nie beobachtet und könnte sogar zum Umdenken für Modelle zur Galaxienentwicklung führen. Wie konnte ein solches Monster in einer nur 10.000 Lichtjahre großen Milchstraße entstehen?

Außerdem wurde bereits gestern über eine weitere Rekordentdeckung bei einem fernen Schwarzen Loch berichtet. Dabei geht es um Beobachtungen am VLT in Chile, die von ESO-Astronomen im April 2011 und März 2012 an einem nur 19,4mag hellen Quasar im Sternbild Löwe durchgeführt wurden; die Gesamtbelichtungszeit lag bei 7 Stunden. Das Objekt SDSS J1106+1939 hat eine Rotverschiebung von z=3,04 (11,5 Milliarden Jahre Lichtlaufzeit) und befindet sich in der Nähe der Sterne delta und 60 Leo. Anhand einer Schwefellinie im Spektrum untersuchten die Quasar-Forscher den Gasaustrom (engl. Outflow) des fernen leuchtkräftigen Galaxienkerns und fanden den bisher energiereichsten Materiefluss eines Quasars: Er stößt 400 Sonnenmassen pro Jahr aus, bei einer Geschwindigkeit von über 8.000 km/s! Damit ist SDSS J1106+1939 eine zuvor nie gesehene gigantische Energieschleuder. Die Pressemitteilungen der ESO finden sich hier und hier.

ESO/Luis Calçada

29.11.2012

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