Archiv für Juni 2012



9,0mag-Nova im Schützen entdeckt

Wie eben vor einer halben Stunde getwittert wurde, ist gestern von zwei japanischen Amateurastronomen ein weiterer Nova-Kandidat entdeckt worden. Er befindet sich im Sternbild Schütze nur 4° nordwestlich des Lagunennebels M 8 an der Position 17 52 25.79 -21 26 21.6. Weitere Infos und Bilder finden sich hier. Vergangene Nacht erreichte die Nova-Helligkeit bereits die 9. Größe, wer also klaren Himmel hat …

27.06.2012

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Vier Billionen Kelvin: World’s Hottest Guinness Record

Im Februar 2010 wurde bekannt gegeben, dass die Teilchenphysiker am RHIC-Teilchenbeschleuniger bei Kollisionen von Goldatomkernen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit eine rekordverdächtige Temperatur von vier Billionen Kelvin (4x10e12) gemessen haben. Bei solch enormen Temperaturen lösen sich Protonen und Neutronen auf und es entsteht ein Quark-Gluon-Plasma, wie es für einen winzigen Sekundenbruchteil nach dem Urknall existierte.

Wie nun heute vielfach berichtet wird, haben es die vier Billionen Kelvin jetzt als „Highest man-made Temperature“ ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft. Aber die CERN-Kollegen am LHC sind sich bereits sicher, dass sie diesen Rekord mit ihrem Teilchenbeschleuniger knacken werden. Immerhin erreichen sie eine 3x höhere Energiedichte, was eine 30-prozentige Temperatursteigerung bedeutet.

27.06.2012

Bredekamps „Sidereus Nuncius“-Exemplar in Fälschungsskandal verwickelt?

Seit sieben Jahren ist der Name Horst Bredekamp mit einem in New York aufgetauchten Exemplar von Galileo Galileis „Sidereus Nuncius“ verbunden. Mit dieser in einem Antiquariat gefundenen Ausgabe beschäftigte sich der Berliner Kunsthistoriker seit dem Sommer 2005 und es war bald klar, dass es sich hier um einen außergewöhnlichen Fund handeln muss. Die Besonderheit dieses Buches lag darin, dass es – dafür sprachen eingehende Untersuchungen – von Galileis Hand selbst eingefügte farbige Tuschezeichnungen zeigte. So wurde minutiös die Druckgeschichte des im Frühjahr 1610 entstandenen Büchleins „Sidereus Nuncius“ aufgedeckt.

Im Jahr 2007 wurden die Ergebnisse in Buchform veröffentlicht: „Galileo der Künstler: Der Mond. Die Sonne. Die Hand.“; 2009 erschien die zweite Auflage. Das Time Magazine beschrieb diesen Fund der von Galilei persönlich eingefügten Zeichnungen sogar als „the most important Galileo find in more than a century“. Zuletzt berichtete Kunsthistoriker Bredekamp mit einem neuen Artikel in der SuW von Januar 2012 über „Galileos O“.

Wie jetzt allerdings bekannt wurde, könnte sich nun Bredekamps New Yorker Exemplar des „Sternenboten“ tatsächlich als Fälschung herausstellen und ist in einen handfesten Fälschungsskandal verwickelt. Mehr zu den Hintergründen wurde heute bereits hier bei „Skyweek 2.0“ gebloggt.

26.06.2012

Ein „Konzertsaal“ zwischen zwei Radioteleskopen

Wie schon vor einem Monat, als das Weltraumradar im Wachtberger „Golfball“ zu einem experimentellen Jazzkonzert einlud, kamen gestern Nachmittag viele Musikbegeisterte in das Eifeldorf Effelsberg zum 100m-Radioteleskop. Denn anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Effelsberger Riesenradios war es quasi der 3.200 Tonnen schwere Ehrengast und bot selbst eine ungewöhnliche Kulisse für einen besonderen Konzertabend mit einem sinfonischen Blasorchester. Ein gesprächiger Parkeinweiser sagte mir, dass es fast 400 Anmeldungen gab. Zu Fuß ging’s für mich die Zufahrtsstraße entlang und da lugte auch schon die riesige Schlüssel zwischen den Bäumen hervor. Sogar ein Reisebus mit Solinger Kennzeichen parkte hier; es war natürlich das „Orchester-Taxi“.

