Museumsführung als Dankeschön für Bonner Sternfreunde

Als kleines Dankeschön für die Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Museum Bonn und den Bonner Hobbyastronomen gab es für einige Sternfreunde des Köln-Bonner-Astrotreffs (KBA) eine kostenlose Führung durch das naturwissenschaftliche Technikmuseum in der Ahrstraße. Für eine gut zweistündige Museumsführung hatte sich Ralph Burmester, der schon am nächsten Ausstellungsprojekt „Vom selbstgestrickten Beschleuniger zur Weltmaschine“ arbeitet, Zeit genommen. In der Führung erfuhr man u.a. viel Wissenswertes zu Wolfgang Pauls und Hans Kopfermanns Fahrradtour 1945 von Göttingen nach Erlangen inkl. der Geschichte zum Betatron-Beschleuniger, über die Entwicklung der MP3-Kodierung und des Airbags, dessen Zündprinzip von der Feststoffrakete stammte und von dem Donald-Duck-Patent (ganz unten) zur Schiffsbergung.

Kunst am Teilchenbeschleuniger fand man auf der unteren Etage vor. Unter dem Röntgenhimmel bzw. zwischen Neutrinodetektoren und dem 1958 in Betrieb gegangenen Bonner 500-MeV-Synchrotron waren Bilder für eine Auktion aufgestellt. Die Bilder aus der kurzen Her(t)zstücke-Ausstellung, die ich nebenan im Wissenschaftszentrum Bonn gesehen hatte, sollten nun im Museum am Samstagnachmittag für den guten Zweck versteigert werden.

Herr Burmester erklärte detailiert die Funktionsweise des Ringbeschleunigers, der von Wolfgang Paul konstruiert wurde und das erste Elektronensynchrotron Europas war. Die Idee zu einer solchen Maschine kam ihm 1952 beim Besuch eines Kolloquiums in Göttingen, als er in einem Vortrag von Werner Heisenberg etwas von der sog. starken Fokussierung hörte. Heisenberg dazu: „Da bahnt sich was an, was für die Zukunft wichtig werden kann.“ So entstand schließlich dieser Teilchenbeschleuniger in Westentaschenformat. Außerdem wurde verraten, dass die für November 2013 angekündigte nächste Sonderausstellung den Nobelpreisträger Paul und seine Bonner Maschine zum Thema haben wird.

Im letzten Teil der Museumsführung ging es natürlich noch in die Heinrich-Hertz-Sonderausstellung „Vom Funkensprung zur Radiowelle“, die nur noch sieben Wochen lang zu sehen ist.

Heinrich Hertz, der zwei Jahre lang von Ende 1886 bis Ende 1888 verschiedene Experimente zum Nachweis der Maxwell’schen Lichtwellen durchführte, erhielt direkt im Dezember 1888 einen Ruf an die Universität Bonn; im selben Monat erschien auch seine Arbeit „Über Strahlen elektrischer Kraft“. Da seine Versuchsanordnungen in Karlsruhe bleiben mussten, baute sie der handwerklich geschickte Physikprofessor in Bonn nach. Beispielsweise auch den Parabolspiegel mit Sende- und Empfangsantenne sowie dem Polarisationsgitter, außerdem …

… noch kreisförmige Detektoren (unten sind die Funkenstrecken erkennbar), mit denen er die Wellenlänge ermitteln konnte.

Vor den Rahmendetektoren ist auch eine Hertz’sche Quecksilber-Batterie ausgestellt, dahinter ist das Forschungsgebiet zu sehen, mit dem er sich in Bonn befasst hat. Neben der Arbeit an dem Werk „Die Prinzipien der Mechanik“, das posthum durch seinen Assistenten Philipp Lenard veröffentlicht wurde, arbeiteten beide Physiker ab 1891 mit Kathodenstrahlen, die …

… sich magnetisch ablenken lassen.

Rechts ist eine Kathodenentladungsröhre von Hertz zu sehen, die Lenard 1892 mit dem nach ihm benannten Lenard-Fenster versehen hat, so dass sich erstmals Kathodenstrahlen außerhalb der Hauptröhre und damit unabhängig vom Entladungsvorgang untersuchen ließen. Links ist die sog. „Kathodenstrahlröhre nach Lenard“ zu sehen, die nach Lenards Vorgaben von der Glastechniker-Firma Müller-Unkel in Braunschweig hergestellt und vertrieben wurde. Letztere hat sich Wilhelm Conrad Röntgen im Mai 1894 angeschafft und erkundigte sich auch bei dem Bonner Privatdozenten und späteren Nobelpreisträger Lenard, dem Erfinder. Auch wenn er dicht dran war, Philipp Lenard hat leider ebenso wenig die Röntgenstrahlen wie die negative Ladung der Kathodenstrahlen entdeckt, obwohl er seine Experimente gleichwertig mit Perrins Versuchen fand.

Ein Dank für die sehr interessante Führung und die Begleitpublikation geht an Ralph Burmester vom Deutschen Museum Bonn.

Übrigens: Am 13. Dezember folgt schon der nächste Vortrag zur Hertz’schen Sonderausstellung.

26.11.2012

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