Wegen des schlechten Wetters fand das geplante Open-Air-Konzert leider überdacht statt. Im Konzertzelt, das zwischen den kleinen LOFAR-Antennen und dem großen 100m-Radioempfänger aufgestellt war, war das mit knapp 70 Musikern voll besetzte Orchester mit zwei Harfen, Pauken und natürlich allerhand Blasinstrumenten gerade bei der Generalprobe. Die große Plastikbox war übrigens randvoll mit Leselampen für die Notenständer.

Danach hieß es erstmal warten bis 18:30 Uhr. Für Pauken, Fagott, Klarinetten, Oboen, Querflöten, zwei Harfen, vielen Hörnern und allerhand sonstigen Blechblasinstrumenten standen „Die Planeten“ des Komponisten Gustav Holst auf dem Konzertprogramm, und als Abschluss sollten noch einzelne bekannte Titel der Star Wars-Saga folgen. Das bekannteste Werk des Engländers Holst ist fast so alt wie der Orchesterverein aus Hilgen selbst, der dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert.

Und mitten im Notenständer-Wald warteten Fagott, Röhrenglocken und  Blechbläser.

Während sich die zahlreichen Gäste im Zelt einfanden, füllte sich langsam auch die Bühne mit den Musikern – jetzt alle schön in schwarz-weiß gekleidet. Die Instrumente wurden gestimmt.

„Wir hören in das Universum.“ So stellte Prof. Michael Kramer, einer der Direktoren des MPIfR in Bonn, hinsichtlich des musikalischen Abends den Vorteil der Radioastronomen gegenüber den Kollegen an den optischen Instrumenten vor. Damit leitete er seinen Kurzvortrag zu dem Effelsberger Teleskopgiganten, der mit 100 Meter Durchmesser den zweitgrößten vollbeweglichen Radioempfänger besitzt, ein. Im Jahr 2000 wurde er leider nur um ein paar Meter von dem neuen GBT-Radioteleskop in West Virginia übertrumpft. Im Frühjahr 1971 hatte der weiße Technikkoloß bereits sein First Light – ein Supernovaüberrest nördlich von Deneb -, nach folgenden Testbeobachtungen wurde schließlich im Sommer 1972 offiziell der Messbetrieb aufgenommen.

40 Jahre liegen nun hinter dem Radioteleskop Effelsberg. Da stellt sich durchaus die Frage wieviel Energie der riesige Reflektor in dieser Zeitspanne empfangen hat. Laut Kramer, der aufgrund seiner Arbeit mit Pulsaren als Testobjekte zur Relativitätstheorie eine Krawatte mit Einstein-Konterfei trug, sind es „Pi mal Daumen zehn millionstel Watt“.

Es gab aber nicht nur trockene Zahlen und Fakten, so wurde mit Pulsar-Hörbeispielen bereits auf den musikalischen Abend eingestimmt. Zuerst waren es die „Bongospieler“-Rhythmen langsamer Neutronensterne – z.b. des Krebspulsars -, es folgten die mit 700 Hz hochfrequenten Millisekundenpulsare mit gleichbleibendem Ton ohne Peaks und selbst ein Flug durch einen Kugelsternhaufen mit 20 solcher Pulsare wurde eingespielt. Zu hören gab es auch die neueste Entdeckung der Effelsberger Radioastronomen, denn erst letzte Woche wurde hier von einem Studenten ein neuer schneller Pulsar gefunden. Nach zu hörenden Schallwellen in der heißen strahlungsdominierten Anfangsphase des Kosmos und den an R2D2 erinnernden zwitschernden Radiolauten von Jupiter, der mit seinem Mond Io interagiert, betrat endlich mit dem Taktstock in der Hand der Dirigent die Bühne.

Und mit den ersten vier Stücken aus Holsts Planeten-Komposition begann der Konzertabend. Schon die filmreife Spannungsmusik des Planeten-Openers Mars zeigte unverkennbar Holsts Einfluss auf moderne Filmmusik-Komponisten wie John Williams oder Danny Elfman, dessen Thema aus Ang Lees Hulk deutlich rauszuhören war.

Während andere sich in der Pause bei Nieselregen mit Regenschirm bewaffnet mit Snacks und Getränken versorgten, hab ich vom LOFAR-Areal – der Weg da durch hat sogar einen Namen – ein paar Bilder zusammen mit dem überdachten weißen „Konzertsaal“ und dem 100m-Radioteleskop gemacht.

Der Dirigent und die Musiker warteten schon.

Mit den Planeten Saturn, Uranus und Neptun wurde Holsts Komposition vervollständigt. Pluto bleibt unerwähnt, da er erst kurz vor Holsts Tod entdeckt wurde und, wie der Dirigent richtig bemerkte, auch kein Planet ist. Im Anschluss folgten noch einige allseits bekannte Titel aus Stars Wars und als Zugabe wurde das Hauptthema aus Out of Africa gespielt. Für diesen wunderbaren Konzertabend folgten vom Publikum rauschender Beifall und massenhaft Standing Ovations.

Bis auf die Stühle war schon nach 10, 15 Minuten die Bühne leer, die Harfen wurden in Autos verladen und auch die vier Pauken waren bereits abfahrbereit.

Unterwegs zum Haupttor wurde der weiße Riesenreflektor geschwenkt, so dass ich noch ein paar Natur-und-Technik-Fotos machte.

Nach der Fahrt aus dem kleinen Eifeltal hatte man von Effelsberg einen wundervollen Blick auf das zwischen den Hügeln hervorlugende Riesenteleskop im Abendlicht und auf die letzten Sonnenstrahlen inmitten eines malerischen Farbenspiels.

25.06.2012

Astronomie in Hamburg gestern und heute – Teil 2

Nichts erinnert mehr an die jahrhundertelange Astronomiegeschichte Hamburgs, ihre Wurzeln sind längst aus der Stadt verschwunden. Sowohl die 1722 von Johann Beyer im sog. Steerenkiker-Huus/Steerenkiekerhus eingerichtete Privatsternwarte, als auch das benachbarte Baumhaus, in dem Johann Georg Büsch ab 1790 astronomische Beobachtungen durchführte, gibt es nicht mehr. Auf dem Gelände des heutigen Sintfangs, wo Johann Georg Repsold 1802 eine kleine Fachwerkhütte als Sternwarte errichtete, während er in einem alten Artillerie-Wachthaus wohnte, steht eine Jugendherge, auf dem Grundstück der ehemaligen Sternwarte am Millerntor befindet sich heute das HamburgMuseum, auch die dazu gehörende Zeitball-Anlage auf dem Kaiserspeicher ist nicht mehr und selbst Heinrich Schumachers Observatorium in Altona ist neu bebaut worden. Sogar das Wandsbeker Schloss, in dem der berühmte Astronom Tycho Brahe ab 1597 für fast ein Jahr wohnte, bevor er nach Prag ging, existiert nicht mehr; es läge heute im Wandsbeker Zentrum.

Wenn man also Astronomie in Hamburg sucht, bleibt heute nur ein Besuch der 1912 fertiggestellten Sternwarte in Bergedorf. Und ich hatte das Glück, dass sie heute vor zwei Wochen während meines Städtetrip-Wochenendes zu ihrem 100-jährigen Bestehen zum Tag der offenen Tür einlud. Neben dem Teleskoppark freute ich mich auf die Ausstellungen im Hauptgebäude, doch ich musste erstmal feststellen, dass dafür leider kein Personal abgestellt wurde. Eine nette Mitarbeiterin hat dann extra für uns zwei die Tür zu Bernhard Schmidt aufgeschlossen. Ein Tisch ist mit vielen Originalen – den Hut etwa findet man  hier wieder – hergerichtet und zeigt ein Modell seiner Spiegelschleifmaschine.

1916 entstand aus einem an die Sternwarte Bergedorf gerichteten Brief, dem Schmidt Himmelsaufnahmen mit 31 Meter Brennweite beifügte, sofort eine enge Zusammenarbeit mit den Hamburger Astronomen. 1926 zog der „große Zauberer“ aus seiner „Hexen-Küche“ in Mittweida schließlich komplett nach Hamburg und hatte hier als freiwilliger Mitarbeiter im Keller des Hauptgebäudes seine Werkstatt.

Auch ein Modell des Großen Schmidtspiegels mit einem 1,2m-Spiegel, der Ende 1954 sein First Light hatte, ist hier zu sehen. Heute steht das Teleskop in Spanien im Calar-Alto-Observatorium und ist seit 2000 außer Betrieb.

Vom ehemaligen Schmidtspiegel-Gebäude hat man heute einen Blick auf Bernhard Schmidts Grab. Der „Per Aspera“-Schriftzug ist schon etwas abgenutzt.

Außer dem kleinen Schmidt-Museum gibt es im Hauptgebäude im oberen Flur weiter reichlich Hamburger Astronomiegeschichte. Dort steht z.b. ein Modell des 1825 fertiggestellten Repsold’schen Observatoriums am Millerntor.

30 Jahre später erhielt es einen zusätzlichen Turmanbau, dessen Kuppel heute das einzige ist, was von diesem Gebäude übrig geblieben ist, denn sie ist komplett mit Teleskop und Beobachterfahrstuhl nach Bergedorf umgezogen.

Daneben steht das mannsgroße und sehr detaillierte 1:10-Modell der Zeitball-Anlage, die 1876 auf dem Turm des Kaiserspeichers in Betrieb ging und durch ein tägliches Zeitsignal von der Millerntor-Sternwarte gesteuert wurde. Wie in Teil 1 zu meinem Städtetrip berichtet, entsteht an der Stelle des ehemaligen Kaispeichers an der Kehrwiederspitze die Elbphilarmonie.

Neben reichlich Infopostern an den Flurwänden und im Treppenhaus liegt in einer Vitrine das älteste Objektiv der Hamburger Sternwarte. 1819 wurde auf Repsolds Auftrag hin diese 108mm-Linse in Fraunhofers Werkstatt in Benediktbeuern hergestellt. Vermutlich ging seine Bestellung auf einen Brief zurück, in dem Fraunhofer ihm im März 1819 über einen „neuen Apparat“ mit 108mm Öffnung und 1,6m Brennweite schrieb, mit dem er „die Natur des Lichtes der Fixsterne“ studierte und damit z.b. helle Sterne wie Sirius, Beteigeuze und Kapella beobachtete.

Weitere interessante Kleinigkeiten findet man im Vortragsraum unter dem Cafe „Raum & Zeit“ im Besucherzentrum. In Schaukästen ruht hier gleich neben Flamsteeds Katalog u.a. das 1852 veröffentlichte Verzeichnis von Carl Rümker, der ab 1836 auf der Millerntor-Sternwarte 12.000 Sternpositionen vermaß. Dieses Werk war den Bergedorfer Astronomen rund 70 Jahre danach sogar eine Reduktion wert. Dazu wurden 5.000 Sternörter in 860 Nächten mit dem unter einem Tonnendach aufgestellten neuen Meridiankreis erneut vermessen.

Außerdem ist ein Chronometer ausgestellt, den der Hamburger Kaufmann Eduard Lippert, der bereits der Sponsor des Lippert-Astrografen war, 1919 der Sternwarte schenkte und daneben steht ein 1914 gekauftes UV-Triplett-Objektiv mit 3,45m Brennweite von Carl Zeiss Jena.

Was gab’s noch an Kleinigkeiten zu sehen? Beispielsweise diese vor dem Besucherzentrum stehende Mondkuh.

Ich bin eine Spiegelung auf der Sonnenoberfläche, denn natürlich hat das große Gelände auch einen eigenen Planetenpfad zu bieten.

Der nächste Teil führt dann durch das Sternwartengelände von Bergedorf.

23.06.2012

50 Jahre Röntgenastronomie im Okular

22./23. Juni 2012 – Freitag/Samstag

Obwohl jetzt wieder die Milchstraße mit ihren Schätzen in Richtung Schütze lockt, fehlt bei mir gerade in den kurzen Sommernächten manchmal die Muße rauszugehen und den 12-Zöller zu aktivieren. Letzte Nacht hab ich mich dann doch zu einer ungeplanten kleinen Mikroquasar-Spechtelsession zum Thema „50 Jahre Röntgenastronomie“ hinreißen lassen.

Abends gab’s erstmal einen Dämmerungshimmel mit schönen roten Farbtupfern. Die letzten Wolken verzogen sich und anschließend lockte eine sternenklare Nacht, in der ich selbst vom Garten aus gut das Milchstraßenband mit einer auffälligen Schildwolke über dem Schützen sehen konnte.

Hans Geiger hat sich sicherlich nie träumen lassen, dass man einmal seine Erfindung mit Raketen in den Himmel schießt, um außerirdische Röntgenstrahlen zu messen. Wenn er nicht schon 1945 an seinem schweren Rheumaleiden gestorben wäre, hätte er fast 80-jährig vielleicht noch erlebt, wie Mitte Juni 1962 drei Geigerzähler in einer Aerobee-150-Rakete in eine erhellte Vollmondnacht starteten. Eigentlich sollten sie Röntgenstrahlen vom Mond detektieren, wie weitere Flüge jedoch bestätigten, fanden sie stattdessen ein viel weiter entfernteres Objekt im Skorpion. Nach der Sonne war Sco X-1 die zweite bekannte astronomische Röntgenquelle und tatsächlich handelt es sich hier um die stärkste Röntgenquelle am Himmel überhaupt.

Kurz vor Mitternacht tastete ich mich schon mal mit einem 10×50 an die richtige Stelle etwa 11° nördlich von Antares. Punkt halb 1 hatte ich dann Sco X-1 im Okular. Naja, es war natürlich nur das optische Gegenstück V818 Sco, um das der Neutronenstern als eigentliche Röntgenquelle kreist. Den Neutronenstern kann man sogar als visueller Beobachter indirekt sehen, denn während seines Umlaufs heizt er die helle Hauptkomponente so auf, so dass es zu periodischen Lichtwechseln zwischen 12,0 und 13,0mag kommt. Bei meiner 10-minütigen Beobachtung konnte ich die Helligkeit zu 12,5mag bestimmen. Übrigens hat Riccardo Giacconi, einer der Entdecker von Sco X-1, vor zehn Jahren den Nobelpreis für Physik erhalten.

Als nächstes peilte ich V615 Cas an. Auch hier wird ein massereicher Stern von einem kompakten Objekt umkreist, dass in diesem Fall bereits als Mikroquasar bezeichnet wird. Ende der 1970er Jahre wurde das Sternsystem als Radioquelle entdeckt und seit ein paar Jahren ist es sogar als TeV-Beschleuniger höchster Energien bekannt. Mit der Aufsuchvergrößerung von etwa 40-fach war von diesem hochenergetischen Objekt im Okular nur ein 10,8mag heller Lichtpunkt zu sehen. In unmittelbarer Nähe steht der Planetarische Nebel WeBo 1, über den ich diese Woche berichtet habe. Hier musste das 9mm-Okular her, aber natürlich sah ich hier nur indirekt den zentralen 14,5mag hellen Riesenstern, in dessen Licht sich ein sehr heißer Weißer Zwerg verbirgt.

Anschließend wollte ich zuerst zur Seyfert-Galaxie IRAS 01072+4954, es ging dann aber doch hoch in den Schwan zur nächsten Röntgenquelle. Direkt in der Nähe von eta Cyg ist Cyg X-1 bzw. der helle Stern HDE 226868 als 8,9mag heller Lichtpunkt schon im Sucher sichtbar, in einer Linie aus zwei gleich hellen Nachbarsternen. So gesehen dürfte es sich hierbei um das hellste Sternsystem mit einem Schwarzen Loch handeln. Bei diesem Mikroquasar wird ein 30.000 Kelvin heißer Überriese von einem Schwarzen Loch mit 15 Sonnenmassen und einer Umlaufperiode von 5,5 Tagen umkreist. 1964 wurde diese Röntgenquelle ebenfalls mit Geigerzählern in einer Aerobee-Rakete entdeckt.

Als Abschluss meiner Mikroquasar-Tour bin ich zu SS 433, dem Prototypen dieser Klasse, im Sternbild Adler. Zumindest wollte ich das, denn offensichtlich hatte sich schon eine gewisse Müdigkeit eingestellt und wer ahnt denn auch, dass SS 433 und SS 443 beide im gleichen Sternbild stehen. So bin ich schließlich beim ungefähr 13,0mag hellen Emissionslinien-Stern SS 443 gelandet.

Mit dem 10×50 war ich zwischendurch noch kurz bei BD+48 740, von dem ich erst ein paar Stunden zuvor eine interessante Arbeit gelesen hatte. Mit dem Fernglas war das Feld zwischen Perseus und Andromeda gut zu finden, der Zielstern steht nur ein halbes Grad südwestlich von theta Per. Bei diesem  8,7mag-Stern handelt es sich um einen lithiumreichen Stern auf dem Riesenast. Aus dieser Eigenschaft und dem Fund eines umkreisenden Planeten auf sehr exzentrischer Bahn schließt man, dass der Riesenstern kürzlich einen Gesteinsplaneten verschlungen haben könnte.

Irgendwann kurz nach 3 – der Nachthimmel hellte sich bereits sichtbar auf – beendete ich meine kleine Beobachtungsrunde im Garten. Auf den „kaputten Jupiter“ wollte ich dann doch nicht mehr warten. So habe ich in dieser Nacht zwar nur wieder Lichtpunkte beobachtet, aber es macht einfach Spaß bei einigen Sternen aus diesem unendlich großen Meer voller Sonnen mal genauer hinzusehen. Dann werden im Okular aus bloßen Punkten kochende Kugeln aus Gas, Plasmawelten mit unvorstellaren Eigenschaften und unerreichbare Physiklabore, die man sogar mit einem Geigerzähler „sehen“ kann. Denn wie heißt es bei „Fringe“ so schön? „Benutzen sie ihre Fantasie.“

23.06.2012

Wird Higgs-Entdeckung in zwei Wochen bestätigt?

Einiges deutete letzten Sommer (Zusammenfassung aus Dezember) darauf hin, dass sich hinter einem mit dem ATLAS- und CMS-Detektor am LHC entdeckten Signal bei 125 GeV das langgesuchte Higgs-Boson versteckte. Doch bevor man voreilig von einer richtigen Entdeckung sprach, wollten die Teilchenphysiker erst auf Nummer sicher gehen und erhöhten die TeV-Energien am LHC. Nun brodelt seit ein paar Tagen wieder die Gerüchteküche um das verdächtige 125-GeV-Signal. Zuversichtlich bloggt ein Physiker sogar schon: „Higgs Discovery Announcement July 4“. In zwei Wochen findet nämlich in Melbourne eine Konferenz statt, auf der auch die neuesten LHC-Daten vorgestellt werden sollen. Und vielleicht wird es dann tatsächlich ein denkwürdiger Tag für die CERN-Physiker. Immerhin stellt er ein gutes Omen dar, denn damals im Jahr 1984 war es ebenfalls ein Mittwoch, 04. Juli, als sie die Entdeckung des Z-Bosons bekannt gaben.

22.06.2012


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